Treibstoffproduktion 2. Weltkrieg

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Wie wichtig war Öl im Zweiten Weltkrieg?

(Beitrag von Keith Miller)

Lassen Sie mich mit einer kurzen Geschichte beginnen. Der grosse Panzerkommandant – George S. Patton – fand auf die harte Tour heraus, wie wichtig Öl (in Form von Benzin) für die Kriegsanstrengungen ist. Seine Panzer bewegten sich so schnell, als sie sich der Seigfried-Linie näherten, dass sie alle kein Benzin mehr hatten. Um den feurigen General so schnell wie möglich mit mehr Treibstoff zu versorgen, musste er aus der Normandie eingeflogen werden.

Es könnten jedoch noch viele weitere Geschichten ähnlicher Art erzählt werden. Die Wahrheit ist – Öl war das unverzichtbare Produkt für die alliierten Kampagnen auf der ganzen Welt. Ohne sie hätte der Zweite Weltkrieg niemals gewonnen werden können. Nachdem Öl auf verschiedene Weise verarbeitet oder raffiniert worden war, wurde es zur Quelle oder zum unverzichtbaren Material für das Verlegen von Landebahnen, die Herstellung von Toluol (der Hauptbestandteil von TNT) für Bomben, die Herstellung von Synthesekautschuk für Reifen und das Destillieren von Benzin (insbesondere bei 100 C) -octane level) zur Verwendung in Lastkraftwagen, Panzern, Jeeps und Flugzeugen. Ganz zu schweigen von der Notwendigkeit von Öl als Schmiermittel für Waffen und Maschinen.

Um das gesamte Öl oder zumindest den grössten Teil davon für die alliierten Kriegsanstrengungen bereitzustellen, baten die Vereinigten Staaten amerikanische Ölkonzerne um Hilfe, die alle, ohne zu zögern, auf die Herausforderung reagierten. Um das zu erreichen, wovon jeder in der Regierung wusste, dass es sich um eine Nachfrage nach Öl in beispiellosen Mengen handeln würde, war viel Organisation erforderlich. Bereits am 28. Mai 1941, noch vor dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor, setzte Präsident Franklin D. Roosevelt am 2. Dezember 1942 mit einem Schreiben, das offiziell als „Petroleum Administration for War (PAW)“ bekannt wurde, das Amt des Präsidenten Roosevelt ein sehr fähiger Harold L. Ickes, der Innenminister gewesen war. Ickes wählte kurz nach seiner Ernennung 72 Führer der amerikanischen Ölindustrie für den Petroleum Industry Council for National Defense aus, der später als Petroleum Industry War Council (PIWC) bekannt wurde. Interessanterweise hielt die PIWC am Tag nach Pearl Harbor ihr erstes Treffen ab, „eines der grossen Zufälle der Geschichte“ (wie Ickes in seinem schönen Buch „Fightin ‚Oil“ darauf hinwies).

Ickes ‚rechte Hand aus dem Ölgeschäft wurde Ralph K. Davies, Vizepräsident von Standard Oil of California, den Ickes zum Deputy Petroleum Coordinator ernannte. Diese Ernennung von Ickes zusammen mit einem Treffen von 1’500 einflussreichen Ölmännern zerstreute jegliche Zweifel an der Bereitschaft von Ickes (der vor dem Krieg einige harte Urteile in Bezug auf die amerikanische Ölindustrie gefällt hatte), uneingeschränkt mit Führern der Ölindustrie und ihren Unternehmen zusammenzuarbeiten. gross und Klein. Tatsächlich pflegten Ickes und Davies zusammen mit dem gesamten amerikanischen Ölgeschäft eine freundschaftliche Arbeitsbeziehung, die während des Zweiten Weltkriegs andauerte.

Der Weltraum wird keine erschöpfende Aufarbeitung der Mittel und Wege ermöglichen, mit denen die nationale Regierung und die Erdölindustrie die Kriegsbedürfnisse im Zusammenhang mit Erdöl befriedigt haben, aber es ist möglich, sich auf Folgendes zu konzentrieren: die Herstellung von Toluol; die Ausgabe von synthetischem Kautschuk; die Raffination von Rohöl zu riesigen Mengen Benzin, einschliesslich Benzin mit 100 Oktan; und die Verlegung der Big-Inch- und Little-Big-Inch-Pipelines.

Toluol war jahrelang ein Nebenprodukt des Kokereibetriebs gewesen, doch 1933 kündigte die Standard Oil Development Company eine Labormethode zur Herstellung aus Öl an. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs war der Prozess perfektioniert. Während des Krieges produzierte Humble Oil & Refining Company, eine Tochtergesellschaft von Standard Oil aus New Jersey, durch den Betrieb der Baytown Ordnance Works, die sich in staatlichem Besitz befand, fast die Hälfte der US-Toluolversorgung. Der grösste Teil des Restes stammte von Shell Oil. Um genau zu sein: Von 1940 bis 1945 produzierten amerikanische Ölkonzerne insgesamt 484’282’000 Gallonen Toluol, davon 239’282’000 aus den Baytown Ordnance Works (49,4 Prozent der Gesamtmenge) und 72’735’000 Gallonen aus Shell (15,0 Prozent).

Von entscheidender Bedeutung für die alliierte Verfolgung des Zweiten Weltkriegs war auch die Herstellung von Synthesekautschuk. Dies musste erreicht werden, da die Japaner bei der Besetzung der niederländischen Ostindien-Inseln 90 Prozent der weltweiten natürlichen Gummivorräte kontrollierten. Für die Herstellung von Synthesekautschuk war die Herstellung von Butadien, seinem Grundrohstoff, erforderlich. Die Standard Oil Company aus Louisiana und die Humble Oil & Refining Company, beide Tochtergesellschaften von Standard Oil aus New Jersey, errichteten Werke in Baton Rouge bzw. Baytown. Andere Unternehmen stellten während des Krieges Butadien her, aber keines war wichtiger als die beiden hier genannten Unternehmen, die von 1943 bis 1945 zusammen 29,1 Prozent der gesamten US-amerikanischen Butadienausbeute erbrachten. Hervorzuheben ist, dass die Bemühungen von so effektiv waren Amerikanische Ölfirmen, die synthetischen Kautschuk herstellen, litten zu keinem Zeitpunkt unter Kautschukmangel.

Neben den grossartigen Errungenschaften der amerikanischen Ölkonzerne bei der Herstellung von Toluol und Synthesekautschuk müssen auch die unglaublichen Benzinerträge, darunter 100 Oktan, hinzugerechnet werden. Wenn man erkennt, inwieweit der Zweite Weltkrieg in der Natur motorisiert war, ganz zu schweigen vom Primat der Luftkraft, kann man die Bedeutung einer solchen Kraftstoffproduktion kaum übertreiben. Wie oben angedeutet, übertraf die Produktion amerikanischer Ölunternehmen sogar die Erwartungen der US-Regierung. Zum Beispiel lieferte die Jersey-Unternehmensgruppe zusammen mit den Werken Baytown und Baton Rouge bis zum 1. Juni 1945 2 Milliarden Gallonen 100-Oktan-Kraftstoff (die für Flugzeuge erforderliche Qualität).

