Hitlers Feldmarschälle, Heer Teil 1
Datenherkunft: (Wikipedia)
aus-der-zeit.site > Hitler, Albtraum und Verbrecher
HEER
Generalfeldmarschall Anton Ludwig Friedrich August Mackensen
Anton Ludwig Friedrich August Mackensen, ab 1899 von Mackensen (* 6. Dezember 1849 in Leipnitz; † 8. November 1945 in Burghorn) war ein preussischer Generalfeldmarschall. Aus bürgerlichen Verhältnissen stammend, stieg er als Offizier bis zum Adjutanten des Kaisers Wilhelm II. auf und wurde von diesem 1899 geadelt. Im Ersten Weltkrieg war er ein erfolgreicher Heerführer und wurde später als Anhänger Hitlers von den Nationalsozialisten für Propagandazwecke eingesetzt.
Jugend und Ausbildung
August Mackensen wurde als Sohn des Gutsverwalters Ludwig Mackensen (1817–1890) und seiner Frau Marie (geborene Rink, 1824–1916) in der preussischen Provinz Sachsen geboren. Nach dem Besuch der Dahlenberger Dorfschule wechselte er 1859 auf das staatliche Gymnasium in Torgau. Mackensen erhielt dort auch Klavierunterricht und wirkte in Theateraufführungen mit. 1865 wechselte er auf ein Realgymnasium der Franckeschen Stiftung in Halle an der Saale. Diese Schule änderte später ihren Namen in Mackensen-Schule. 1866 wurde er konfirmiert.
Ostern 1868 verliess er nach der Unterprima auf Druck seines Vaters die Schule, um bei ihm in die Lehre zum Landwirt zu gehen. Wegen seiner schwachen Konstitution wurde er zunächst vom Militärdienst ausgemustert, 1869 aber doch für tauglich befunden und trat als Einjährig-Freiwilliger in das 2. Leib-Husaren-Regiment „Königin Viktoria von Preussen“ Nr. 2 in Lissa in der Provinz Posen ein.
Vor dem Deutsch-Französischen Krieg begann er zunächst ein Studium der Agrarwissenschaft an der Martin-Luther-Universität in Halle an der Saale, unter anderem bei Julius Kühn. In Halle schloss er sich auch der ALV Agronomia, später Corps Agronomia, an. Er hörte auch Geschichte bei Gustav Droysen.
Nach der Rückkehr aus dem Krieg studierte Mackensen ab Oktober 1871 zunächst weiter, persönliches Interesse leitete ihn jedoch nach den Kriegserfahrungen, sich mit Heereskunde zu befassen. So wandte er sich vom Beruf des Landwirtes ab, brach im Frühling 1873 sein Studium ab und wurde Berufssoldat.
1898 begründete er die Deutsche Gesellschaft für Heereskunde mit und wurde ihr Ehrenvorsitzender.
Militärkarriere
Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 diente Mackensen als Reserveoffiziersanwärter. Für einen wagemutigen Erkundungsritt bei Toury in der Nähe von Orléans erhielt er im Oktober 1870 aus den Händen seines Divisionskommandeurs Prinz Albrecht von Preussen das Eiserne Kreuz II. Klasse. Im Dezember wurde er zum Leutnant befördert.
1873 setzte er seine Militärlaufbahn als Berufsoffizier fort. Sein Fleiss und Ehrgeiz schlugen sich in positiven Qualifikationsberichten nieder. Mackensen verstand es, Vorgesetzte für sich zu gewinnen. Als weiteres Mittel für sein berufliches Fortkommen erwiesen sich seine militärhistorischen Schriften. Sein 1877 veröffentlichtes Werk Das 2. Leib-Husaren-Regiment Nr. 2 im Kriege gegen Frankreich wurde positiv aufgenommen.
1877 wurde er zur Garnison nach Königsberg versetzt. Dort lernte er Dorothea von Horn kennen, deren im Krieg verstorbenen Bruder Georg von Horn Mackensen in seinem Buch gewürdigt hatte. Mitte 1878 wurde Mackensen zum Premierleutnant befördert. Am 14. Mai 1879 verlobte er sich mit Dorothea von Horn, am 21. November desselben Jahres wurde das Paar getraut. Das Einheiraten in die einflussreiche adelige Familie – Dorotheas Vater Karl von Horn (1807–1889) war Oberpräsident der Provinz Ostpreussen – half seinem gesellschaftlichen und beruflichen Fortkommen.
Ohne die Kriegsakademie besucht zu haben, wurde Mackensen 1880 in den Generalstab beordert und 1882 zum Grossen Generalstab versetzt. Im Jahr 1891 stieg er zum Ersten Adjutanten des damaligen Chefs des Generalstabs Alfred Graf von Schlieffen auf. Am 17. Juni 1893 mit der Führung des 1. Leibhusaren-Regiments beauftragt und ein halbes Jahr später am 27. Januar 1894 unter Beförderung zum Oberstleutnant zum Kommandeur des Regiments ernannt. 1898 wurde er Flügeladjutant und 1903 Generaladjutant von Kaiser Wilhelm II. sowie zwischenzeitlich Mitte April 1900 zum Generalmajor befördert. 1901 übernahm Mackensen das Kommando der neu gebildeten Leibhusarenbrigade in Danzig-Langfuhr, nachdem er zuvor das Leibhusaren-Regiment kommandiert hatte. 1911 übergab er dieses Kommando an Kronprinz Wilhelm von Preussen, doch wurde es Mackensen auf Lebenszeit erlaubt, weiterhin die Uniform des 1. Leib-Husaren-Regiments Nr. 1 zu tragen. Am 11. September 1903 wurde er zum Generalleutnant und Kommandeur der 36. Division in Danzig ernannt. Am 27. Januar 1908 stieg er zum General der Kavallerie und zum Kommandierenden General des XVII. Armee-Korps auf.
Heerführer im Ersten Weltkrieg
An der Kriegführung der Mittelmächte im Ersten Weltkrieg hatte Mackensen grossen Anteil. Gemeinsam mit seinem Stabschef Hans von Seeckt galt er als Architekt der strategisch wichtigen Siege von Gorlice-Tarnów, Brest-Litowsk, Pinsk, Belgrad und Rumänien.
Flüchtlings- und Evakuierungstransport aus Serbien in Leibnitz, 1914
Bei Kriegsausbruch im August 1914 war Mackensen zunächst in Ostpreussen Kommandeur des XVII. Armee-Korps, das in der Schlacht bei Gumbinnen schwere Verluste (über 9’000 Mann in nur zwei Stunden) erlitt. Er selbst sprach in seinen Erinnerungen von „Massenmord“ und „Massenschlächterei“. In der anschliessenden Schlacht bei Tannenberg war Mackensens Korps an entscheidender Stelle an der Umfassung der russischen 2. Armee beteiligt. Ab 1. November 1914 führte er die 9. Armee und erhielt am 16. April 1915 den Oberbefehl über die neu gebildete 11. Armee. Mit dieser nahm er im Sommer 1915 an der Offensive in Polen teil. In der Schlacht von Gorlice-Tarnów (1. bis 3. Mai 1915) gelang seiner Armee ein überraschender Durchbruch durch die westgalizische Front der Russen, im Juni erzielte er einen weiteren Durchbruch bei Gródek und Magierów. Nach der Rückeroberung von Lemberg zum Generalfeldmarschall ernannt, nahm er im Sommer 1915 mit der nach ihm benannten Heeresgruppe an der weiteren Offensive in Polen teil.
Die ersten Offensiven der österreichisch-ungarischen Armee im Feldzug der Mittelmächte gegen Serbien 1914 scheiterten allesamt aufgrund des erbitterten serbischen Widerstands, besonders in der Schlacht von Cer und Schlacht an der Kolubara. Erst der von Mackensen geführten Heeresgruppe gelang es, die serbische Hauptstadt Belgrad einzunehmen.
Ein Jahr später war eine deutsch-österreichische Offensive unter Mackensen gegen Rumänien ebenso erfolgreich: bis Jahresende 1916 war das Land zum grössten Teil erobert. Die letzten zwei Jahre des Krieges verbrachte er dort als Militärgouverneur und bewahrte so trotz des schlussendlich verlorenen Krieges seinen Nimbus als unbesiegter Heerführer. Seine militärischen Erfolge brachten ihm den respektvollen Spitznamen „(Neuer) Marschall Vorwärts“ ein, in Anlehnung an Gebhard Leberecht von Blücher, der diesen Namen in den Befreiungskriegen gegen Napoleon erhalten hatte und zu dem er auch eine gewisse physiognomische Ähnlichkeit besass.
Weimarer Zeit und Nationalsozialismus
Bei Kriegsende wurde er in Ungarn und Saloniki interniert. Im Dezember 1919 kehrte er ins nunmehr republikanische Deutschland zurück, nahm seinen Abschied aus der Armee und engagierte sich in verschiedenen Organisationen mit meist militärischer Ausrichtung. Während er als treuer Monarchist der aufkommenden Ideologie des Nationalsozialismus ähnlich ablehnend gegenüberstand wie der parlamentarischen Demokratie der Weimarer Republik, waren ihm Adolf Hitler als Person sowie dessen Erfolge bei der „Revision“ des Vertrags von Versailles ausgesprochen sympathisch.
Als konservativer Vertreter der alten Ordnung stand Mackensen – wie mehr oder weniger das gesamte rechte Spektrum dieser Zeit – der Weimarer Republik ablehnend gegenüber. Auch war er zweifellos alles andere als ein Demokrat. Wie fast alle deutschen Heerführer des Weltkriegs gab er die Schuld an der Niederlage den politischen Gegnern (Dolchstosslegende), anstatt die militärische Unterlegenheit einzuräumen. Er empfand Genugtuung angesichts der Ermordung Matthias Erzbergers, der von der Rechten für den Friedensvertrag von Versailles verantwortlich gemacht wurde („Den Schädling sind wir los“), und betrachtete die Überwindung der damals von vielen als Diktatfrieden empfundenen Bedingungen für den Friedensschluss als wichtigste Aufgabe deutscher Politik. Auf der Basis dieser Anhaltspunkte lässt sich Mackensens Gesinnung relativ eindeutig dem deutschnationalen Lager zuordnen.
Sein Verhältnis zu den Nationalsozialisten war zwiespältig. Wie vielen traditionsbewussten Verfechtern der alten preussischen Kultur war ihm das Gebaren und Auftreten der Nazi-Partei ausgesprochen suspekt. In einem auffälligen Widerspruch dazu steht seine persönliche Bewunderung für Hitler, wodurch sich seine Haltung deutlich von der Paul von Hindenburgs unterschied. Wie dieser liess er sich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten als Symbol des alten Preussen instrumentalisieren, ohne jedoch ausdrücklich für das neue Regime Partei zu ergreifen. Beim Tag von Potsdam am 21. März 1933 war Mackensen anwesend.
Die NS-Propaganda baute auf von Mackensens enorme Popularität bei der Bevölkerung und benutzte ihn symbolträchtig, um eine Kontinuität zwischen der Kaiserzeit und dem Dritten Reich herzustellen. Der Ex-Militär nutzte seinen Einfluss und seine Stellung vereinzelt, um vom Regime verfolgten Personen zu helfen. Insbesondere Repressalien gegenüber den Kirchen und ihren Vertretern, aber auch Gräueltaten der SS im Zweiten Weltkrieg in Polen bestürzten den frommen Protestanten von Mackensen, brachten ihn aber nicht von seiner Bewunderung für Hitler ab. Die Inanspruchnahme durch die nationalsozialistische Propaganda trug ihm den Spottnamen „Reichstafelaufsatz“ ein. Otto von Habsburg bezeichnete ihn als „Edel-Preussen“ des „Dritten Reiches“.
Am 22. Oktober 1935 erhielt Mackensen die preussische Domäne Brüssow im Kreis Prenzlau per Gesetz von Adolf Hitler als Dotation übereignet. Diese hatte einen Umfang von mehr als 1231 Hektar Land „inklusive Wald von 150 und See von 300 Morgen“. Zudem erhielt er 350’000 Reichsmark als Bar-Dotation. Zusätzlich wurde er 1936 zum Chef des in der Garnison von Stolp stationierten Kavallerie-Regiments 5 ernannt, das die Tradition des Pommerschen Husaren-Regiments „Fürst Blücher von Wahlstatt“ Nr. 5 fortführte.
Gegen gewalttätige Übergriffe der SA protestierte er mehrfach. Missstände, beispielsweise der Kirchenkampf, welcher mit seiner protestantischen Frömmigkeit unvereinbar war, waren in seinen Augen ausschliesslich die Schuld von Hitlers Gefolgsleuten. Die Verantwortung des Diktators bestritt er hingegen. Im Juli 1934 hatte von Mackensen an der Synode der Wartburg-Gemeinde teilgenommen und seit der Zeit Kontakte zur Bekennenden Kirche. Er intervenierte in einigen drastischen Fällen zugunsten von Pastoren. Auch schrieb er öffentliche Protestbriefe gegen Kriegsgräuel hinter den deutschen Linien in Polen. Anfangs der 1940er Jahre verdächtigten Hitler und Goebbels von Mackensen der Illoyalität, wollten aber nicht gegen ihn vorgehen.
Von Mackensen blieb Monarchist. 1941 reiste er zur Beisetzung des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. nach Haus Doorn in die Niederlande und wohnte in preussischer Husarenuniform dem Begräbnis bei. Das Attentat auf Hitler durch Offiziere der Wehrmacht verurteilte er allerdings scharf („fluchwürdiges Attentat“). Noch im November 1944 richtete Mackensen als bereits 95-Jähriger einen Aufruf an die Jugend, um sie im Tonfall nationalsozialistischer Durchhaltepropaganda zu „Opferbereitschaft und Fanatismus“ zu ermahnen. An seiner Verehrung für Hitler änderte sich bis zu seinem Tode augenscheinlich nichts.
Anfang 1945 floh der Generalfeldmarschall mit seiner Frau vor der Roten Armee nach Niedersachsen und starb dort am 8. November 1945, knapp einen Monat vor seinem 96. Geburtstag. Er wurde auf dem Stadtfriedhof in Celle beigesetzt. Sein Grab wird gepflegt.
