Hitlers Feldmarschälle, Luftwaffe
Datenherkunft: (Wikipedia)
aus-der-zeit.site > Hitler, Albtraum und Verbrecher
Luftwaffe
Reichsmarschall Hermann Göring
Hermann Wilhelm Göring (* 12. Januar 1893 in Rosenheim; † 15. Oktober 1946 in Nürnberg) war ein führender deutscher nationalsozialistischer Politiker. Ab Mai 1935 war er Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe.
Göring erlangte im Ersten Weltkrieg einige Bekanntheit und Ansehen als Jagdflieger und erhielt den Orden Pour le Mérite. Er nahm am Hitlerputsch (November 1923 in München) teil und trug massgeblich zum Aufstieg der NSDAP bei. Im August 1932 wurde er zum Reichstagspräsidenten gewählt. Am Tag der Machtergreifung ernannte Adolf Hitler ihn zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich, zum Reichskommissar für den Luftverkehr und zum Reichskommissar für das preussische Innenministerium. Am 11. April 1933 wurde Göring auch Ministerpräsident Preussens.
In den beiden letzten Positionen war Göring massgeblich an der Gleichschaltung und der Verfolgung der Opposition beteiligt, die er mit äusserster Brutalität betreiben liess. Er war für die Gründung der Gestapo sowie die Einrichtung der ersten Konzentrationslager ab 1933 verantwortlich. Ab Oktober 1936 betrieb er als Beauftragter für den Vierjahresplan die weitere Aufrüstung der Wehrmacht zur Vorbereitung eines Angriffskrieges.
Er leitete Massnahmen im Zusammenhang mit dem Anschluss Österreichs, mit denen österreichische und deutsche Nationalsozialisten im März 1938 die Eingliederung des Bundesstaates Österreich in das nationalsozialistische Deutsche Reich veranlassten. In der Nacht auf den 12. März 1938 lösten – nach telefonischen Drohungen von ihm, noch vor dem Einmarsch deutscher Einheiten – österreichische Nationalsozialisten das austrofaschistische Ständestaatsregime ab.
Er organisierte systematisch Wirtschaftsmassnahmen gegen von den Nationalsozialisten als Juden diskriminierte Menschen und erliess am 12. November 1938 die Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben. Im Juli 1940 – nach dem schnellen Ende des Westfeldzuges – ernannte Hitler Göring zum Reichsmarschall.
In der Öffentlichkeit des In- und Auslands galt Göring bis zum Kriegsende als einer der einflussreichsten NS-Politiker. Tatsächlich verlor er, wie die historische Forschung später zeigte, vor und während des Krieges trotz einer Häufung von Ämtern und Titeln Schlüsselbefugnisse an konkurrierende NS-Funktionäre wie Heinrich Himmler und Joseph Goebbels. Als Chef der Luftwaffe geriet Göring wegen der Niederlage in der Luftschlacht um England (Mitte 1940 bis Anfang 1941), der beginnenden verheerenden Bombardierung des Reichsgebiets durch die Alliierten und des Scheiterns einer Luftbrücke bei der Schlacht von Stalingrad (Ende 1942) in Misskredit.
Am 31. Juli 1941 beauftragte er Reinhard Heydrich mit der Organisation der sogenannten „Endlösung der Judenfrage“.
Ab 1942/43 (Zeit der Kriegswende) zog sich Göring – auf parteiinternen Druck hin wie auch aus eigenem Antrieb – zunehmend ins Privatleben zurück und pflegte einen dekadent-luxuriösen Lebensstil. Viele Ämter führte er seitdem – wenn überhaupt – nur noch in repräsentativer Weise aus.
Familie und Herkunft
Hermann Göring wurde während eines Kuraufenthalts seiner Mutter Franziska Göring (geb. Tiefenbrunn) im Marienbad in Rosenheim geboren. Vater Heinrich Ernst war promovierter Jurist und diente zwischen 1885 und 1890 als erster Reichskommissar für Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) sowie zwischen 1892 und 1895 als Ministerresident für Haiti und die Dominikanische Republik. Die schwangere Mutter war von Port-au-Prince auf Haiti nach Rosenheim mit der Absicht gereist, ihren Säugling nicht dem tropischen Klima auszusetzen.
Göring hatte vier Vollgeschwister: einen älteren Bruder Karl Ernst Göring (* 3. August 1885; † 4. Oktober 1932), zwei Schwestern, Olga Therese Sophie und Paula Elisabeth Rosa (die beide in Österreich mit Juristen verheiratet waren), und einen jüngeren Bruder, Albert Göring, der die nationalsozialistische Ideologie ablehnte.
Kindheit und Jugend
Seine Mutter gab ihn die ersten drei Jahre zur Pflege an die Familie Graf in Fürth, während sie mit ihrem Mann in Haiti war. 1896 kehrten die Görings nach Deutschland zurück. Die Familie wohnte in den folgenden Jahren in dem Haus Fregestrasse 19 in Berlin-Friedenau, das Hermanns Patenonkel, Hermann Epenstein (ab 1910 mit dem Adelsprädikat „Ritter von“), gehörte. Danach lebte die Familie Göring auf den Ländereien Epensteins, eines Arztes jüdischer Herkunft, mit dem sich Görings Vater in Deutsch-Südwestafrika angefreundet hatte. Epenstein stellte der Familie Göring die Burg Veldenstein (ca. 50 Kilometer nordöstlich von Nürnberg) als Wohnsitz zur Verfügung. Manche Sommer verbrachte die Familie als Epensteins Gäste auf dessen Burg Mauterndorf im Land Salzburg. Hermanns Mutter pflegte offen ein Verhältnis mit Epenstein. Bei Besuchen wohnte sie bei ihm, während der über 20 Jahre ältere Vater ausserhalb der Burg logierte.
Göring wurde 1900 in Fürth in eine Privatschule eingeschult und besuchte ebendort von 1902 bis 1904 mit mässigem Erfolg das Humanistische Gymnasium. Von 1904 bis 1905 war er ein Jahr Alumne des Gymnasiums Carolinum in Ansbach. In seinen „Kinderspielen ging es ständig um Krieg“.
Mit zwölf Jahren schickte ihn sein Vater in das Kadettenhaus in Karlsruhe. 1909 wechselte er an die Hauptkadettenanstalt (Oberstufe) in Lichterfelde bei Berlin, wo er neben einer militärischen Ausbildung (Exerzieren und Gefechtsübungen) allgemeinbildenden Unterricht (u. a. in Französisch und Englisch) erhielt. 1911 absolvierte er das Fähnrichsexamen mit Auszeichnung und dem Prädikat „vorzüglich“. Seit März 1912 war er Fähnrich im 4. Badischen Infanterie-Regiment „Prinz Wilhelm“ Nr. 112. Im Januar 1913 bestand er das Abitur. Anschliessend absolvierte er einen achtmonatigen Kriegsschulkurs, den er mit dem Offiziersexamen abschloss.
Erster Weltkrieg
Am 10. Januar 1914 wurde er Zugführer in seinem Regiment, das in Mülhausen lag, seit dem 20. Januar 1914 im Rang eines Leutnants. Im Ersten Weltkrieg nahm er an einigen der ersten Gefechte im Elsass teil und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Wegen seines Gelenkrheumatismus wurde er am 23. September 1914 in ein Krankenhaus in Metz, anschliessend in Freiburg im Breisgau eingeliefert, wo er von seinem Freund und Regimentskameraden Bruno Loerzer, einem Kampfflieger, überzeugt wurde, der Fliegertruppe beizutreten. Göring verliess ohne Genehmigung das Krankenhaus, wurde am 16. Oktober zur Ausbildung als Beobachter zur Fliegerersatzabteilung 3 in Darmstadt abkommandiert und am 28. Oktober zur Feldfliegerabteilung 25 versetzt.
Er diente kurz darauf als Beobachter in einer Fliegertruppe. Am 25. März 1915 erhielt er das Eiserne Kreuz I. Klasse. Von Juni bis September 1915 wurde er in Freiburg zum Piloten ausgebildet, u. a. von Ludwig Weber. Er wurde im September zur 5. Armee abkommandiert. Am 16. November 1915 errang er seinen ersten Luftsieg. Anfangs eskortierte er Bomberverbände, später wurde er Jagdflieger.
Am 14. März 1916 schoss er den ersten feindlichen Bomber ab. Nach einer Bruchlandung verbrachte Göring die Zeit vom 2. November 1916 bis zum Februar 1917 in verschiedenen Lazaretten.
Am 17. Mai 1917 wurde ihm die Führung der Jagdstaffel 27 übertragen. Er stieg am 18. August 1917 zum Oberleutnant auf. Nach seinem 19. Abschuss wurde ihm am 2. Juni 1918 der Orden Pour le Mérite verliehen.
Als der Kommandeur des Jagdgeschwaders Nr. 1, Hauptmann Wilhelm Reinhard, im Juli 1918 bei einem Testflug tödlich verunglückte, wurde Göring am 6. Juli 1918 Kommandeur dieses als Richthofens „Fliegender Zirkus“ bekannten Geschwaders. Er flog unter anderem eine weisse Fokker D.VII. In seiner neuen Position errang er schliesslich seinen 22. und letzten Luftsieg.
Zeit der Weimarer Republik
Nach dem Waffenstillstand 1918 verlegte er sein Geschwader noch nach Deutschland zurück. Bei einer öffentlichen Versammlung in Berlin fiel er durch heftige Kritik am preussischen Kriegsminister Walther Reinhardt wegen dessen Eintretens für die Republik auf. Er ging als Militärberater nach Dänemark und später nach Schweden. Dort führte er die Maschinen von Anthony Fokker vor. Am 2. August 1919 erwarb er eine schwedische Fluglizenz und übernahm Aufträge für die Svenska Lufttrafik AB.
Am 13. Februar 1920 reichte er von Stockholm aus seinen Abschied bei der Reichswehr ein, die nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages keine Luftstreitkräfte besitzen durfte. Dabei beantragte er seine nachträgliche Beförderung zum Hauptmann und verzichtete auf etwaige Versorgungsansprüche. Im Juni 1920 wurde seinem Antrag stattgegeben.
Am 20. Februar 1920 flog er vom Stockholmer Flughafen Lindarängen aus Eric von Rosen auf dessen Gut Rockelstad und lernte dort seine erste Frau, die verheiratete Schwedin Carin Freifrau von Kantzow, geb. Freiin von Fock, kennen. Sie verliess ihren Ehemann Nils von Kantzow und lebte mit Göring an verschiedenen Orten in Schweden und ab 1921 in Hochkreuth bei Bayrischzell. Am 13. Dezember willigte Carins Gatte in die Scheidung ein. Am 25. Januar 1923 heiratete Göring die vier Jahre ältere Carin in Stockholm. Die Trauung wurde am 3. Februar 1923 am neuen Wohnort der Görings in Obermenzing bei München wiederholt.
Göring immatrikulierte sich 1921 an der Universität München, um ab Winter 1922 Geschichte, Volkswirtschaft und Staatswissenschaften zu studieren. Zu seinen Professoren gehörten der Historiker Karl Alexander von Müller und der Staatsrechtler Hans Nawiasky. Vermutlich besuchte er mehrere Veranstaltungen der NSDAP, bevor er am 12. Oktober 1922 erstmals Hitler um eine Unterredung bat. Dieser ernannte ihn Anfang 1923 zum Kommandeur der Sturmabteilung (SA). Göring entzog die SA dem Einfluss der Organisation Consul, organisierte sie neu und schuf ein eigenes Oberkommando. An Stelle der bisherigen organisierten Hundertschaften traten Sturmkompanien in der unteren Struktur – diese wurden in der höheren zu Sturmbataillonen und Sturmregimentern zusammengefasst. Organisatorisch wurde die SA von der NSDAP abgenabelt und von einer Parteitruppe in einen Wehrverband umgewandelt. Hitler forderte zudem, dass die NSDAP kein aus dem Hintergrund gesteuerter Geheimbund, sondern eine „moderne“, offen agierende Massenpartei werden solle. Daher war es durchaus konsequent, die SA dem Einfluss Hermann Ehrhardts, des Führers der Organisation Consul, zu entziehen.
In seiner Funktion als SA-Kommandeur nahm Göring zudem am 9. November 1923 am Hitlerputsch teil, der von einer Einheit der bayerischen Landespolizei beendet wurde. Göring wurde durch einen Schuss in den Oberschenkel verletzt – einige englischsprachige Quellen sprechen von einem Schuss in die Hüfte und einem in die Leiste – und von Mitputschisten in den Hof des Hauses Residenzstrasse 25 getragen. Der jüdische Eigentümer des Anwesens, Robert Ballin, nahm den stark blutenden Göring bei sich auf. Ballin und seine Frau wurden auf Betreiben Görings nach dem Novemberpogrom 1938 aus dem KZ Dachau freigelassen.