Vor meiner Zusammenfassung bleibt noch die Geschichte der Big-Inch- und Little-Big-Inch-Pipelines zu erzählen. Beide Linien stammten aus Texas und erstreckten sich bis an die Ostküste. Ersterer beförderte noch nicht raffiniertes Öl und letzterer Erdölprodukte. Der Bau des Big Inch begann am 3. August 1942 und wurde am 14. August 1943 abgeschlossen. Bis zur Fertigstellung dieser Pipeline östlich von Norris City, Illinois, diente diese kleine Stadt im Präriestaat jedoch als Endstation für die Linie – die Kesselwagen wurden dort für den Versand an die Ostküste gefüllt.

Ein Ölmann sollte für die Verlegung des Big Inch ausgewählt werden. Dieser Mann war Burt E. Hull von der Texas Company (Texaco). Er war der „Dekan der Pipeliner“ in den USA. Unter seiner Leitung wurde der Big Inch in Rekordzeit fertiggestellt.

Nun zu einem kurzen Bericht über den Little Big Inch. Der Bau begann am 23. April 1943 mit der Verlegung der letzten Leitung an der Ostküste am 8. Oktober 1943.

Hervorzuheben ist, dass die Big-Inch- und Little-Big-Inch-Pipelines den Gewinn des Zweiten Weltkriegs durch die Alliierten beinahe unermesslich unterstützt haben. Zum einen konnten U-Boot-Angriffe der Deutschen, die die Öltanker vom Golf von Mexiko über die Karibik bis zur Ostküste verwüstet hatten, vor feindlichen Angriffen geschützt werden. In der Tat, bevor die beiden Pipelines ihren Betrieb aufnahmen, hatten deutsche U-Boote so viele Tanker versenkt, dass es auf den Inseln der Karibik viele Strände gab, die stark mit Öl verschmutzt waren. Aber es muss hinzugefügt werden – die Big-Inch- und die Little-Big-Inch-Pipeline wurden beide vor dem Einmarsch am 6. Juni 1944 in die Normandie fertiggestellt. Dies ermöglichte die Lieferung grosser Mengen Rohöl und seiner raffinierten Produkte für die Operation Overlord , der Codename für diese Landung in Nordfrankreich.

Nun kann man nicht genug sagen, dass amerikanisches Öl, das sich auf 6 Milliarden Barrel belief, von insgesamt 7 Milliarden Barrel, die die Alliierten in der Zeit des Zweiten Weltkriegs verbraucht hatten, den Sieg brachte! Ohne die unglaubliche Lieferung von Öl aus den USA wäre dieser globale Krieg, ganz offen gesagt, niemals zu gewinnen gewesen. Ausserdem wäre der Zweite Weltkrieg ohne die hervorragende Zusammenarbeit der Petroleum Administration for War mit den zahlreichen Ölkonzernen Amerikas wahrscheinlich auch nie von den Alliierten gewonnen worden. Um diese Behauptung zu dramatisieren, betrachten Sie das folgende Zitat aus einem Brief vom 10. November 1945 an Ralph K. Davies vom Army-Navy Board der Joint Chiefs of Staff: „Zu keinem Zeitpunkt fehlte den Diensten Öl in der richtigen Menge. in der richtigen Art und an den richtigen Orten“.

Abschliessend begann der Aufsatz mit einer Anekdote über den amerikanischen General und Panzerkommandanten George S. Patton. Lassen Sie mich mit einem Hinweis auf einen Vorgesetzten auf der anderen Seite, den Feldmarschall Karl Gerd Von Rundstedt aus Deutschland, schliessen. Als er von Zeitungsleuten interviewt wurde, gab er sofort zu, wie wichtig Öl im Zweiten Weltkrieg gewesen war. Tatsächlich schrieb er die deutsche Niederlage drei Faktoren zu: (1) den Bombeneinsatz der Alliierten (strategisch und taktisch); (2) die Bombardierungen durch alliierte Marinegeschütze; und (3) Deutschlands eigener Mangel an Öl, insbesondere in Form von Benzin. Was muss noch gesagt werden?

Treibstoffproduktion

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Lebenssaft der Wehrmacht

(Spiegel online, Dietmar Pieper)

Kein Öl, kein Krieg: Der Spritnachschub war die Achillesferse der Deutschen während des Zweiten Weltkriegs. Obwohl die Alliierten um die Treibstoffknappheit der Nazis wussten, bombardierten sie die entscheidenden Fabriken erst erstaunlich spät. Warum? Darüber rätseln Historiker bis heute.

Der deutsche Diktator sass am Tisch seines Gastgebers und redete und redete. Über die russischen Panzer. Über den Feldzug gegen Frankreich. Über die Schwäche der Italiener. Adolf Hitler war im Juni 1942 eigens nach Finnland geflogen, um Carl Gustav Emil Mannerheim zum 75. Geburtstag seine Aufwartung zu machen. Der finnische Oberbefehlshaber, der an der Seite des Deutschen Reiches gegen die Sowjetunion kämpfte, kam kaum zu Wort.

Nächstes Thema in Hitlers Monolog: die Versorgung der Wehrmacht mit Öl und Treibstoff. „Wir haben eine grosse deutsche Produktion; aber was allein die Luftwaffe verschlingt, was unsere Panzerdivisionen verschlingen, das ist denn doch etwas ganz Ungeheures. Es ist ein Verbrauch, der über alle Vorstellungen hinweggeht“. Sein Land hänge von Importen ab, sagte der NS-Führer: „Ohne mindestens vier bis fünf Millionen Tonnen rumänischen Petroleums würden wir den Krieg nicht führen können und hätten ihn lassen müssen“.

So war es wirklich. Hitlers gewaltige Streitmacht wäre ohne stetigen Zustrom von Kraftstoff und Schmieröl in kurzer Zeit zusammengebrochen. Von den 11,3 Millionen Tonnen Mineralöl, die dem Deutschen Reich 1943 zur Verfügung standen, stammte nach Angaben des Historikers Rainer Karlsch rund ein Viertel aus Importen, das meiste davon aus Rumänien. Gut die Hälfte kam aus der Verflüssigung von Kohle in Hydrier- und Synthesewerken, immerhin 17 Prozent sprudelten aus deutschen und österreichischen Quellen.

Zurück ins Jahr 1933. Kaum waren die Nazis an die Macht gekommen, setzten sie alles daran, die Nation kampfbereit zu machen. Ein entscheidender Faktor waren Rohstoffe für den Aufbau einer Kriegsmaschinerie. Es mangelte an Eisenerz für Panzer, Schiffe und Flugzeuge, an Wolle und Baumwolle für Uniformen, an Kautschuk für Reifen und Dichtungsringe. Und ganz besonders fehlte das Öl, das alles in Bewegung setzt.

Am 10. Januar 1934 rief das Reichswirtschaftsministerium Vertreter der deutschen Erdölindustrie in Berlin zusammen. Es ging darum, zu finden und zu fördern, was der deutsche Boden hergab, zum Beispiel am Rand von Salzstöcken oder in Schieferlagen.

Das Reichsbohrprogramm erwies sich als durchaus lohnend. Von 214’000 Tonnen im Jahr 1932 stieg die Förderleistung auf das Spitzenvolumen von 1,06 Millionen Tonnen 1940. Das meiste davon wurde zu Schmieröl verarbeitet.