Generalfeldmarschall Werner von Blomberg
Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Werner von Blomberg entstammte einer 1771 legitimierten Linie des deutsch-baltischen Adelsgeschlechts Blomberg, sein Urgrossvater Julius von Blomberg (1769–1841) war ein ausserehelicher Sohn des preussischen Obersten Karl August von Blomberg (1726–1793). Er selbst war der Sohn des Oberstleutnants Emil von Blomberg und dessen Frau Emma (geb. Tschepe). Nach dem Besuch der Preussischen Hauptkadettenanstalt in Gross-Lichterfelde begann er 1897 seine Militärkarriere als Leutnant im Füsilier-Regiment „General-Feldmarschall Prinz Albrecht von Preussen“ (Hannoversches) Nr. 73. Für den Generalstabsdienst als geeignet befunden, absolvierte Blomberg von 1907 bis 1910 die Kriegsakademie in Berlin und wurde anschliessend in den Grossen Generalstab versetzt. 1911 wurde er zum Hauptmann befördert.
Den Ersten Weltkrieg erlebte Blomberg von wenigen Truppenkommandos abgesehen ausschliesslich im Stabsdienst und an der Westfront. Zunächst war er als Generalstabsoffizier Ia der 19. Reserve-Division eingesetzt, die unter anderem in der Schlacht an der Marne kämpfte. Am 22. März 1915 zum Major befördert, gehörte Blomberg zu den Planern der Angriffsoperationen der Division im Rahmen der Schlacht um Verdun. Auf Empfehlung von Friedrich Graf von der Schulenburg wurde Blomberg Erster Generalstabsoffizier bei der 7. Armee. Chef des Generalstabes war dort Walther Reinhardt, der Blomberg nachhaltig beeindruckte und beeinflusste. Für seine Leistungen wurde Blomberg am 3. Juni 1918 der Orden Pour le Mérite verliehen.
Weimarer Republik
Nach dem Krieg war Blomberg von 1919 bis 1921 als Referent im Reichswehrministerium tätig. 1920 zum Oberstleutnant befördert, war er von 1921 bis 1924 Stabschef beim Wehrkreiskommando V in Stuttgart und wurde in dieser Funktion 1923 zum Oberst befördert. 1925 avancierte Blomberg zum Chef des Heeresausbildungswesens. 1927 übernahm er die Leitung des Truppenamtes, das in der Zeit der Weimarer Republik aufgrund des entsprechenden Verbotes des Versailler Vertrages die Tarnbezeichnung des Generalstabes war, und im folgenden Jahr wurde er zum Generalmajor befördert. Nach einer Kontroverse über die deutschen Chancen eines Zweifrontenkrieges mit Frankreich und Polen, die das Reichswehrministerium anders als er als aussichtslos beurteilte, wurde er von Kurt von Hammerstein-Equord abgelöst. 1929 bis 1933 war er Kommandeur der 1. Division, Befehlshaber des Wehrkreises I (Ostpreussen) und leitete 1932 die deutsche Militärdelegation bei der Genfer Abrüstungskonferenz. Er bereitete Deutschlands Austritt aus der Abrüstungskonferenz und dem Völkerbund vor und verliess damit die frühere Militärpolitik Groeners, der die deutsche Rüstungspolitik in das 1919 entstandene multilaterale Sicherheitssystem eingeordnet hatte. Blomberg befürwortete die einseitige, aussenpolitisch nicht abgesicherte Aufrüstung Deutschlands.
1932 starb seine 1880 geborene Ehefrau Charlotte (geb. Hellmich), mit der er seit 1904 verheiratet war und fünf Kinder hatte.
Blomberg war an der deutsch-sowjetischen Rüstungszusammenarbeit bei den Projekten Panzerschule Kama, Tomka für die chemische Kriegführung und Fliegerschule Lipezk beteiligt und befürwortete eine Zusammenarbeit mit dem stalinistischen Regime. Dabei handelte es sich um Rüstungsvorhaben, die explizit durch den Versailler Vertrag verboten waren.
Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Am 30. Januar 1933, wenige Stunden vor der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg entgegen den Bestimmungen der Reichsverfassung, nach der Minister nur auf Vorschlag des Reichskanzlers ernannt werden konnten, Blomberg zum Reichswehrminister und beförderte ihn zum General der Infanterie; er sollte so zur konservativen „Einrahmung“ und „Zähmung“ Hitlers beitragen. Blomberg schloss sich jedoch eng mit Hitler zusammen, wurde am 4. April sein ständiger Vertreter in allen Fragen der Reichsverteidigung und Ende April 1933 Oberbefehlshaber der Reichswehr, was öffentlich nicht bekanntgegeben wurde. Werner von Blomberg gehörte ferner 1933 zu den Gründungsmitgliedern der Akademie für deutsches Recht. Einer der ersten Ausschüsse der Akademie für deutsches Recht war der Ausschuss für Wehrrecht.
Blomberg galt als Militärfachmann alter Schule ohne Sinn für Politik. Persönlich neigte er der Weltsicht Rudolf Steiners zu. In konservativen Kreisen der Bevölkerung war Blomberg populär, einigen Offizieren der Reichswehr galt er jedoch als allzu willfährig gegenüber Hitler, den er seit 1931 persönlich kannte.
Während des so genannten Röhm-Putsches im Juni und Juli 1934 verhielt sich Blomberg trotz der Ermordung der ehemaligen Generäle der Reichswehr (Kurt von Schleicher und Ferdinand von Bredow) passiv. Auf der anderen Seite ist bekannt, dass Blomberg sich 1935 wie seine Kabinettskollegen Gürtner, Neurath und Frick für die von der Gestapo festgehaltenen Rechtsanwälte einsetzte, die die Witwe des im Zuge der politischen Säuberungswelle beim „Röhm-Putsch“ ermordeten katholischen Politikers Erich Klausener vertraten. Proteste innerhalb des Offizierskorps gegen die Entfernung jüdischer Kameraden wurden von Blomberg unterdrückt. In einem Artikel im Völkischen Beobachter vom 29. Juni 1934 sicherte er Hitler die Loyalität des Heeres zu.
Vereidigung der Reichswehr auf Hitler
Nach dem Tod Hindenburgs am 2. August 1934 veranlasste Blomberg in Absprache mit Walter von Reichenau die Vereidigung der Reichswehrsoldaten auf Hitler („Führereid“). 1935 übertrug ihm Hitler den Oberbefehl über die gesamte Wehrmacht (Heer, Marine, ab 1936 zusätzlich über die neu aufgestellte Luftwaffe) und ernannte ihn im selben Jahr (1936) – als ersten Soldaten der Wehrmacht – zum Generalfeldmarschall. Am 30. Januar 1937 erhielt Blomberg das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP und wurde mit diesem Datum in die NSDAP (Mitgliedsnummer 3.805.226) aufgenommen.
Hossbach-Protokoll
Am 5. November 1937 nahm Blomberg, mit den Oberbefehlshabern der drei Wehrmachtteile Heer (Werner Freiherr von Fritsch), Kriegsmarine (Erich Raeder) und Luftwaffe (Hermann Göring) sowie dem Reichsaussenminister Konstantin Freiherr von Neurath an einer Konferenz mit Hitler teil. Thema des in der „Hossbach-Niederschrift“ festgehaltenen Gesprächs waren Hitlers Pläne für einen Angriffskrieg gegen Deutschlands Nachbarstaaten. Blomberg und Fritsch bezweifelten, dass die Wehrmacht einen europäischen Krieg erfolgreich ausfechten könnte – die Konferenz endete im Dissens.
Blomberg-Fritsch-Krise
Ende 1937 wandte sich Blomberg an Göring mit der Bitte, ihn bezüglich seiner geplanten zweiten Eheschliessung mit Luise Margarethe „Eva“ Gruhn (* 22. Januar 1913 Berlin-Neukölln; † 1978) zu beraten, da erst jüngst verschärfte Heiratsvorschriften für Angehörige der Wehrmacht dies grundsätzlich untersagten. Göring bestärkte ihn dennoch in seinem Entschluss, sorgte für die Entfernung eines Nebenbuhlers, dem eine Stelle im Ausland angeboten wurde, und fungierte gemeinsam mit Hitler am 12. Januar 1938 als Trauzeuge. Wenige Tage später jedoch konfrontierte Göring ihn mit einem Polizeidossier über seine Frau, die einmal wegen Diebstahlverdachts in Haft gewesen sowie als Model für Pornobilder aktenkundig geworden war. Göring forderte ihn auf, seine Ehe annullieren zu lassen oder unverzüglich zurückzutreten. Blomberg schied am 27. Januar 1938, offiziell aus gesundheitlichen Gründen, aus dem Amt. Bei seinem Abschied erhielt er einen „goldenen Handschlag“ von 50“““000 Reichsmark, was in etwa seinem doppelten bisherigen Jahresgrundgehalt entsprach. Bei seinem Abschiedsbesuch schlug er Adolf Hitler als neuen Oberbefehlshaber der Wehrmacht vor.
Am 3. Februar entfernte Hitler Generaloberst Fritsch, einen weiteren militärischen Kritiker, unter dem Vorwurf der Homosexualität aus dem Amt. Fritsch wurde angeklagt, jedoch am 18. März 1938 wegen eindeutig erwiesener Unschuld rehabilitiert.
Hitler gliederte das bislang von Blomberg geleitete Kriegsministerium in das neue Oberkommando der Wehrmacht (OKW) ein und betraute den General der Artillerie Wilhelm Keitel mit dessen Führung. Er selbst übernahm am 4. Februar 1938 den Oberbefehl über die Wehrmacht. Zum Oberkommandierenden des Heeres (OKH) ernannte er den ihm willfährigen General Walther von Brauchitsch.
Nachkriegszeit
Im Zweiten Weltkrieg ohne militärische Verwendung, verhafteten die Alliierten Blomberg 1945 unter dem Verdacht, Kriegsverbrechen begangen zu haben und vernahmen ihn im Hauptkriegsverbrecherprozess in Nürnberg (1945–1946) als Zeugen für das Internationale Militärtribunal.
Von Blomberg starb im März 1946 in Nürnberg in einem amerikanischen Militärlazarett an Darmkrebs. Sein Grab befindet sich auf dem Bergfriedhof von Bad Wiessee.
Blombergs zweite Ehefrau Eva musste sich 1947 als „Nutzniesserin des Nazismus“ vor der Spruchkammer in Miesbach verantworten. 1952 kehrte sie nach Berlin zurück.
Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch
Familie und Herkunft
Walther von Brauchitsch entstammte dem alten schlesischen Adelsgeschlecht von Brauchitsch. Er war das sechste von sieben Kindern des späteren preussischen Generals der Kavallerie und Direktors der Preussischen Kriegsakademie Bernhard von Brauchitsch (1833–1910) und dessen Ehefrau Charlotte Sophie Auguste Bertha, geborene von Gordon (1844–1906). Er war ein Onkel des Rennfahrers Manfred von Brauchitsch und als Schwager von Hans von Haeften auch ein Onkel der Widerstandskämpfer Hans Bernd von Haeften und Werner von Haeften. Seine Schwester Hedwig war eine Oberin des evangelischen Diakonissenmutterhauses in Frankenstein. Sein 1935 verstorbener älterer Bruder war Generalmajor Adolf von Brauchitsch.
Am 29. Dezember 1910 heiratete er in erster Ehe auf Gut Fretzdorf Elisabeth von Karstedt (* 1. März 1881 in Rossow; † 15. Juni 1952 in Braunschweig), die Tochter des Achim von Karstedt, Fideikommissherr auf Gut Fretzdorf und anderen, und der Elisabeth von Rohr genannt von Wahlen-Jürgass. Diese Ehe, der drei Kinder entstammen, wurde am 8. April 1938 in Berlin geschieden. Der ältere Sohn Bernd (1911–1974) wurde später Chefadjutant des Oberbefehlshabers der Luftwaffe Hermann Göring.
In zweiter Ehe heiratete er am 23. September 1938 in Bad Salzbrunn Charlotte Rüffer (* 8. Juli 1903 in Bolkenhain, Niederschlesien; † 14. Juni 1992 in Braunschweig), die Tochter des Amtsgerichtsdirektors Georg Rüffer und der Else Wendorf. Diese Ehe blieb kinderlos.
Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Nach seiner Schulausbildung trat Brauchitsch 1895 dem Kadettenkorps in Berlin bei und diente als Leibpage der Kaiserin Auguste Viktoria. Im März 1900 wurde er als Leutnant in das Charlottenburger Königin Elisabeth Garde-Grenadier-Regiment Nr. 3 aufgenommen und wechselte im Jahr darauf zum 3. Garde-Feldartillerie-Regiment. Vom 10. Februar 1903 bis 31. Mai 1903 besucht er den 2. Kurs der Feldartillerie-Schule. Vom 1. bis zum 13. Mai 1905 war er in die Gewehrfabrik Spandau abkommandiert. Vom 5. Februar 1906 bis zum 28. Februar 1909 war er Adjutant des II. Bataillons seines Regiments. Im Jahr 1909 wurde er – inzwischen Oberleutnant – vorläufig zum Grossen Generalstab versetzt, ohne zuvor die Kriegsakademie besucht zu haben, und diente vom 13. April 1909 bis zum 31. März 1912 in seinem Stammregiment als Regimentsadjutant. Anschliessend wurde er zum Grossen Generalstab kommandiert und nach seiner Beförderung zum Hauptmann Anfang 1914 endgültig in diesen versetzt.
Im Ersten Weltkrieg war Brauchitsch in verschiedenen Verbänden als Stabsoffizier tätig. Am 2. August 1914 kam er zum Stab des XVI. Armee-Korps, am 17. Oktober 1915 zum Stab der 34. Division. Am 19. März 1917 wurde er dem Generalstab der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz zur besonderen Verwendung zugeteilt und wenig später in den Oberbaustab 7 versetzt. Am 23. August 1917 wurde er zum Ersten Generalstabsoffizier der 11. Division ernannt. Ab dem 19. Februar 1918 bekleidete er die gleiche Funktion bei der 1. Garde-Reserve-Division und nach seiner Beförderung zum Major im Juli ab dem 6. August 1918 schliesslich beim Garde-Reserve-Korps.