Göring gelang unter Begleitung von Carin die Flucht nach Österreich. Wegen seiner Schmerzen erhielt er in einem Innsbrucker Krankenhaus Morphin-Injektionen – der Beginn von Görings Morphinismus. Als in München der Hitler-Prozess stattfand, hielt Göring sich nach wie vor in Österreich auf. Ende April 1924 wurde er zum Verlassen Österreichs aufgefordert. Er ging nach Italien und hielt sich als Bevollmächtigter Hitlers in Venedig und Rom auf.
Im Frühjahr 1925 zog er mit Carin in eine Wohnung in Stockholm und verfiel hier erstmals der Drogensucht. Im August 1925 wurde er in eine Klinik eingewiesen, und nach einer Entziehungskur erlitt er im Oktober einen Rückfall, weshalb er in die Nervenheilanstalt Långbro im Stockholmer Stadtteil Älvsjö eingeliefert wurde. Schon nach wenigen Wochen konnte er die Klinik als geheilt wieder verlassen und erhielt eine ärztliche Bescheinigung, dass er während der Behandlung nie Anzeichen einer Geisteskrankheit gezeigt habe.
Die Generalamnestie des neuen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg 1925 (es war die erste von vier Hindenburg-Amnestien; weitere gab es 1928, 1932 und 1934) erlaubte ihm die Rückkehr nach Deutschland. Er nahm am 3. und 4. Juli 1926 am NSDAP-Parteitag in Weimar teil, wo sich herausstellte, dass man ihn aus der Liste der Parteimitglieder gestrichen hatte. Göring kehrte nach Schweden zurück, wo er wegen Morphiummissbrauchs erneut in die Klinik von Långbro eingeliefert wurde. Nach 19 Tagen Aufenthalt konnte er die Klinik am 26. September 1927 wieder verlassen. 1929 will er die Droge endgültig abgesetzt haben.
Er kehrte Ende 1927 endgültig nach Deutschland zurück und trat erneut in die NSDAP und SA ein. Göring knüpfte Kontakte zu alten Fliegerkameraden wie Bruno Loerzer, Ernst Udet und Paul Körner. Der zu Geld gekommene Loerzer stellte ihn dem Vorstandsmitglied der Lufthansa Erhard Milch vor und führte ihn in die „besseren Kreise“ ein. Mit Carin wohnte er nun in Berlin-Schöneberg und zog nach den Reichstagswahlen vom 20. Mai 1928 in den Reichstag ein. Später wurde er von Hitler zum SA-Gruppenführer ernannt. Bei seinen Besuchen in Berlin war Hitler ein häufiger Gast bei den Görings. Nach der Reichstagswahl vom 14. September 1930, die der NSDAP beträchtliche Stimmengewinne brachte, ernannte ihn Hitler, der weiter in München blieb, formell zu seinem „politischen Beauftragten in der Reichshauptstadt“. Göring versuchte, die nationalsozialistische Bewegung in der besseren Gesellschaft hoffähig zu machen. So veranstaltete er 1931 in seiner Wohnung ein Treffen zwischen Fritz Thyssen, Hjalmar Schacht und Adolf Hitler. Nach diesem Treffen verteilte Thyssen einige Spenden an nationalsozialistische Zeitungen. Vor allem aber unterstützte er seinen Freund Hermann Göring, um ihm einen adäquaten Lebens- und Wohnstil zu ermöglichen.
Im Sommer 1931 reisten die Görings nach Schweden, wo Carins Mutter am 25. September unerwartet starb. Carin Göring starb wenige Wochen später am 17. Oktober 1931 an Tuberkulose.
Göring nannte später in Andenken an sie sein pompöses Anwesen in der Schorfheide bei Gross Schönebeck „Carinhall“.
Reichstagspräsident 1932
Nachdem in der Reichstagswahl Juli 1932 die NSDAP erstmals zur stärksten Partei geworden war, konnte sich Göring in der ersten Sitzung des Reichstags am 30. August 1932 bei der Wahl zum Reichstagspräsidenten mit Unterstützung der bürgerlichen Parteien gegen die Kandidaten Paul Löbe (SPD) und Ernst Torgler (KPD) durchsetzen. Damit hatte die NSDAP zunächst das dritthöchste Amt in der Weimarer Republik besetzt.
In der Reichstagssitzung vom 12. September 1932 erreichte Göring durch einen Verfahrenstrick, dass trotz einer bereits erlassenen Verfügung des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zur Auflösung des Reichstags noch über ein Misstrauensvotum gegen das Kabinett Papen abgestimmt werden konnte. Vor Beginn der Abstimmung, als von Papen die wenige Minuten zuvor erlassene und von ihm gegengezeichnete Auflösungsverfügung Hindenburgs bekanntgeben wollte, übersah Göring absichtlich den sich stehend zu Wort meldenden Reichskanzler (dem er zu diesem Zeitpunkt nach der Geschäftsordnung des Reichstags sofort das Wort hätte erteilen müssen) und erklärte die Abstimmung für eröffnet. Anschliessend verwies er auf die Geschäftsordnung, wonach während einer Abstimmung keinerlei Wortmeldungen mehr zulässig seien. Mit 513 zu 42 Stimmen sprach der Reichstag dem Kabinett Papen daraufhin das Misstrauen aus. Erst jetzt nahm Göring die Auflösungsverfügung zur Kenntnis, tat sie aber mit der Bemerkung ab, sie sei von Männern gegengezeichnet, denen der Reichstag gerade das Misstrauen ausgesprochen habe. Da Papen allerdings die Mappe mit der Auflösungsverfügung noch vor dem Ende der Abstimmung auf Görings Pult gelegt hatte, war der Reichstag dennoch rechtskräftig aufgelöst und das Misstrauensvotum formal ungültig; das für Papen blamable Ergebnis der Abstimmung aber war öffentlich.
Bei den daraufhin für den 4. November 1932 ausgeschriebenen Neuwahlen zum Reichstag musste die NSDAP zwar Stimmenverluste hinnehmen, blieb aber die stärkste Fraktion. Göring wurde erneut mit bürgerlicher Mehrheit zum Reichstagspräsidenten gewählt. In den folgenden Monaten hatte er entscheidenden Anteil an der Zerschlagung der Weimarer Republik.
Zeit des Nationalsozialismus
Görings Rolle bei der Festigung der NS-Diktatur
Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Dieser holte Göring und Wilhelm Frick als einzige nationalsozialistische Minister in sein Kabinett. Göring wurde Reichsminister ohne Geschäftsbereich, Reichskommissar für das preussische Innenministerium und Reichskommissar für Luftfahrt. Als kommissarischer Innenminister war er Dienstherr der gesamten preussischen Polizei. Damit spielte er bei der Machtübernahme und dem Aufbau des NS-Regimes eine entscheidende Rolle, da man sich nur mittels der Kontrolle über die Ordnungsorgane der politischen Gegner entledigen konnte (siehe auch Hilfspolizei). Den ihm vorgesetzten kommissarischen Preussischen Ministerpräsidenten Franz von Papen überging er. Nach dem Rücktritt von Papens in dieser Funktion wurde Göring am 10. April 1933 zum Ministerpräsidenten von Preussen ernannt.
Bereits am 17. Februar 1933 hatte er die Polizeibeamten angewiesen, mit „nationalen Verbänden“ (SA, SS und Stahlhelm), „in deren Kreisen die wichtigsten staatserhaltenden Kräfte vertreten sind, das beste Einvernehmen herzustellen“. Zeitgleich formulierte er wörtlich: „Polizeibeamte, die in Ausübung dieser Pflichten (gegen staatsfeindliche Organisationen) von der Schusswaffe Gebrauch machen, werden ohne Rücksicht auf die Folgen des Schusswaffengebrauchs von mir gedeckt“. Dies bedeutete praktisch die Anordnung eines Schiessbefehls („Schiesserlass“) und beinhaltete die unverhohlene Aufforderung zu politischer Willkür zu seinem Nutzen. Zur Druckerhöhung auf die Polizeibeamten wurden den regulären Polizeieinheiten mit Erlass vom 22. Februar zusätzlich SA- und SS-Einheiten als Hilfspolizei – angeblich zur Abwehr „zunehmender Ausschreitungen von linksradikaler, insbesondere kommunistischer Seite“ – untergeschoben.
Es mussten nach einem Verteilungsschlüssel von den insgesamt fünfzigtausend eingestellten Hilfskräften auch ein Fünftel aus den Reihen des bewaffneten Armes der – ebenfalls demokratiefeindlichen – Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), dem Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, kommen. Dies war zwar keine NSDAP-Organisation, aber Göring rekrutierte zur genauen Kontrolle seiner Erlasse zugleich einige „Kommissare zur besonderen Verfügung“, die meist SS-Führer waren, aber bisher keine staatliche Funktion innehatten. NSDAP-Parteifunktionäre und somit auch Privatpersonen hatten nun faktisch direkten Zugriff auf grosse Bereiche der staatlichen Verwaltung und der Polizei erlangt.
Auf seine Initiative hin wurden ab Februar 1933 die ersten, zunächst noch sehr unstrukturierten Konzentrationslager gebaut (teils als „wilde KZs“ bezeichnet), in denen Polizei und SA festgenommene Oppositionelle inhaftierten. Die Gründung der Geheimen Staatspolizei (Gestapo), aus der später das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) hervorging, wurde von Göring veranlasst. Der erste Inspekteur der Gestapo, Rudolf Diels, war mit Göring familiär verbunden. Am 20. April 1934 übertrug Göring das Amt Heinrich Himmler. Im Juni 1934 übernahm die Gestapo eine Schlüsselrolle bei der auch von Göring veranlassten Ermordung von Ernst Röhm und etwa 200 weiteren Personen. Hitler, Göring und andere Spitzen des Regimes einigten sich zuvor auf eine „Reichsliste“ der zu Ermordenden und Festzunehmenden.
Göring gehörte 1933 zu den Gründungsmitgliedern der nationalsozialistischen Akademie für deutsches Recht Hans Franks. Als Reichstagspräsident verlas Göring am 15. September 1935 vor dem nach Nürnberg einberufenen Reichstag die Nürnberger Gesetze, welche einstimmig angenommen wurden.
Am 16. August 1933, über drei Monate vor Erlass des weltweit ersten Tierschutzgesetzes, mit dem erstmals ein Tierschutzfachgesetz in Kraft trat, nutzte er die – nach Aktivitäten von Tierschützern und mehreren Gesetzentwürfen entstandene – unklare Situation in Detailfragen zu einem medienwirksamen Schnellschuss. Göring hat in seiner Funktion als preussischer Ministerpräsident die „Vivisektion an Tieren aller Art für das gesamte preussische Staatsgebiet“ per Erlass für verboten erklärt, mit dem Hintergrund, dass diese umstrittene Erprobung von Operationsmethoden der Hauptstreitpunkt mit den Tierschützern war. Übereilt kommentierte die Nationalsozialistische Parteikorrespondenz am nächsten Tag für die Presse: „Der Ministerpräsident hat die zuständigen Ministerien beauftragt, ihm unverzüglich ein Gesetz vorzulegen, nach dem die Vivisektion mit hohen Strafen belegt wird. Bis zum Erlass dieses Gesetzes werden Personen, die trotz des Verbotes die Vivisektion veranlassen, durchführen oder sich daran beteiligen, ins Konzentrationslager abgeführt“.
Die frühe Verwendung des Wortes Konzentrationslager in den gleichgeschalteten Medien verdeutlicht, wie ernst der NS-Staat seine Tierschutz-Bemühungen nahm: Vivisektoren wurden strafrechtlich mit erklärten Feinden des NS-Regimes und den von seinem Rassismus und Antisemitismus Bedrohten auf eine Stufe gestellt. Görings Drohung hat die in Preussen tätigen Wissenschaftler und zu erwartenden Proteste der Ärzteschaft damit mundtot gemacht. Es wirkte nur, weil – ohne Detailwissen – die KZ-Drohung bereits Terrorwirkung hatte und die KZs propagandistisch nutzbar wurden. Eine Karikatur von Arthur Johnson aus dem Kladderadatsch vom 3. September 1933 belegt den Widerhall: Eine uniformierte Göring-Figur schreitet eine Parade von potenziellen Labor-Tieren ab, welche gleichsam den Hitlergruss und mit „Heil Göring“ salutieren. Diese Ironisierung von Görings Mediencoup belegt, dass zumindest in der Frühzeit seiner NS-Staatsämter spöttische Äusserungen in den Medien kursierten. Der Erlass wurde treffenderweise hier mit versuchter politischer Vereinnahmung und einer zweifelhaften Tierliebe verknüpft. Göring musste bereits zwei Wochen nach dem Erlass, in seinem über die radikalsten Forderungen der Vivisektions-Gegner hinausschiessenden Erlass, zurückrudern. Ein neuer Runderlass für Preussen definierte strafbare Vivisektion anders; derartige gab es fast nicht.
