Hitler, der Albtraum der Menschheit
Datenherkunft: Die Datenherkunft wird beim jeweiligen Thema angezeigt.
aus-der-zeit.site > Hitler, Albtraum und Verbrecher
Wer finanzierte Hitler und die NSDAP?
(sauber.50webs)
Ohne Geld keine Revolution, ohne Geld kein Hitler. Wer gab der NSDAP so viel Geld, dass sie innerhalb von zehn Jahren aus dem Nichts an die Macht kommen konnte? Unsere Spurensuche zeigt: Niemand spendete Hitler aus Idealismus Geld. Jeder sah in ihm einfach ein Mittel zum eigenen Zweck. Eine Rezension über das Buch „Der finanzierte Aufstieg des Adolf H“. von Wolfgang Zdral.
Bevor wir Hitlers Aufstieg zur Macht weiterverfolgen, gehen wir hier der Frage nach, wer seine Geldgeber waren. Denn Geld ist das Benzin, nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Weltpolitik. Zu Recht kommentiert das Ministerium des Äusseren im Jahre 1923 über die Nazis: „Wie zum Krieg, so gehört zur Revolution erstens Geld, zweitens Geld, drittens Geld. Ohne Geld keine Revolution“.
Als Adolf Hitler im Herbst 1919 erstmals zur NSDAP stösst, befinden sich in der Parteikasse gerade mal 7 Mark und 50 Pfennig. „Das war ja eine Vereinsmeierei allerärgster Art“, erinnert sich Hitler. „Ausser einigen Leitsätzen war nichts vorhanden, kein Programm, kein Flugblatt, überhaupt nichts Gedrucktes, keine Mitgliedskarten, ja nicht einmal ein armseliger Stempel“. Hitler bemüht sich um zusätzliches Geld, doch das ist eine frustrierende Arbeit, welche die Parteikasse nach grossen Anstrengungen auch nur mit lächerlich geringen 700 Reichsmark füllt.
Die politische Existenz der NSDAP steht denn auch mehr als einmal in Frage: Nach dem missglückten Hitler-Putsch im Herbst 1923 wandert der NS-Chef ins Gefängnis, die Partei wird bis 1925 verboten und die Regierung beschlagnahmt das Vermögen. „Bis zu den ersten Reichstagswahlen mit NSDAP-Beteiligung bleibt die Basis wackelig“, schreibt Wolfgang Zdral in seinem Buch „Der finanzierte Aufstieg des Adolf H“.. Im Januar 1928 berichtet die Münchner Polizei: „Die von Hitler immer wieder behaupteten Fortschritte der nationalsozialistischen Bewegung treffen besonders für Bayern nicht zu. In Wirklichkeit ist das Interesse an der Bewegung sowohl auf dem Lande als auch in München im Abflauen begriffen. Sektionsversammlungen, an denen im Jahre 1926 noch 3’000 bis 4’000 Personen teilnahmen, sind nur mehr von höchstens 60 bis 80 Mitgliedern besucht“.
Auch das Votum der deutschen Wähler am 20. Mai 1928 fällt für die Nationalsozialisten enttäuschend aus: Nur zwölf Abgeordnete dürfen in den Reichstag einziehen – von Erfolg kann da noch keine Rede sein. Dies ändert sich erst mit der Wahl vom 14. September 1930, bei der die NSDAP 107 Mandate erzielt. Zdral: „Eine absolute Mehrheit schafft Hitler bis zu seiner Machtübernahme nie; 37 Prozent der Stimmen bleiben sein bestes Ergebnis“.
Es war also keineswegs ein unaufhaltbarer Aufstieg, durch den Hitler an die Macht kam. Um das Jahr 1928 hätte die NSDAP genauso gut wieder untergehen können – wenn da nicht auf einmal beträchtliche Parteispenden gewesen wären, die Hitler die Mittel für gewaltige Propagandaschlachten lieferten.
Dieser Artikel soll der Frage nachgehen, wer Hitler und der NSDAP wann wieviel Geld aus welchen Gründen gegeben hat – wenn auch diese Frage nicht endgültig zu beantworten ist, da viele Dokumente „verschollen“ und manche Quellen nicht über alle Zweifel erhaben sind.
Die ersten Geldgeber Hitlers
Wenn ein kleiner österreichischer Gefreiter innerhalb von vierzehn Jahren aus dem Nichts eine Massenbewegung aufbaut, wenn er eine Hunderttausende zählende Privatarmee wie die SA auszurüsten (die SA hatte 1924 30’000, 1930 80’000, 1932 220’000, 1933 400’000 und 1934 etwa 4 Millionen Mitglieder), auszubilden und zu ernähren vermag und eine gewaltige Propagandamaschinerie inklusive Grossveranstaltungen mit hunderttausend Teilnehmern finanziert, wenn er zweimal die Woche und später täglich den Völkischen Beobachter herausgeben kann, wenn er überall klotzt und nicht kleckert – feudale Parteizentralen kauft, Tausende von Flaggen und gleich zwei Flugzeuge aufs Mal – dann muss das Geld in Strömen fliessen oder gigantische Schuldenberge müssen in die Höhe wachsen.