Weimarer Republik
Brauchitsch wurde in die Reichswehr übernommen und zunächst als Generalstabsoffizier im Wehrkreis II (Stettin) eingesetzt, anschliessend in der Heeresausbildungsabteilung. Später wurde er Kommandeur einer Abteilung des 6. (Preussisches) Artillerie-Regiments. Am 1. April 1925 wurde Brauchitsch zum Oberstleutnant befördert.
Mit dem 1. November 1927 erhielt er seine Ernennung zum Chef des Stabes im Wehrkreis VI (Münster), verbunden mit der Stellung als Chef des Stabes der 6. Division. Am 1. April 1928 wurde Brauchitsch zum Oberst befördert. Im Dezember 1929 wurde er stellvertretender Leiter der Heeresausbildungsabteilung im Truppenamt des Reichswehrministeriums, deren Leitung er Anfang 1930 übernahm. Am 1. Oktober 1931 erfolgte die Beförderung zum Generalmajor. Ein halbes Jahr darauf, am 1. März 1932 wurde Brauchitsch zum Inspekteur der Artillerie ernannt.
Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Wenige Tage nach dem Regierungsantritt Hitlers wurde Brauchitsch im Februar 1933 als Nachfolger des neuernannten Reichswehrministers Werner von Blomberg Befehlshaber im Wehrkreis I (Königsberg) und Kommandeur der 1. Division. Im Oktober dieses Jahres erging die Ernennung zum Generalleutnant. Mit der Enttarnung der Verbände wurde Brauchitsch im Juni 1935 Kommandierender General des I. Armeekorps und am 20. April 1936 zum General der Artillerie befördert. Am 1. April 1937 wurde Brauchitsch zum Oberbefehlshaber des neu gebildeten Gruppenkommandos 4 in Leipzig ernannt.
Im Zuge der Blomberg-Fritsch-Krise wurde von Brauchitsch als Kompromisskandidat der verschiedenen Interessengruppen am 4. Februar 1938 zum Nachfolger des Generalobersten von Fritsch als Oberbefehlshaber des Heeres und gleichzeitig selbst zum Generaloberst ernannt.
Brauchitsch sagte 1938:

„In der Reinheit und Echtheit nationalsozialistischer Weltanschauung darf sich das Offizierskorps von niemanden übertreffen lassen … Es ist selbstverständlich, dass der Offizier in jeder Lage den Anschauungen des Dritten Reiches gemäss handelt“.
Dennoch war von Brauchitsch aus Kriegssorgen schon 1938 an Planungen zur sogenannten Septemberverschwörung auf dem Höhepunkt der Sudetenkrise beteiligt.
Zweiter Weltkrieg
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges leitete er gemeinsam mit seinem Stabschef Franz Halder das Heer im Polenfeldzug (1. September bis 6. Oktober 1939) und im Westfeldzug (10. Mai bis 25. Juni 1940).
Im Vorfeld des Westfeldzuges kam es im Winter 1939/40 zu einer Verschwörung gegen Hitler. Auslöser war dessen Absicht, Frankreich bereits im November 1939 angreifen zu lassen. Die Spitze der Wehrmacht hielt dieses Vorhaben jedoch für absolut undurchführbar. Brauchitsch und Halder erklärten sich bereit, Hitler zu verhaften, sobald er den Angriffsbefehl geben werde. Als Hitler Brauchitsch abkanzelte und drohte, den „Geist von Zossen“ – dort befand sich der Generalstab – auszurotten, brach Brauchitsch die Verbindung zum Widerstand ab. Nach dem Sieg über Frankreich wurde er am 19. Juli 1940 zum Generalfeldmarschall ernannt.
Von Brauchitsch wies den Militärbefehlshaber in Frankreich Otto von Stülpnagel und die nachgeordneten Militärbezirkschefs im November 1940 an, die günstige Gelegenheit zu nutzen und die Arisierung jüdischer Unternehmen im besetzten Frankreich voranzutreiben.
Für die Rückschläge der Wehrmacht im Krieg gegen die Sowjetunion (Schlacht um Moskau) im Winter 1941/42 machte Hitler die Generäle und das OKH verantwortlich und entschloss sich, zusätzlich zu seiner Eigenschaft als oberster Befehlshaber der Wehrmacht auch den Oberbefehl des Heeres persönlich zu übernehmen. Brauchitsch, der aufgrund von Hitlers eigenmächtigen Eingriffen bereits mehrfach vergeblich um seinen Abschied ersucht gehabt haben soll und zudem gesundheitlich angeschlagen war, wurde schliesslich am 19. Dezember 1941 offiziell entlassen.
Brauchitsch wurde in die „Führerreserve“ versetzt und hatte bis Kriegsende keine weitere Verwendung. Von 1942 bis 1945 lebte er auf dem Jagdschlösschen Tři trubky (Dreiröhren) auf dem Truppenübungsplatz Kammwald im mittelböhmischen Waldgebirge. Er hatte dieses als Reichsdotation erhalten.
Nachkriegszeit
Brauchitsch wurde bei den Kriegsverbrecherprozessen in Nürnberg als Zeuge vernommen und starb, inzwischen fast erblindet, am 18. Oktober 1948 vor der Eröffnung eines Prozesses gegen ihn in Hamburg in britischer Militärhaft an Herzversagen.
Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel
Wilhelm Bodewin Johann Gustav Keitel (* 22. September 1882 in Helmscherode; † 16. Oktober 1946 in Nürnberg) war ein deutscher Heeresoffizier (ab 1940 Generalfeldmarschall) und von 1938 bis 1945 Chef des Oberkommandos der Wehrmacht. Er gehörte zu den 24 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof angeklagten Personen, wurde am 1. Oktober 1946 in allen vier Anklagepunkten schuldig gesprochen, zum Tod durch den Strang verurteilt und mit neun weiteren Verurteilten am 16. Oktober 1946 in Nürnberg hingerichtet.
Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Wilhelm Keitel war der älteste Sohn des Gutsbesitzers Carl Keitel (1854–1934) aus Helmscherode am Harz und dessen Frau Apollonia Vissering (1857–1889). Seine Kindheit verbrachte er auf dem Familiengut. Die Mutter starb 1889 nach der Geburt des jüngeren Bruders Bodewin, eines späteren Generals der Infanterie, am Kindbettfieber. Keitel erhielt zunächst Hausunterricht und besuchte später das Humanistische Gymnasium in Göttingen, das heutige Max-Planck-Gymnasium. Seine schulischen Leistungen gehörten zum Klassendurchschnitt. Genau wie sein Vater wollte Keitel Landwirt werden, was aber nicht möglich war, weil der Vater das Gut weiterhin selbst bewirtschaften wollte. Daher trat er nach dem Abitur 1901 in die preussische Armee ein, wie es bei Gutsbesitzersöhnen üblich war. Aus Standes- und Kostengründen entschied sich Keitel gegen die Kavallerie und für den Dienst bei der berittenen Feldartillerie.
Einige Historiker gehen auf die Prägung Keitels durch seine Herkunft ein. Samuel W. Mitcham und Gene Mueller rechnen sein loyales und gehorsames Verhalten gegenüber der Obrigkeit zu den Erfahrungen der Jugendjahre. Die Beschreibung als „typisch preussischer Junker“, die in der älteren Forschung verbreitet war, wird dagegen abgelehnt, weil er aus einer hannoverschen Familie stammte, die der preussischen Uniform eher kritisch gegenüberstand.
Am 18. April 1909 heiratete Keitel Lisa Fontaine, Tochter von Anna und Armand Fontaine, der in Hannover das Rittergut Wülfel und die Brauerei Wülfel besass. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor, von denen eines früh starb. In einigen biografischen Darstellungen wird Lisa Keitel als ihrem Ehemann überlegen geschildert. Sie habe einen entscheidenden Einfluss auf den Verlauf der Karriere ihres Mannes genommen, denn bis zum Ersten Weltkrieg und auch später gab Keitel seinen Wunschtraum, Landwirt auf dem Familiengut zu werden, nicht auf. Nach dem Tod seines Vaters am 10. Mai 1934 reichte er ein Rücktrittsgesuch beim Chef der Heeresleitung, General Werner Freiherr von Fritsch, ein. Seine Entscheidung, doch beim Militär zu bleiben, wurde nicht nur von einer in Aussicht gestellten Beförderung, sondern auch vom Wunsch seiner Ehefrau, lieber die Frau eines Offiziers als die eines Landwirtes zu sein, entscheidend beeinflusst.
Keitel begann seine Karriere im Kaiserreich als Fahnenjunker im Niedersächsischen Feldartillerie-Regiment Nr. 46 in Wolfenbüttel. Ein Jahr später wurde er turnusgemäss zum Leutnant ernannt. Ab 1908 wurde er als Regimentsadjutant eingesetzt und 1910 zum Oberleutnant befördert. Schon zu Anfang des Ersten Weltkriegs wurde er von einem Granatsplitter am rechten Unterarm verwundet. Nach seiner Genesung kehrte er als Hauptmann und Batterieführer zu seinem Regiment zurück. 1914 lernte er Major Werner von Blomberg kennen, der seine spätere berufliche Laufbahn stark beeinflusste. Im Frühjahr 1915 wechselte er ohne die bis dahin übliche Ausbildung in den Generalstab. 1916 wurde er als Erster Generalstabsoffizier (Ia) der 19. Reserve-Division eingesetzt, 1918 dann als Ia des Marinekorps Flandern. Eingesetzt wurde er in den Schlachten von Namur, an der Marne, in den Vogesen, vorübergehend an der Ostfront, dann wieder bei Verdun und schliesslich in Flandern. Insgesamt wurde er während des Krieges zwölf Mal ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern.
Weimarer Republik
Auch nach Kriegsende blieb Keitel beim Militär und wurde in die Reichswehr übernommen. In der Weimarer Republik wurde er zunächst als Taktiklehrer der Kavallerieschule in Hannover eingesetzt. Drei Jahre später folgte eine Versetzung zum Stab des 6. (Preussischen) Artillerie-Regiments. Im Jahre 1923 erhielt er seine Ernennung zum Major. Von 1925 bis 1927 war er Gruppenleiter in der Heeres-Organisationsabteilung (T 2) im Truppenamt; 1927 wurde er zum Kommandeur der II. Abteilung des 6. (Preussischen) Artillerie-Regiments ernannt und 1929 zum Oberstleutnant befördert. Von Oktober 1929 bis Oktober 1933 war er wiederum im Reichswehrministerium eingesetzt, diesmal als Abteilungschef „T 2“. Dabei beteiligte er sich an dem illegalen Ausbau der Reichswehr, mit dem im Falle eines nationalen Notstandes die Möglichkeit der Erhöhung der Reichswehr von 10 auf 30 Divisionen bestand. 1931 reiste Keitel mindestens einmal in die Sowjetunion, um dort geheime Ausbildungslager der Reichswehr zu inspizieren.
Mueller beschreibt Keitel als gewissenhaften und fleissigen Stabsarbeiter, was auch auf Kosten seiner Gesundheit ging und 1933 zu einer Krankheit und Beurlaubung führte. Während seines Aufenthalts in einem tschechoslowakischen Sanatorium in der Hohen Tatra fand die sogenannte „Machtergreifung“ durch Adolf Hitler in Deutschland statt.
Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit und Aufstieg zum Chef des OKW
Im Oktober 1933 kehrte Keitel als Artillerieführer III und stellvertretender Kommandeur der 3. Division in den Truppendienst zurück. Obwohl Keitel als Offizier, der nach aussen unpolitischen Reichswehr politisch neutral sein sollte, sympathisierte er mit Hitler und dem nationalsozialistischen Gedankengut. Von der ersten Begegnung mit Hitler im Juli 1933 und dessen Rede auf dem Tempelhofer Feld in Berlin war Keitel sehr beeindruckt. 1939 sollte er das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP erhalten, durch dessen Annahme er auch automatisch Mitglied der Partei wurde.
Am 1. März 1934 wurde Keitel zum Generalmajor ernannt und im Oktober 1934 als Infanterieführer VI und Kommandant von Bremen mit der Aufstellung der 22. Infanterie-Division beauftragt. Am 1. Oktober 1935 wurde er schliesslich zum Chef des Wehrmachtamts im Reichskriegsministerium berufen. Dies geschah auf Betreiben des Chefs des Generalstabs des Heeres, General Ludwig Beck, der sich damit gegen Reichswehrminister Blomberg durchsetzen konnte. Im neuen Amt versuchte Keitel, die Koordinierung zwischen Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe durch einen gemeinsamen Führungsstab zu verbessern. Dieser Plan scheiterte aber an dem Widerstand der Generäle. Am 1. Januar 1936 wurde Keitel zum Generalleutnant und am 1. August 1937 zum General der Artillerie befördert.
Nach der Blomberg-Fritsch-Krise und der damit verbundenen Veränderung der Kommandostruktur der Wehrmacht, wie die Reichswehr seit 1935 offiziell hiess, wurde er zum Chef des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) berufen. Diese Dienststelle war im selben Jahr neu eingerichtet worden und ersetzte das Amt des Reichskriegsministers, das pro forma von Hitler persönlich übernommen wurde. Die Neuorganisation der militärischen Führung war monatelang von Keitel selbst gemeinsam mit dem damaligen Oberst Alfred Jodl ausgearbeitet worden, mit dem er auch in Zukunft eng kooperieren sollte. Keitel war als Chef des OKW direkt Hitler unterstellt. Während die operativen Aufgaben der Kriegführung vom Wehrmachtführungsstab unter Alfred Jodl besorgt wurden, lagen in Keitels Verantwortung die Bereitstellung von Soldaten und Kriegsgerät, die Spionage, die Versorgung der Kriegsgefangenen und Verwundeten sowie die Verwaltung der Wehrmacht und des Heeresgebietes, in dem sie tätig war. Dabei war es seine Aufgabe, die Befehle Hitlers weiterzugeben; nach dem Ausbruch des Krieges hatte er ausserdem die Aufgabe, die Verbindung zwischen Hitler und seinen Generälen aufrechtzuerhalten. Diese vermittelnde Rolle spielte Keitel bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.