Thesen einer Naturverbundenheit des „nordisch-germanischen Menschen“ der Völkischen Bewegung und Antisemitismus waren schon früh gemeinsame Punkte in der Argumentation von radikalen Tierschützern und der NS-Ideologie: Der Tierversuch galt allgemein als Werk jüdischer Wissenschaftler und verkörperte angeblich Bestrebungen, diesen Menschen von der ihm eigenen Naturverbundenheit loszulösen und durch eine mechanistische, die Natur ausbeutende Wissenschaft zu verdrängen. Zudem ging es den neuen Machthabern darum, jegliche Agitation einer potenziellen Protestbewegung auszuschalten, was auch gelang.
Göring war in der Zeit des Nationalsozialismus – zumindest in den Augen der Öffentlichkeit – nach Hitler zweiter Mann im NS-Staat. 1934 wurde er per Führererlass zum Nachfolger Hitlers im Falle dessen Todes bestimmt. Indiz für Görings Popularität (vor dem Bombenkrieg) mag sein, dass er – anders als Hitler – zur stehenden Hauptfigur zahlreicher und nicht nur regimekritischer Witze wurde. Seine Yacht Carin II nutzte er ab 1937 intensiv als Propagandainstrument, um sich volksnah zu inszenieren. Sein Hang zu Pompösem und zu prunkvollen Uniformen brachte ihm den Spitznamen „Lametta-Heini“ ein. Mehrfach berichtete der linkssozialistische Rote Stosstrupp 1933 über Korruption, Lügen und Prunkgehabe Görings. Dieser liess daraufhin erfolglos in eigenen Reihen nach Geheimnisverrätern fahnden. Er erkannte nicht, dass der Hausmeister seiner Dienstvilla Sozialdemokrat und Vertrauter von Rudolf Küstermeier war. 1934 setzte sich Göring dafür ein, dass der Prozess gegen die Führungsriege der Widerstandsgruppe vom Leipziger Reichsgericht an den Volksgerichtshof verlegt wurde.
Aufbau der Luftwaffe und Leiter des Vierjahresplans
Am 30. Januar 1933 wurde Göring von Hitler zum Reichskommissar für den Luftverkehr bestellt. Am 2. Februar folgte die Umbenennung des Amts in Reichskommissar für die Luftfahrt. In dieser Funktion verfügte Göring Ende März den Zusammenschluss sämtlicher Luftsportorganisationen zum Deutschen Luftsportverband. Im Zuge der Umwandlung des Reichskommissariats für Luftfahrt in das Reichsluftfahrtministerium wurde Göring am 5. Mai Reichsminister der Luftfahrt. Am 30. August wurde Göring von Reichspräsident Hindenburg der Charakter eines Generals der Infanterie verliehen, was ein Überspringen von fünf Rängen bedeutete, da er als Hauptmann aus der Reichswehr ausgetreten war. Dies sollte ihm in militärischen Kreisen eine gewisse Autorität beim Aufbau der Luftwaffe verschaffen. Im Mai 1935 wurde ihm unter gleichzeitiger Umernennung zum General der Flieger der Oberbefehl über die neu gegründete Luftwaffe übertragen. Zu Hitlers Geburtstag am 20. April 1936 wurde er zum Generaloberst befördert.
Göring unterzog die wiederaufgerüstete Luftwaffe einem ersten Bewährungstest und setzte die Legion Condor in einer verdeckten Operation zugunsten von Francisco Franco im Spanischen Bürgerkrieg ein. Er gab dem Unternehmen in einer typisch theatralischen Geste den Decknamen Operation Feuerzauber, nach dem letzten Akt von „Siegfried“. Als ehemaliger Oberbefehlshaber der Luftwaffe sagte er später dazu vor dem Internationalen Militärgerichtshof:

„[…] Der Führer überlegte sich, ich drängte lebhaft, die Unterstützung unter allen Umständen zu geben. Einmal, um der Ausweitung des Kommunismus […] entgegenzutreten, zum zweiten aber, um meine junge Luftwaffe bei dieser Gelegenheit […] zu erproben. Ich sandte mit Genehmigung des Führers einen grossen Teil meiner Transportflotte und sandte eine Reihe von Erprobungskommandos meiner Jäger, Bomber und Flakgeschütze hinunter und hatte auf diese Weise Gelegenheit, im scharfen Schuss zu erproben, ob das Material zweckentsprechend entwickelt wurde. […]“.
1934 wurde Göring Reichsjägermeister, Reichsforstmeister und Oberster Beauftragter für den Naturschutz. In ersterer Funktion setzte er das Reichsjagdgesetz vom 3. Juli 1934 durch (es gilt im Wesentlichen bis heute). Auf vielen Fotos ist er mit einer Anstecknadel an der Oberbekleidung (z. B. an Revers oder Krawattenknoten), der „Reichsjägermeisternadel“, zu sehen (einer goldenen, mit Edelsteinen bestückten Nadel). Um seiner Jagdleidenschaft nachgehen zu können, liess er seine beiden Landsitze inmitten von Wald errichten – ab 1933 Carinhall in der Schorfheide und 1935/36 den Reichsjägerhof Rominten in der Rominter Heide. Göring förderte die Abbildzüchtung des Auerochsen und Tarpans.
Am 18. Oktober 1936 wurde Göring zum Beauftragten für den Vierjahresplan ernannt. Damit war er faktisch Wirtschaftsdiktator in Deutschland. Ein Ziel der Kriegsvorbereitungspolitik war, die Auslandsabhängigkeit bei Eisen und Stahl auf ein Minimum zu reduzieren. Zur Ausbeutung geringwertiger Eisenerze wurden am 15. Juli 1937 die Reichswerke Hermann Göring gegründet. Damit sollten kriegswirtschaftliche Erfordernisse gesichert werden, was nur ungenügende Profitchancen für das Privatkapital bot. Den Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht verdrängte er schnell. Sein Auftrag war es, die deutsche Wirtschaft kriegsbereit zu machen (siehe auch Aufrüstung der Wehrmacht). Letztlich scheiterte er an dieser Aufgabe. Diese Funktion übernahm ab 17. März 1940 Fritz Todt, als Reichsminister für Bewaffnung und Munition, und letztlich 1942 Albert Speer.
Die Reichswerke Hermann Göring (HGW) waren neben der I.G. Farben und der Vereinigte Stahlwerke AG der grösste deutsche Konzern im nationalsozialistischen Deutschen Reich. Für die historische Betrachtung der Zwangsarbeit im „Dritten Reich“ sind die HGW von zentraler Wichtigkeit. In den HGW wurden auf Grundlage eines ausufernden Lager- und Verwaltungssystems alle Formen von Zwangsarbeit in Höchstzahlen angewendet, dies schloss die grossangelegte Ausbeutung von KZ-Häftlingen mit ein. Das Unternehmen war 1944 der grösste europäische Stahlkonzern.
Während der Blomberg-Fritsch-Krise im Januar 1938 intrigierte Göring gegen Werner von Blomberg und nötigte diesen zum Rücktritt, offenbar in der Hoffnung, den Oberbefehl über die Wehrmacht von ihm übernehmen zu können. Schliesslich übernahm Hitler diesen selbst, und Göring wurde am 4. Februar 1938 zum Generalfeldmarschall befördert. Nach Blombergs Rücktritt war Göring bis 1939 der einzige Träger dieses Dienstgrades und wurde somit zum ranghöchsten Offizier der Wehrmacht.
Novemberpogrome
Am 12. November 1938, im Anschluss an die auch als „Kristallnacht“ bekannten Novemberpogrome, berief Göring eine Sitzung im Reichsluftfahrtministerium ein, um Massnahmen zu beschliessen, die reichsdeutschen Juden zu enteignen und zur Auswanderung zu zwingen. So schlug er vor, den deutschen Juden eine Geldbusse von einer Milliarde Reichsmark wegen des Attentats auf den deutschen Legationssekretär Ernst Eduard vom Rath, die Judenvermögensabgabe, aufzuerlegen. Durch die Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben und die Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens sorgte er dafür, dass die wilde Arisierung staatlich geregelt und forciert wurde. Die Ausschreitungen, bei denen über 1’400 Synagogen zerstört, unzählige Geschäfts- und Wohnungseinrichtungen jüdischer Bürger zerstört worden waren und 400 Tote zu beklagen waren, kommentierte er, es wäre ihm lieber gewesen, wenn „200 Juden erschlagen“ worden wären, statt „solche Werte“ zu vernichten.
Sudetenkrise und Münchner Konferenz
Hitlers Kriegsplänen stand Göring intern skeptisch gegenüber, da er deren Erfolgsaussichten bezweifelte. Hingegen äusserte er auf einer Besprechung mit Luftfahrtindustriellen auf seinem repräsentativen Anwesen Carinhall am 8. Juli 1938:
„Wir müssen uns ganz klar darauf einstellen. Ich glaube, so wie die Lage ist, ist es zu 10, zu 15 % so, dass sich irgendwie die Sache verhältnismässig noch in kleineren Aktionen lösen kann. Aber zu 80, 85, 90 % bin ich überzeugt, dass es doch einmal einen grösseren Kladderadatsch geben wird und dass wir dann einmal den grossen Kampf machen müssen, den ich nicht scheue. Es kommt nur darauf an, dass nicht wieder schlapp gemacht wird. […] Dann ist Deutschland die erste Macht der Welt, dann gehört Deutschland der Markt der Welt, dann kommt die Stunde, wo Deutschland reich ist. Aber man muss was riskieren, man muss was einsetzen“.
1938, während der Sudetenkrise, arrangierte er hinter dem Rücken des Aussenministers Joachim von Ribbentrop gemeinsam mit dem italienischen faschistischen Diktator Benito Mussolini die Münchner Konferenz, in der die Vertreter der Entente und ihrer Verbündeten im Ersten Weltkrieg (Italien, Grossbritannien und Frankreich) – unter Abwesenheit der nichtgeladenen Tschechoslowakei – zur Enttäuschung Hitlers nachgaben, um einen möglichen Krieg zu verhindern. Im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs wurde Göring deswegen aussenpolitisch kaltgestellt, um nicht noch einmal Hitlers Pläne zu stören.
Frankreichfeldzug, gescheiterte Luftschlacht um England und Luftbrücke nach Stalingrad
Hitler ernannte am 19. Juli 1940 (also kurz nach dem Ende des Westfeldzuges) gleichzeitig zwölf Generäle (neun Heer, drei Luftwaffe) zum Generalfeldmarschall. Göring wurde im selben Monat von diesem Rang zum Reichsmarschall des Grossdeutschen Reiches befördert, ein eigens für ihn geschaffener, höchster Dienstgrad. Ein Jahr später übertrug ihm Hitler per Erlass vom 29. Juni 1941 die Führernachfolge mit allen Vollmachten für den Fall, dass er selbst „seiner Handlungsfähigkeit beraubt“ sei. In diese Zeit fällt auch seine Freundschaft zu seinem italienischen Amtskollegen Italo Balbo.
Bis zum Frankreichfeldzug im Mai und Juni 1940 wurde Göring als Held der Luftwaffe gefeiert. Wegen seiner katastrophalen Luftkriegsstrategie gegen England (siehe Luftschlacht um England) fiel er mehr und mehr in Ungnade. Er war auch mitverantwortlich für das Debakel von Stalingrad, weil er Hitler wider besseres Wissen zusagte, die Luftwaffe könne die eingeschlossene 6. Armee aus der Luft versorgen.
Ausbeutung besetzter Gebiete und Beteiligung am Holocaust
In seiner Funktion als Beauftragter für den Vierjahresplan organisierte er die wirtschaftliche Ausbeutung der besetzten Gebiete. Dass dem von ihm mitverantworteten Hungerplan Millionen von Menschen zum Opfer fallen würden, bezeichnete er als notwendig und erwünscht. So sagte er am 25. November dem italienischen Aussenminister Graf Ciano:

„In diesem Jahr werden 20 bis 30 Millionen Menschen in Russland verhungern. Vielleicht ist es gut so, da bestimmte Völker dezimiert werden müssen“.