Bei Hitler ist beides der Fall. Das Geld fliesst überreichlich und reicht doch oft nicht aus. „Selbst die engsten Getreuen Hitlers leiden unter den masslosen Ansprüchen des Chefs“, schreibt Wolfgang Zdral in „Der finanzierte Aufstieg des Adolf H“.. Joseph Goebbels nach der Eröffnung der Berliner NS-Dependance: „Die Finanzlage war katastrophal. Der Gau-Berlin besass damals nichts als Schulden. ( … ) Keiner will uns Kredit geben. Wenn man die Macht hat, kann man Geld genug bekommen, aber dann braucht man es nicht mehr. Hat man die Macht nicht, dann bedarf man des Geldes, aber dann bekommt man es nicht“.
Zwar stellen die Behörden nach Hitlers Putschversuch im Jahre 1923 fest, dass die NSDAP über ein Vermögen von 170’000 Goldmark verfügt (damals enorm viel Geld), doch die Partei hatte bei der Machtübernahme mehrere Millionen Mark Schulden und die SA-Leute mussten auf die Strasse, mit ihren Büchsen klappern und Geld zusammenbetteln.
Ohne massive Geldspenden hätte also die NSDAP niemals den Lauf der Weltgeschichte dermassen beeinflussen können, wie sie es später tat. Hitler wäre ein belächelter Eiferer unter vielen geblieben, eine verkrachte Existenz mit Grössenwahn.
Deshalb ist es gerechtfertigt, dass man den Spuren des Geldes folgt und fragt: Welche Kreise haben Hitler langsam, aber sicher zur Macht verholfen? Gab es einen Augenblick, wo man ihn durch Entzug von Spenden hätte stoppen können? Oder war er nur eine willkommene Figur im Schachspiel der wirklich Einflussreichen? In einem Spiel, bei dem die Regeln von unsichtbaren Spielern gemacht werden?
Der Schriftsteller Dietrich Eckart, ein depressiver morphium- und alkoholsüchtiger Frauenhasser, jener Mann, der nach Hitlers eigenem Bekunden die grösste Bedeutung für seinen Lebensweg hatte, weiht den jungen Revolutionär nicht nur in schwarzmagische Riten ein, sondern öffnet ihm auch finanziell immer wieder Türen. Zu seinen frühesten Gönnern gehört das Ehepaar Edwin und Helene Bechstein, Miteigentümer der berühmten Pianofabrik C. Bechstein. Helene Bechstein nimmt den jungen Hitler unter ihre Fittiche, bringt ihm Benehmen bei und die richtige Art, sich zu kleiden. Immer wieder gibt sie ihm Geld; einmal die stolze Summe von 45’000 Mark als Darlehen, die er in gegenseitigem Einverständnis aber nie zurückzahlt. Sie überlässt ihm auch wertvolle Kunstgegenstände, die Hitler als Sicherheit einsetzt, wenn er Kredite braucht. Eckart leiht Hitler ebenfalls Geld, beispielsweise, als dieser im Herbst 1922 zwei Lastkraftwagen kauft.
John Pierpont Morgan, amerikanischer Bankier; adlige Exil-Russen, welche das Zarenreich (Flagge) wiederherstellen wollten; Dr. Max Erwin von Scheubner-Richter; Kurt Lüdecke; Benito Mussolini; Emil Kirdorf; John D. Rockefeller; Frankreich; Stahlbaron Fritz Thyssen; Henry Ford, US-Autokönig; Dietrich Eckart. Sie alle ermöglichten Hitlers Aufstieg zur Macht mit der Leistung oder Vermittlung teils erheblichen Geldspenden.
Hitler erkennt bald, dass er eine Propagandawaffe benötigt. So nutzt er Ende 1920/Anfang 1921 die Gelegenheit und kauft die in finanzielle Schräglage geratene Zeitung Der Völkische Beobachter. Eckart ist es, der die zwei dafür notwendigen Kredite von knapp 120’000 Mark auftreibt. Mit der Zeitung beginnen die Finanzkrisen aber erst richtig, und Eckart muss immer wieder einspringen, um auf seine unnachahmliche Art neuerliche Gelder aufzutreiben – manchmal buchstäblich in letzter Minute vor dem Ruin. Auch an die Leser wird appelliert, mit Spenden ihr Blatt am Leben zu erhalten.