Zweiter Weltkrieg
Im Zweiten Weltkrieg war Keitel als Chef des OKW in alle zentralen militärischen Entscheidungsprozesse eingebunden, agierte aber hauptsächlich als Hitlers Erfüllungsgehilfe: Initiativen zur Änderung der Strategie gingen von ihm nicht aus. Hitler sagte nach dem schnellen Sieg im Westen (Westfeldzug Mai/Juni 1940) bzw. nach dem Waffenstillstandsgesuch Frankreichs zu Keitel: „Jetzt haben wir gezeigt, wozu wir fähig sind. Glauben Sie mir, Keitel, ein Feldzug gegen Russland wäre dagegen ein Sandkastenspiel“. Am 19. Juli 1940 ernannte Hitler Keitel – und gleichzeitig elf weitere Generäle – zum Generalfeldmarschall. Keitel sah es fortan nur noch als seine Aufgabe an, Hitlers Entscheidungen bedingungslos zu unterstützen oder ihm zuzuarbeiten, so zum Beispiel beim sogenannten Kommissarbefehl vom 6. Juni 1941.
In der Forschung wird seine Dienstbeflissenheit und Willfährigkeit gegenüber Hitler hervorgehoben. Keitel prägte nach der Eroberung der Benelux-Staaten und Frankreichs den Begriff „Grösster Feldherr aller Zeiten“ für Hitler, der nach Stalingrad als Gröfaz verulkt wurde. (Originalzitat: „Mein Führer, Sie sind der grösste Feldherr aller Zeiten“., ausgesprochen am 17. Juni 1940, nachdem das französische Waffenstillstandsgesuch in Hitlers Hauptquartier eingetroffen war.) Von seinen Kameraden wurde Keitel als „Ja-Sager“ bezeichnet, und laut Mueller hatte es fatale Folgen für andere Generäle, wenn sie eine abweichende Meinung vertraten. Im Offizierkorps genoss Keitel deshalb nur wenig Respekt und hatte den Spitznamen „Lakeitel“.
Hitler belohnte Keitels Loyalität 1942 mit einer Bardotation in Höhe von 250’000 Reichsmark sowie im Oktober 1944 mit 246 Hektar Waldbesitz in Lamspringe im Wert von 739’340 Reichsmark.
Verantwortung für Kriegsverbrechen
Als Chef des OKW war es Keitels Aufgabe, Hitlers teils völkerrechtswidrigen Weisungen mit seiner Unterschrift Befehlskraft zu verleihen.
Die Anweisungen zur Ausrottung der polnischen Eliten trug er widerspruchslos mit und verteidigte sie gegenüber Kritikern. So erklärte er am 12. September 1939 gegenüber dem über die Massenerschiessungen entsetzten Admiral Wilhelm Canaris:
„Die Sache [sei] bereits vom Führer entschieden …, der dem Ob.d.H. klargemacht habe, dass, wenn die Wehrmacht hiermit nichts zu tun haben wolle, sie es auch hinnehmen müsse, dass SS und Gestapo neben ihr in Erscheinung treten. Es werde daher in jedem Militärbezirk neben den Militär- auch Zivil-Befehlshaber eingesetzt werden, letzteren würde eben die ‚Volkstums-Ausrottung‘ zufallen“.
Nach dem Balkanfeldzug und ersten Kampfhandlungen mit jugoslawischen Partisanengruppen gab Keitel am 16. September 1941 den Sühnebefehl für Serbien:
„Als Sühne für ein deutsches Soldatenleben muss in diesen Fällen im Allgemeinen die Todesstrafe für 30 bis 100 Kommunisten als angemessen gelten“.
Im so genannten Banditenbekämpfungsbefehl vom 16. Dezember 1942 erklärte er im Zusammenhang mit dem Partisanenkrieg in Jugoslawien:

„Die Truppe ist daher berechtigt und verpflichtet, in diesem Kampf ohne Einschränkung auch gegen Frauen und Kinder jedes Mittel anzuwenden, wenn es nur zum Erfolg führt“.
An den Entscheidungsprozessen, die in Vorbereitung des Unternehmens Barbarossa zu den verbrecherischen Befehlen führten, war Keitel nicht beteiligt. Er unterzeichnete aber mehrere Befehle, die Massenmord anordneten oder billigten. Dazu gehören der Kommissarbefehl vom 6. Juni 1941 und der Nacht-und-Nebel-Erlass vom 7. Dezember 1941. Am 12. September 1941 wies er die Truppe in einem Geheimbefehl an:

„Der Kampf gegen den Bolschewismus verlangt ein rücksichtsloses und energisches Durchgreifen, vor allem auch gegen die Juden, die Hauptträger des Bolschewismus“.
Ausserdem gab er Hitlers Durchhaltebefehle während und nach der Schlacht von Stalingrad ohne Bedenken weiter und verschrieb sich bedingungslos der Idee, die Kampfmoral der Truppe durch die Erziehung zum unbedingten Glauben an die „Genialität des Führers“ wieder aufzurichten.
Endphase des Krieges und Kapitulation der Wehrmacht
Bei dem Attentat vom 20. Juli 1944 in der Wolfschanze war Keitel während der Besprechung in der Lagebaracke anwesend. Er half danach dem nur leichtverletzten Hitler aus den Trümmern der Baracke. Anschliessend gab er telefonische Befehle zur Verfolgung der Verschwörer aus. Er wurde anschliessend Mitglied des sogenannten Ehrenhofs der Wehrmacht, der über die Ausstossung von am Attentatsplan beteiligten Offizieren aus der Wehrmacht entschied, damit diese vom Volksgerichtshof abgeurteilt werden konnten.
Erst in den letzten Wochen des Krieges übernahm das OKW auch die Aufgaben der operativen Führung, die aber für den Verlauf der Ereignisse nicht mehr von grosser Bedeutung waren. In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 unterzeichnete Keitel zusammen mit Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg und Generaloberst Hans-Jürgen Stumpff im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht.
Verhaftung und Prozess
Am 13. Mai 1945 wurde Keitel von den Alliierten in Flensburg festgenommen und zusammen mit anderen hochrangigen Wehrmachtangehörigen und Mitgliedern der NSDAP-Hierarchie in das Kriegsgefangenenlager Nr. 32 (Camp Ashcan) im luxemburgischen Bad Mondorf eingeliefert. Im August 1945 wurde er nach Nürnberg überstellt.
Zusammen mit 23 anderen wurde er im Prozess angeklagt. In allen vier Anklagepunkten wurde er schuldig gesprochen, zu den folgenden Straftaten individuell beigetragen zu haben:
- Verschwörung zur Planung eines Angriffskrieges,
- Verbrechen gegen den Frieden durch Überfälle auf andere Länder
- Kriegsverbrechen wie den Kommandobefehl, den Kommissarbefehl, den Nacht- und Nebelerlass, den Sühnebefehl vom 16. September 1941, die Ermordung von Kriegsgefangenen, Zwangsarbeit von Kriegsgefangenen und Zivilisten, Plünderung öffentlichen und privaten Eigentums (rote Mappe), Ermordung der polnischen Elite u. a.
- Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Laut der Anklage war er für die Verstrickung der Wehrmacht als Institution in die verbrecherischen Aktionen des NS-Regimes besonders verantwortlich.
Am 1. Oktober 1946 wurde er zum Tod durch den Strang verurteilt und mit neun weiteren Verurteilten am 16. Oktober 1946 in Nürnberg hingerichtet. Der Leichnam wurde einen Tag später im Städtischen Krematorium auf dem Münchner Ostfriedhof eingeäschert und die Asche in den Wenzbach, einen Zufluss der Isar, gestreut.
Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt
Karl Rudolf Gerd von Rundstedt (* 12. Dezember 1875 in Aschersleben, Provinz Sachsen; † 24. Februar 1953 in Hannover) war ein deutscher Offizier, zuletzt Generalfeldmarschall im Zweiten Weltkrieg, und führte während des gesamten Kriegs militärische Grossverbände (Heeresgruppen) an mehreren Fronten. Seine wichtigste Position war die des Oberbefehlshabers West, die er – mit mehreren Unterbrechungen – zwischen 1940 und 1945 innehatte. Von Rundstedt wurde nach dem Krieg wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Wegen seines schlechten Gesundheitszustands wurde das Verfahren nie zum Abschluss gebracht..
Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Der gleichnamige Sohn des Rittmeisters und Eskadronschefs des in Aschersleben stationierten Magdeburgischen Husaren-Regiments Nr. 10
und späteren Generalmajors derPreussischen Armee Gerd von Rundstedt entstammte dem altmärkischen Adelsgeschlecht von Rundstedt. Die Familie übersiedelte im Dezember 1882 anlässlich der Versetzung des Vaters zum Husaren-Regiment „König Humbert von Italien“ (1. Kurhessisches) Nr. 13 nach Hessen. Er trat nach Schulbesuch in Mainz (1884–86) und Frankfurt am Main (zuletzt Oberrealschule) 1890 in die Kadettenanstalt Oranienstein ein und wechselte 1890 auf die Preussische Hauptkadettenanstalt Gross-Lichterfelde, wo er 1892 die Primareife erlangte.
Am 22. März 1892 trat Gerd von Rundstedt als Fähnrich in das Infanterie-Regiment „von Wittich“ (3. Kurhessisches) Nr. 83 in Kassel ein. Nach Kommandierung zur Kriegsschule Hannover wurde er am 17. Juni 1893 zum Leutnant befördert. Nach zehnjährigem Truppendienst, unter anderem als Bataillons- und Regimentsadjutant, besuchte er, seit 1902 Oberleutnant, von 1903 bis 1906 die Preussische Kriegsakademie in Berlin und wurde nach erfolgreichem Abschluss 1907 auf Probe in den Grossen Generalstab kommandiert, in den man ihn 1909 als Hauptmann endgültig übernahm. 1912 erhielt er als Kompaniechef im 2. Ober-Elsässischen Infanterie-Regiment Nr. 171 erstmals ein Truppenkommando.
Im Ersten Weltkrieg wurde von Rundstedt als Generalstabsoffizier in der Türkei und in Frankreich eingesetzt. Bereits kurz nach Beginn des Krieges wurde er zum Major befördert.
Weimarer Republik
Nach Ende des Kaiserreichs wurde Gerd von Rundstedt in die neuorganisierte Reichswehr der Weimarer Republik übernommen. Er wurde 1920 als Oberstleutnant Chef des Stabes der 3. Kavalleriedivision in Kassel und 1923 zum Oberst befördert. Ab 1925 war er Kommandeur des 18. Infanterie-Regiments in Münster. 1927 folgte die Ernennung zum Generalmajor. 1928 erhielt von Rundstedt das Kommando über die 2. Kavalleriedivision in Breslau, 1929 eine weitere Beförderung zum Generalleutnant. 1932 wurde von Rundstedt zum General der Infanterie befördert und gleichzeitig Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos I in Berlin.
Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Während der Machtergreifung der Nationalsozialisten, der Auflösung der Weimarer Republik und der Umwandlung der Reichswehr in die Wehrmacht war er Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos I in Berlin. Am 1. März 1938 wurde er zum Generaloberst befördert. Während der Sudetenkrise 1938 unterstützte er bei der Generalsbesprechung vom 4. August die allgemeine Auffassung der Generalität, dass Wehrmacht und Land noch nicht kriegsbereit seien. Nach der Besetzung des Sudetenlandes im Oktober 1938 wurde von Rundstedt auf eigenen Wunsch am 31. Oktober aus der Armee verabschiedet. Am 4. November 1938 wurde er zum Chef des Infanterieregiments 18 in Bielefeld ernannt; diese Ernennung wurde am 25. April 1939 mit einer grossen Parade vollzogen.
Im April 1939 wurde er als Leiter des geheimen „Arbeitsstabs Rundstedt“ reaktiviert, der bei der geplanten Invasion Polens (Deckname: „Fall Weiss“) als Heeresgruppenkommando der Heeresgruppe Süd dienen und dafür Aufmarsch- und Operationspläne entwerfen sollte. Ihm zur Seite standen zunächst nur Generalleutnant Erich von Manstein als Stabschef und Oberst Günther Blumentritt als Operationsoffizier. Am 23. August 1939 wurde der erweiterte „Arbeitsstab Rundstedt“, jetzt bezeichnet als AOK 12, nach Neisse in Oberschlesien verlegt und übernahm am 25. August den Befehl über die drei unterstellten Armeen.
Zweiter Weltkrieg
Angriff auf Polen
Mit Beginn des Angriffs auf Polen am 1. September 1939 wurde von Rundstedt zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd ernannt. Mit diesem 886’000 Soldaten umfassenden Verband marschierte er von Schlesien und der Slowakei aus in Polen ein und besiegte gemeinsam mit der Heeresgruppe Nord die polnischen Streitkräfte innerhalb eines Monats vollständig.
Am 9. September hatten, die von von Rundstedt geführten Truppen die Vororte von Warschau erreicht. Nachdem anfängliche Angriffe auf das dicht bebaute Stadtgebiet erfolglos waren, liess er die Stadt 19 Tage lang durch Luftwaffe und Artillerie bombardieren, bis die verbliebenen Verteidiger am 28. September kapitulierten. Diesem Bombardement fielen etwa 26’000 Zivilisten zum Opfer; grosse Teile der historischen Stadt wurden zerstört.