Im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher bestätigte er, sich in einer Besprechung mit den Reichskommissaren für die besetzten Gebiete am 6. August 1942 in Bezug auf das besetzte Frankreich unter anderem wie folgt geäussert zu haben:

„Früher schien mir die Sache doch verhältnismässig einfacher zu sein. Da nannte man das Plündern. Da stand dem Betreffenden zu, das wegzunehmen, was man eroberte. Nun, die Formen sind humaner geworden. Ich gedenke trotzdem zu plündern, und zwar ausgiebig […]“.
Seine Beteiligung an der Vorbereitung und Durchführung des Holocaust ist durch einen Befehl vom 31. Juli 1941 belegt, dessen Echtheit er auch im Nürnberger Prozess bestätigte. In diesem beauftragte er Reinhard Heydrich, alle notwendigen Vorbereitungen zur „Endlösung der Judenfrage“ zu treffen und einen „Gesamtentwurf“ hierfür zu erarbeiten. Im Dezember 1941 berief dieser für den 20. Januar 1942 die Wannseekonferenz ein, an der 15 hochrangige Vertreter des NS-Regimes teilnahmen. Im Nürnberger Prozess stritt Göring jede Verantwortung und Kenntnis über den Holocaust ab. Nachdem ihm ein Film über ein Konzentrationslager gezeigt worden war, sagte er, er habe die genauen Zustände in den Lagern nicht gekannt; die Darstellungen im Film halte er für übertrieben.
Hermann Göring und die Kunst
Göring war als Sammler von Kunstwerken bekannt und berüchtigt. Es gab einen massgeblich durch Spenden deutscher Grossindustrieller gespeisten „Kunstfond“. Durch Raub und Erpressung, aber auch durch Kauf häufte er über 4’000 Kunstobjekte an. Allein in Italien nahmen die Einkäufe Görings und Hitlers derartige Ausmasse an, dass die Regierung den Verkauf von Kunstschätzen an Nicht-Italiener im September 1941 per Dekret verbot. Für die Sammlung wollte Göring seinen Landsitz Carinhall in der Schorfheide bei Berlin in ein Museum, die Norddeutsche Galerie, umwandeln. Sammelschwerpunkt war die Kunst des Mittelalters und der Renaissance. Er arbeitete mit dem für Kunstraub bekannten Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg (ERR) zusammen, der für ihn auch Tauschgeschäfte durchführte. Dabei tauschten Rosenbergs Leute beschlagnahmte Werke der Moderne gegen Gemälde alter Meister ein. Zudem setzte er auch eine eigene Organisation, die „Devisenschutzkommandos“ ein, die in seinem Auftrag in besetzten Gebieten Kunst beschlagnahmte. Für ihn besorgten der Kunsthändler Walter Andreas Hofer und der ERR-Mitarbeiter Bruno Lohse auch Bilder aus beschlagnahmtem jüdischem Besitz. Seiner Bau- und Sammelleidenschaft kam eine ihm 1943 von Hitler gewährte Dotation in Höhe von 6 Millionen Reichsmark sehr zustatten. Von der Preussischen Schlösserverwaltung entlieh sich Göring ein Gemälde von August Weber – es tauchte nie wieder auf.
Im Juni 1942 weihte er die nach ihm benannte Hermann-Göring-Meisterschule für Malerei in Kronenburg (Eifel) ein. Ebenfalls 1942 wurde während der deutschen Besatzung der Niederlande eine Jan Vermeer-Fälschung Christus und die Ehebrecherin an Göring verkauft, obwohl dieses Bild leicht als Fälschung hätte erkannt werden können, da es mit Kobaltblau eine Farbe enthielt, die es zu Vermeers Zeit noch nicht gab.
Im Frühjahr 1945 wurden viele Kunstgüter der Sammlung nach Bayern transportiert; dort fanden vorrückende Truppen der US Army (101st Airborne Division) sie.
Allmählicher Bedeutungsverlust
Seit 1942 sank Görings Einfluss. Während er sich bei Lagebesprechungen häufig vertreten liess, reiste er viel umher und widmete sich seiner Sammel- und Jagdleidenschaft; an der Entwicklung des Krieges nahm er nur noch wenig Anteil. Einer der Gründe waren die verheerenden Luftangriffe etwa auf Lübeck, Rostock und Köln, denen Görings Luftwaffe kaum etwas entgegenzusetzen hatte. Vor dem Krieg soll Göring angegeben haben, er wolle „Meier heissen, wenn auch nur ein einziges feindliches Flugzeug die deutsche Grenze überfliegen“ werde. Ein Nachweis für dieses Zitat findet sich zwar nirgends, doch es wurde ihm jetzt höhnisch vorgehalten, und er bekam den Spitznamen „Hermann Meier“.
Am 23. Juli 1944, drei Tage nach dem Stauffenberg-Attentat, ordnete Göring nach Absprache mit Hitler an, dass für alle Wehrmachtsteile künftig nur noch der Deutsche Gruss als Ehrenbezeigung zulässig sei.
Entmachtung
Am 20. April 1945 verliess Göring nach dem offiziellen Geburtstagsempfang für Adolf Hitler Berlin in Richtung Berchtesgaden. Er verabschiedete sich von Hitler mit der Begründung, dass in Süddeutschland wichtige Aufgaben auf ihn warteten.
Am 23. April 1945 teilte Göring in einem Telegramm an Hitler aus Berchtesgaden mit, er betrachte sich für den Fall, dass Hitler weiterhin in Berlin ausharre und bis 22 Uhr keine anderslautende Mitteilung einginge, gemäss der im Juni 1941 per Erlass getroffenen Regelung ab sofort als Nachfolger des Führers mit allen Vollmachten. Hitler interpretierte dies als versuchten Staatsstreich und unterzeichnete einen von Martin Bormann aufgesetzten Funkspruch, wonach der Reichsmarschall seiner Ämter enthoben und sofort wegen Hochverrats zu verhaften sei. Göring wurde daraufhin auf dem Obersalzberg von der dortigen SS-Kommandantur festgesetzt. Am 25. April meldete der Grossdeutsche Rundfunk, Göring sei aufgrund von Herzproblemen von all seinen Ämtern zurückgetreten. In seinem politischen Testament vom 29. April 1945 stiess Hitler ihn aus der NSDAP aus und entzog ihm alle aus dem Erlass von 1941 resultierenden Rechte.
Gefangennahme, Prozess und Tod
Nachdem Hitler und Eva Braun am 30. April 1945 Selbstmord begangen hatten, wurde Göring aus der Haft entlassen. Auf die Frage, wohin er nun wolle, antwortete er: „Auf die Burg meiner Jugend“. Er fuhr am 7. Mai 1945 in Richtung Burg Mauterndorf (Österreich), und da es unsicher war, ob es den sowjetischen Streitkräften nicht doch noch gelingen würde, ins Murtal, also bis in den Salzburger Lungau vorzustossen, floh er nach Schloss Fischhorn im Salzburger Pinzgau und begab sich in die Hände der 36. US-Infanteriedivision der 7. US-Armee. Zuvor hatte sein Adjutant Oberst Bernd von Brauchitsch die Gefangennahme ausgehandelt. Bei seiner Festnahme durch die Alliierten trug er zwei Koffer mit Paracodintabletten bei sich, die er suchtmässig konsumierte, nachdem er sie 1937 gegen Zahnschmerzen genommen hatte. Im amerikanischen Gewahrsam wurde Göring direkt von den Generälen John Dahlquist und William W. Quinn vernommen. Dabei geschossene Pressefotos sorgten später in der amerikanischen Bevölkerung für Unmut, da sie eine zu ungezwungene Gesprächsatmosphäre mit Göring suggerierten.
Am 9. Mai gab Göring im Hauptquartier der 7. US-Armee in Kitzbühel eine Pressekonferenz für die internationale Presse. Dabei sprach er u. a. über Hitler, die Luftangriffe auf England und äusserte die Ansicht, dass er den Krieg als Fussballspiel betrachte, an dessen Ende sich die Gegner die Hände geben würden. Anschliessend wurde er am 10. Mai nach Augsburg geflogen, wo er in einem Internierungslager der Amerikaner im Stadtteil Bärenkeller zehn Tage lang u. a. von Eric M. Warburg verhört wurde. Bei einer weiteren Pressekonferenz war Klaus Mann, damals Reporter der Armeezeitung Stars and Stripes, anwesend.
Am 21. Mai 1945 wurde Göring in Begleitung seiner Frau Emmy und seiner Tochter Edda in das geheime US-Lager Camp Ashcan im luxemburgischen Bad Mondorf gebracht, in dem zwischen Mai und September 1945 ein Grossteil der bis dahin gefangenen NS-Funktionäre und hochrangigen Militärs festgehalten und verhört wurde. Ab November 1945 war er als ranghöchster Nationalsozialist in Nürnberg angeklagt. Nach seinem Drogenentzug wirkte er auf viele Protagonisten des Nürnberger Prozesses lebendiger und schlagfertiger als in all den Jahren des Dritten Reiches zuvor.
Er wurde in allen vier Anklagepunkten (Verschwörung gegen den Weltfrieden; Planung, Entfesselung und Durchführung eines Angriffskrieges; Verbrechen gegen das Kriegsrecht; Verbrechen gegen die Menschlichkeit) schuldig gesprochen und zum Tod durch Hängen verurteilt. Göring stellte beim Gericht den Antrag, erschossen zu werden, was aber abgelehnt wurde. Der Vollstreckung des Urteils entzog er sich schliesslich am 15. Oktober 1946, in der Nacht vor dem Hinrichtungstermin, durch Selbsttötung mit einer Zyankali-Giftkapsel.
Woher Göring das Gift hatte, wurde bald Gegenstand zahlreicher Spekulationen. Erich von dem Bach-Zelewski, ein ehemaliger Obergruppenführer der Waffen-SS, behauptete in der Untersuchungshaft, es sei von ihm. Er habe schon vor Beginn des Prozesses den Kontakt zum ehemaligen Reichsmarschall gesucht und ihm im Korridor das Gift in einem Stück Seife zukommen lassen. Diese Behauptung belegte Bach-Zelewski damit, dass er den Amerikanern 1951 eine weitere Ampulle lieferte, deren Glas aus derselben Herstellungsserie stammte wie die Splitter, die in Görings Mundhöhle gefunden worden waren. Nach einer anderen Version soll Jack G. Wheelis, ein Leutnant der US Army, mit dem sich Göring angefreundet hatte, ihm das Gift zugesteckt haben. Anfang 2005 meldete sich schliesslich der ehemalige Wachsoldat Herbert Lee Stivers, der bei den Nürnberger Prozessen seinen Dienst getan hatte, und behauptete, dass er damals von einer Frau („Mona“) und einem Mann gebeten worden sei, Göring Notizen und eine in einem Füllfederhalter versteckte Kapsel zuzustecken. Diese hätten ihm gesagt, dass Göring ein sehr kranker Mann sei und Medizin benötige. Herbert Lee Stivers sei seit dem Bekanntwerden von Görings Suizid davon überzeugt, dass es sich bei der „Medizin“ um das Zyankali für den Selbstmord gehandelt habe; aus Furcht vor Strafverfolgung aber habe er bis dahin geschwiegen.
Göring selbst beschrieb den Plan seiner Selbsttötung in einem Abschiedsbrief an den Gefängniskommandanten. Demnach habe er von Anfang an drei Zyankalikapseln bei sich gehabt. Eine versteckte er so, dass sie gefunden werden konnte, eine weitere so gründlich, dass sie nicht gefunden wurde; während des Nürnberger Prozesses hatte er diese Kapsel bei sich im Stiefel. Die dritte Kapsel befand sich in einer Dose mit Hautcreme in Görings Gepäck, auf die er durch den amerikanischen Offizier Jack G. Wheelis Zugriff hatte.
Sein Leichnam wurde im Städtischen Krematorium auf dem Münchner Ostfriedhof eingeäschert und die Asche in den Wenzbach, einen Zufluss der Isar, gestreut.