Gleichzeitig mit dem Bohrprogramm begann die strategische Vorratshaltung. Noch fühlte sich das NS-Regime nicht stark genug, offen gegen den Versailler Vertrag zu verstossen, der die deutsche Rüstung stark einschränkte. Unter Beteiligung der I.G. Farben wurde im August 1934 eine Tarnfirma mit dem harmlosen Namen „Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft mbH“ (Wifo) gegründet. Ihr geheimer Auftrag war der Bau von Grosstanklagern für Heer und Luftwaffe.

Rund eine Million Tonnen Treibstoff sollte die Wifo an rund zehn Standorten vorrätig halten. Vor allem galt es, Flugbenzin zu bunkern, das im Kriegsfall kaum noch importiert werden könnte. Erhebliche Mengen erwarben die Deutschen bis 1938 vom US-Konzern Standard Oil („Esso“); im Gegenzug erhielten die Amerikaner Raffinerieausrüstung für die Ölfelder in Bahrein.

Weil die Deutschen keine eigenen Anlagen zur Herstellung von Flugbenzin hatten, schloss die I.G. Farben mit Standard Oil – gegen den Willen der US-Regierung – einen Lizenzvertrag, um Tetraethylblei erzeugen zu können. Die giftige Chemikalie erhöht die Klopffestigkeit des Treibstoffs und ermöglicht dadurch eine höhere Motorleistung.

Ausländische Konzerne hielten auch im „Dritten Reich“ erhebliche Anteile am Mineralölgeschäft. Führend waren neben Standard Oil die britische AIOC (Anglo-Iranian Oil Company, Vorgängerin der BP) und die niederländisch-britische Royal Dutch Shell. Ihre deutschen Konzerntöchter verfügten Mitte der dreissiger Jahre über mehr als zwei Drittel der Raffineriekapazität, sie beherrschten 72 Prozent des Marktes für Dieselkraftstoffe, 55 Prozent des Benzinmarkts und 50 Prozent des Schmierölmarkts. Wegen strenger Devisenbestimmungen konnten die deutschen Firmen ihre Gewinne aber kaum an die ausländischen Muttergesellschaften überweisen.

Dass Hitler auf einen Krieg zusteuerte, war unter den Industriebossen im Reich bald kein Geheimnis mehr. Eine wirtschaftspolitische Denkschrift vom August 1936 fasste der Diktator in zwei Forderungen zusammen: „I. Die deutsche Armee muss in vier Jahren einsatzfähig sein. II. Die deutsche Wirtschaft muss in vier Jahren kriegsfähig sein“.

Von der Privatwirtschaft verlangte Hitler in dem vertraulichen Papier, sich ganz in den Dienst seiner Politik zu stellen. Das Reich müsse, wenn irgend möglich, autark werden. „In diesem Sinne ist die deutsche Brennstofferzeugung nunmehr im schnellsten Tempo vorwärts zu treiben und binnen 18 Monaten zum Abschluss zu bringen. Diese Aufgabe ist mit derselben Entschlossenheit wie die Führung eines Krieges anzufassen und durchzuführen; denn von ihrer Lösung hängt die kommende Kriegsführung ab und nicht von einer Bevorratung des Benzins“.

Auf Grundlage dieser Denkschrift verkündete das NS-Regime einen Vierjahresplan, mit dessen Umsetzung Hermann Göring beauftragt wurde, einige Jahre lang de facto der zweite Mann nach Hitler. In einer sorgfältig inszenierten Rede im Berliner Sportpalast erklärte Göring im Oktober 1936 den „lieben deutschen Volksgenossen und Volksgenossinnen“, was es mit dem neuen Vierjahresplan auf sich habe. Ziel sei, so Göring pathetisch, „die Sicherung der deutschen Ehre und die Sicherung des deutschen Lebens“. Um das zu erreichen, sei „die Zusammenfassung aller Kräfte“ unter nationalsozialistischer Führung nötig. „Ehrlich und friedlich“ wolle Deutschland nach Autarkie streben. Von Krieg war nicht die Rede.

Das Volk sollte die Wahrheit nicht hören, die Wirtschaftselite aber schon. Einige Wochen nach seiner Sportpalast-Rede erläuterte Göring vor hundert Industriellen im Berliner Preussenhaus, worum es beim Vierjahresplan wirklich ging: „Wir stehen bereits in der Mobilmachung und im Krieg, es wird nur noch nicht geschossen“.

Es wurde allerdings nach Kräften gebaut. In Dortmund, Wanne-Eickel oder Zeitz ragten bald die Schlote neuer Werke zur Umwandlung von Kohle in Treibstoff in den Himmel. Die synthetische Spritproduktion sicherte zwar niemals die Unabhängigkeit von Ölimporten, die Hitler in seiner Denkschrift verlangt hatte. Aber es gelang, die Kapazitäten erheblich zu steigern. Die grössten Hydrierkessel standen in Leuna, einem traditionsreichen Chemie-Ort in Sachsen-Anhalt, und in Pölitz unweit der Oder-Mündung, das heute zu Polen gehört. Ihre Jahreskapazität lag bei je 600’000 Tonnen.

Trotzdem war die Versorgungslage zu Beginn des Krieges prekär. Das Reichswirtschaftsministerium fasste am 1. Oktober 1939 die Berechnungen zusammen. Danach reichte der Treibstoff für Flugzeuge und Fahrzeuge der Wehrmacht nur für viereinhalb Monate. Der zivile Verbrauch wurde deshalb deutlich reduziert.

Als Glücksfall für die Ölversorgung Nazi-Deutschlands erwies sich der „Anschluss“ Österreichs im Frühjahr 1938. Wenige Jahre zuvor war man im Wiener Becken auf reiche Ölvorkommen gestossen, die nun energisch ausgebeutet wurden. Die österreichische Förderung stieg bis 1944 kontinuierlich von 57’000 Tonnen auf 1,2 Millionen Tonnen an.

Der grösste Glücksfall aber, aus deutscher Sicht, hiess Rumänien. Das südosteuropäische Land verfügte über sehr ergiebige Ölfelder. Im Mai 1940 unterzeichnete die Regierung in Bukarest den sogenannten Öl-Waffen-Pakt mit Berlin: deutsche Waffen gegen rumänisches Öl.

Die Deutschen wussten, wie sehr sie auf den Rohstoff aus der Region um Ploiesti am südlichen Fuss der Karpaten angewiesen waren. Entsprechend gross war der Druck, den sie auf die rumänische Politik ausübten. Als der geschwächte König Carol II. im September 1940 abdankte, stand General Ion Antonescu als starker Mann bereit.

Der radikale Antisemit und Antikommunist erklärte sich selbst zum „Conducator“ und war geschmeichelt, dass Hitler ihn – neben Mussolini – scheinbar als Dritten im Bunde der faschistischen Machthaber anerkannte. Antonescus Lieferungen allerdings blieben immer wieder hinter den vereinbarten Mengen zurück, was zähe Verhandlungen zwischen Berlin und Bukarest zur Folge hatte. Der Vormarsch der Sowjets beendete schliesslich das Bündnis. Im August 1944 erreichte die Rote Armee die rumänische Hauptstadt, Antonescu wurde gestürzt. Der Ölstrom für die Deutschen versiegte.

Aus Sicht der Militärs war Sprit aber vorher schon Mangelware. Das Wehrwirtschaftsamt berechnete 1941 in einer Denkschrift für Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, den Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, dass monatlich 400’000 Tonnen Treibstoff fehlten.