Westfeldzug
Gerd von Rundstedts Truppen wurden nach der Kapitulation Polens in Heeresgruppe A umbenannt und für den geplanten Westfeldzug an die deutsche Westgrenze verlegt. Nach acht Monaten ohne grössere Kampfhandlungen im so genannten Sitzkrieg griff die deutsche Wehrmacht am 10. Mai 1940 die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Nordfrankreich (Fall Gelb) nach dem Sichelschnittplan an. Dieser sah im Kern vor, überraschend durch die von französischen und belgischen Militärs für unpassierbar gehaltenen und daher schwach verteidigten Ardennen bis zur Kanalküste vorzudringen und grosse alliierte Streitkräfte in Belgien einzuschliessen. Dies gelang von Rundstedts Truppen innerhalb von zwei Wochen. Gerd von Rundstedt gab dann in der Schlacht von Dünkirchen nach Streitigkeiten unter den deutschen Generälen den berühmt gewordenen Haltebefehl, der es den Alliierten ermöglichte, in der Operation Dynamo rund 370’000 eingeschlossene Soldaten aus Dünkirchen nach Grossbritannien zu evakuieren, die später den Kern der alliierten Invasionsarmee bildeten.
Danach eroberten die deutschen Truppen in kurzer Zeit die nördliche Hälfte Frankreichs (Fall Rot), bis die französische Regierung am 17. Juni um Waffenstillstand nachsuchte. Der schnelle Sieg wurde von der deutschen Propaganda als Durchbruch zu einer neuen, revolutionären Taktik gepriesen, der man die Bezeichnung Blitzkrieg gab. Für seine Erfolge wurde von Rundstedt gleichzeitig mit elf weiteren Offizieren am 19. Juli 1940 in den höchsten militärischen Rang des Generalfeldmarschalls befördert.
Gerd von Rundstedt war als Oberbefehlshaber der in der Folge geplanten Invasion Grossbritanniens (Unternehmen Seelöwe) vorgesehen. Nach der deutschen Niederlage in der Luftschlacht um England wurde dieser Plan mehrfach verschoben und schliesslich fallen gelassen, der Generalfeldmarschall 1941 an die deutsche Ostfront versetzt.
Krieg gegen die Sowjetunion
In dem am 22. Juni 1941 von deutscher Seite begonnenen Krieg gegen die Sowjetunion stand von Rundstedt an der Spitze der Heeresgruppe Süd, die die Ukraine und den Kaukasus erobern sollte. Für seine Streitkräfte erwies sich jedoch der vorgesehene Vorstoss an die Wolga und zum Kaspischen Meer aufgrund der personellen und materiellen Unterlegenheit als illusorisch, auf Höhe der Krim stagnierte die Offensive des Südostflügels des deutschen Ostheeres, da man auch zwei Kesselschlachten bei Uman und Kiew schlagen musste. Am 24. September 1941 gab er angesichts der Morde des zur Einsatzgruppe C gehörenden Sonderkommandos 4a folgenden Befehl an die ihm untergebenen Soldaten:
„Eigenmächtiges Vorgehen einzelner Wehrmachtsangehöriger […] gegen die Juden ist verboten, ebenso das Zuschauen oder Photographieren bei der Durchführung der Massnahmen der Sonderkommandos“.
Entgegen Hitlers Weisung, einen Rückzug nicht in Betracht zu ziehen, dachte von Rundstedt an eine taktische Rücknahme seiner logistisch und physisch überstrapazierten Verbände, kurz nachdem seine Truppen Rostow erobert hatten.
Von Rundstedt gehörte deshalb zu den Generälen, die während der Winterkrise 1941 an der Ostfront aufgrund strategisch-taktischer Differenzen mit Hitler von ihren Posten abgelöst wurden. Gleichwohl erhielt er am 12. Dezember 1941 anlässlich seines Geburtstags von Hitler eine Dotation in Höhe von 250’000 Reichsmark.
Verteidigung in Frankreich
Wenige Monate später erhielt er wieder als Oberbefehlshaber West mit Hauptquartier in Paris ein neues Kommando, dem ab dem 15. April 1941 in Personalunion auch der Oberbefehl über die Heeresgruppe D angekoppelt war. In dieser Funktion schlug er die Operation Jubilee, ein britisch-kanadisches Kommandounternehmen bei Dieppe, erfolgreich zurück. Die britischen Kriegsgefangenen liess er entgegen dem geltenden Völkerrecht an die Gestapo ausliefern.
Als Kopf des schwerpunktmässig in Nord- und Südwestfrankreich stationierten Westheeres oblag ihm nach der Führung von Hitlers Blitzkriegen nun eine defensive Aufgabe. Zusammen mit der NS-Bautruppe Organisation Todt (OT) sollte er zur Abwehr, der von der Wehrmachtführung bereits erwarteten Invasion der Alliierten den Auf- und Ausbau der Befestigungen des Atlantikwalls organisieren. Von Rundstedt machte sich über die Erfolgschancen der deutschen Defensivmassnahmen keine Illusionen und rechnete schon Monate vor der eigentlichen Invasion mit einem Erfolg der alliierten Streitkräfte im Falle einer erneuten Landung auf französischem Boden. Seine taktischen Planspiele zielten auf eine Vernichtung der Landungskräfte nach der Landung mit schweren Panzereinheiten ab, Feldmarschall Erwin Rommel hingegen setzte sich bei Hitler durch und trieb den Ausbau des Atlantikwalls weiter voran.
Von Rundstedt war als höchste militärische Instanz für die Aufrechterhaltung der Ordnung in den am 11. November 1942 besetzten („Unternehmen Anton“) Gebieten Vichy-Frankreichs zuständig. Die Initiative zur Zerstörung grosser Teile der Altstadt von Marseille im Januar 1943 und Umsiedlung bzw. Deportation von Teilen ihrer Bewohnerschaft geht jedoch primär auf Heinrich Himmler zurück. Dabei kam es zur Kooperation zwischen Himmlers SS und örtlichen Wehrmachtbefehlshabern.
Als am 6. Juni 1944 die alliierten Truppen im Rahmen der amphibischen Operation Overlord in der Normandie landeten, waren von Rundstedts Reaktionsmöglichkeiten stark begrenzt, da die mobilen Hauptreserven für einen konzentrierten Gegenschlag im Raum Paris nur mit Hitlers ausdrücklicher Genehmigung eingesetzt werden durften („Führervorbehalt“), die zu spät erteilt wurde, um den Gegenschlag erfolgreich führen zu können.
Nachdem die Vernichtung des alliierten Brückenkopfs aufgrund der massiven materiellen und personellen Unterlegenheit der Wehrmacht und der fehlenden Lufthoheit misslang, sah von Rundstedt keine Chancen mehr zur militärischen Wende. Nach offener Kritik an der obersten Führung in einem Gespräch mit OKW-Chef Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel („… den Krieg beenden, ihr Idioten!“), liess Hitler ihn am 2. Juli 1944 von Generalfeldmarschall Günther von Kluge als Oberbefehlshaber West ablösen. Auch danach wurde die Lage der Westfront nicht besser.
Vorsitz des Ehrenhofs der Wehrmacht
Unter anderem um sich karrieristisch zu rehabilitieren, übernahm von Rundstedt anschliessend den Vorsitz des am 2. August 1944 errichteten Ehrenhofs der Wehrmacht. In dieser Funktion stiess er im Auftrag des NS-Regimes zahlreiche mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 kompromittierte Wehrmachtsangehörige aus dem Heer aus, sodass das Reichskriegsgericht für ihre Aburteilung nicht mehr zuständig war und sie vom Volksgerichtshof unter dem Vorsitz von Roland Freisler in Schauprozessen abgeurteilt werden konnten.
Am 18. Oktober 1944 hielt von Rundstedt anlässlich des Staatsaktes in Ulm die offizielle Trauerrede für den am 14. Oktober 1944 vom NS-Regime zum Selbstmord getriebenen Generalfeldmarschall Rommel, wobei die wahren Hintergründe des Ablebens Rommels nicht zur Sprache kamen.
Rückzug an der Westfront
Bereits Anfang September 1944 setzte Hitler ihn wieder als Oberbefehlshaber West ein; in dieser Funktion leitete Gerd von Rundstedt von Koblenz aus die rasante Absetzbewegung der deutschen Weststreitkräfte nach Belgien und Elsass-Lothringen. In dieser Funktion gelang ihm und dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B, Generalfeldmarschall Walter Model, einer der letzten deutschen Siege an der Westfront bei Arnheim, wo alliierte Fallschirmjägerverbände im Rahmen der Operation Market Garden die Niederlande befreien wollten, indem sie einen Keil zwischen Ruhrgebiet und den niederländischen Flussgebieten beabsichtigten. Der alliierte Weg in die norddeutsche Tiefebene wäre dann möglich gewesen.
Nachdem sich aufgrund des verlangsamten alliierten Vorstosses die prekäre Lage der deutschen Truppen an der Westfront kurzzeitig stabilisieren konnte, führte von Rundstedt auf Befehl Hitlers im Dezember 1944 die letzte deutsche Grossoffensive im Zweiten Weltkrieg. Der von 250’000 Soldaten und 600 Panzern geführte Angriff auf die Ardennen scheiterte jedoch bereits in der Anfangsphase, da er von Hitler viel zu grossräumig ausgelegt worden war, und führte zum Verschleiss der letzten deutschen Truppenreserven und zu einer substanziellen Dezimierung des Westheeres. Von Rundstedt hatte für eine kleinere Offensive argumentiert, konnte sich aber nicht durchsetzen und führte die überdimensionierte Operation nach Hitlers Planung durch. Den daraufhin wieder aufgenommenen Vormarsch der Alliierten und die sukzessive Vernichtung seiner durch Nachschubprobleme geschwächten Resttruppen konnte der Oberbefehlshaber West nicht mehr verhindern, da man in der Ardennenoffensive zu hohe Verluste erlitten hatte.
Am 18. Februar 1945 verlieh Hitler von Rundstedt die Schwerter zum Ritterkreuz. Nach der Rheinüberquerung von US-Truppen über die Ludendorff-Brücke in Remagen (ab 7. März) setzte Hitler den Generalfeldmarschall 1945 ab und ersetzte ihn durch Generalfeldmarschall Albert Kesselring, der das Kommando am 12. März übernahm. Seine lange Dienstzeit machte von Rundstedt zum ältesten Offizier der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.
Zum Ende des Krieges befand sich von Rundstedt zur Kur bei Bad Tölz, das aufgrund seiner Einflussnahme vor grösseren Zerstörungen bewahrt blieb.
Nachkriegszeit
Ab Mai 1945 in britischer Kriegsgefangenschaft in Grizedale Hall, wurde Rundstedt wegen Kriegsverbrechen angeklagt. Ihm wurde unter anderem Massenmord in den besetzten sowjetischen Gebieten vorgeworfen. Der Vorwurf wurde mit dem so genannten Reichenau-Befehl begründet, weil Feldmarschall Walter von Reichenau zu diesem Zeitpunkt von Rundstedt unterstand. In dem Befehl wird unverhohlen zur Vernichtung des „jüdischen Untermenschentums“ aufgerufen. Nachweislich kannte von Rundstedt diesen Befehl, hat ihn gutgeheissen und sich mit ihm „voll einverstanden“ erklärt.
Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands und seines hohen Alters kam es zu keiner Verurteilung mehr. Seine Herzerkrankung bewog die Briten, ihn im Mai 1949 aus der Gefangenschaft zu entlassen.
Gerd von Rundstedt starb am 24. Februar 1953 in Hannover und wurde auf dem Stadtfriedhof Stöcken beigesetzt.
Generalfeldmarschall Fedor von Bock
Moritz Albrecht Franz Friedrich Fedor von Bock (* 3. Dezember 1880 in Küstrin, Provinz Brandenburg; † 4. Mai 1945 in Oldenburg in Holstein) war ein deutscher Heeresoffizier (seit 1940 Generalfeldmarschall). Während des Zweiten Weltkrieges war er Oberbefehlshaber verschiedener Heeresgruppen der Wehrmacht.
Herkunft
Moritz Albrecht Franz Friedrich Fedor von Bock war der Sohn des preussischen Generalmajors Moritz Albert von Bock (* 15. Januar 1828 in Koblenz; † 16. April 1897 in Charlottenburg) und dessen Ehefrau Olga Franziska Helene, geborene von Falkenhayn (* 4. März 1851 in Burg Belchau; † 14. Dezember 1919 in Berlin). Seine Mutter war eine Schwester von Erich von Falkenhayn.
Militärkarriere
Nach seinem Schulbesuch in Wiesbaden und Charlottenburg besuchte er die Kadettenanstalt in Potsdam, später wechselte er auf die Hauptkadettenanstalt nach Gross-Lichterfelde. Am 15. März 1898 trat er als Fähnrich in das 5. Garde-Regiment zu Fuss in Spandau in die Preussische Armee ein. Am 1. Mai 1898 wurde er im selben Regiment Sekondeleutnant, später wurde er als Zugführer Hilfslehrer der Spandauer Militär-Turnanstalt. Im Juli 1904 wurde er Bataillons- und im Januar 1906 Regimentsadjutant. Am 10. September 1908 wurde er Oberleutnant, ab April 1910 wurde er zur Generalstabsausbildung abkommandiert. Von Bock trat im März 1911 in den Grossen Generalstab ein und wurde dort am 22. März 1912 zum Hauptmann befördert.
Erster Weltkrieg
Seit Oktober 1913 fungierte er als Stabsoffizier im Generalstab des Gardekorps, mit dem er zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 an der Westfront eingesetzt wurde. Im Mai 1915 wechselte er in den Stab der 11. Armee an die Ostfront und nahm an der Schlacht von Gorlice-Tarnow teil. Im folgenden Jahr trat er in den Generalstab der 200. Division über und nahm am Gebirgskrieg in den Karpaten und an der Abwehr der Brussilow-Offensive teil. Am 30. Dezember 1916 wurde er zum Major ernannt. Im April 1917 diente er im Generalstab der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz wieder an der Westfront, am 1. April 1918 wurde er für seine Generalstabsarbeit in der Frühjahrsoffensive mit dem Pour le Mérite ausgezeichnet.