Ämtervielfalt
Göring bekleidete zahlreiche Posten, die er sich alle bezahlen liess. Seine wichtigsten Ämter waren:
- politischer Beauftragter des Führers in der Reichshauptstadt (1932–1933)
- Preussischer Minister des Innern (1933–1934)
- Preussischer Ministerpräsident (1933–1945)
- stellvertretender Reichsstatthalter von Preussen (1933–1945)
- Präsident des Preussischen Staatsrates (1933–1945)
- Präsident des Reichstags (1932–1945)
- Reichsminister ohne Geschäftsbereich (1933)
- Reichsforstmeister (1934–1945)
- Reichsjägermeister (1934–1945)
- Reichsbeauftragter für Rohstoff- und Devisenfragen (6. Juli 1936)
- Mitglied des Geheimen Kabinettsrats (1938–1945)
- Vorsitzender des Ministerrats für Reichsverteidigung (1939–1945)
- designierter Nachfolger des Führers (1934–1945)
- Präsident des Reichsforschungsrats (1943–1945)
- Reichskommissar für die Luftfahrt (1933)
- Reichsminister der Luftfahrt (1933–1945)
- Präsident des Reichsluftschutzverbandes (1933)
- Oberbefehlshaber der Luftwaffe (1935–1945)
- Reichskommissar für Rohstoffe und Devisen (1936)
- Beauftragter für den Vierjahresplan (1936–1945)
- Vorsitzender des Zentralen Planungsamts (1943–1945)
- Hauptleiter der Reichswerke Hermann Göring (1937–1945)
Rezeption
Für sein Streben nach Auszeichnungen, seine Sammelleidenschaft und seine Vorliebe für Prunk bekannt, liess er Gemälde, die ihm gefielen, konfiszieren. Trotz der angespannten Lage der deutschen Streitkräfte in der Sowjetunion feierte Göring seinen 50. Geburtstag 1943 mit enormem Aufwand und forderte vom Finanzminister zwei Millionen Reichsmark zur Vergrösserung von Carinhall. Hitler kannte und duldete diese Forderungen. In der ostpreussischen Rominter Heide hielt er, auch mit ausländischen Gästen, grosse Jagden ab. Oberforstmeister Walter Frevert berichtete in seinen Büchern über Görings Jagdneid, wenn einer seiner Gäste einen zu starken Hirsch geschossen hatte.
Im Volksmund wurde Göring wegen seiner auffälligen, oft aus Uniform und vielen Orden bestehenden Garderobe „Goldfasan“ oder „Lametta-Heini“ genannt. In einer populären Parodie auf ein ursprünglich von Claire Waldoff gesungenes Couplet hiess es:

„Rechts Lametta, links Lametta,
Und der Bauch wird imma fetta,
In den Lüften ist er Meesta –
Hermann heesst er“!.
Wie Hitler und Himmler unterstanden auch Göring bewaffnete „Elite-Einheiten“: Die SA-Standarte „Feldherrnhalle“, deren „Ehren-Standartenführer“ er wurde, und das Polizeiregiment „General Göring“, das später in die Luftwaffe überführt und während des Krieges zum Fallschirm-Panzerkorps „Hermann Göring“ ausgebaut wurde (siehe Fallschirm-Panzer-Division 1 Hermann Göring).
Göring war Ehrenbürger zahlreicher deutscher Städte. Im Zuge seiner Verurteilung als einer der Hauptschuldigen im Nürnberger Prozess verlor Göring alle Ehrenbürgerschaften (Vorrechte) gemäss Artikel VIII, Ziffer II, Buchstabe i der Direktive 38 des Alliierten Kontrollrats vom 12. Oktober 1946.
1974 liess der Freistaat Bayern den Nachlass Görings versteigern, was die DDR-Dokumentarfilmer Walter Heynowski und Gerhard Scheumann in ihrem Kurzfilm „Meiers Nachlass“ (1975) problematisierten.
Generalfeldmarschall Albert Kesselring
Bayerische Armee
Kesselring wuchs als Sohn eines Lehrers und späteren Stadtschulrates in Bayreuth auf. Nach bestandenem Abitur am Gymnasium Christian-Ernestinum trat er am 20. Juli 1904 in das in Metz stationierte 2. Fussartillerie-Regiment der Bayerischen Armee ein. Am 8. März 1906 erfolgte seine Ernennung zum Leutnant. Nachdem er am 29. März 1910 seine Frau Pauline geheiratet hatte, adoptierte das Paar 1913 einen Jungen (Rainer). Im Juni 1912 absolvierte er einen Ballonbeobachter-Kurs in einer Luftschiffabteilung (bevor es Aufklärungsflugzeuge gab, verwendete man Fesselballone). Am 25. Oktober wurde er zum Oberleutnant befördert.
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges diente Kesselring als Bataillonsadjutant bei der Artillerie. Am 5. Dezember 1914 wurde er zum Hauptquartier der Fussartillerie-Brigade versetzt. 1916 zum Hauptmann befördert, war er als Generalstabsoffizier bei Divisions- und Korpsstäben tätig. Seine Leistungen während des Krieges wurden durch die Verleihung beider Klassen des Eisernen Kreuzes, des Militärverdienstordens IV. Klasse mit Schwertern und mit Krone sowie des Ritterkreuzes II. Klasse des Albrechts-Ordens mit Schwertern gewürdigt.
Weimarer Republik
Nach dem Krieg wurde Kesselring 1919 in die Reichswehr übernommen und zunächst als Batteriechef verwendet. 1922 wurde er ins Reichswehrministerium versetzt, wo er unter anderem in der Heeres-Ausbildungsabteilung (T 4) und im Stab des Chefs der Heeresleitung verwendet wurde. Nach Tätigkeiten als Generalstabsoffizier in verschiedenen Divisionsstäben übernahm Kesselring von 1931 bis 1933 als Oberstleutnant die Funktion des Kommandeurs der III. Abteilung im 4. Artillerie-Regiment in Dresden.
Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
1933 wechselte Kesselring, inzwischen Oberst, in das neugebildete Reichsluftfahrtministerium, wo er die Leitung des Amtes D (später Luftwaffenverwaltungsamt) übernahm. Sein Aufgabengebiet umfasste hierbei den Aufbau der späteren Luftwaffe. Er schied 1934 auch formal aus dem Heer aus und legte die Flugzeugführerprüfung ab. 1936 erfolgte die Beförderung Kesselrings zum Generalleutnant, im Juni dieses Jahres wurde er als Nachfolger des verunglückten Walther Wever zum Chef des Generalstabs der Luftwaffe ernannt. Im Juni 1937 übernahm er unter Beförderung zum General der Flieger den Befehl im Luftkreis III (Dresden). Zu Beginn des folgenden Jahres wurde er Befehlshaber des Luftwaffengruppenkommandos 1 in Berlin, das später in die Luftflotte 1 umgewandelt wurde. Ihm unterstand zu dieser Zeit der deutsche Luftraum von Berlin und Mitteldeutschland nach Osten.
Zweiter Weltkrieg
Erste Feldzüge
Als Hitler am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg begann, kommandierte Kesselring die Luftflotte 1; sie war während des Polenfeldzugs für die Luftunterstützung der Heeresgruppe Nord zuständig. Nach der Kapitulation Warschaus, das zuvor schwer bombardiert worden war, wurde ihm am 30. September 1939 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Im Januar 1940 übernahm er den Befehl über die Luftflotte 2 im Westen, die während des Westfeldzugs die Heeresgruppe B unterstützte. Verbände unter seinem Befehl führten am 14. Mai einen verheerenden Luftangriff auf Rotterdam aus, um die Kapitulation der Niederlande zu erzwingen. Am 19. Juli 1940, nach Beendigung der Kampfhandlungen in Frankreich, wurde Kesselring unter Überspringen des Ranges Generaloberst zum Generalfeldmarschall befördert (zeitgleich mit elf weiteren Generälen). Während der anschliessenden Luftschlacht um England war seine Luftflotte für die Angriffe auf Südostengland und ab September 1940 auch auf London (The Blitz) zuständig.
In Vorbereitung des Angriffs auf die Sowjetunion wurde Kesselrings Luftflotte im Juni 1941 nach Polen verlegt. Ihre Aufgabe war die Unterstützung der Heeresgruppe Mitte bei deren Vormarsch auf Moskau. Sie hatte einen entscheidenden Anteil bei den erfolgreichen Kesselschlachten in den ersten Monaten der Invasion. Im November 1941 erhielten der Stab und mehrere unterstellte Verbände den Befehl zur Verlegung nach Italien.
Mittelmeerraum und Italien
Kesselring bezog sein Hauptquartier in Frascati bei Rom. Er erhielt zusätzlich den Titel „Oberbefehlshaber Süd beim italienischen Oberkommando“. Seine Aufgabe war die Bekämpfung der britischen Truppen auf Malta und die Sicherung des deutschen Nachschubs über See, insbesondere nach Nordafrika. Dort standen bzw. kämpften im Rahmen des Afrikafeldzuges (9. September 1940 bis 13. Mai 1943) deutsche Truppen.
Als Anerkennung für seine Führung und die Leistung der Truppe wurden Kesselring am 25. Februar 1942 das Eichenlaub und am 18. Juli desselben Jahres die Schwerter zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Für seinen 200. Frontflug erhielt er 1942 die goldene Frontflugspange. Im Oktober 1942 wurde seine Befehlsgewalt auf alle nominell unter italienischem Oberbefehl stehenden Wehrmachtverbände im Mittelmeerraum mit Ausnahme von Erwin Rommels Panzerarmee Afrika ausgedehnt, Anfang 1943 erhielt er den Gesamtbefehl über den Brückenkopf Tunesien (Tunesienfeldzug Februar bis Mai 1943). Seine überoptimistischen Lagebeurteilungen trugen zum Untergang der Heeresgruppe Afrika im Tunesienfeldzug bei.
Nach der Landung der Alliierten auf Sizilien (ab 10. Juli 1943) und dem Sturz Mussolinis im Juli 1943 wurde Kesselring mit der Vorbereitung der im süditalienischen Raum einzuleitenden Massnahmen bei einem Abfall Italiens beauftragt (Fall Achse). Nach der Landung der Alliierten in Italien wurde Kesselring am 21. November zum Oberbefehlshaber Südwest und Oberbefehlshaber der Heeresgruppe C ernannt. Zudem wurde ihm die Vollziehende Gewalt in den italienischen Operationsgebieten übertragen.
Mittelmeerraum und Italien
Kesselring bezog sein Hauptquartier in Frascati bei Rom. Er erhielt zusätzlich den Titel „Oberbefehlshaber Süd beim italienischen Oberkommando“. Seine Aufgabe war die Bekämpfung der britischen Truppen auf Malta und die Sicherung des deutschen Nachschubs über See, insbesondere nach Nordafrika. Dort standen bzw. kämpften im Rahmen des Afrikafeldzuges (9. September 1940 bis 13. Mai 1943) deutsche Truppen.
Als Anerkennung für seine Führung und die Leistung der Truppe wurden Kesselring am 25. Februar 1942 das Eichenlaub und am 18. Juli desselben Jahres die Schwerter zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Für seinen 200. Frontflug erhielt er 1942 die goldene Frontflugspange. Im Oktober 1942 wurde seine Befehlsgewalt auf alle nominell unter italienischem Oberbefehl stehenden Wehrmachtverbände im Mittelmeerraum mit Ausnahme von Erwin Rommels Panzerarmee Afrika ausgedehnt, Anfang 1943 erhielt er den Gesamtbefehl über den Brückenkopf Tunesien (Tunesienfeldzug Februar bis Mai 1943). Seine überoptimistischen Lagebeurteilungen trugen zum Untergang der Heeresgruppe Afrika im Tunesienfeldzug bei.
Nach der Landung der Alliierten auf Sizilien (ab 10. Juli 1943) und dem Sturz Mussolinis im Juli 1943 wurde Kesselring mit der Vorbereitung der im süditalienischen Raum einzuleitenden Massnahmen bei einem Abfall Italiens beauftragt (Fall Achse). Nach der Landung der Alliierten in Italien wurde Kesselring am 21. November zum Oberbefehlshaber Südwest und Oberbefehlshaber der Heeresgruppe C ernannt. Zudem wurde ihm die Vollziehende Gewalt in den italienischen Operationsgebieten übertragen.
Geiselerschiessungen in Italien
Kesselring war Hitler stets loyal ergeben und äusserte sich zum NS-Regime nie konkret. Als Oberbefehlshaber in Italien war er für mehrere sogenannte „Sühnemassnahmen“ der Wehrmacht gegen die italienische Zivilbevölkerung nach Angriffen der italienischen Resistenza gegen Angehörige der Wehrmacht verantwortlich.
So liess Kesselring nach einem Attentat in der Via Rasella in Rom am 23. März 1944, dem 33 Mitglieder des Polizeiregimentes Bozen zum Opfer fielen, 335 völlig unbeteiligte italienische Zivilisten in den Ardeatinischen Höhlen erschiessen.
Ab April 1944 leitete Kesselring auch die gesamte „Bandenbekämpfung“ in den italienischen Operationsgebieten. Der Höchste SS- und Polizeiführer wurde ihm persönlich unterstellt und erhielt von Kesselring die Richtlinien.