Eroberungen sollten Abhilfe schaffen, darin stimmte die NS-Elite überein. Ihre besondere Begierde richtete sich auf die reichen Quellen im Kaukasus. Generalfeldmarschall Keitel sagte: „Klar ist, dass die Operationen des Jahres 1942 uns an das Öl bringen müssen. Wenn dies nicht gelingt, können wir im nächsten Jahr keine Operationen führen“.

Am Vorstoss Richtung Kaukasus war im Frühjahr 1942 auch eine eigens gebildete Technische Brigade Mineralöl (TBM) beteiligt, der 6’500 Mann angehörten. Die Spezialtruppe schleppte Tiefbohrgeräte, Pumpen und Destillationsanlagen mit sich, die zusammen rund 80’000 Tonnen wogen. Am 9. August wurde Maikop erobert, erst vor Grosny stockte der Vormarsch. Die TBM schaffte es jedoch nicht, die von den Sowjets zerstörten Förderanlagen rasch instand zu setzen. Ein paar Monate später vertrieb die Rote Armee den Feind mit einer Gegenoffensive.

Gemessen an den kaukasischen Hoffnungen blieb die Öl-Ausbeute in den Gebieten, die Hitler längere Zeit besetzt hielt, ziemlich bescheiden. Aber weil der Bedarf so gross war, kurbelten die Deutschen die Förderung überall energisch an. Als relativ bedeutend erwiesen sich die Quellen in Galizien, auf heute ukrainischem Gebiet. 1943 erreichte die Ölgewinnung dort den Spitzenwert von 401’000 Tonnen.

Wie ausserordentlich wichtig jede Art von Treibstoff für die Wehrmacht war, das wussten natürlich auch die Gegner. Die Ölversorgung war eine der empfindlichsten Stellen der NS-Kriegsmaschinerie.

Dennoch dauerte es viele Jahre, ehe die Alliierten die Kraftstoffzentren massiv unter Feuer nahmen. Andere Ziele – Bahngleise, Rüstungsfabriken oder ganze Städte – hatten Vorrang. Bis zum 1. Mai 1944 fielen nach Angaben des Historikers Olaf Groehler lediglich 1,1 Prozent aller amerikanischen und britischen Bomben auf Anlagen der Treibstoffindustrie.

Das Oberkommando der Luftwaffe wunderte sich in einem Bericht vom April 1944, „warum der Anglo-Amerikaner diese Anlagen noch nicht zerschlagen hat, wozu er bei seiner in letzter Zeit so hoch entwickelten Angriffstechnik ohne weiteres in der Lage wäre. Mit der Zerstörung unserer wenigen grossen Raffinerien und Hydrierwerke könnte er einen Erfolg erringen, der tatsächlich die Möglichkeiten einer Fortsetzung des Krieges durchaus infrage stellen würde“. Es könnte, mutmassten die deutschen Militärs, an der „auf lange Sicht eingestellten Politik der Engländer“ liegen. Deren Interesse sei es wohl, „Deutschland nicht ausserstande zu setzen, den Krieg gegen Russland weiterzuführen“.

Bis heute sind die Spekulationen nicht verstummt, dass die Westmächte schon vor 1945 in der Lage gewesen wären, Hitler in die Knie zu zwingen, aber aus Furcht vor Stalin davon absahen. Als starkes Indiz wertet Rolf-Dieter Müller, Wissenschaftlicher Direktor am Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam, die Konferenz von Casablanca im Januar 1943. US-Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premier Winston Churchill verabredeten dort zwar die „schwerstmögliche Bomberoffensive“ gegen das Deutsche Reich. Aber Müller kommt nach einer genauen Betrachtung der Pläne zu dem Schluss: „Es war durchaus im alliierten Interesse, dass die Wehrmacht in den folgenden zwölf Monaten über genügend Kampfkraft verfügte, um die Rote Armee auf dem Weg nach Westen zu bremsen“.

Zwischen den US-Militärs und ihren britischen Kollegen herrschte keineswegs Einigkeit über die Strategie. General Carl A. Spaatz, der die amerikanischen Luftstreitkräfte in Europa kommandierte, drängte immer wieder darauf, gezielt gegen die deutsche Treibstoff-Industrie vorzugehen. Ebenso hartnäckig hielt der englische Bomber-Chef Arthur Harris dagegen. Attacken auf Öl-Anlagen verspottete Harris als illusionäre Jagd auf „Wunderziele“. Viel lieber schickte er seine Luftflotte gegen deutsche Städte los.

Zum ersten grossen Schlag gegen die deutsche Treibstoff-Industrie kam es am 12. Mai 1944. Kurz vor 14 Uhr tauchten mehr als 800 Bomber der 8. US Air Force über den mitteldeutschen Hydrierwerken auf. Die Piloten warfen eine Bombenlast von rund 1’700 Tonnen ab. „An diesem Tage wurde der technische Krieg entschieden“, schrieb der damalige Rüstungsminister Albert Speer später in seinen Erinnerungen.

Mit einem riesigen Heer von Arbeitskräften – bis zu 350’000 Menschen – machten sich die Deutschen an die Reparatur. Aber die Alliierten, vor allem die Amerikaner, attackierten nun immer wieder. Legendär wurde die „Schlacht um Leuna“. Mehr als 20-mal griffen Bombergeschwader das riesige deutsche Hydrierwerk an.

Im September 1944 lag die Gesamtproduktion der Hydrierwerke bei nur noch acht Prozent der im April erreichten Menge. Die Wehrmacht zehrte längst von Vorräten, die sie nie mehr würde auffüllen können. Panzer liefen fest, weil kein Sprit nachkam, Flugzeuge mussten am Boden bleiben, weil ihre Tanks leer waren.

Noch stemmten sich die Deutschen verzweifelt gegen die Niederlage. Ein Arbeitsstab unter Führung des I.G.-Farben-Managers Carl Krauch arbeitete ein realitätsfernes Programm zum Bau unterirdischer Treibstoffanlagen aus. Sie bekamen Tarnnamen wie Dachs, Molch, Iltis oder Krebs. Unter brutalem Einsatz von Zwangsarbeitern liessen die Nazis noch in den letzten Kriegstagen Tunnel bohren, Schächte graben, Höhlen sprengen. Bis zur Kapitulation.

Mineralölsicherungsplan

(Wikipedia)

Der Mineralölsicherungsplan, der im Zweiten Weltkrieg im Juni 1944 als Geheimprojekt verfolgt wurde, wurde nach dem Schöpfer des Programms Edmund Geilenberg, dem Generalkommissar für die Sofortmassnahmen beim Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion, auch Geilenberg-Programm genannt.

Das Programm verfolgte das Ziel, den drohenden Zusammenbruch der Treibstoffversorgung zu verhindern, der an der Ostfront durch den Verlust der rumänischen Erdölfelder bei Ploiești und in Deutschland durch die alliierten Bombenangriffe auf die Anlagen der Treibstoffherstellung entstanden war. Zur Erreichung der Ziele des Mineralölsicherungsplanes arbeiteten 350’000 Menschen, darunter 100’000 KZ-Häftlinge.