Weimarer Republik
Nach dem Waffenstillstand von Compiegne im November 1918 wurde von Bock in die Vorläufige Reichswehr übernommen und als Erster Generalstabsoffizier dem neugebildeten Gruppenkommando 1 zugeteilt. Als Chef des Stabes der 3. Division in Berlin war er zugleich Kommandeur über die republikfeindliche Schwarze Reichswehr. Im Oktober 1919 neu vereidigt, verweigerte er seine Teilnahme am Kapp-Putsch. Am 18. Dezember 1920 wurde er Oberstleutnant und nach langjähriger Stabsarbeit begann 1924 seine Tätigkeit als aktiver Truppenführer. Am 1. April 1924 übernahm er die Führung eines Bataillons des 4. (Preussisches) Infanterie-Regiments in Kolberg. Am 1. Mai 1925 wurde er zum Oberst befördert und übernahm am 1. Februar 1926 die Führung dieses Regimentes. Am 1. Februar 1929 wurde von Bock Generalmajor und im Dezember 1929 übernahm er das Kommando über die 1. Kavallerie-Division in Frankfurt an der Oder. Am 1. Februar 1931 wurde er zum Generalleutnant befördert und im Dezember 1931 wurde er Kommandeur der 2. Division und Befehlshaber im Wehrkreis II in Stettin.
Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 verhielt er sich dem NS-Regime gegenüber neutral. Am 1. März 1935 wurde er zum General der Infanterie befördert und zum Oberbefehlshaber des neuerrichteten Gruppenkommandos 3 in Dresden ernannt.
Beim Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 12. März 1938 marschierte er an der Spitze der aus seiner Befehlsstelle gebildeten 8. Armee in Österreich ein und wurde dafür rückwirkend zum 1. März zum Generaloberst befördert. Am 1. November desselben Jahres wurde er zum Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos 1 in Berlin ernannt und am 26. August 1939 Oberbefehlshaber der daraus gebildeten Heeresgruppe Nord.
Zweiter Weltkrieg
In dieser Funktion nahm er auch am Überfall auf Polen teil. Er befehligte dabei die aus Pommern (4. Armee) und Ostpreussen (3. Armee) vorstossende Heeresgruppe Nord und wurde nach der Kapitulation Warschaus am 30. September mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Nach Abschluss des Polenfeldzugs wurde er mit dem Heeresgruppenkommando an die Westgrenze verlegt und stellte dort ab Oktober 1939 die Heeresgruppe B auf. Im November 1939 erfuhr er von „Vorgängen der ‚Kolonisierung‘ des Ostens“, die ihn zutiefst erschreckten. Er kommentierte diese in seinen Aufzeichnungen: „Macht man dort weiter so, so werden diese Methoden sich einmal gegen uns kehren!“.
Mit der Heeresgruppe B, die den nördlichen Flügel der deutschen Streitkräfte bildete, führte er im Rahmen des Westfeldzugs den Angriff auf Belgien und die Niederlande. Nach dem Einmarsch in Paris nahm er am 14. Juni 1940 die Parade der deutschen Truppen am Arc de Triomphe ab. Am 19. Juli 1940 wurde er gleichzeitig mit elf weiteren Generälen zum Generalfeldmarschall ernannt. Zu seinem 60. Geburtstag schenkte Hitler ihm 100’000 Reichsmark.
Aufgrund der „Weisung Nr. 21 Fall Barbarossa“ vom 18. Dezember 1940 wurde von Bock mit der Vorbereitung der ihm unterstellten Truppen auf den Angriff auf die Sowjetunion beauftragt. Gegen den in diesem Zusammenhang im Mai 1941 erlassenen Kommissarbefehl legte er auf Drängen seiner Stabsoffiziere Henning von Tresckow und Rudolf-Christoph von Gersdorff beim Oberkommando des Heeres mündlich Widerspruch ein. Nachdem sein Protest völlig fruchtlos geblieben war, sagte er zu seinem Stab: „Meine Herren, ich stelle fest: Der Feldmarschall von Bock hat protestiert“.
Mit Beginn des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion war von Bock Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte, deren Auftrag der Vorstoss auf Moskau war. Von Bock gehörte im Herbst zu den stärksten Befürwortern einer Offensive auf Moskau noch im Jahr 1941. Eines seiner Argumente war, dass bei zwei gleichermassen erschöpften Gegnern derjenige mit dem stärkeren Willen die Entscheidung herbeiführen könne. Nachdem von Bock während der Schlacht um Moskau aufgrund der Erschöpfung seiner Truppen für einen taktischen Rückzug an der Ostfront plädiert und diesen auch eingeleitet hatte, wurden am 19. Dezember er und der Oberbefehlshaber des Heeres Walther von Brauchitsch abgelöst.
Er übernahm am 18. Januar 1942, nach dem plötzlichen Tod (durch Schlaganfall) Walter von Reichenaus, dessen Heeresgruppe Süd. Im Anschluss an erneute Auseinandersetzungen mit Hitler über das Unternehmen Braunschweig wurde er am 15. Juli 1942 seines Amtes als Befehlshaber der Heeresgruppe B enthoben und bis Ende des Krieges in die Führerreserve versetzt. Sein Nachfolger wurde Generaloberst Maximilian von Weichs.
Er lebte in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges zurückgezogen in Bayern. Sein Neffe Henning von Tresckow versuchte mehrmals vergeblich, ihn für den militärischen Widerstand gegen Hitler zu gewinnen. Das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 verurteilte er als Verbrechen. Nach Hitlers Suizid bot er sich der neuen Reichsregierung unter Karl Dönitz an.
Am 3. Mai 1945 wurde von Bock bei einem englischen Tieffliegerangriff in der Nähe von Lensahn schwer verwundet; am folgenden Tag erlag er seinen Verwundungen in einem Marinelazarett in Oldenburg in Holstein. Beim Angriff fanden auch seine zweite Ehefrau Wilhelmine, seine Stieftochter Katharina von der Osten sowie sein Kraftfahrer den Tod. Fedor von Bock ist der einzige Feldmarschall des Dritten Reiches, der durch unmittelbare Feindeinwirkung zu Tode kam.
Generalfeldmarschall Wilhelm Ritter von Leeb
Wilhelm Leeb, ab 1915 Ritter von Leeb (* 5. September 1876 in Landsberg am Lech; † 29. April 1956 in Füssen), war ein deutscher Offizier, zuletzt Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber verschiedener Heeresgruppen im Zweiten Weltkrieg.
Er war der Sohn des bayerischen Majors Adolf Leeb und dessen Ehefrau Katharina, geborene Leeb. Der spätere General der Artillerie Emil Leeb (1881–1969) war sein jüngerer Bruder. Leeb verheiratete sich am 2. Juli 1913 mit Maria Schrott. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.
Bayerische Armee
Nach Absolvierung eines Humanistischen Gymnasiums trat Leeb am 16. Juli 1895 als Freiwilliger auf Beförderung in das 4. Feldartillerie-Regiment „König“ der Bayerischen Armee in Augsburg ein. Nach dem Besuch der Kriegsschule, die er mit Allerhöchster Belobigung abgeschlossen hatte, wurde Leeb zum Sekondeleutnant befördert. Es folgte seine weitere Ausbildung an der Artillerie- und Ingenieur-Schule, bevor er Ende August 1900 zum Ostasiatischen Expeditionskorps übertrat. Als Zugführer bei der 1. Gebirgsbatterie beteiligte Leeb sich an der Niederschlagung des Boxeraufstands in China. Nach seiner Rückkehr nach Bayern wurde er im August 1901 wieder im 4. Feldartillerie-Regiment „König“ angestellt. Von 1903 bis 1906 absolvierte Leeb die Kriegsakademie, die ihm in erster Linie die Qualifikation für den Generalstab und ferner für die Höhere Adjutantur, den Referatsdienst und das Lehrfach (Taktik, Kriegsgeschichte) aussprach. Im Anschluss daran folgten seine Kommandierung zunächst zur Zentralstelle des Generalstabs in München und 1909 zum Grossen Generalstab nach Berlin. Vom 23. März 1912 bis 24. Januar 1914 diente der zwischenzeitlich zum Hauptmann beförderte Leeb als Chef der 3. Batterie im 10. Feldartillerie-Regiment. Anschliessend war er für knapp zwei Monate in der Zentralstelle des Generalstabs und wurde dann zum Generalstab des I. Armee-Korps versetzt.
Erster Weltkrieg
In dieser Stellung war Leeb auch bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs und beteiligte sich an den Kämpfen in Lothringen und Frankreich. 1915 wurde er als Erster Generalstabsoffizier zur 11. Infanterie-Division versetzt und kam auf verschiedenen Schauplätzen zum Einsatz. Aufgrund seiner Leistungen in der Schlacht bei Gorlice-Tarnow, bei der Einnahme der Festung Przemyśl sowie beim Übergang über die Donau im Feldzug gegen Serbien wurde er am 2. Mai 1915 in den Militär-Max-Joseph-Orden aufgenommen. Damit verbunden war die Erhebung in den persönlichen Adel und er durfte sich nach Eintragung in die Ritterklasse der Adelsmatrikel Ritter von Leeb nennen.
1916 wurde Leeb zum Major befördert. Von Mai 1917 bis zum Ende des Krieges war er an der Westfront im Stab der Heeresgruppe „Kronprinz Rupprecht“ eingesetzt, zuerst als Zweiter Generalstabsoffizier und später als Oberquartiermeister.
Für seine Leistungen während des Krieges war Leeb mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes, dem Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern, dem Militärverdienstorden III. Klasse mit Schwertern, dem Ritterkreuz II. Klasse des Albrechts-Ordens mit Schwertern, dem Ritterkreuz des Ordens der Württembergischen Krone mit Schwertern, dem Hanseatenkreuz von Hamburg und Bremen sowie dem Österreichischen Militärverdienstkreuz III. Klasse mit Kriegsdekoration und dem Eisernen Halbmond ausgezeichnet worden.
Weimarer Republik
Nach Kriegsende kam Leeb als Chef der Armeeabteilung in das Ministerium für militärische Angelegenheiten, beteiligte sich an der Niederschlagung der Münchner Räterepublik und wurde nach Auflösung der Behörde als Referent in der Heeresabteilung in das Reichswehrministerium nach Berlin versetzt. Im weiteren Verlauf seiner Militärkarriere bekleidete Leeb in der Reichswehr Dienstposten als Stabsoffizier in den Wehrkreisen II (Stettin) und VII (München), war Kommandeur des 7. (Bayerisches) Artillerie-Regiments sowie seit 1929 als Generalmajor Artillerieführer VII. Anfang 1930 zum Generalleutnant befördert, wurde Leeb dann Befehlshaber des Wehrkreises VII und Kommandeur der 7. (Bayerische) Division.
Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler verhielt sich Leeb als konservativer Katholik dem neuen Regime gegenüber reserviert. Dennoch stieg er in der Wehrmacht weiter auf und wurde am 1. Oktober 1933 Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos II in Kassel. Am 1. Januar 1934 erfolgte seine Ernennung zum General der Artillerie. In den folgenden Jahren entstand sein Buch Die Abwehr, in dem er den herrschenden Vorstellungen vom „Blitzkrieg“ widersprach.
Im Verlauf der Blomberg-Fritsch-Krise Anfang 1938 wurde Leeb auf Anweisung Hitlers vom neuen Oberbefehlshaber des Heeres, Walther von Brauchitsch, unter Verleihung des Charakters als Generaloberst in den Ruhestand versetzt. Bereits im Juli 1938 wurde er jedoch im Zuge der Sudetenkrise reaktiviert und als Oberbefehlshaber der 12. Armee an der Besetzung des Sudetenlandes beteiligt. Unmittelbar im Anschluss daran wurde Leeb wiederum in den Ruhestand verabschiedet.
Im Sommer 1939 wurde Leeb ein zweites Mal reaktiviert und erhielt als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe C das Kommando über die deutschen Truppen an der französischen Grenze. Mit 62 Jahren war er zu diesem Zeitpunkt nach Gerd von Rundstedt der zweitälteste Soldat des deutschen Heeres. Als Reaktion auf die Kriegserklärungen Frankreichs und Englands an Deutschland schrieb er in seinem Tagebuch „Hitler ist ein verblendeter Narr, ein Verbrecher!“.
Zweiter Weltkrieg
Beim Westfeldzug, der am 10. Mai 1940 begann, überrannte Leeb im Juni 1940 mit der Heeresgruppe C die Maginotlinie. Nach der Kapitulation Frankreichs wurde Leeb zusammen mit elf weiteren Generälen am 19. Juli 1940 zum Generalfeldmarschall befördert. Bereits vorher war er am 24. Juni 1940 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet worden.
Im Rahmen der Vorbereitungen für den deutschen Angriff auf die Sowjetunion 1941 wurde Leebs Heeresgruppenkommando im Herbst 1940 von Frankreich nach Dresden verlegt. Im Frühjahr 1941 wurde er Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord.
Die Heeresgruppe Nord hatte nach dem 22. Juni 1941 die Aufgabe, die baltischen Häfen zu erobern, anschliessend zügig in Richtung Leningrad vorzustossen und die Stadt einzunehmen. Im Winter 1941/42 begann die Leningrader Blockade. Im Osten des Aufmarschbereiches war die Heeresgruppe bis Tichwin vorgestossen. Nach einem Zerwürfnis mit Hitler über den von Leeb empfohlenen Rückzug auf eine strategisch günstigere Position bat dieser um seine Ablösung als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord. Am 16. Januar 1942 wurde Leeb seines Postens entbunden, in die Führerreserve versetzt und nicht wieder verwendet.
Trotz seiner kritischen Haltung dem NS-Regime gegenüber nahm Leeb im September 1941 zu seinem 65. Geburtstag von Hitler eine Dotation von 250’000 Reichsmark entgegen. 1944 wollte er in Bayern einen Landbesitz im Wert von rund 638’000 Reichsmark kaufen, erhielt ihn aber nach einer Entscheidung Hitlers als Geschenk. Somit hatten die ihm zugeflossenen Dotationen einen Wert von insgesamt 888’000 Reichsmark. Wie auch einige andere hohe Militärs sandte Leeb nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 eine Ergebenheitsadresse an Hitler.