Ein logistisches Problem beim deutschen Rückzug war Rom mit seinen unschätzbaren Denkmälern und unersetzlichen Gebäuden. Die Alliierten hatten angefangen, San Lorenzo, einen vorwiegend von Arbeitern bewohnten Stadtteil Roms zu bombardieren, da sich dort angeblich deutsche Truppen und Nachschubzentren befanden. Um ein zweites Monte Cassino oder gar Stalingrad zu verhindern, weigerte sich Papst Pius XII. die Stadt zu verlassen und bemühte sich um eine allseitige Erklärung Rom als offene, militärfreie Stadt. Viele halfen ihm dabei, auf vatikanischer Seite Pankratius Pfeiffer, Domenico Tardini, Otto Faller, auf deutscher Seite Ernst von Weizsäcker und SS-General Karl Wolff.
Anfang Juni 1944 erklärte Kesselring Rom zur „offenen Stadt“ und zog bis auf eine Nachhut alle Truppen ab. Am 4. Juni 1944 marschierten Truppen der 5. US-Armee in Rom ein.
Kesselring bekam am 19. Juli 1944, einen Tag vor seinem vierzigjährigen Dienstjubiläum, die Brillanten zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern verliehen. Er war einer von 27 Trägern dieser Auszeichnung.
Gegen Ende einer der schwersten Abwehrschlachten in Italien, am Nordhang des Apennin, wurde Kesselring am 23. Oktober 1944 bei einem seiner täglichen Truppenbesuche schwer verwundet. Stellvertretend für ihn übernahm Generaloberst Heinrich von Vietinghoff bis Mitte Januar den Oberbefehl in Italien. Am 5. Januar 1945 empfing Adolf Hitler Kesselring im Führerhauptquartier Adlerhorst.
Kriegsende
Kesselring wurde am 8. März 1945, einen Tag nach der Einnahme der Ludendorff-Brücke bei Remagen, erneut ins Führerhauptquartier einbestellt und dort zum Nachfolger Gerd von Rundstedts als Oberbefehlshaber West ernannt. Am 11. März übernahm er den Befehl über die Westfront. Einen Einfluss auf den weiteren Verlauf des Krieges hatte er infolge der nicht mehr zu stoppenden Rheinüberschreitung durch die Alliierten – sie überquerten den Fluss am 23. März bei Nierstein, am 24./25. März zwischen Emmerich und Wesel (Operation Plunder), sowie an weiteren Stellen – nicht mehr. Für den Fall einer Zerschneidung der Heeresfronten und Kesselbildung wurde er von Hitler zum Oberbefehlshaber im Südkessel bestimmt. Ende April 1945 wurden ihm auch die bis dahin unabhängigen Oberbefehlshaber Südwest und Südost unterstellt.
Der Nachfolger Kesselrings als OB Südwest, Heinrich von Vietinghoff-Scheel, und dessen Stabschef Hans Röttiger bahnten Ende April 1945 die Kapitulation in Italien an. Kesselring wollte sie standrechtlich erschiessen lassen, konnte aber nicht verhindern, dass am 2. Mai die bedingungslose Kapitulation der deutschen Streitkräfte in Italien unterzeichnet wurde.
Am 15. Mai – eine Woche nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht – geriet Kesselring selbst in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Die Westalliierten internierten ihn nebst anderen hohen Offizieren und NSDAP-Funktionären im Camp Ashcan im luxemburgischen Bad Mondorf.
Nachkriegszeit
Am 6. Mai 1947 wurde er von einem britischen Militärgericht in Mestre bei Venedig wegen Kenntnis und Duldung von Geisel-Erschiessungen sowie seiner Befehle zur „Bandenbekämpfung“ nach 57 Verhandlungstagen zum Tod durch Erschiessen verurteilt, im Juli jedoch zu lebenslanger Haft begnadigt und nach Werl in ein Militärgefängnis verlegt. Kesselrings Verteidiger war Hans Laternser. 1948 wurde die Haftstrafe auf 21 Jahre verkürzt.
Am 23. Oktober 1952 wurde er begnadigt, auch wegen seiner durch eine Krebserkrankung schlechten gesundheitlichen Verfassung, und vorzeitig entlassen.
Von 1952 bis 1960 war Kesselring dann Bundesführer des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, eine Neugründung des Stahlhelm der Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs. 1953 veröffentlichte Kesselring den ersten Teil seiner Memoiren (Soldat bis zum letzten Tag) und 1955 den zweiten (Gedanken zum Zweiten Weltkrieg). Er distanzierte sich nicht von seinen Taten oder seiner bedingungslosen Loyalität zu Adolf Hitler. Am 16. Juli 1960 starb er in einem Sanatorium in Bad Nauheim an einem Herzinfarkt; er wurde auf dem Bergfriedhof in Bad Wiessee beigesetzt. Die Grabrede hielt der damalige Inspekteur der Luftwaffe und frühere Wehrmachtsgeneral Josef Kammhuber.
Rezeption
In der 2004 erschienenen knapp 400-seitigen Monographie Kesselrings letzte Schlacht. Kriegsverbrecherprozesse, Vergangenheitspolitik und Wiederbewaffnung von Kerstin von Lingen wird dargestellt, dass die Nachkriegsöffentlichkeit in Deutschland die moralische Bewertung Kesselrings weitgehend einseitig zu seinen Gunsten vorgenommen hat.
Sie beschreibt im Detail, wie eine regelrechte Pressekampagne „Freiheit für Kesselring!“ für seine Begnadigung stattfand. Die FAZ etwa titelte: „Unschuldige kann man nicht amnestieren“. Höhepunkt war eine Serie der Illustrierten Stern, die 1951 mit dem Titel aufmachte „Nicht Gnade, sondern Recht“. Zugutegehalten wurden ihm vor allem die Sicherung von Kunstschätzen und die Deklaration Roms zur „Offenen Stadt“.
Verdrängt bzw. ignoriert wurde die Auslöschung ganzer italienischer Dörfer einschliesslich Frauen, Kindern und Greisen, die auf den „Bandenbefehl“ vom 17. Juni 1944 hin begangen wurden. Im Deutschland Adenauers war das „Kraftfeld von Antikommunismus und Kaltem Krieg“ ihrer Ansicht nach wirksam zur Umdeutung „des Kriegsverbrechers zum Ehrenmann, der im Kerker schmachtete“.
Das begnadigende Entgegenkommen der alliierten Justiz, so ihr Befund, erzeugte den falschen Eindruck, eine „Siegerjustiz“ werde nun korrigiert. Der Rezensent der Frankfurter Rundschau urteilte, von Lingens Buch sei eine detailreiche, „hochdifferenzierte Studie, die dem Generalfeldmarschall historische Gerechtigkeit widerfahren lässt, ohne dem Kriegsverbrecher Kesselring das Geringste zu schenken“.
Generalfeldmarschall Erhard Milch
Erhard Milch (* 30. März 1892 in Wilhelmshaven; † 25. Januar 1972 in Wuppertal) war deutscher Heeres- und Luftwaffenoffizier (ab 1940 Generalfeldmarschall) und in der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 Staatssekretär des Reichsluftfahrtministeriums (RLM), zugleich Generalinspekteur der Luftwaffe und nach Ernst Udets Suizid im November 1941 bis Juli 1944 Generalluftzeugmeister. Im Nürnberger Milch-Prozess vom 2. Januar bis 17. April 1947 vor dem amerikanischen Militärgerichtshof wurde Milch als Kriegsverbrecher zu lebenslanger Haft verurteilt. 1954 wurde er entlassen.
Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Milch war Sohn des jüdischen Marinebeamten und Oberstabsapothekers Anton Milch. Er trat im Februar 1910 nach bestandenem Abitur als Fahnenjunker in das „Fussartillerieregiment von Linger (Ostpreussisches) Nr. 1“ ein und wurde 1911 Leutnant.
Er entwickelte schon früh ein Interesse für die Fliegerei, jedoch blieb ihm eine Versetzung zunächst verwehrt, und so zog er im September 1914 als Adjutant im II. Reserve-Bataillon des Fussartillerie-Regiments „von Dieskau“ (Schlesisches) Nr. 6 in den Ersten Weltkrieg.
Ab 1. Juli 1915 wurde er als Flugzeugbeobachter ausgebildet und eingesetzt. Hierbei wurde ihm auch das Eiserne Kreuz I. Klasse verliehen. Im Spätherbst 1916 war Milch Oberleutnant und Adjutant des Schulkommandeurs der Fliegerschule Alt-Autz in Kurland (und direkter Vorgesetzter Kurt Tucholskys). Kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs erhielt, der inzwischen zum Hauptmann beförderte Milch noch das Kommando über die „Jagdgruppe 6“.
Weimarer Republik
Nach Kriegsende war Milch Führer der „Freiwilligen Fliegerabteilung 412“ beim Grenzschutz Ost, bis er am 31. Januar 1920 Führer der „Polizeifliegerstaffel Königsberg“ wurde. Nachdem auch die Polizeifliegerei durch den Versailler Vertrag untersagt wurde, quittierte Milch den Polizeidienst und wurde Geschäftsführer der u. a. von Hugo Junkers gegründeten Danziger Luftpost GmbH.
Milch war anschliessend Technischer Direktor und Vorstandsmitglied der 1926 gegründeten Deutschen Luft Hansa, ab 1942 deren Aufsichtsratsvorsitzender und Präsident.
Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Umgehend nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Milch von Hermann Göring angeworben und trat der NSDAP bei. Er war als Görings Staatssekretär in den 1930er Jahren für den Aufbau der Luftwaffe zuständig, durch gleichzeitige Reaktivierung als Oberst, dann 1934 Generalmajor, 1935 Generalleutnant, 1937 General der Flieger, 1938 Generaloberst und Generalinspekteur der Luftwaffe Vertreter des Oberbefehlshabers (Göring).
Zweiter Weltkrieg
Am 19. Juli 1940 wurde er zum Generalfeldmarschall ernannt und ab 1941 wurde er als Generalluftzeugmeister der eigentliche Leiter der technischen Entwicklung und der Rüstungsproduktion der Luftwaffe. In dieser Funktion war er auch verantwortlich für die Unterdruck-Menschenversuche der Luftwaffe ab 1942 im KZ Dachau. Nach dem Suizid von Ernst Udet, der das Amt des Generalluftzeugmeisters vor Milch innehatte, hatte er die Versäumnisse seines Vorgängers aufzuarbeiten. Udet hatte die technische Entwicklung der Luftwaffe vernachlässigt und die Produktionszyklen neuer Typen verkürzt, indem er sie vor der Serienreife zur Fertigung freigab. Beispiele hierfür sind die Projekte He 177, Me 210 und auch die Ju 188. Neben Albert Speer war Milch der zentrale Akteur der deutschen Rüstungsproduktion, insbesondere der Luftrüstung, die er bis August 1944 als Generalluftzeugmeister leitete. 1942 erhielt er von Adolf Hitler eine Dotation über 250’000 Reichsmark.
Im Januar 1943 wurde Milch von Hitler per Führerbefehl beauftragt, die Versorgung der eingeschlossenen Verbände der 6. Armee in der Schlacht von Stalingrad durch die Luft zu gewährleisten. Hierzu reiste Milch mit engen Mitarbeitern aus dem Reichsluftfahrtministerium (RLM) direkt an die Front. Die Aufgabe erwies sich jedoch als unerfüllbar: es gab zu wenig fliegendes Personal, zu wenige Flugzeuge und insbesondere keine geeigneten Flug- und Landeplätze in Reichweite Stalingrads.
Milch hatte zu dieser Zeit den Zenit seiner Karriere überschritten. Die immer stärker werdenden Luftangriffe der Alliierten ab Sommer 1943 auf das Reichsgebiet und der damit einhergehende Verlust der Lufthoheit führten letztendlich zu einem Vertrauensverlust bei Göring und auch Hitler. Dieser Machtverlust verstärkte sich, als Milch die Jägerproduktion, also den Grossteil der deutschen Luftrüstung, Anfang 1944 nach verheerenden Angriffen der Alliierten (Big Week) auf deutsche Städte und Rüstungsziele an den so genannten Jägerstab – sprich das Rüstungsministerium – abgeben musste.
Im Juli/August 1944 wurde er schliesslich entmachtet, als das Reichsluftfahrtministerium umstrukturiert und die Luftrüstung vom Rüstungsministerium übernommen wurde. Milch selbst wurde zwar noch zu einem Stellvertreter Speers ernannt, trat aber bis Kriegsende nicht mehr in Erscheinung.