Im Mai 1922 erhält der junge, noch weitgehend unbekannte Hitler die erste Gelegenheit, ausserhalb Bayerns vor den Reichen und Mächtigen zu reden. Dem National-Club von Berlin gehören Bankiers, Grossgrundbesitzer, Offiziere und Professoren an. Hitler ist erfolgreich: Ernst von Borsig, Besitzer einer Lokomotivfabrik, wird ihn künftig unterstützen und bei anderen Industriellen für ihn Werbung machen. Dieser Umstand wird übrigens auf den Seiten von Borsig in der Biografie von Ernst von Borsig diskret verschwiegen. Es wird allerdings darauf hingewiesen, dass der älteste Sohn Karl ein glühender Nazihasser und der jüngste Sohn Ernst, Beteiligter am Widerstand gegen Hitler im Kreisauer Kreis war.
Der Geschäftsführer einer Münchner Malzkaffeefirma, Hermann Aust, arrangiert daraufhin mehrere Treffen Hitlers mit bayerischen Industriellen. Diese sind beeindruckt und zücken die Geldbörse. Ein Vorarlberger Freund von Dietrich Eckart namens Gansser reist 1923 in die Schweiz und geht die dortigen gut situierten Bürger um Spenden für Hitler an. Hitler wird zu Vorträgen eingeladen und reist mit einem Gesamthonorar von 33’000 Schweizer Franken (zu Inflationszeiten waren ausländische Devisen ein Mehrfaches wert) nach Hause.
Dietrich Eckart legt auch den Grundstein für einen weiteren Auslandskontakt, der die begehrten Fremdwährungen einbringt. 1919 lernt er Warren C. Anderson kennen, der als Europa-Präsident des amerikanischen Autoproduzenten Ford arbeitet. Konzernchef Henry Fords Abneigung gegen die Juden ist weit herum bekannt; sie geht soweit, dass er sogar ein Buch mit dem Titel „The International Jew“ schreibt, in welchem er den Juden die Schuld an der Misere in Wirtschaft und Politik gibt. Eckart nutzt seinen Kontaktmann zu Ford, und tatsächlich überweist der Autoindustrielle bald darauf Gelder an Hitler und seine Partei.
Der bekennende Antisemit Henry Ford unterstützt Hitler – 1920
Henry war das älteste von insgesamt sechs Kindern. Er konnte nur Dorfschulen besuchen, so erhielt Ford nur eine geringe Bildung. Als Kind war er sehr interessiert an mechanischen Einzelheiten und verbrachte im Alter von zwölf Jahren viel Zeit in seinem Werkraum, den er selbst eingerichtet hatte. Mit fünfzehn Jahren hatte er bereits seinen ersten Verbrennungsmotor gebaut.
Henry Ford war auch der Herausgeber antisemitischer Schriften wie das Buch „Der internationale Jude – Ein Weltproblem“, eine Zusammenfassung von Artikeln, die 1920 bis 1922 in seiner Haus-Postille, dem „Dearborn Independent“, veröffentlicht wurden. Auch wurde mit seiner finanziellen Unterstützung das Pamphlet, „Die Protokolle der Weisen von Zion“ in viele Sprachen übersetzt und weltweit verbreitet. Diese Schrift wurden bisher von nahezu allen Geschichtsforschern als Fälschung bezeichnet.
Ein Bild von Henry Ford hing im Münchner Hauptquartier der NSDAP. Weiterhin überwies die Ford-Werke AG jährlich 50’000 RM als Geburtstagsgeschenk auf Hitlers Privatkonto beim Kölner Bankhaus J. H. Stein. Inhaber der Stein Bank war der anglophile (dem englischsprachigen zugeneigt) Kurt Freiherr von Schröder, der auch dem „Freundeskreis des Reichsführers SS“ ein Konto einrichtete. Nicht umsonst wurde Henry Ford von Hitler mit dem Grosskreuz des Deutschen Adlerordens ausgezeichnet, die höchste Auszeichnung, die Nazi-Deutschland an Ausländer zu vergeben hatte.
Die Ford Motor Company war beteiligt am Aufbau der deutschen Streitkräfte vor dem Zweiten Weltkrieg. 1938 wurde beispielsweise ein Fertigungswerk in Berlin in Betrieb genommen, dessen einzige Aufgabe es war, LKWs für die deutsche Wehrmacht herzustellen. Ford produzierte insgesamt 78’000 LKW und 14’000 Kettenfahrzeuge für die Wehrmacht. Die Ford-Werke wurden bis Ende 1944 von der alliierten Bombardierung verschont und dann auch nur wenig beschädigt. In den Ford-Werken wurden auch Zwangsarbeiter eingesetzt, die man für vier Reichsmark pro Tag von der SS auslieh.