Ursachen
Die Erdölförderung in Deutschland reichte nur für knapp 30 % des heimischen Bedarfs und war wegen eines hohen Gehalts an Schwer- und Schmierölen weniger für die Herstellung von Leicht- und Flugbenzin geeignet. Die Nutzung der bedeutenden Kohlevorkommen über das eigens entwickelte Verfahren der Kohleverflüssigung erhielt aus militärstrategischen Gründen vor dem Zweiten Weltkrieg eine gewisse Bedeutung. Der Bau von Hydrierwerken wurde wesentlicher Bestandteil der Autarkiebestrebungen des Vierjahresplans und politisch gegenüber anfänglichen Widerständen der Industrie durchgesetzt und breit öffentlich diskutiert. Neben Karl Aloys Schenzinger war insbesondere der von Fritz Todt geförderte Sachbuchautor Anton Zischka federführend bei der populärwissenschaftlichen Darstellung der Synthesethematik und der damit verbundenen Propagandaanstrengungen.

Ab Mitte der 1930er Jahre wurden Hydrierwerke zur synthetischen Benzinherstellung gebaut. Zu Kriegsbeginn 1939 existierten sieben Werke mit einer jährlichen Gesamtkapazität von 1,2 Millionen Tonnen. Das grösste waren die Leunawerke bei Merseburg. Die Anlagen deckten einen grossen Teil des Treibstoffbedarfs der Wehrmacht und waren alleinige Quelle des Flugbenzins für die Luftwaffe. Dabei wurden bis zum Kriegsende amerikanische Patente auf einzelne Treibstoffsorten beachtet und deswegen Flugbenzinsorten mit einer etwas minderen Qualität hergestellt.

Das Strategic Bombing Command der alliierten Streitkräfte hatte bereits 1941 erste Bombardierungen der Hydrierwerke unternommen. Aufgrund technischer Schwierigkeiten wie strategischer Überlegungen wurden diese zugunsten von Flächenbombardierungen zurückgestellt. Im Jahre 1944 wurde die gegenüber den Raffineriekapazitäten etwa in Ploiești (vgl. Luftangriffe auf Ploiești) deutlich weniger geschützte Treibstoffindustrie als eine zentrale Schwachstelle der deutschen Kriegsführung erkannt, gezielte Bombardierungen waren durch entsprechende Leitsysteme technisch möglich geworden. Sie griffen deshalb ab dem April 1944 gezielt die deutsche Erdöl- und Treibstoffindustrie an. Im August 1944 standen bereits sowjetische Truppen an den Grenzen Rumäniens, weshalb es dort aufgrund einer Initiative von König Michael I. (Rumänien) zu einem Putsch kam, der eine Abkehr Rumäniens vom Deutschen Reich zur Folge hatte.

Luftangriffe und deren Folgen
Die amerikanische Eighth Air Force bombardierte mit 935 Bombern am 12. Mai 1944 massiv die Raffinerien und Hydrieranlagen in Leuna, Böhlen, Brüx, Lützkendorf und Zeitz-Tröglitz. Am 28. und 29. Mai 1944 folgten erneute Grossangriffe auf die Anlagen in Lützkendorf, Magdeburg-Rothensee, Merseburg, Ruhland, Tröglitz und Pölitz und am 16. und 26. Juni wurden von der Fifteenth Air Force die österreichischen Raffinerien in Floridsdorf, Kagran, Lobau, Korneuburg und Moosbierbaum bombardiert. Auch die Raffinerieanlagen der Deurag-Nerag in Misburg bei Hannover waren mehrfach Ziel schwerer Angriffe. Die ungeschützten Anlagen waren empfindlich und meist total zerstört, da sie völlig ausbrannten. Zudem war Metall im Krieg knapp und ein Wiederaufbau war erschwert bzw. nahezu nicht mehr möglich. Nach den ersten Angriffen erfolgten zahlreiche weitere Bombenabwürfe auf Treibstoffproduktionsstätten und der deutsche Treibstoffnachschub erlahmte. Damit ergaben sich erhebliche Einschränkung der Mobilität für die deutschen Land-, See- und vor allem für die Luftstreitkräfte und für zivile Zwecke.

Neben diesen Angriffen auf die Treibstoffindustrie wirkte sich der Zusammenbruch der deutschen Ostfront im August 1944 für die Kriegsführung der Deutschen fatal aus, weil dies zum Verlust der rumänischen Ölfelder bei Ploiești führte. Diese Ölfelder hatten einen grossen Teil des deutschen Erdölbedarfs gedeckt. Der Zusammenbruch eines kriegswichtigen Industriezweigs stand kurz bevor.

Nach den erfolgreichen Bombenangriffen der Alliierten entstand das Geilenberg-Programm, das in einem Mineralölsicherungsplan die Untertage-Verlagerung der kriegswichtigen Hydrierwerke sowie die Entwicklung und den Aufbau von neuen unterschiedlichsten Anlagen zur Treibstoffherstellung vorsah.

Der Treibstoffmangel führte nicht nur zu einer erheblichen Einschränkung der Mobilität der Streitkräfte. Besonders gravierend war der Mangel an Kerosin für die neuen Strahljäger Me 262. Die Folge war, dass die Jagdflugzeuge der Luftwaffe zeitweise aus Treibstoffmangel auf dem Boden bleiben mussten. Damit war die deutsche Erdölindustrie praktisch ungeschützt. Die Produktion der deutschen Jagdflugzeuge erreichte im Kriegsjahr 1944 zwar ihren zahlenmässigen Höhepunkt, aber wegen des Treibstoffmangels kamen diese oft nicht mehr zum Einsatz.

Unternehmen „Wüste“ war der Deckname eines der Geheimobjekte des SS-eigenen Industriekomplexes der Nationalsozialisten im Rahmen des Geilenberg-Programms, um dringend benötigten Treibstoff aus Ölschiefer zu gewinnen. In zehn Produktionsstätten des Unternehmens Wüste in Württemberg mussten 15.000 KZ-Häftlinge unter teils mörderischen Bedingungen von sieben Aussenlagern des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof die Anlagen aufbauen und betreiben.

Reaktion

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Als dies die deutsche Heeresführung erkannte, war es für Schutzmassnahmen zu spät, da lediglich eine unterirdische Verlegung der Produktionsstätten Schutz vor Luftangriffen hätte bieten können. Dies war von langer Hand nicht vorbereitet worden. Der bisherige Leiter des Hauptausschusses für Munition im Reichsrüstungsministerium, der Braunschweiger Stahlindustrielle Edmund Geilenberg, wurde am 30. Mai 1944 von Hitler persönlich zum „Generalkommissar für die Sofortmassnahmen beim Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion“ ernannt. Es wurde das Geilenbergprogramm ins Leben gerufen, das zum Ziel hatte, die Treibstoffproduktion für die Wehrmacht zu sichern. Geilenberg erstellte im Juni 1944 mit Carl Krauch, Vorstandsvorsitzender der I.G. Farben und „Generalbevollmächtigter für Sonderfragen der chemischen Erzeugung“, den Mineralölsicherungsplan.

