Bunker, die Vielseitigen

Datenherkunft: (Wikipedia)+(Bilder aus der Geschichte und Besuche)

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Vorgeschichte

Der Begriff «Bunker» stammt vermutlich aus England und waren grosse Behälter zur Aufnahme von Massengütern (z. B. Kohle, Erz, Getreide) auf Schiffen. In salopper Soldatensprache bedeutet es auch Gefängnis. Auch im Golfsport wird der Ausdruck für eine vertiefte sandbedeckte Mulde als Spiel-Hindernis verwendet.

Als Bunker werden auch schützende Bauwerke bezeichnet, die die Insassen oder die Umgebung vor direkter Gefährdung bewahren. Hierzu gehören die direkte Einwirkung von Waffen, der Schutz von Personen vor Gefahrstoffen beziehungsweise die Eindämmung von Gefahrstoffen. Ihre Schutzwirkung wird in verschiedenen Schutzklassen klassifiziert.

Historisch gesehen wurden Bunker aus verschiedenen Materialien erbaut. Ursprünglich waren es Blockhäuser, die aus Holz gefertigt und vor allem temporärer Natur waren. Im Ersten Weltkrieg entwickelte sich daraus die Pillbox, die mit Schießscharten ausgestattet war und insbesondere Schutz für Maschinengewehrschützen bot. Mit dem Aufkommen von Brisanzgranaten, Schnellfeuergeschützen und Luftangriffen im Ersten Weltkrieg wurden robustere Materialien benötigt. Stahlbeton erwies sich als ideales Material für den Bunkerbau.

Militärische Bunker haben den Zweck, die eigenen Stellungen zu festigen und einen Angriff des Gegners zu erschweren. Sie können als Verteidigungsanlage, als Unterstand für Kriegsgerät (U-Boot-Bunker, Flugzeugkavernen) oder als Kommandozentrale dienen. Zivile Bunker hingegen sollen die Bevölkerung schützen.

Bunker sind meist aus Beton und Stahl erbaut, in vielen Fällen zusätzlich mit Erdreich abgedeckt, die Bezeichnung wird aber auch für in natürlichen Fels getriebene Stollen verwendet. Auch Kombinationen aus beiden Bunkertypen wurden errichtet.

Zivile Bauwerke, welche dem Zivilschutz dienen, erfüllen im Normalfall meist andere Funktionen und werden deshalb nicht als Bunker bezeichnet. Häufig werden Tiefgaragen, U-Bahn-Stationen etc. genutzt, die im Verteidigungsfalle als Schutzräume hergerichtet werden.

 

Anstelle der an strategischen Punkten angelegte Befestigungen wie Burgen, befestigte Städte oder grosse Festungswerke sind vor allem in der Zwischenkriegszeit durchgängige Grenzbefestigungen entstanden. Diese Befestigungs-Wälle waren mehrschichtige Abwehrlinien aus Kampfbunker und Unterstände, die vielerorts unterirdisch oder mit Gräben verbunden waren. Dazu Panzersperren die mit flankierenden Panzerabwehrstellungen in Bunkern abgedeckt waren. In Europa wurden diverse solche «Linien» gebaut. Die Geschichte zeigt, dass jede dieser Linie, die angegriffen wurde, es auch mehr oder weniger schnell gelang diese zu durchbrechen. Das bekannteste Beispiel ist der von den Deutschen erstellte Atlantikwall, der an einem Tag an mehreren Stellen «geknackt» wurde. Siehe auch «Sperrstelle, als Teil eines grossen Ganzes». Wird zu einem späteren Zeitpunkt auf dieser Webseite erstellt.

 

Nach dem Ende des Kalten Krieges wurden in Europa viele Bunker als entbehrlich eingestuft und ihre Wartung / Instandhaltung beendet. Eine Beseitigung der äusserst massiven Betonkonstruktionen ist jedoch sehr schwierig, insbesondere wenn eine Sprengung wegen benachbarter Bauten nicht in Frage kommt. Durch die extremen Wandstärken, die den nutzbaren Innenraum stark verkleinern, und die naturgemäss fehlenden Fensteröffnungen ist eine Nutzung etwa zu Wohnzwecken meist unmöglich oder zumindest nicht mit vertretbarem Aufwand zu realisieren. Daher wird meist vergeblich nach einer neuen Verwendung für Bunkerbauten gesucht. Andererseits ist es auch ein Anliegen der Denkmalpflege, historische Bunker als Geschichtszeugnisse möglichst zu erhalten.

104_001/Mittelarterliche Burgruine von La Roche-en-Ardenne
104_002/Muster einer Pillbox (Museum)

Typen

Bunker werden hauptsächlich in zwei Typen unterteilt, den Hochbunker und den Tiefbunker. Entscheidend für den jeweiligen Bunkertyp ist zumeist die Infrastruktur. Hochbunker werden vor allem im urbanen Bereich, Tiefbunker vorrangig in ländlichen Räumen errichtet. Der Hochbunker stört weder Abwasser- noch Verkehrssysteme. Weiter kann aus einem Hochbunker heraus das umliegende Gelände beobachtet und dort gegebenenfalls ein Gegner bekämpft werden. Sie können auch als Basis für Flugabwehr- oder sonstige Geschützstellungen dienen. Bekannteste Beispiele für Hochbunker sind die Flaktürme von Berlin, Hamburg und Wien oder die U-Boot-Bunker von Lorient, La Rochelle oder St. Nazaire in Frankreich.