Dr. Max Erwin Richter, ein Pseudoadliger mit Revolutionärsblut – 1920
Ein weiterer früher Gönner und Geldeintreiber Hitlers ist der Baltendeutsche Dr. Max Erwin Richter, der sich seit der Heirat mit der 29 Jahre älteren Adligen Mathilde fortan „von Scheubner-Richter“ nennt. Er hat Hitler im Oktober 1920 kennen gelernt und ist geradezu ein Genie im Beschaffen von Geldmitteln. Von Scheubner-Richter wird beim Hitler-Putsch 1923 in München erschossen. Wie wichtig er für Hitler war, mag dessen Aussage erhellen: „Alle sind ersetzbar, nur einer nicht: Scheubner-Richter!“
Diese Anerkennung hatte sich der Balte durch sein Anzapfen von Finanzquellen bei russischen Zarenfreunden und in rechtsradikalen Kreisen um General Erich Ludendorff erworben. Scheubner-Richter ist es auch, der das erste Treffen zwischen Hitler und seinem späteren Gönner, dem Konzernerben Fritz Thyssen arrangiert.
Scheubner-Richter macht sich bei den in Deutschland lebenden rechtsradikalen adligen und reichen Exilrussen beliebt, indem er sie organisiert und zu Treffen einlädt. Diese Exilrussen sind in der Regel russische Rechtsradikale, die vor der Machtübernahme der russischen kommunistischen Bolschewiki 1917, der russischen Oktoberrevolution, geflohen sind. Zur Geldbeschaffung gründete er zwei gemeinnützige Organisationen, weil man solchen leichter spendet als Privatleuten. Zudem setzt er damalige Prominente als Galionsfiguren ein – beispielsweise den bayerischen Aristokraten Freiherr Theodor von Cramer-Klett, Vertreter des Vatikans in Bayern und glühender Faschist.
Ferner Grossfürstin Viktoria Fedorowna, deren Gatte Kirill Ansprüche auf den Zarenthron erhebt, und den einflussreichen General Vasilij Biskupsij, der vor der Oktoberrevolution einer der jüngsten Generäle der russischen Armee gewesen ist. Diesem ist klar, dass Lenin & Co. sich nur mit Waffengewalt aus seinem Heimatland vertreiben lassen, und daher zeigt er sich willig, jenen deutschen Politiker zu unterstützen, der sich als Bolschewisten-Hasser hervortut und in einer kommunistisch-jüdischen Weltverschwörung den Quell allen Übels sieht.
Die Höhe des geflossenen Geldes beschreibt Biskupsij 1935 rückblickend in einem Bericht an Heinrich Himmler als eine „geradezu horrende Summe“; zusätzlich hat die Grossfürstin Viktoria „aus dem Verkauf ihrer Juwelen“ bedeutende Beträge zur Verfügung gestellt. In einem Brief vom Jahr 1939 beziffert der General die damals gewährte Finanzhilfe auf eine halbe Million Goldmark – für damalige Verhältnisse wahrlich ein fürstliches Vermögen, kostete doch ein Haus nur ein paar tausend Mark!
General Biskupskij lässt auch seine Beziehungen nach Paris spielen und zapft den dort ansässigen Russländischen Kommerz-, Industrie- und Handelsverband an. Die Spenden fliessen, denn Mitglieder der Organisation sind die Unternehmer und Erdölmagnaten Denisov, Nobel und Gukasof, die aus dem russischen Zusammenbruch grosse Summen gerettet haben. Der General ist bei den reichen Ölmagnaten beliebt, da er nach seiner Flucht aus Russland mit Armeefreunden abenteuerliche Pläne geschmiedet hat, um die verlorengegangenen Erdölfelder im Kaukasus zurückzuerobern. „Solche Sirenengesänge hören die Unternehmer gern – die ferne Hoffnung auf diese Besitztümer öffnet ihre Brieftaschen“, schreibt Wolfgang Zdral.
Der Playboy Kurt Lüdecke betritt die Bühne – 1922
Zu den frühesten Finanziers Hitlers gehört auch ein dubioser Playboy und Abenteurer namens Kurt Lüdecke. Der gewissen- und orientierungslose Lüdecke erlebt Hitler zum ersten Mal im August 1922, da dieser vom Rednerpult aus über den „jüdischen Bolschewismus“ herzieht. Lüdecke erinnert sich schwärmerisch an den nur ein Jahr älteren Hitler: „Ich vergass alles um mich herum, ausser diesen Mann. Er schien ein anderer Luther zu sein. Ich wusste, meine Suche hatte ein Ende. Ich hatte mich selbst gefunden, meinen Führer und mein Ziel“. In den kommenden Jahren wird Lüdecke für Hitler Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten vermitteln und pflegen und – vor allem – Geld herbeischaffen.