Der Plan sah die Sicherstellung der Grundversorgung mit Treibstoffen vor. Vorhandene Dampfkessel wurden zu einfachsten Destillationsanlagen umgebaut, ganze Raffinerien wurden unter Tage verlagert, und zahlreiche Kleindestillationsanlagen wurden neu errichtet. Geplant waren unterschiedlichste Arten von Anlagen wie beispielsweise Aufarbeitungsanlagen von Schmier- und Altölen, unterschiedlichste Destillationsanlagen, Isooctan- und Polymerisationsanlagen zur Herstellung von Flugbenzin, Anlagen zur Rohdiesel- und -benzinerzeugung, Hydrieranlagen zur Kohleverflüssigung, Ölschieferverschmelzung, Crackanlagen sowie weitere 80 Anlagen wurden konzipiert, um die Treibstoffindustrie und damit den schwächsten Punkt der deutschen Rüstungsindustrie zu stabilisieren, was letztendlich nicht gelang. Die Konzepte wurden mit Decknamen versehen und unterlagen strengster Geheimhaltung.

Unterirdische Verlagerung
Besondere Aufmerksamkeit wurde der unterirdischen Verlagerung, der sogenannten U-Verlagerung, der Anlagen gewidmet. Der Begriff U-Verlagerung bezeichnet Objekte, in die im Zweiten Weltkrieg Rüstungsbetriebe und andere Firmen von militärstrategischer Bedeutung bombensicher untertage verlegt wurden. Es war nicht möglich, die bislang vorhandenen Werke der Treibstofferzeugung durch Splitterschutz oder Betonabdeckungen vor der Bombardierung zu schützen.

Zur Herstellung der unterirdischen Anlagen wurden Arbeitskräfte benötigt, die gegen Ende des Krieges knapp waren, daher wurden vor allem KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter zum Aufbau der unterirdischen und technischen Anlagen herangeholt, wobei zahlreiche neue Konzentrationslager entstanden. 350’000 Menschen, darunter etwa 100’000 Häftlinge, wurden im Geilenberg-Programm unter brutalen Bedingungen zu Räum- und Bauarbeiten in durch Bombardierungen beschädigten Treibstoffwerken und zur unterirdischen Verlagerung von Hydrieranlagen eingesetzt. Schwerpunkte der unterirdischen Anlagen zur Herstellung synthetischen Benzins waren in Baden, Württemberg, Nordrhein-Westfalen und im Harz.

Ende
1943 gab es zwölf produzierende Hydrierwerke für Treibstoffe und im Frühjahr 1944 fünfzehn. Gegen Ende des Krieges, im März 1945, betrug die Kapazität der Hydrierwerke drei Prozent des Höchststandes aus dem Jahr 1943. Die Pläne, die Mineralölversorgung Deutschlands sicherzustellen, waren gescheitert.

Deutsches synthetisches Benzin

(Wikipedia)

Deutsches synthetisches Benzin, auch Leuna-Benzin nach der Entwicklerfirma und grösstem Lieferanten, war ab Ende der 1920er Jahre ein Ottokraftstoff in Deutschland, der in Hydrierwerken aus Kohle hergestellt wurde. Die I.G. Farben vertrieben dies von ihnen zuerst in den Leunawerken hergestellte Benzin hauptsächlich über ihre eigene Vertriebsfirma, die Deutsche Gasolin Aktiengesellschaft. Der später auch Deutsches Benzin genannte Ottokraftstoff wurde ab 1936 auch in anderen Herstellverfahren der Kohleverflüssigung und auch von weiteren Unternehmen, die nicht zur I.G. Farben gehörten, in Hydrierwerken hergestellt.

Geschichte
Royal Dutch und BASF waren je zur Hälfte an der 1921 gegründeten Internationale Bergin Compagnie voor Olie en Kolen Chemie zur internationalen Nutzung der deutschen Patente zur Kohlehydrierung beteiligt. Im Zuge der Vereinbarung von BASF und Standard Oil of New Jersey in den Jahren 1925/1926, in der Produktion von synthetischem Benzin aus Kohle zusammenzuarbeiten, fiel die Entscheidung, die Hugo Stinnes-Riebeck Oel-AG als Vertriebsorganisation in Deutschland für das synthetische Benzin zu nutzen und aufzubauen.

Im Deutschen Reich begann 1926 die I.G. Farben (das Folgeunternehmen der BASF) im Ammoniakwerk Merseburg – Leuna Werke mit der industriellen Herstellung von sogenanntem Leuna-Benzin (siehe auch Motalin) aus Braunkohle nach dem Bergius-Pier-Verfahren. Die Produktion von synthetischem Benzin war allerdings extrem aufwändig und im Vergleich zu den Weltmarktpreisen immer zu teuer.

Daher trafen sich bereits im November 1932 die I.G.-Farben-Direktoren Bütefisch und Gattineau mit Hitler, um ihn über die zukünftige Bedeutung synthetischen Benzins aufzuklären. Sie erhielten von Hitler die Zusage, im Falle seiner Regierung die Herstellung von synthetischem Benzin durch Absatz- und Mindestpreisgarantien zu unterstützen. Eine solche Mindestpreisgarantie wurde dann im Feder-Bosch-Abkommen vom 14. Dezember 1933 vertraglich vereinbart.

Die Erdölförderung in Deutschland reichte nur für knapp 30 Prozent des heimischen Bedarfs. Wegen eines hohen Gehalts an Schwer- und Schmierölen war daraus die Entwicklung von Ottokraftstoffen speziell für Flugzeuge kaum möglich. Die Nutzung der bedeutenden Kohlevorkommen über das eigens entwickelte Verfahren der Kohleverflüssigung erhielt daher aus militärstrategischen Gründen vor dem Zweiten Weltkrieg eine grosse Bedeutung. Der Bau von Hydrierwerken wurde wesentlicher Bestandteil der Autarkiebestrebungen des Vierjahresplans und politisch gegenüber anfänglichen Widerständen der Industrie durchgesetzt und breit öffentlich diskutiert.

Öffentliche Thematisierung

091_26-Datentabelle

Neben Karl Aloys Schenzinger, einem erfolgreichen („Rohstoff-„)Sachbuchautor im Dritten Reich („Anilin. Roman eines Farbstoffes“) war insbesondere der seit 1935 auf Mallorca lebende Bestsellerautor Anton Zischka federführend bei der populärwissenschaftlichen Darstellung der Synthesethematik. Zischkas „Wissenschaft bricht Monopole“ (1936) wurde als Pflichtlektüre in den Realschulen eingeführt, das Buch wurde in 18 Sprachen übersetzt und für die NS-Propaganda genutzt. Wie auch in dem 1939 erschienenen Werk „Ölkrieg“ erklärte der von Fritz Todt geförderte Zischka dabei Kriege und bewaffnete Konflikte als Auseinandersetzung um (ungleich verteiltes) Land und Rohstoffe. Er stellte demgegenüber technische Entwicklungen aus Deutschland wie etwa die Kohleverflüssigung oder die vor dem Ersten Weltkrieg entwickelte Synthese von Ammoniak nach dem Haber-Bosch-Verfahren als mögliche globale Friedensstifter dar. Darüber hinaus wurde dem „raffenden“ Kapitalismus angloamerikanischer Prägung die „schaffende“ „Volksgemeinschaft“ als grösste und wichtigste „Synthese einer neuen Zeit“ gegenübergestellt. Gerade weil sich Zischka krasser chauvinistischer oder rassistischer Äusserungen enthielt, wurde damit auch im Ausland das im Sinne der NS-Vorkriegspropaganda erwünschte Bild eines friedliebenden und modernen „Dritten Reiches“ vermittelt.