Fragliche jüdische Abstammung
Als Milch 1933 von Göring zum Staatssekretär im Luftfahrtministerium ernannt worden war, wurde von Neidern verbreitet, Milchs Mutter sei mit einem konvertierten Juden verheiratet. Milch bestritt offenbar, aus dieser Verbindung zu stammen; Göring übernahm diese Version und liess möglicherweise sogar Dokumente entsprechend manipulieren. Milch wurde offiziell als „Vollarier“ beglaubigt. Milch, der von Görings Verteidiger Otto Stahmer als Entlastungszeuge im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher benannt worden war, gab 1946 im Kreuzverhör an, dass er ausserehelich gezeugt worden sei.
Ob Erhard Milch wirklich Anton Milch zum Vater hatte und damit nach den 1935 erlassenen Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als „jüdischer Mischling“ galt, war längere Zeit umstritten. Milch hatte 1967 David Irving erzählt, seine Mutter Clara habe eine inzestuöse Beziehung zu ihrem Onkel Karl Brauer unterhalten, welcher der tatsächliche Vater ihrer Kinder gewesen sei. Seine Mutter und Anton Milch hätten diesen Sachverhalt 1933 bestätigt. Irving übernahm diese Geschichte in seine 1970 erschienene Biographie Milchs, Die Tragödie der Deutschen Luftwaffe. Der Historiker Horst Boog wiederum folgte dieser Darstellung 1994 in seinem Artikel zu Milch in der Neuen Deutschen Biographie. Angesichts neuerer Forschungsergebnisse rückte Boog allerdings wenig später davon ab und bezeichnete Erhard Milch als leiblichen Sohn von Anton Milch und Clara Milch geb. Vetter, die zusammen sechs Kinder, drei Söhne und drei Töchter hatten, und die von Milch und Irving verbreitete Herkunftsversion als reine Schutzbehauptung. Der US-amerikanische Historiker Bryan Mark Rigg vertritt die These, dass Erhard Milch neben einer nennenswerten Anzahl weiterer Offiziere und Mannschaften ranghöchster „jüdischer“ (im Sinne der nationalsozialistischen Rassenideologie) Soldat in der Wehrmacht war. Grundlagen seiner Thesen sind unter anderem verschiedene in den 1990er Jahren geführte Interviews und auch Material des Bundesarchivs. Eine kritische Sichtung der Literatur findet sich bei Kuss.
Nachkriegszeit
Verurteilung in den Nürnberger Prozessen
Milch war ein glühender Verfechter des Nationalsozialismus. Die Frage, ob er von Menschenversuchen im KZ Dachau gewusst hatte, konnte während der Nürnberger Prozesse im sogenannten Milch-Prozess nicht geklärt werden, sodass er in diesem Punkt freigesprochen wurde. Milch war aber für den Einsatz von Zwangs- und Fremdarbeitern in der Rüstungswirtschaft des Dritten Reichs mitverantwortlich. In dem Strafprozess vor einem US-amerikanischen Militärgericht gehörte zu seinen Verteidigern auch sein Bruder, der Jurist und ehemalige Offizier der Wehrmacht Werner Milch. Am 17. April 1947 wurde Erhard Milch von dem Gericht wegen Förderung der Zwangsarbeit und der Ausbeutung von Zwangsarbeitern in den NS-Flugzeugfabriken zu lebenslanger Haft verurteilt.
Begnadigung und Entlassung aus der Haft
Am 31. Januar 1951 gab der amerikanische Hochkommissar John Jay McCloy einem Gnadengesuch nach Absprache mit einem beratenden Ausschuss statt und setzte die Strafe von lebenslänglich auf 15 Jahre Haft herab. Sein Gnadengesuch berief sich auf die Unausgeglichenheit des Temperaments von Erhard Milch, die auf eine verschärfte Überreizung der Nerven durch eine Kopfverletzung zurückzuführen sei.
Am 28. Juni 1954 wurde Milch vorzeitig aus der Haft in der Justizvollzugsanstalt Landsberg entlassen. Er nahm seinen Wohnsitz im Ruhrgebiet und fand später Arbeit als Industrieberater.
Er verstarb am 25. Januar 1972 im Alter von 79 Jahren und wurde auf eigenen Wunsch in aller Stille auf dem Zentralfriedhof Lüneburg beigesetzt.
Generalfeldmarschall Hugo Sperrle
Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Sperrles militärische Laufbahn begann 1903 mit dem Eintritt als Fahnenjunker in das Infanterie-Regiment „Grossherzog Friedrich von Baden“ (8. Württembergisches) Nr. 126. Nach verschiedenen Verwendungen und Beförderungen meldete sich Sperrle bei Beginn des Ersten Weltkrieges zur Fliegerausbildung.
Gegen Ende 1914 wurde er zum Hauptmann befördert. Im Dezember 1915 wurde er Führer der Feldfliegerabteilung 42. Im Februar 1916 stürzte
Sperrle mit seinem Flugzeug ab und wurde schwer verletzt. Bereits zwei Monate später meldete er sich wieder zum Dienst, doch erst im Juli bekam Sperrle ein neues Kommando. Im weiteren Verlauf des Ersten Weltkrieges wurde er Kommandeur der Flieger der 7. Armee. Sperrle wurde mehrfach ausgezeichnet, so mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes und mit dem Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern.
Weimarer Republik
Nach dem Krieg wurde Sperrle von der Reichswehr übernommen und ab 1. März 1925 im Reichswehrministerium verwendet, wo er bis zum 15. August 1927 in der Luftschutzgruppe (auch Fliegergruppe genannt) als Leiter des Referats I (als Nachfolger von Helmut Wilberg) und anschliessend bis 31. Januar 1929 als Gruppenleiter (wiederum als Nachfolger von Wilberg; als Gruppenleiter folgte ihm Hellmuth Felmy) an der Aufstellungsplanung der noch getarnten Luftwaffe entscheidend mitwirkte. Dabei wurde er am 1. Oktober 1926 zum Major, am 1. Februar 1931 zum Oberstleutnant und schliesslich Ende 1933 zum Oberst befördert. Am 28. Februar 1934 schied er aus dem Reichsheer aus und trat in das Reichsluftfahrtministerium über.
Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Bereits Anfang 1934 wurde mit dem verdeckten Aufbau einer neuen deutschen Luftwaffe begonnen; Sperrles Fähigkeiten und Kenntnisse auf diesem Gebiet wurden genutzt, indem er zum Kommandeur der 1. Flieger-Division ernannt wurde. Mit dem 1. Oktober 1935 wurde Sperrle zum Generalmajor befördert und als Kommandierender General und Befehlshaber im Luftkreis V nach München versetzt.
Am Spanischen Bürgerkrieg nahm Sperrle als erster Kommandeur der Legion Condor teil. Nach der Rückkehr aus Spanien wurde Sperrle am 1. November 1937 zum General der Flieger befördert. Am 1. April 1938 übernahm er den Befehl über das Luftwaffen-Gruppenkommando III in München.
Zweiter Weltkrieg
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde aus dem Luftwaffen-Gruppenkommando III die Luftflotte 3, die ausschliesslich im Westen eingesetzt wurde. Nach dem Sieg über Frankreich gehörte Sperrle zu jenen Generälen, die am 19. Juli 1940 zu Generalfeldmarschällen befördert wurden. Nach der Luftschlacht um England 1940/41 verblieben aufgrund des Angriffs auf die Sowjetunion im Westen nur noch relativ schwache Fliegerkräfte, die Sperrles Luftflotte 3 unterstellt wurden.
Am D-Day der alliierten Invasion am 6. Juni 1944 unterstanden Sperrle ca. 400 Flugzeuge, von denen aber weniger als die Hälfte einsatzfähig war. Entsprechend gering waren Sperrles Möglichkeiten, den alliierten Luftstreitkräften etwas entgegenzusetzen. Er fiel deshalb bei Hitler in Ungnade, wurde im August 1944 entlassen und bis Kriegsende nicht wieder verwendet.
Nachkriegszeit
Nach dem Krieg war Sperrle unter den Angeklagten im Prozess gegen das Oberkommando der Wehrmacht. Als einer von zwei unter den 14 Angeklagten wurde er freigesprochen. Ebenfalls mit Freispruch endete ein Verfahren gegen ihn vor der Spruchkammer München im Juni 1949.
Danach lebte Sperrle zurückgezogen in Thaining bei Landsberg am Lech. Am 2. April 1953 starb der an Mastdarmkrebs erkrankte Sperrle während einer Operation in einem Krankenhaus in München. Er wurde zunächst in Thaining begraben, auf Initiative der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger dann auf den Soldatenfriedhof Schwabstadl nahe dem Fliegerhorst Lechfeld umgebettet.
Generalfeldmarschall Wolfram Freiherr von Richthofen
Wolfram (gen. Ulf) Karl Ludwig Moritz Hermann Freiherr von Richthofen (* 10. Oktober 1895 in Barzdorf im Kreis Striegau; † 12. Juli 1945 in Bad Ischl) war ein deutscher Heeres- und Luftwaffensoldat. Als Stabschef der Legion Condor war er im Spanischen Bürgerkrieg verantwortlich für die kriegsvölkerrechtswidrige Zerstörung von Gernika. Im Zweiten Weltkrieg war er zeitweise Befehlshaber der Luftflotte 4 und der Luftflotte 2 sowie ab 1943 Generalfeldmarschall der Luftwaffe des Deutschen Reichs.
Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Seine Eltern waren Wolfram von Richthofen († 1922) und Therese Götz von Olenhusen. Ulf wurde Adoptivsohn seines Onkels, des Kavallerie Generals Manfred von Richthofen. 1913 trat Ulf im Alter von 18 Jahren als Fähnrich in das Husaren-Regiment“ von Schill“ (1. Schlesisches) Nr. 4 der Preussischen Armee ein. Im Jahr 1914 wurde er nach dem Besuch der Kriegsschule Kassel zum Leutnant befördert. Bis 1917 nahm er mit dem Regiment am Ersten Weltkrieg teil, in dem er es zum Führer einer Eskadron brachte. Danach wechselte er in die Fliegertruppe und durchlief eine Ausbildung zum Flugzeugführer in der Fliegerersatzabteilung in Halle. Nach deren Abschluss ging Richthofen im März 1918 erneut in den Fronteinsatz als Pilot in der Jagdstaffel 11, die von seinem berühmten Vetter Manfred von Richthofen, dem „Roten Baron“ geführt wurde. Bis zum Kriegsende errang Richthofen acht Luftsiege.
Weimarer Republik
Aus dem aktiven Militärdienst schied Richthofen zum Anfang des Jahres 1920 als Oberleutnant aus. In Breslau heiratete er 1920 Jutta von Selchow (1896–1991). Anschliessend studierte er bis 1923 an der Technischen Hochschule Hannover Maschinenbau und schloss als Diplom-Ingenieur ab.
1922 kam sein erster Sohn zur Welt, Wolfram (1944 verschollen).
Im November 1923 trat Richthofen in Ohlau als Leutnant in das 11. (Preussisches) Reiter-Regiment der Reichswehr ein. Dort blieb er nur kurz, denn Richthofen war bereits in dieser Zeit an den Vorbereitungen zum verdeckten Aufbau einer zukünftigen Luftwaffe beteiligt. Offiziell tat er Dienst bei der Berliner Stadtkommandantur, tatsächlich arbeitete er für das Heereswaffenamt. Ab 1925 trug Richthofen wieder den Dienstgrad eines Oberleutnants. Am 1. November 1928 wurde er Kompanieführer in der 5. Kraftfahr-Abteilung und am 1. Februar 1929 zum Hauptmann befördert. Während dieser Zeit promovierte Richthofen mit einer Studie zum „Einfluss der Flugzeugbauarten auf die Wirtschaftlichkeit des Flugbetriebes“ an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg zum Dr.-Ing. Die Erkenntnisse dieser Untersuchung, bei der es darum ging, qualitativ hochwertige Flugzeugtypen für bestimmte luftkriegerische Aufgaben zu optimieren, wurden von Richthofen später auch bei den Luftangriffen auf Gernika und Wieluń angewendet und weiter erprobt.
Im April 1929 wurde Richthofen für zweieinhalb Jahre als Attaché an die deutsche Botschaft in Rom versetzt, um dort – immer noch inoffiziell – die italienischen Luftstreitkräfte kennenzulernen. Nachdem er nach Deutschland zurückgekehrt war, wurde er wiederum als Kompaniechef eingesetzt, diesmal in der 6. (Preussische) Kraftfahrt-Abteilung.
Zeit des Nationalsozialismus
Anfänge
Zum 1. Oktober 1933 trat Richthofen in die neu eingerichtete deutsche Luftwaffe über. Bei dieser wurde er zunächst im Reichsluftfahrtministerium Chef der Entwicklungsabteilung. Im Jahr 1934 wurde er zum Major befördert und 1936 zum Oberstleutnant.