Lüdecke selbst ist auf äusserst zweifelhafte Weise zu Vermögen gekommen: Erst liess er sich von reichen Damen aushalten, später dann entdeckte er homosexuellen Sex mit anschliessender Erpressung als lukrative Geldquelle. Damals stand Homosexualität noch unter Strafe, und seine „Partner“ aus der besseren Gesellschaft bezahlten lieber, als dass sie sich öffentlicher Schande und Ächtung ausgesetzt hätten. Später reist Lüdecke durch die Welt, um da und dort ein möglichst lukratives Geschäft abzuschliessen und erwirbt sich so in kurzer Zeit ein riesiges Vermögen von einer halben bis einer Million Mark, das er inflationssicher im Ausland anlegt.
Kleiner Zwischeneinwurf
Sowohl der Schriftsteller Dietrich Eckart als auch der umtriebige Kurt Lüdecke waren homosexuell. Der Bremer Historiker Lothar Machtan schrieb ein Buch, in dem er die Behauptung aufstellte, Hitler sei ebenfalls homosexuell gewesen. Unter anderem soll es Hinweise darauf gegeben haben, dass Hitler im Ersten Weltkrieg deshalb nicht befördert worden sei, weil ein Kriegsgericht ihn einer homosexuellen Beziehung zu einem Offizier überführt habe.
Auch gibt es immer wieder Hinweise darauf, dass Hitler selber jüdische Vorfahren hatte und einer inzestösen Verbindung entstamme, die er sorgsam zu verbergen suchte. Hierzu ist zu sagen, dass Hitlers Grossmutter Anna Schickelgruber über 14 Jahre lang Alimente ihres jüdischen Dienstherrn Frankenberger erhalten hatte. Das heisst, der Mann, der später mit dem Ariernachweis ein ganzes Volk zwang, nicht-jüdische Grosseltern nachzuweisen, war unsicher, ob er nicht selbst einen jüdischen Grossvater hatte.
Sollte dagegen Johann Hiedler (Hüttler) doch Hitlers Urgrossvater sein, was dieser immer bestritt, so entspricht die Ehe seiner Eltern einer Inzucht. Unter Inzucht versteht man im Allgemeinen eine Ehe zwischen Verwandten zweiten bis vierten Grades. Jedenfalls hat Hitlers Vater Alois Schicklgruber seine um 23 Jahre jüngere Nichte Klara Pölzl geheiratet. Aus dieser Ehe stammen insgesamt 6 Kinder u.a. auch Adolf Hitler. Johann Hiedler (Hüttler) wäre dann nämlich sowohl der Vater von Alois Schicklgruber (Hitlers Vater) als auch der Urgrossvater von Klara Pölzl (Hitlers Mutter).
Einer der Kontakte, die Lüdecke für Hitler knüpft, ist jener zu Benito Mussolini in Italien, der im Oktober 1922 durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen ist und Hitler dazu noch nicht einmal dem Namen nach kennt. Als Hitler am 8./9. November 1923 den Duce kopieren will und den Marsch auf Berlin beginnt, wird er schon bei der Feldherrenhalle in München durch Gewehrfeuer gestoppt und ins Gefängnis Landsberg verfrachtet. Trotzdem will er den Kontakt zu Mussolini intensivieren. Dieser hat an sich nichts dagegen, fürchtet jedoch, dass jemand deutscher Zunge darauf bestehen könnte, das deutschsprachige, erst nach dem Ersten Weltkrieg Italien zugesprochene Südtirol, solle zu Österreich zurückkehren. Hitler will von Mussolini vor allem Geld. „Fetzen Sie aus Mussolini heraus, was Sie können!“ – deshalb ist er bereit, Südtirol aufzugeben.
Da die NSDAP die einzige Partei ist, die offen auf Südtirol verzichtet, ist es für Mussolini nur konsequent und vernünftig, jene Rechtspartei in Deutschland zu fördern, die seinen Interessen am besten dient. Wolfgang Zdral schreibt dazu: „Lüdeckes erste Kontakte zu den Faschisten im Süden tragen für Hitler in den Folgejahren reichlich Früchte – auch finanziell: An italienischen Geldzuwendungen hat es seit Mussolinis Marsch auf Rom nicht gefehlt. Die genauen Summen lassen sich heute nicht mehr ermitteln. Die Münchner Post, und der Bayerische Kurier berichten von den Geldzahlungen; die Rede ist von 50’000 Goldmark“.