Nachkriegszeit
Im Mai 1945 kam Leeb in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Durch die Verwechslung von Dokumenten wurde er beim Prozess gegen das Oberkommando der Wehrmacht in Nürnberg 1948 schuldlos zu drei Jahren Haft verurteilt, die durch die Zeit der Kriegsgefangenschaft als verbüsst galten. Zu einer Aufhebung des Urteils kam es nicht, obwohl ein schuldhaftes Verhalten nicht nachweisbar war.
Generalfeldmarschall Wilhelm List
Siegmund Wilhelm Walther List (* 14. Mai 1880 in Oberkirchberg bei Ulm; † 16. August 1971 in Garmisch-Partenkirchen) war ein deutscher Heeresoffizier (seit 1940 Generalfeldmarschall) und während des Zweiten Weltkrieges Oberbefehlshaber verschiedener Armeen und Heeresgruppen. Er wurde im Prozess Generäle in Südosteuropa 1948 als Kriegsverbrecher verurteilt.
List war der Sohn des praktischen Arztes Walter List (1853–1907). Er heiratete 1911 Hedwig Kleinschroth. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.
Bayerische Armee
List trat nach dem Besuch des Luitpold-Gymnasiums 1898 als Zweijährig-Freiwilliger in das 1. Pionierbataillon der Bayerischen Armee ein. 1900 wurde er zum Leutnant befördert und zum 3. Pionierbataillon versetzt. Nach seiner Kommandierung zur Artillerie- und Ingenieur-Schule diente List ab 1904 über mehrere Jahre als Bataillonsadjutant. Von 1908 bis 1911 absolvierte List die Kriegsakademie, die ihm die Qualifikation für den Generalstab, den Militär-Eisenbahndienst und das Lehrfach (Festungskrieg) aussprach. 1912 folgte dann seine Kommandierung zur Zentralstelle des Generalstabs sowie im Jahr darauf die Beförderung zum Hauptmann. Daran schlossen sich Kommandierungen zum 1. Infanterie-Regiment „König“ und zur Festung Ingolstadt an. In der Zeit bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges wurde er dann in der Zentralstelle des Generalstabs verwendet.
Nach Kriegsausbruch 1914 wurde List zunächst als Generalstabsoffizier im II. Armee-Korps eingesetzt. Im Winter 1915 erkrankte er schwer und musste operiert werden. Nach seiner Genesung diente er erst als Zweiter Generalstabsoffizier (Ib) in der Armeeabteilung Strantz und ab 1917 als Erster Generalstabsoffizier (Ia) der 8. Reserve-Division. Im Januar 1918 wurde List zum Major befördert. Zum Kriegsende war er im Kriegsministerium eingesetzt.
Weimarer Republik
In den frühen 1920er-Jahren war List als Angehöriger des Freikorps Epp an verschiedenen Einsätzen gegen die Räterepublik beteiligt. Im Übergangsheer diente er im Stab des Gruppenkommandos 4 (München), aus dem später das Wehrkreiskommando VII hervorging.
Von April 1923 bis Oktober 1924 war List Kommandeur des III. (Jäger-)Bataillons im 19. (Bayerisches) Infanterie-Regiment in Kempten (Allgäu), das hier auch auf eine Gebirgsverwendung hin ausgebildet wurde. Die folgenden rund zehn Jahre war List überwiegend im Ausbildungswesen der Reichswehr tätig. Von 1924 an war er, inzwischen zum Oberstleutnant befördert, zwei Jahre lang als Erster Generalstabsoffizier der 7. Division und Leiter der Führergehilfenausbildung im Wehrkreis VII eingesetzt. 1926 wechselte er in das Reichswehrministerium, um dort zunächst als Referent der Heeresausbildungsabteilung (T 4) eingesetzt zu werden. Am 1. März 1927 wurde List zum Oberst befördert und gleichzeitig mit der Leitung der Abteilung betraut. Am 1. Februar 1930 übernahm er die Leitung der Infanterieschule in der Dresdener Albertstadt. in dieser Dienststellung wurde List am 1. Oktober 1930 zum Generalmajor und 1932 zum Generalleutnant befördert.
Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Am 1. Oktober 1933 wurde List dann Befehlshaber im Wehrkreis IV (Dresden) und Kommandeur der 4. Division. Zwei Jahre später, am 1. Oktober 1935, wurde List zum General der Infanterie ernannt und war jetzt Kommandierender General des IV. Armeekorps.
Im Februar 1938 übernahm List die Position des Oberbefehlshabers des Heeresgruppenkommandos 2 in Kassel. Bereits am 1. April wurde List nach dem „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich Oberbefehlshaber des Heeresgruppenkommandos 5 in Wien, mit der Aufgabe, das österreichische Bundesheer in die Wehrmacht einzugliedern. Am 1. April 1939 wurde er zum Generaloberst befördert.
Zweiter Weltkrieg
Als Oberbefehlshaber der 14. Armee nahm List am Polenfeldzug 1939 teil und erhielt am 30. September das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Beim Westfeldzug unterstand sein jetzt in 12. Armee umbenannter Verband der Heeresgruppe A im Zentrum der Front. Für seinen wesentlichen Anteil am Sieg über Frankreich wurde er am 19. Juli 1940 zum Generalfeldmarschall befördert (ebenso 11 weitere Generäle).
Im Balkanfeldzug mit Beginn am 6. April 1941 war List Oberbefehlshaber der 12. Armee und in dieser Stellung Chef der gesamten deutschen Bodenoperationen gegen Griechenland und Ostjugoslawien. Am 21. April nahm List die griechische Kapitulation entgegen, nachdem bereits am 17. April das Königreich Jugoslawien kapituliert hatte. Am Rande der griechischen Kapitulation kam es zu Verwicklungen mit dem damaligen deutschen Verbündeten Italien. List liess, von Hitler angewiesen, die Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde ohne Beteiligung italienischer Offiziere vornehmen. Nachdem der italienische Diktator Mussolini bei Hitler dagegen protestierte, sandte dieser den Chef des Wehrmachtführungsstabes, Alfred Jodl, nach Griechenland, um den Akt der Kapitulation ein zweites Mal – diesmal mit italienischer Beteiligung – durchzuführen.
Nach dem Abschluss des Balkanfeldzuges wurde List Wehrmachtbefehlshaber Südost. In dieser Funktion unterstanden ihm die Militärbefehlshaber Serbien sowie Nord- und Südgriechenland. Am 4. Oktober 1941 gab er den Befehl, Sammellager für Geiseln zu errichten, um diese beim Widerstand von Partisanen zu erschiessen. Aufgrund einer Erkrankung gab List seinen Posten im Oktober 1941 wieder ab.
Anfang 1942 erhielt List von Hitler den Auftrag einer Inspektionsreise durch das von Deutschland seit 1940 besetzte Norwegen, um die Abwehrbereitschaft gegen eine eventuelle britische Landung an der norwegischen Westküste zu ermitteln.
List, dem nicht eine übermässige Nähe zum Nationalsozialismus nachgesagt werden kann und der diese Einstellung auch Hitler gegenüber nicht verbarg, wurde dann allerdings erst auf Fürsprache verschiedener Offiziere aus Wehrmacht- und Heeresführung mit einer neuen Aufgabe betraut. Am 1. Juli 1942 bekam List den Oberbefehl über die neugebildete Heeresgruppe A im Süden der Ostfront. In dieser Stellung kam es schon bald zu Streitigkeiten mit Hitler über die Operationsführung. Bereits am 10. September wurde List von seinen Aufgaben als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe A wieder entbunden.
Er wurde bis zum Kriegsende nicht wieder eingesetzt. Auch wenn List sich dem militärischen Widerstand nicht anschloss, so ist doch registriert worden, dass er nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 keine Ergebenheitsadresse schickte – im Gegensatz zu etlichen anderen höheren Offizieren.
Im Mai 1945 wurde er von amerikanischen Truppen in Garmisch-Partenkirchen gefangen genommen.
Nachkriegszeit
Bei den Nürnberger Prozessen in dem sogenannten „Geiselprozess“, auch als Prozess der Südost-Generale bekannt, wurde Wilhelm List 1948 zu lebenslanger Haft verurteilt. In seinem Schlusswort nahm er noch einmal Stellung zu den Morden an Zivilisten und versuchte, jegliche Schuld von sich zu weisen: „Die Schuld verbleibt bei denjenigen, die diesen Kampf von Anbeginn grausam und hinterhältig auf Balkan-Art geführt haben“.
Der amerikanische Hochkommissar John Jay McCloy lehnte am 31. Januar 1951 nach Rücksprache mit einem Beratenden Ausschuss ein Gnadengesuch für List ab. In einer Mitteilung an die Presse erklärte er:

„Ebensowenig kann ich irgendwelche mildernde Umstände für den Nachdruck finden, mit dem sie [hier ist auch Walter Kuntze gemeint] die Terrorisierung der ihnen unterstellte Gebiete durchgeführt haben. Persönlich unterzeichnete Befehle dokumentieren diesen Tatbestand. Ihr hoher Rang schuf gewissermassen die Atmosphäre für die verübten Brutalitäten, und ihre eigenen Befehle können nur als Aufhetzung zu Exzessen gedeutet werden. In diesen Fällen liegt tatsächlich mehr vor als die blosse Weitergabe eines zweifellos illegalen Befehls, so schlimm auch dies bereits an sich gewesen wäre. Auch wenn man sich bemüht, den zermürbenden Charakter der Partisanen- und Guerillakriegsführung voll zu berücksichtigen, mit der Offiziere in diesem Feldzug es zu tun hatten, so kann man sich der vom Ausschuss festgestellten Tatsache nicht verschliessen: diese in hohem Masse verantwortlichen Offiziere haben die durch militärische Rücksichten zu rechtfertigenden Grenzen weit überschritten, sowohl durch Handlungen als auch durch Unterlassungen. Das Gericht hat anerkannt, dass im äussersten Fall und als letzter Ausweg das Erschiessen von Geiseln eine Begleiterscheinung dieser Art von Kriegsführung waren. Die Beweisaufnahme hat jedoch ergeben, dass bei vielen Exekutionen Hunderte von Zigeunern, Juden und anderen Personen getötet wurden, die mit irgendwelchen Zwischenfällen, denen deutsche Truppen ausgesetzt waren, nicht im geringsten Zusammenhang standen, weder räumlich noch ursächlich. Überdies standen die Festnahmen und Erschiessungen von Geiseln in einem willkürlichen und masslos übersteigerten Verhältnis zu den Verstössen, durch die diese Massnahmen hervorgerufen wurden. Der Ausschuss weist auf die Möglichkeit hin, den Gesundheitszustand von List und Kuntze, beides Männer vorrückenden Alters, eine weitere ärztliche Untersuchung wünschenswert erscheinen lasse zwecks Feststellung, ob eine Entlassung wegen Haftunfähigkeit angebracht ist“.
List, der schwer erkrankt war, wurde 1952 aus der Haft in Landsberg entlassen. Bis zu seinem Tod 1971 lebte er in Garmisch-Partenkirchen.
Generalfeldmarschall Günther von Kluge
Kluge heiratete 1907 Mathilde von Briesen (1885–1945). Das Ehepaar bekam drei Kinder: Günther, Ester und Marie Louise. 1936 war von Kluge als Kommandierender General des VI. Armee-Korps in Münster stationiert; zu dieser Zeit hielten sich ebenfalls seine Frau und seine jüngere Tochter dort auf. Kluge war mit seiner Familie von 1930 bis zu seinem Tode in dem Ort Böhne wohnhaft. Seine Ehefrau Mathilde hatte das Böhner Gut von ihrem Onkel Robert von Briesen geerbt. Sein Bruder Wolfgang von Kluge (1892–1976) erreichte in der Wehrmacht den Rang eines Generalleutnants
Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Günther von Kluge war der Sohn des 1913 in den erblichen Adelsstand erhobenen Generalmajors Max Kluge und trat am 22. März 1901, aus der Kadettenanstalt kommend, als Leutnant in das Niedersächsische Feldartillerie-Regiment Nr. 46 in Altona ein. Er wurde in seiner Jugend auf Grund seiner besonderen geistigen Fähigkeiten auf der Kadettenschule von seinen Freunden in Anlehnung an ein damals sehr bekanntes „rechnendes“ Pferd der kluge Hans genannt. Daraus hat sich später der Vorname Hans Günther eingebürgert.
Im Ersten Weltkrieg war von Kluge als Hauptmann im Generalstab des XXI. Armee-Korps. Er kämpfte an der Westfront in der Zweiten Flandernschlacht und wurde in der Schlacht um Verdun schwer verwundet.
Weimarer Republik
Nach Kriegsende wurde er in die Reichswehr übernommen, am 1. April 1923 zum Major ernannt und am 1. Juli 1927 zum Oberstleutnant befördert. Im Jahr darauf wurde er Chef des Stabes der 1. Kavalleriedivision in Frankfurt (Oder), Brandenburg. Mit der Beförderung zum Oberst am 1. Februar 1930 ernannte man ihn gleichzeitig zum Kommandeur des 2. (Preussischen) Artillerie-Regiments in Schwerin.
(Vorkriegs-)Zeit des Nationalsozialismus
Die nächsten Ernennungen und Beförderungen von Kluges waren jene zum Generalmajor und Inspekteur der Nachrichtentruppe am 1. Februar 1933 sowie zum Generalleutnant am 1. April 1934. Ein Jahr später erfolgte die Ernennung zum Kommandierenden General des VI. Armeekorps sowie Befehlshaber im Wehrkreis VI (Münster). Die Beförderung zum General der Artillerie erfolgte am 1. August 1936.
Zweiter Weltkrieg
Von Kluge führte im Polen- und Westfeldzug die 4. Armee. Er war auch derjenige, der nach dem Gefecht um das polnische Postamt in Danzig noch im September 1939 die Todesurteile für die polnischen Verteidiger bestätigte. Am 1. Oktober 1939 erfolgte seine Beförderung zum Generaloberst.