Technische Realisierungen
1936 gelang im Hydrierwerk Scholven der Hibernia AG die Kohleverflüssigung von Steinkohle nach dem Verfahren der I.G. Farben. Im Dezember 1936 gründete die Gelsenkirchener Bergwerks-AG die Gelsenberg Benzin AG, in deren Werk die Kohleverflüssigung ebenfalls für Steinkohle ab 1939 durchgeführt wurde.

Bei Kriegsbeginn 1939 produzierten sieben Hydrierwerke (das grösste in Leuna), drei waren kurz vor Produktionsbeginn, zwei im Bau:

  • 1935 Ruhland-Schwarzheide (Synthesewerk Schwarzheide der BRABAG)
  • 1936 Böhlen (BRABAG) für Braunkohlenteer
  • 1936 Magdeburg-Rothensee (BRABAG) ebenfalls für Braunkohlenteer
  • 1936 Scholven (Hibernia AG) für Steinkohle
  • 1937 in Bottrop-Welheim für Kokereiteer
  • 1939 Gelsenberg für Steinkohle
  • 1939 Maltheuern (Sudetenländische Treibstoffwerke AG)[7]
  • 1940 Mineralölwerk Lützkendorf bei Krumpa (Wintershall AG) für Erdölrückstand
  • 1940 Zeitz (BRABAG) für Braunkohlenteer
  • 1940 Stettin-Pölitz[8] für Kokereiteer (I.G.-Farben, Rhenania-Ossag, DAPG)
  • 1941 Wesseling (Union Rheinische Braunkohlen Kraftstoff AG) für Braunkohle.

Daneben gab es noch Werke in Bari (Albanischer Erdölrückstand), Livorno (Rumänischer Erdölrückstand) sowie Blechhammer in Oberschlesien (I.G.-Farben) für Teeröle und eine Anlage in Auschwitz / Monowitz.

Im Jahre 1943 gab es zwölf produzierende Hydrierwerke. Die Hydrierwerke deckten den grössten Teil des Treibstoffbedarfs der Wehrmacht und waren alleinige Quelle des Flugbenzins für die Luftwaffe. Im Frühjahr 1944 war die Zahl der Anlagen auf 15 gestiegen. Wegen der steigenden Zahl von alliierten Luftangriffen auf die ungeschützten Raffinerien und Hydrierwerke wurde ab 1944 durch den Mineralölsicherungsplan versucht, den drohenden Zusammenbruch der Treibstoffversorgung zu verhindern. Dies gelang nicht – im März 1945 betrug die Kapazität der Hydrierwerke nur noch drei Prozent des Höchststandes von 1943.

Fortführung nach dem Krieg
In Westdeutschland wurde nach dem Krieg die Kohleverflüssigung wegen der konkurrenzlos niedrigen Erdölpreise nicht fortgeführt. In der DDR wurde sie, obwohl ebenfalls „untragbar unwirtschaftlich“, dagegen erst Anfang der 1970er Jahre endgültig aufgegeben, war aber bis zum Zusammenbruch der DDR Bestandteil der strategischen Planung des Ministerrats. In der Bundesrepublik Deutschland kam es in der Folge der ersten „Ölkrise“ von 1973 im von der Bundesregierung 1974 beschlossenen Programm Energieforschung zur Errichtung von sieben Pilotanlagen zur Kohleveredelung (Vergasung und Verflüssigung), die von 1977 bis 1980 in Betrieb gingen.

Kohleverflüssigung
Kohleverflüssigung (auch Kohlehydrierung; engl. Coal-to-liquid- oder CtL-Verfahren) bezeichnet chemische Verfahren, die aus fester Kohle flüssige Kohlenwasserstoffe erzeugen.

Das Bergius-Pier-Verfahren der direkten Hydrierung von Kohle diente zur Erzeugung von Gasen, Vergaser- und Dieselkraftstoffen. Der dazu notwendige Wasserstoff wird durch Kohlevergasung erhalten. Auch durch Extraktion von Kohle mit Wasserstoff übertragenden Lösungsmitteln unter Druck wie im Pott-Broche-Prozess werden flüssige Kohlenwasserstoffprodukte erhalten. Indirekte Verfahren wie die Fischer-Tropsch-Synthese nutzen Synthesegas, ein Gemisch aus Kohlenstoffmonoxid und Wasserstoff aus der Kohlevergasung, zum Aufbau von Kohlenwasserstoffen.

Beide Verfahren unterscheiden sich signifikant. Beim Bergius-Pier-Verfahren erfolgt durch Hydrierung mit Wasserstoff ein Abbau der Kohlestruktur zu einfacheren Molekülen, während beim Fischer-Tropsch-Verfahren ein Aufbau von Kohlenwasserstoffen aus Kohlenstoffmonoxid und Wasserstoff erfolgt. Die Produkte des Bergius-Pier-Verfahrens weisen einen höheren Gehalt an Aromaten und eine höhere Oktanzahl auf, während die Produkte des Fischer-Tropsch-Verfahrens eher paraffinisch sind und sich die höhermolekularen Anteile als Basisprodukt für die chemische Industrie eignen.

Die Motivation zum grosstechnischen Einsatz der Kohleverflüssigung ist der Ersatz von Erdöl als Ausgangsstoff für die Petrochemie und den Energiesektor. Die Verfahren erlangen an Bedeutung, wenn Erdöl nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht, so beispielsweise in Deutschland während der Zeit des Nationalsozialismus.

Geschichte
Bereits 1913 erhielt Friedrich Bergius ein Patent für ein Verfahren zur Herstellung von flüssigen oder löslich organischen Verbindungen aus Steinkohle und dergleichen, für das er 1931 mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Das Kohleverflüssigungsverfahren von Bergius lieferte „aus 100 kg Steinkohle und 40 kg Schweröl, das aus dem Prozess stammte, unter Zusatz von 5 kg Eisenoxid und 5 kg Wasserstoff bei 120-150 at und 450 bis 480 °C etwa 30 kg Leichtöle und 50 kg Schweröle und Asphalt, neben 20 kg Gas, hauptsächlich Methan und Ethan“. Die deutsche chemische Industrie entwickelte in den 1920er Jahren das Verfahren zur Gross-technischen Reife. Leit-Werk waren die Leunawerke der I.G. Farben bei Merseburg, das bereits 1927 in Betrieb ging. Erstmals grössere Bedeutung erlangte das Bergius-Verfahren in der Zeit des Nationalsozialismus zur Herstellung von synthetischem Benzin. Neben der geringen, damals aber noch nennenswerten deutschen Ölförderung standen nur Erdölreserven in Rumänien bedingt zur Verfügung. Zwischen 1936 und 1943 wurden in Deutschland elf weitere Hydrierwerke gebaut, die zusammen mit dem Werk in Leuna eine Gesamtkapazität von etwa 4 Millionen Tonnen aufwiesen. Als Rohstoffe wurden in den Werken Leuna, Böhlen, Magdeburg, Zeitz, Wesseling und Brüx Braunkohle oder Braunkohlenteer eingesetzt, in den Werken Scholven, Gelsenberg, Pölitz, Welheim und Blechhammer Steinkohle, Öl, Pech oder Teer.