Spanischer Bürgerkrieg
Ab 1936 wurde Richthofen als Mitglied der Legion Condor im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Falangisten im Kampf gegen die demokratisch gewählte republikanische Regierung eingesetzt. Dabei sah Richthofen seine Abkommandierung nach Spanien als Chance an, neue Flugzeugtypen und Bomben unter Kriegsbedingungen zu testen.
Richthofen war Stabschef der Legion Condor während ihres sehr bekannt gewordenen Luftangriffs auf Gernika im April 1937. Dieser Angriff, bei dem die religiöse Hauptstadt des Baskenlandes fast vollständig zerstört und hunderte Zivilisten getötet wurden, war das erste Flächenbombardement der Geschichte und der erste grosse Verstoss der deutschen Luftwaffe gegen das Kriegsvölkerrecht. Richthofen notierte seine Bewertung des Angriffs in seinem Kriegstagebuch: „Die 250er warfen eine Anzahl Häuser um und zerstörten die Wasserleitung. Die Brandbomben hatten nun Zeit, sich zu entfalten und zu wirken. Die Bauart der Häuser: Ziegeldächer, Holzgalerie und Holzfachwerkhäuser, führte zur völligen Vernichtung. (..) Bombenlöcher auf Strassen noch zu sehen, einfach toll“.
Nach Rückkehr aus Spanien im Oktober 1937 wurde Richthofen im Januar 1938 zum Oberst befördert und übernahm am 1. April 1938 das Kampfgeschwader 257 in Lüneburg. Bereits am 1. November 1938 wurde er zum Generalmajor und Befehlshaber der Legion Condor ernannt, der er bis zum Ende des Bürgerkriegs im Frühjahr 1939 blieb.
Zweiter Weltkrieg
Beim Überfall auf Polen zu Beginn des Zweiten Weltkrieges war Richthofen als „Fliegerführer zur besonderen Verfügung“ zur Unterstützung der 10. Armee eingeteilt. Am 1. September 1939 befehligte Richthofen noch vor dem offiziellen Angriffsbeginn einen Luftangriff auf die polnische Stadt Wieluń. Deren weitgehende Zerstörung durch 87 deutsche Sturzkampfbomber (mehrere Luftangriffe von 4:35 bis 14:00 Uhr) führte zum Tod von bis zu 1’200 der 16’000 Einwohner. Dem Militärhistoriker Hans-Erich Volkmann zufolge wählte Richthofen Wieluń als grenznahes militärisches Übungsziel aus, um möglichst ohne eigene Verluste die Einsatzfähigkeit und Funktionstüchtigkeit der Sturzkampfbomber zu erproben, habe aber keinen Terrorangriff beabsichtigt. Da es sich um einen Angriff auf ein nicht militärisches Ziel handelte, sei die Bombardierung als Kriegsverbrechen zu werten. Der Militärhistoriker Rolf-Dieter Müller betont hingegen, dass der Angriff militärischen Zielen gegolten habe, da in Wieluń eine polnische Division und eine Kavalleriebrigade in Stellung ging. Wegen Bodennebels seien diese Ziele aber weitestgehend verfehlt worden. Der Angriff sei daher trotz der verheerenden Wirkung kein beabsichtigter Terrorangriff gewesen.
Bei Beginn des Westfeldzuges war Richthofen Kommandierender General des VIII. Fliegerkorps und erhielt am 18. Mai 1940 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Im Balkanfeldzug befehligte Richthofen die Verbände in der Luftlandeschlacht um Kreta. Im Krieg gegen die Sowjetunion war Richthofens Fliegerkorps anfänglich zur Unterstützung der Panzergruppe 3 eingesetzt. Am 17. Juli 1941 wurde er mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz dekoriert.
Am 1. Februar 1942 wurde Richthofen zum Generaloberst befördert, im Juli dieses Jahres übernahm er von Alexander Löhr die Führung der Luftflotte 4, mit der er an der Schlacht von Stalingrad teilnahm. Am 16. Februar 1943 wurde er zum Generalfeldmarschall ernannt und damit ausser Göring der jüngste Inhaber dieses Dienstgrades in der Luftwaffe sowie in der Wehrmacht. Ende Juni 1943 übernahm er zusätzlich die Führung der Luftflotte 2 von Albert Kesselring, zu deren Chef er dann im September ernannt wurde. Mitte 1944 wurde bei Richthofen ein Hirntumor festgestellt, der operativ entfernt werden musste, er gab daraufhin sein Kommando ab.
Am 12. Juli 1945 starb er in amerikanischer Kriegsgefangenschaft im Luftwaffenlazarett von Bad Ischl.
Generalfeldmarschall Robert Ritter von Greim
Robert Greim, ab 1918 Ritter von Greim (* 22. Juni 1892 in Bayreuth; † 24. Mai 1945 in Salzburg), war ein deutscher Heeres- und Luftwaffenoffizier (ab 1945 Generalfeldmarschall) und nach der Ablösung Hermann Görings wenige Wochen lang der letzte Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg.
Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Robert Greim wurde am 22. Juni 1892 in Bayreuth als Sohn eines Königlich Bayerischen Gendarmeriehauptmanns geboren. Greim trat im Juli 1911 als Fähnrich in das bayerische Eisenbahn-Bataillon ein und wurde im November 1912 zum 8. Feld-Artillerie-Regiment nach Nürnberg versetzt. Nach dem Besuch der Kriegsschule in München wurde er zu seinem Regiment zurück versetzt und zum Leutnant ernannt. Greim war anfänglich als Batterieoffizier in seinem Regiment eingesetzt.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde er zunächst als Ordonnanzoffizier und später als Adjutant bei der I. Abteilung verwandt. 1915 meldete er sich für eine Ausbildung als Flugzeugbeobachter, die er im August 1915 begann. Nach deren Abschluss wurde Greim als Beobachter in der Feldfliegerabteilung 3 b eingesetzt. Im Jahr 1916 kam Greim zur Flugzeugführerausbildung nach Schleissheim und wurde im Januar 1917 zum Oberleutnant befördert. Mit Abschluss der Flugzeugführerausbildung kehrte Greim zu seiner Abteilung zurück, die inzwischen – infolge von Umstrukturierungen – als Fliegerabteilung 46 b bezeichnet wurde. Ab April 1917 war er in der Jagdstaffel 34 eingesetzt und wurde dort noch im gleichen Jahr Staffelführer. Bei einem Einsatz am 11. März 1918 gelang es Greim als vermutlich erstem deutschen Jagdpiloten, einen britischen Panzer aus der Luft mittels MG-Feuer zu zerstören. In der deutschen Frühjahrsoffensive des Jahres 1918 befehligte Greim mehrere Jagdstaffeln. Er hatte inzwischen 28 Luftsiege errungen und war mehrfach ausgezeichnet worden, u. a. auch mit dem Orden Pour le Mérite. Am 23. Oktober 1918 wurde er schliesslich mit dem bayerischen Militär-Max-Joseph-Orden ausgezeichnet, was ihm die Erhebung in den persönlichen Adelsstand mit dem Titel „Ritter von“ einbrachte.
Weimarer Republik
Beim Kapp-Putsch im März 1920 übernahm Greim die Flugdienste zwischen München und Berlin. Auf eigenen Wunsch schied Greim 1920 aus dem Militärdienst mit dem Ehrenrang eines Hauptmanns aus, worauf er an der Münchener Universität ein Jurastudium begann. Nach Abschluss des Studiums wurde er 1922 Angestellter bei einer Bank. Da Greim weiterhin ein starkes Interesse an der Fliegerei hatte, beteiligte er sich an der Durchführung von Luftsportveranstaltungen. Im Jahr 1924 ging er für drei Jahre nach China und war dort mit dem Aufbau einer Luftwaffe für die chinesische Nationalregierung beschäftigt.
Als Greim im Jahr 1927 nach Deutschland zurückkehrte, wurde er Leiter der Zivilfliegerschule in Würzburg. Zu seinen Schülern während dieser Zeit gehörten u. a. Elly Beinhorn.
Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Am 1. Januar 1934 trat Greim im Rang eines Majors in die Reichswehr ein, wo man ihn anfänglich zum Artillerie-Regiment Nr. 7 kommandierte. Bereits nach kurzer Zeit wurde er zum neu gegründeten Reichsluftfahrtministerium versetzt, wo er an der Aufstellung des neuen Jagdgeschwaders Döberitz Richthofen beteiligt war. Dieses wurde später in Jagdgeschwader 132 umbenannt, dann in Jagdgeschwader 131, und ging schliesslich im Jagdgeschwader 2 auf.
Am 1. August 1935 wurde Greim Inspekteur der Jagdflieger und am 1. September 1935 zum Oberstleutnant befördert. Am 20. April 1936 erfolgte die Beförderung zum Oberst mit gleichzeitigem Wechsel in die Stellung des Inspekteurs für Flugsicherung und Gerät. Ab 1937 war Greim zusätzlich mit der Führung der Geschäfte des Luftwaffenpersonalamtes im Reichsluftfahrtministerium betraut, und 1938 wurde er offiziell Amtschef. Am 1. Februar 1938 erfolgte seine Beförderung zum Generalmajor.
Am 31. März 1939 übergab Ludwig Wolff das Kommando über die 5. Flieger-Division an Greim.
Zweiter Weltkrieg
Im Oktober 1939, nach Ende des Polenfeldzuges, wurde Greim als Generalleutnant Kommandierender General des V. Fliegerkorps. Nach dem Ende des Westfeldzuges wurde er am 19. Juli 1940 zum General der Flieger befördert. Anschliessend waren die zu seinem Korps gehörenden Geschwader an der Luftschlacht um England beteiligt.
Im Winter 1941/42 führte Greim in Mariupol den aus Teilen seines Korps gebildeten „Sonderstab Krim“. Am 1. April 1942 bekam er den Oberbefehl über das Luftwaffenkommando Ost mit Sitz in Smolensk, als sein Korps das VIII. Fliegerkorps in diesem Frontbereich ablöste. Im Februar 1943 zum Generaloberst befördert, wurde er im Mai 1943 zum Oberbefehlshaber der aus seinem Kommando gebildeten Luftflotte 6 ernannt. Dieser Verband war weiterhin für die Luftwaffeneinsätze zur Unterstützung der Heeresgruppe Mitte zuständig. Im Rahmen des Unternehmens Zitadelle, der dritten und letzten deutschen Sommeroffensive in der Sowjetunion, bot Greims Luftflotte im Juli 1943 730 Flugzeuge auf. Durch hohe Verluste und auf die mangelhafte Versorgung mit Ersatzteilen zurückzuführende technische Ausfälle waren beim Beginn der sowjetischen Sommeroffensive im Juni 1944 nur noch knapp 50 Maschinen einsatzbereit.
Noch im Januar 1945 legte Greim ein Bekenntnis zum „Führer“ ab: „Der ich an den Führer geglaubt habe – und verdammt noch mal, noch immer an ihn glaube. Ich kann nicht zum Verräter werden. Ich nicht!“ Nachdem Göring von Hitler am 23. April 1945 aller Ämter enthoben worden war, wurde Greim von Hanna Reitsch am 26. April 1945 in das bereits eingeschlossene Berlin geflogen, wo er von Hitler persönlich zu Görings Nachfolger als Oberbefehlshaber der Luftwaffe ernannt und gleichzeitig zum Generalfeldmarschall befördert wurde. Greim beteuerte danach: „Mich haben das Zusammensein mit dem Führer und seine Kraft ausserordentlich bestärkt“. Am 29. April 1945 nutzten Reitsch und Greim die Charlottenburger Chaussee als Startbahn, um mit dem letzten Flugzeug, einer kleinen Arado, weiter nach Plön zu fliegen, wo sich zu dieser Zeit noch Hitlers Nachfolger Karl Dönitz aufhielt. Im Anschluss flogen Reitsch und Greim weiter nach Kitzbühel in Tirol. Dort geriet Greim in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft.
Greim ergab sich den Amerikanern mit den Worten „Ich bin der Chef der deutschen Luftwaffe, aber ich habe keine Luftwaffe“. Er wurde nach Salzburg gebracht, wo er erfuhr, dass die Amerikaner ihn in sowjetische Gefangenschaft überstellen wollten. Am 24. Mai 1945 beging Ritter von Greim in Salzburg Selbstmord. Dabei nahm er die Giftkapsel, die ihm Adolf Hitler Ende April 1945 im Führerbunker überreicht hatte. Sein Grab befindet sich auf dem Salzburger Kommunalfriedhof.