Tiefbunker werden häufig gebaut, um einer Kommandozentrale oder anderen sensiblen Einrichtungen höchstmöglichen Schutz zu bieten (Strategischer Führungsbunker). Bekannte Beispiele hierfür sind:

  • die Einrichtungen des NORAD in den USA
  • der frühere Regierungsbunker der Bundesrepublik bei Bad Neuenahr-Ahrweiler
  • der für Adolf Hitler gebaute Führerbunker auf dem Gelände der Neuen Reichskanzlei in Berlin
  • die im Obersalzberg – unter Hitlers Landhaus „Berghof“ – gebaute Bunkeranlage
104_003/Flugzeug Bunker
104_004/Führungsbunker USA

Luftschutzbunker

Luftschutzbunker wurden vor allem in der Zeit des Zweiten Weltkriegs gebaut. Üblich waren sowohl Hoch- als auch Tiefbunker. Eine spezielle Form sind die im Deutschen Reich in mehreren Grossstädten gebauten Flaktürme, welche Schutzfunktion und aktive Verteidigung durch Flugabwehrgeschütze verbanden. Weitere Beispiele für Hochbunker sind die sogenannten Winkeltürme, benannt nach ihrem Erfinder Leo Winkel.

In London wurden während des Zweiten Weltkriegs zum Schutz vor deutschen Luftangriffen eine Reihe von Stationen der Londoner U-Bahn zu Luftschutzbunkern umgebaut und 1942 in Dienst genommen. Die Tunnel sollten auf zwei Ebenen je 8000 Personen Schutz bieten. Tatsächlich wurden fünf dieser Tiefbunker 1944 für die Bevölkerung geöffnet: Stockwell, Clapham North, Camden Town, Belsize Park und Clapham South. Der Goodge-Street-Bunker wurde als Führungsbunker für das Hauptquartier von General Eisenhower und der Chancery-Lane-Bunker als Telekommunikationszentrale genutzt. Dieser Tunnel diente nach dem Krieg noch als atombombensicherer Regierungsbunker weiter.

Ebenfalls, hauptsächlich zum Schutz vor Luftangriffen, wurden die Cabinet War Rooms Ende der 1930er Jahre für die britische Regierung gebaut.

104_005/104_005 Hochbunker der Bauart Winkel in Gießen
104_006/Berlin Mitte, auf dem Dach ein modernes Penthouse als Nachnutzung
104_007/Flackbunker mit integriertem Zivilbunker (damals noch ohne Fenster)
104_008/Als Kirchenbunker werden Hochbunker bezeichnet, die architektonisch Kirchengebäuden nachempfunden sind

Bekämpfung

Die Konstruktion von Bunkern machte seit dem Festungsbau erhebliche Fortschritte, ebenso die Bekämpfung solcher Anlagen. Bunkerbrechende Waffen sind meist aus speziell gehärtetem Stahl gefertigt und damit in der Lage, tiefer in Boden oder Beton einzudringen. Die zeitverzögerte Explosion des Sprengkopfes reisst anschliessend die Bunkerwand auseinander. Atomare Sprengköpfe, die für einen solchen Einsatz gedacht sind, werden durch einen vorgelagerten Penetrator geschützt. Dieser dringt vor dem Sprengkopf in die Erde ein und bereitet so den Weg für die Sprengung in einiger Tiefe. Dabei ist der Effekt der Explosion naturgemäss deutlich gravierender als bei einem konventionellen Sprengkopf.

Nichtmilitärische Bunkerbauten

Bunker im oben beschriebenen Sinne als massive, explosionsgeschützte Bauwerke werden auch für nicht-militärische Anwendungen errichtet. Etwa für Sprengversuche, als Kontrollstand für den Start von Raketen (Kontrollbunker) und als Kontrollstand oder Ausführungsort für technische Versuche mit hohem Destruktionspotential. Auch die Sicherheitsbehälter von Kernkraftwerken sind Bunkerbauten. Bauten, in denen hochradioaktive Stoffe gelagert und verarbeitet werden, werden generell als Bunkerbauten ausgeführt.

Ein sogenannter Schleuderbunker wird in der Turbinen- und Generatorenfertigung eingesetzt, um die fertigen Produkte auf ihre Stabilität bei der Rotation zu testen. Er soll die Umgebung vor abfallenden Turbinenschaufeln oder geborstenen Wellen im Falle von Materialversagen schützen.

104_009/Panzerabwehrbunker als Chalet getarnt (Schweiz)
104_010/Artillerie-Beobachter-(Feuerleitstelle der Batterie Longues sur Mer)
104_011/Bunkermuseum Todt Frankreich
104_012/U-Boot-Bunker Bordeaux
104_013/Das Fort Douaumont, bekanntestes Festungswerk im Festen Platz Verdun
014_014/Startbasis der V2 gegen England, konnte aber nie in Betrieg genommen werden