Im Jahr 1925 meldeten Franz Fischer und Hans Tropsch ein Verfahren zur indirekten Verflüssigung zum Patent an. Nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren wurden in Deutschland zwischen 1935 und 1939 neun Werke gebaut, die grösste Fischer-Tropsch-Anlage mit einer Kapazität von 210’000 t/a befand sich in Ruhland-Schwarzheide. Die Gesamtkapazität der neun Anlagen betrug etwa 740’000 t/a.

Nach der systematischen Zerstörung der Anlagen durch alliierte Luftangriffe seit Mai 1944 wurden Anlagen auch unterirdisch errichtet (Geilenberg-Programm). Teilweise fand die Produktion mit Zwangsarbeitern und in KZ-Aussenlagern statt.

Verfahren
Man unterscheidet indirekte Verfahren, denen eine Kohlevergasung vorausgeht, von solchen, die Kohle direkt hydrieren, sowie Extraktionsverfahren.

Bergius-Pier-Verfahren
Das Bergius-Pier-Verfahren ist ein grosstechnisches Verfahren, bei dem durch Hydrierung von Kohle mit Wasserstoff in einer exothermen chemischen Reaktion Kohlenwasserstoffe erzeugt werden. Es ist benannt nach Friedrich Bergius und Matthias Pier. Mit hochaktiven Katalysatoren wie Ammoniumchlorid und Zinnoxalat wird die Kohle bei einem Wasserstoffdruck von etwa 300 bar und Temperaturen von 470 bis 490 °C erhitzt. Preiswertere Katalysatoren wie Eisenoxid, sogenannte Bayermasse, erfordern Drücke bis 700 bar. Andere Quellen nennen je nach Katalysator auch niedrigere Drücke. Das Produktspektrum hängt von den Reaktionsbedingungen (Wasserstoffdruck, Temperatur, Verweilzeit) und der Reaktionsführung (Sumpfphasenhydrierung oder Gasphasenhydrierung) ab. Es entstehen vorwiegend flüssige Fraktionen, die als Kraftstoffe oder Heizöl verwendet werden. Die eingesetzte Kohle muss mechanisch auf einen Aschegehalt von etwa 4 bis 6 % gebracht werden. Steinkohlen können ungetrocknet eingesetzt werden, Braunkohlen müssen vorher auf einen Wassergehalt von 5 bis 10 % getrocknet werden.

091_80/Schema des Bergius-Pier-Verfahrens

Bei der Sumpfphasenhydrierung wird der Katalysator zu feingemahlener Kohle gegeben, die in einem Lösungsmittel aufgeschlämmt wurde, und mit Wasserstoffdruck beaufschlagt. Als Produkte fallen Gas, Benzin und Kohleöle als Leicht-, Mittel und Schweröl an, die durch Destillation getrennt werden. Die festen Bestandteile werden abzentrifugiert. Das dabei anfallende Öl, der sogenannte Dünnlauf, wird zur Anmaischung in der Kohlevorbereitung genutzt. Die festen Bestandteile werden zur weiteren Gewinnung von Ölen geschwelt. Als festes Produkt fällt Schwelkoks an.

Fischer-Tropsch-Synthese
Bei der Fischer-Tropsch-Synthese wird die Kohle zunächst bei sehr hohen Temperaturen (über 1’000 °C) in der Kohlevergasung mit Wasserdampf und Luft oder Sauerstoff zu Synthesegas umgesetzt, das nach Abtrennung von Stickoxiden und Schwefeldioxid katalytisch zu Kohlenwasserstoffen und Wasser umgesetzt wird. Endprodukte sind Benzin (Synthetisches Benzin), Diesel und Heizöl sowie Aromate für die chemische Industrie.

Diese indirekte Kohleverflüssigung ist wirtschaftlicher als die direkte Kohleverflüssigung. Wegen des hohen Energieaufwands und der damit einhergehenden CO2-Freisetzung bereits bei der Herstellung – beim Fischer-Tropsch-Verfahren etwa doppelt so hoch wie bei Erdöl – sind die erzeugten Stoffe aber deutlich klimaschädlicher als entsprechende Erdölprodukte.

Derzeit sind weltweit 25 indirekte Kohlehydrierungsanlagen in Planung, davon 13 in den USA und 7 in China.

Kohleextraktion
Zur Kohleextraktion werden Lösungsmittel verwendet, die unter den gewählten Extraktionsbedingungen Wasserstoff in einer Transfer-Hydrierung an die Kohle abgeben können. Bewährt hat sich Tetralin, das während der Extraktion zu Naphthalin oxidiert wird. Naphthalin kann abgetrennt werden und durch Hydrierung wieder in Tetralin überführt werden. Das Verfahren wird unter Druck bei je nach Kohletyp spezifischen Temperaturen und Verweilzeiten von circa drei Stunden durchgeführt. Die neueste Forschung umfasst die Reaktivextraktion von Braunkohle unter anderem mit Ethanol.

Bedeutung
Die Verfahren der Kohleverflüssigung haben aus Kostengründen derzeit keine grössere wirtschaftliche Bedeutung. Bei anhaltend hohen Erdölpreisen wäre ggf. mit einer Änderung dieses Zustands zu rechnen.

Kommerziell sind besonders die Kohleverflüssigungsanlagen in Südafrika von Bedeutung, die mit einer Produktion von 160’000 Barrel/Tag ungefähr ein Drittel des südafrikanischen Kraftstoffverbrauchs decken. Es handelt sich hier um drei von der Firma Sasol betriebene Fischer-Tropsch-Anlagen; die Errichtung einer vierten Anlage ist vorgesehen. Das Syntheseprodukt kann hier zu einem Preis von ca. 25 $/Barrel erzeugt werden. Entscheidend hierfür sind neben einer über Jahrzehnte ausgereiften Verfahrenstechnik insbesondere die niedrigen Kohleförderkosten in unmittelbarer Nähe des Standortes sowie die niedrigen Lohnkosten.

In der Volksrepublik China gibt es Planungen zum Bau von zwei Kohleverflüssigungsanlagen in den Provinzen Ningxia und Shaanxi. Die Anlagen sollen eine Kapazität von jeweils 80’000 Barrel/Tag haben (ca. 12’720 m3/Tag) und mit der Technologie der südafrikanischen Firma Sasol arbeiten. In Australien plant Monash Energy, eine Kooperation von Anglo American und Shell, ein langfristig angelegtes Grossprojekt, das einen neu zu erschliessenden Kohleabbau, Kohleverflüssigung und CO2-Sequestrierung umfasst und schliesslich ungefähr ein Viertel des australischen Kraftstoffbedarfs liefern könnte.

Die Kosten der Kohleverflüssigung liegen bei 25–45 US-$ je Barrel Öläquivalent. Bei den Erdölpreisen von 2010 waren sie damit wettbewerbsfähig, bei den Preisen von 2016 jedoch nicht mehr.

Wiederum können strategische Überlegungen eine Rolle spielen. Die amerikanische Luftwaffe (USAF) startete 2006 Testflüge mit B-52-Bombern, die teilweise durch synthetischen Kraftstoff angetrieben werden. Das Ziel ist dabei die Verringerung der Abhängigkeit der Landesverteidigung von Ölimporten.

Aktuell wird an einer Anlage für 18’000 Barrel Benzin pro Tag in Mingo County, West Virginia, gearbeitet. Die Anlage soll nach dem PRENFLO-Verfahren arbeiten, einer Druckversion des Koppers-Totzek-Verfahrens.