Auch André-François Poncet, in den dreissiger Jahren Botschafter Frankreichs in Deutschland und Kenner der internationalen Diplomatie, schreibt in seinen Memoiren, dass die Nazis Geld von den italienischen Schwarzhemden einstrichen. Und SS-General Wolff, Chef des persönlichen Stabs von Heinrich Himmler und höchster Polizeiführer in Italien, bestätigt ebenfalls, dass die Nationalsozialisten vor ihrer Machtübernahme Finanzmittel von Mussolini kassierten.
Der preussische Ministerpräsident Otto Braun erklärt im Rückblick über die italienische finanzielle Wahlhilfe für die Nazis, die er auf 18 Millionen Mark beziffert: „Hitler erhält enorme Beträge aus Italien. Sie gelangen über eine Schweizer Bank nach München“.
Lüdecke pumpt aber auch aus seinem eigenen Vermögen erhebliche Summen in die Partei, gibt dem „Führer“ auch privat Geld, lädt ihn zu feudalen Abendessen ein. Insgesamt sind es 130’000 Mark, die er für die Parteikasse spendet, stellt die Polizei fest?
Lüdecke leistet sich neben Massanzügen, teuren Zigarren und gutem Wein noch ein weit kostspieligeres Hobby: Er unterhält eine eigene SA-Abteilung ähnlich der Truppe von Schwarzhemden, die er bei Mussolini gesehen hat. „Dafür wendet er nochmals 100’000 Mark auf. Das beeindruckt Hitler“, schreibt Zdral. Denn der NS-Führer sieht in eigenen paramilitärischen Truppen einen wichtigen Machtfaktor für den Aufbau der Partei. Entsprechend emsig arbeitet er am Aufbau dieser Privatarmee. Doch das verschlingt Unsummen. Deshalb ist jeder Sponsor, der die Parteikasse entlastet, hochwillkommen“.
Lüdecke macht sich mit Begeisterung ans Werk und rüstet innerhalb von kurzer Zeit eine Truppe von rund hundert Mann – meist arbeitslose Freiwillige – mit Uniformen und Waffen aus, die er sich über zwei jüdische Händler auf dem Schwarzmarkt besorgt. Lüdecke ist es auch, der die Truppe schult und sie am Wochenende zu Übungen im Geländekampf in die Wälder ausserhalb Münchens schickt. Als er wieder öfters ins Ausland reist, verliert Lüdecke „sein Interesse an dem Spielzeug SA“ (Zdral) – er überträgt schliesslich das Kommando auf Hermann Göring.
Nach dem misslungenen Münchner Putsch sieht es Ende 1923 schlecht aus für die NSDAP: Ihr Führer im Gefängnis, sie selbst verboten, das Vermögen (170’000 Goldmark) beschlagnahmt.
Vom Landsberger Gefängnis aus beauftragt Hitler Lüdecke nun, für die Interessen der deutschen Freiheitsbewegung in Nordamerika zu werben und besonders finanzielle Mittel hierfür zu sammeln“. Hitlers Schreiben ist insofern bemerkenswert, da er in späteren Jahren öffentlich immer leugnet, Gelder aus dem Ausland angefordert zu haben.
Mitte Januar 1924 schifft sich Lüdecke nach Amerika ein. An Bord des Schiffes „Amerika“ befinden sich auch Siegfried und Winifred Wagner, Sohn und Schwiegertochter des berühmten Komponisten Richard Wagner. „Das ist kein Zufall – Lüdecke weiss von der geplanten Konzerttournee der Wagners und deren Reisetermin. Also bucht er einfach dieselbe Passage“, bemerkt Zdral. „Mit der Empfehlung des inhaftierten NS-Diktators als Trumpfkarte gewinnt er schnell das Vertrauen des Paares und etabliert sich als deren Begleiter für die Vereinigten Staaten. Die Wagners, bereits Bewunderer von Hitler, wollen Lüdeckes Geldsammelaktivitäten tatkräftig unterstützen und selbst jenseits des Atlantiks nach Spendern suchen“.
Die Wahl fällt auf Henry Ford, den Automobilproduzenten aus Detroit. Lüdecke, der Jahre zuvor für Ford als Privatdetektiv in New York gearbeitet hat, wird tatsächlich eingeladen; allerdings macht Ford kein Geld locker. Dies ändert sich, als kurz darauf das Ehepaar Wagner bei Ford zu Gast ist. Wie Hitler sieht Ford in Macht und Einfluss des internationalen Judentums eine Gefahr. Winifred Wagner erinnert sich: „Die Philosophie und Ideen Fords und Hitlers waren sehr ähnlich“. Winifred Wagner lässt durchblicken, dass Hitler jetzt Geld besonders dringend brauche. Ford lächelt und sagt, er sei immer noch bereit, jemanden wie Hitler zu unterstützen, der auf die Befreiung Deutschlands von den Juden hinarbeite.