Am 19. Juli 1940 ernannte Hitler ihn – zusammen mit elf weiteren Generalen – zum Generalfeldmarschall.
Im Deutsch-Sowjetischen Krieg führte von Kluge die 4. Armee. Seine Verteidigungsmethoden galten und gelten als durchdacht.
Am 18. Dezember 1941 wurde von Kluge als Nachfolger Fedor von Bocks zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte ernannt; einen Tag später übernahm er den Oberbefehl. Anlässlich seines 60. Geburtstags erhielt er 1942 eine Dotation Hitlers über 250’000 Reichsmark.
Edwin von Rothkirch und Trach, Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebiets Mitte in „Weissruthenien“, wandte sich im Sommer 1943 mit mehreren Berichten über die Ermordung von 1’200 bis 1’500 Juden täglich am Eisenbahnknotenpunkt Malkinia an von Kluge. Von Kluge unternahm nichts, da er um seinen Posten bei einem Protest fürchtete, wie er seinem Ordonnanzoffizier Eberhard von Breitenbuch erklärte.
Henning von Tresckow, sein Erster Generalstabsoffizier, bemühte sich, allerdings nur mit geringem Erfolg, von Kluge auf die Seite des militärischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus zu ziehen. Am 13. März 1943 hatte Tresckow sich einen insgesamt dreiteiligen Plan ausgedacht: Beim Mittagessen sollten Tresckow, Georg von Boeselager und andere auf ein Zeichen aufstehen und mit Pistolen auf Hitler feuern. Als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe erfuhr von Kluge von diesem Teil des Planes, und die Offiziere seines Stabes gehorchten seinem Verbot, so etwas „nicht in seinem Verantwortungsbereich“ zu tun. Ein Autounfall am 12. Oktober 1943 zwang von Kluge zu einer längeren Erholungspause. Er wurde am 7. Juli 1944 – also einen Monat nach Beginn der Operation Overlord – zum Oberbefehlshaber West (Abk. OB West) ernannt und am 17. Juli desselben Jahres zusätzlich Oberbefehlshaber über die Heeresgruppe B. Dadurch wurde er für die Verschwörer des Attentats vom 20. Juli 1944 zur Schlüsselfigur im Westen. Obwohl er zunächst schwankte, verweigerte er sich einer Teilnahme am geplanten Umsturz, als er von Hitlers Überleben erfuhr. Zu dieser Zeit waren in Paris auf Befehl des Militärbefehlshabers von Frankreich Carl-Heinrich von Stülpnagel bereits SS-Angehörige verhaftet worden. Von Kluge nahm den Befehl zurück und entliess General von Stülpnagel.
Nach dem Durchbruch der Allied Expeditionary Force in der Normandie in der Operation Cobra beauftragte Hitler von Kluge mit einem Gegenangriff, dem Unternehmen Lüttich, der am späten Nachmittag des 6. August 1944 eröffnet wurde. Schon in der Planungsphase gab es Differenzen mit Hitler. Nachdem von Kluges Verbände durch heftigen alliierten Widerstand, vor allem aus der Luft, zum Stehen kamen, reagierte Hitler äusserst ungehalten und drohte, von Kluge des Kommandos zu entheben. Von Kluge verliess am Morgen des 15. August sein Hauptquartier und begab sich zu einer Besprechung mit den Führungsoffizieren der 7. Armee, darunter General der Panzertruppe Heinrich Eberbach, direkt an der Frontlinie. Wegen eines alliierten Luftangriffs, bei dem die Funkverbindung unterbrochen und einige seiner Begleiter getötet wurden, gelang es ihm nicht, zu dem geplanten Treffen zu kommen. Zu diesem Zeitpunkt versuchte Hitler vergebens, von Kluge im Hauptquartier des OB West telefonisch aus Berlin zu erreichen, um schnellstmöglich eine Entscheidung über das weitere Vorgehen in der Normandie herbeizuführen. Damit war für Hitler die Grenze der Geduld erreicht. Als vorläufigen Befehlshaber der Heeresgruppe B setzte Hitler Paul Hausser, seit 1. August 1944 SS-Oberst-Gruppenführer und Generaloberst der Waffen-SS, ein und bestimmte Generalfeldmarschall Albert Kesselring und Generalfeldmarschall Walter Model als von Kluges mögliche Nachfolger, falls dieser nicht zurückkehrte.
Nun wurden auch wieder die Stimmen laut, die Hitler den Verdacht der Geheimen Staatspolizei zutrugen, die von einer Verstrickung von Kluges in das Attentat vom 20. Juli 1944 sprachen. Zudem nahmen sie an, dass von Kluge möglicherweise deswegen nicht zu erreichen sei, weil er im Begriff sei, eine Kapitulation seiner Einheiten vorzubereiten. Wortführer gegenüber Hitler war in diesem Zusammenhang vor allem Ernst Kaltenbrunner, der Chef der Sicherheitspolizei und des SD. Aus all diesen Gründen entschied Hitler am 16. August, von Kluge seines Postens zu entheben und Model einzusetzen. Diese Weisung trat am Folgetag in Kraft.
Von Kluge schrieb Hitler in einem Abschiedsbrief am 19. August, dass er ihm immer treu geblieben sei und er die Selbsttötung als einzigen Ausweg zu seiner Ehrerhaltung sehe. Am Ende seines Briefes schrieb und riet er Hitler: „Zeigen Sie nun auch die Grösse, die notwendig sein wird, wenn es gilt, einen aussichtslos gewordenen Kampf zu beenden“. Auf der Fahrt mit dem Auto nach Deutschland nahm von Kluge Gift in Form von Zyankali zu sich und verstarb in der Nähe von Verdun.
Nahe dem Ort Böhne, Provinz Brandenburg, wurde er am 1. September 1944 mit militärischen Ehren in unmittelbarer Nähe des Mausoleums der Familien von Briest und von Briesen beigesetzt. Bei der Trauerfeier waren keine politischen Würdenträger anwesend. Auf seinen Wunsch wurde er erdbestattet.
Nach Kriegsende entfernten Unbekannte den Sarg mit dem Leichnam aus der Gruft. Es ist nicht bekannt, wer das veranlasst hatte und wohin der Leichnam gebracht wurde.
Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben
Job Wilhelm Georg Erwin Erdmann von Witzleben (* 4. Dezember 1881 in Breslau; † 8. August 1944 in Berlin-Plötzensee) war ein deutscher Offizier, zuletzt Generalfeldmarschall und während des Zweiten Weltkrieges Armeeoberbefehlshaber und Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944. Er war von den Verschwörern im Fall des Gelingens des Unternehmens Walküre als Oberbefehlshaber über die gesamte Wehrmacht vorgesehen.
Herkunft
Erwin entstammte dem Elgersburg-Angelrodaer Zweig der thüringischen adligen Offiziersfamilie von Witzleben. Sein Vater war der preussische Hauptmann Georg von Witzleben (1838–1898), seine Mutter die bürgerliche Therese geb. Brandenburg (1847–1925).
Kaiserreich und Erster Weltkrieg
Witzleben absolvierte das preussische Kadettenkorps (1892–1896 in Wahlstatt, ab 1896 in Lichterfelde) und trat am 22. Juni 1901 als Leutnant in das Grenadier-Regiment „König Wilhelm I“. (2. Westpreussisches) Nr. 7 im schlesischen Liegnitz ein, wo damals seine verwitwete Mutter lebte. 1910 wurde er zum Oberleutnant befördert.
Seit 1907 war er mit Else Kleeberg verheiratet; die beiden hatten zwei Kinder.
Im Ersten Weltkrieg war Witzleben zunächst Brigadeadjutant der 19. Reserve-Infanterie-Brigade, bevor er im Oktober 1914 zum Hauptmann und Kompaniechef im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 6 aufrückte. Später wurde er im selben Regiment Bataillonskommandeur. Witzlebens Einheit kämpfte u. a. bei Verdun, in der Champagne und in Flandern. Witzleben wurde schwer verwundet und mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. Nach seiner Verwundung kam er 1918 zur Generalstabsausbildung und erlebte das Kriegsende als Erster Generalstabsoffizier der 121. Division.
Weimarer Republik
In die Reichswehr wurde Witzleben als Kompaniechef übernommen. 1923 kam er als Major in den Stab der 4. Division nach Dresden. 1928 wurde er Bataillonskommandeur im 6. Infanterie-Regiment, seit 1929 als Oberstleutnant. Anschliessend war er Chef des Stabes der 6. Division und übernahm nach der Beförderung zum Oberst 1931 das 8. (Preussisches) Infanterie-Regiment in Frankfurt (Oder).
Zeit des Nationalsozialismus
Vorkriegszeit
Im Frühjahr 1933 erfolgte die Versetzung auf die Stelle des Infanterieführers VI in Hannover. Am 1. Februar 1934 wurde er zum Generalmajor ernannt und als Kommandeur zur 3. Division in Potsdam versetzt. Als Nachfolger von General von Fritsch wurde er Befehlshaber des Wehrkreises III in Berlin. In dieser Position wurde er Generalleutnant und im September 1935 Kommandierender General des III. Armeekorps in Berlin. 1936 erhielt er seine Beförderung zum General der Infanterie.
Bereits 1934 bezog Witzleben Position gegen das NS-Regime, als er nach der Ermordung der Generale Schleicher und Bredow im Zuge des sogenannten Röhm-Putsches beim Chef der Heeresleitung vorstellig wurde und gegen die Ermordung der beiden Generale protestierte und eine gerichtliche Untersuchung forderte.
Seit 1937 suchte Witzleben nach einer Möglichkeit, Hitler zu stürzen. Im Sommer 1938 – während der Sudetenkrise – war er der Gesamtverantwortliche, der zusammen u. a. mit Oberst Oster (Amt Abwehr), General der Artillerie Halder (Chef des Generalstabes), seinen Mitarbeitern Generalleutnant Graf von Brockdorff-Ahlefeldt und Generalmajor von Hase sowie Generalleutnant Hoepner (der ihm mit seiner 1. Leichten Division unterstellt werden sollte) die sogenannte Septemberverschwörung plante, um das NS-Regime zu beseitigen. Witzlebens Kommando über den wichtigen Berliner Wehrkreis sollte dabei eine entscheidende Rolle spielen. Durch Hitlers Erfolg beim Münchner Abkommen wurde dem geplanten Staatsstreich jedoch die Grundlage entzogen.
Witzleben war inzwischen im November 1938 als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe 2 nach Frankfurt (Oder) versetzt worden.
Zweiter Weltkrieg
Westfeldzug
Im September 1939 übernahm der wenig später zum Generaloberst beförderte Witzleben den Oberbefehl über die im Westen stationierte 1. Armee. Beim Angriff auf Frankreich am 10. Mai 1940 gehörte Witzlebens Armee zur Heeresgruppe C unter dem Befehl von Generaloberst Wilhelm Ritter von Leeb. Sie durchbrach am 14. Juni die Maginot-Linie und zwang am 17. Juni mehrere französische Divisionen zur Kapitulation. Dafür wurde Witzleben mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet und am 19. Juli 1940 – zusammen mit elf weiteren Generälen – zum Generalfeldmarschall befördert. 1941 wurde er noch zum Oberbefehlshaber West als Nachfolger von Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt berufen, aber bereits Mitte März 1942, angeblich aus gesundheitlichen Gründen, tatsächlich aber wegen des Verdachts, er sei Teil einer militärischen Opposition, auf Betreiben Franz Halders (der sich mittlerweile vom Widerstand distanziert hatte) durch Hitler in die Führerreserve versetzt und erneut durch Rundstedt ersetzt.
20. Juli 1944
War Erwin von Witzleben eine Schlüsselposition in den Staatsstreichplänen der Verschwörergruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg zugedacht. Während Generaloberst Ludwig Beck als vorläufiges Staatsoberhaupt und Generaloberst Erich Hoepner als Befehlshaber des Ersatzheeres vorgesehen waren, sollte Generalfeldmarschall von Witzleben nach Hitlers Tod als ranghöchster deutscher Soldat den Oberbefehl über die gesamte Wehrmacht übernehmen. Witzleben, der sich am 20. Juli zunächst im Oberkommando des Heeres in der Bendlerstrasse aufgehalten hatte, wurde tags darauf auf dem Gut seines Adjutanten Wilhelm Graf zu Lynar verhaftet und später von dem am 2. August 1944 gebildeten sogenannten „Ehrenhof“ unter Vorsitz von Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt „unehrenhaft aus der Wehrmacht ausgestossen“, sodass das Reichskriegsgericht für seine Aburteilung nicht mehr zuständig war.
Volksgerichtshof und Tod
Witzleben gehörte zusammen mit Hoepner und sechs weiteren Kameraden zur ersten Gruppe Angeklagter, die sich am 7. und 8. August 1944 vor dem Volksgerichtshof wegen Hochverrats verantworten mussten; den Vorsitz führte dessen Präsident Roland Freisler. Bei Beginn der Verhandlungen zeigte von Witzleben den Hitlergruss, was sich Freisler verbat, da der Angeklagte in seinen Augen ehrlos sei und es, seiner Meinung nach, nur „ehrenhaften Volksgenossen“ gestattet sei, diesen zu gebrauchen.
Während des Schauprozesses musste er sich durchweg die Hose festhalten, da die Geheime Staatspolizei ihm die Hosenträger abgenommen hatte und er im Gefängnis abgemagert war. Freisler reagierte darauf, indem er von Witzleben fragte: „Was fassen Sie sich dauernd an die Hose, Sie schmutziger, alter Mann“?
Er wurde am 8. August 1944 zum Tode verurteilt. Witzlebens Schlussworte, an Freisler gerichtet, sollen gewesen sein: „Sie können uns dem Henker überantworten. In drei Monaten zieht das empörte und gequälte Volk Sie zur Rechenschaft und schleift Sie bei lebendigem Leib durch den Kot der Strassen“.
Noch am Tag des Urteils wurde Erwin von Witzleben im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee auf ausdrücklichen Befehl Hitlers durch Hängen, statt – wie sonst bei Militärangehörigen üblich – durch Erschiessen hingerichtet.