Spätere gerichtliche Untersuchungen ergaben, dass schon im Jahre 1923 dreimal grössere Geldbeträge vom Saargebiet bei der Deutschen Bank überwiesen worden waren. Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass dieses Geld von dem amerikanischen Automobilfabrikanten Ford stammte, der einer der massgeblichen Leute im französischen Eisensyndikat war und an einer deutschen Aufrüstung sehr interessiert.
Doch Amerika hatte noch auf ganze andere Weise dafür gesorgt, dass ein Extremist wie Hitler in Deutschland an die Macht kommen konnte. Das heisst: Eigentlich war es nicht ganz Amerika, sondern einige wenige grosse Firmen und eine ganz bestimmte Strasse weit im Süden von Manhattan.
Die „Geldmacht“ USA trifft Kriegsvorbereitungen – seit 1918
„Als die Nazis 1933 an die Macht kamen, fanden sie heraus, dass schon seit 1918 Schritte unternommen worden waren, um Deutschland in ökonomischer und industrieller Hinsicht auf einen Krieg vorzubereiten“. Zu diesem eindeutigen Fazit kamen die Aussagen verschiedener Regierungsbeamter vor dem amerikanischen Kilgore Committee nach dem Zweiten Weltkrieg.
Diese Kriegsvorbereitungen vor und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 gingen zum grossen Teil auf die finanzielle Unterstützung der Wall Street zurück, welche in den zwanziger Jahren mithalf, das deutsche Kartellsystem zu formieren. Zudem stellten bekannte amerikanische Firmen später technisches Know-How zur Verfügung, um die deutsche Wehrmacht aufzubauen.
Der dies behauptet, ist kein dubioser Verschwörungshysteriker, sondern ein amerikanischer Professor, Geschichtsforscher und Autor zahlreicher Bücher, der sich auf erstklassiges Primärquellenmaterial stützt: „Wall Street and the Rise of Hitler“ ist eines der vielbeachtetsten Bücher des gebürtigen Engländers Antony C. Sutton (1925-2002). Die finanzielle und technische Unterstützung Deutschlands durch die Wall Street sei weder zufällig noch kurzsichtig geschehen, hebt Sutton hervor.
Es beginnt mit dem Dawes-Plan – 1924
„Was jetzt inszeniert wurde, war auch ein Krieg, ein unblutiger, leiser, der die Nationen finanziell ausbluten sollte, um sie auf den rechten Weg einer Welt-Wirtschaft und einer Welt-Finanz unter dem richtigen Dach zu bringen“, kommentiert E. R. Carmin in seinem Buch „Das schwarze Reich“. Der Anfang allen Übels war der vermaledeite Versailler Vertrag. Seine Verfasser wussten, dass es Deutschland niemals möglich sein würde, die ihm aufgebürdeten, immensen Schulden abzutragen. Vielmehr sollte es nur gerade in der Lage sein, die Zinsen jener gigantischen Summe zu begleichen, auf dass die Schuld selbst niemals kleiner würde, sondern in alle Ewigkeit nur anwachsen und drückender werden könne.
Frankreich weigerte sich, Reparationszahlungen in Form von Gütern und Rohstoffen zu akzeptieren, sondern verlangte ausschliesslich Gold. Deutschland jedoch war nicht in der Lage, auch nur annähernd jene Menge Wirtschaftsgüter zu produzieren und vor allem zu exportieren, die notwendig gewesen wären, um diesen Verpflichtungen nachzukommen.
Da hat einer der mächtigsten Bankiers der Welt, J. P. Morgan, die rettende Idee, welche die Alliierten (USA, Sowjetunion, England, Frankreich) dankbar aufnehmen: Sie ernennen 1924 ein Bankiers-Komitee unter der Leitung des amerikanischen Bankmannes Charles Gates Dawes, um ein Programm für die Reparationszahlungen zu entwickeln.
1902 hatte Charles Dawes übrigens erfolglos für den US-Senat kandidiert. Danach setzte er sich für soziale Dienste ein. So gründete er 1913 in Chicago das „R. F. Dawes Hotel for Men“, eine Einrichtung für Obdachlose. 1925 wurde er für den Dawes-Plan mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Von 1925 bis 1929 war Dawes Vizepräsident der USA.
Deutschland wird zu hohen Zinsen zunächst ein Rahmenkredit für die nächsten vier Jahre eingeräumt, mit dem es seine Kriegsschulden ungeachtet der französischen Forderungen zurückzahlen soll. Diese Dollars gehen wenige Tage später von den Kriegsschuldnern (Deutschland) wieder an Amerika zurück, denn auch die USA verlangen die Rückzahlung internationaler Schulden ausschliesslich in Gold und Dollars. Auch die Zinsen nehmen sie weder in Waren noch in Rohstoffen. „So bekamen die amerikanischen Geldverleiher allemal ihr Geld zurück – aber das nannten sie Zinsen, und die Kapitalschuld blieb“, schreibt E. R. Carmin.
Carroll Quigley, ein Georgetown Professor, für internationale Angelegenheiten, der auch Lehrer des ehemaligen amerikanischen Präsidenten Bill Clinton war, nennt die Dinge beim Namen: „Es ist zu beachten, dass dieses System von den internationalen Bankiers eingeführt wurde und dass das Ausleihen des Geldes anderer (nämlich amerikanischer Investoren) an Deutschland für diese Bankers höchst gewinnbringend war. Mit Hilfe dieser Kredite konnten die deutschen Schuldner ihre Kriegsschuld an England und die USA zurückzahlen, ohne Waren und Dienstleistungen zu exportieren. Die Devisen, die in Form von Krediten an Deutschland gingen, flossen an Italien, Belgien, Frankreich und England in Form von Reparationen zurück und schliesslich an die Vereinigten Staaten in Form von Rückzahlung der Kriegsschulden.
Was allein an diesem System schlecht war, war (a) dass es zusammenbrechen würde, sobald die USA kein Geld mehr liehen und (b) dass in der Zwischenzeit die Schulden lediglich von einem Konto auf ein anderes verschoben wurden und niemand der Zahlungsfähigkeit auch nur einen Schritt näher kam. – Es war überhaupt nichts gelöst, aber die internationalen Bankiers sassen im Himmel, wo es von Gebühren und Provisionen nur so regnete“.
Die Rechnung sieht am Ende so aus: Zwischen 1924 und 1931, während dem Dawes-Plan und dem darauf folgenden Young-Plan, zahlte Deutschland an die Alliierten ungefähr 36 Milliarden Mark an Reparationen. Im selben Zeitraum borgte Deutschland aber hauptsächlich in den USA etwa 33 Milliarden Mark, was bedeutete, dass in Wirklichkeit von der Reparationsschuld lediglich drei Milliarden bezahlt und der Rest auf neue Kredite umgelagert worden war.
Antony C. Sutton listet in seinem Buch die Experten des Dawes-Plans akribisch auf: Da war natürlich der Bankier Charles G. Dawes, welcher das Alliierten-Komitee 1924 präsidierte. Ferner Owen D. Young von der Morgan Bank, der gemeinsam mit Charles Dawes ein Konzept entwickeln sollte, der auch noch Präsident des Stromgiganten General Electric Company war. Ab 1929 wurde Young, der Direktor der New Yorker Federal Reserve Bank, Präsident des Dawes-Komitees, unterstützt von J. P. Morgan selbst, der sich abwechselte mit T. W. Lamont, einem Partner von Morgan und T. N. Perkins, einem Bankier mit Morgan-Verbindungen. „Mit anderen Worten, die US-Delegationen waren einzig und allein – wie es Quigley nannte – J. P. Morgan-Delegationen, welche die Autorität und das Siegel der Vereinigten Staaten benutzten, um finanzielle Pläne umzusetzen, welche allein ihren eigenen pekuniären (finanziellen) Interessen dienten“.
Zu den deutschen Mitgliedern des Expertenkomitees gehörten Hjalmar Schacht, Präsident der Deutschen Reichsbank und Carl Voegler von den Vereinigten Stahlwerken, welche dann später die Aufrüstung betreiben sollten.
Anmerkungen zu Hjalmar Horace Greeley Schacht
Der Sohn eines deutschen Kaufmanns und einer dänischen Mutter empfing seine Vornamen zur Ehre von Horace Greeley; einem US-amerikanischen Zeitungsverleger und Politiker. Hjalmar ist ein dänischer Name.
Am 16. März 1933 wurde er Präsident der Deutschen Reichsbank, ab August 1934 Reichswirtschaftsminister und ab Mai 1935 Generalbevollmächtigter für die Kriegswirtschaft. Im November 1937 tritt er als Generalbevollmächtigter für die Kriegswirtschaft zurück, er bleibt bis 1943 Minister ohne Geschäftsbereich. Im Juli 1944 wird er Aufgrund seiner Kontakte zum Widerstand festgenommen und verbleibt bis zum Kriegsende in den Konzentrationslagern Ravensbrück (90 Kilometer nördlich von Berlin) und Flossenbürg in Bayern.
Als die US-Armee sich 1945 dem KZ-Flossenbürg nähert, wird Hjalmar Schacht zusammen mit anderen prominenten Häftlingen zunächst ins KZ-Dachau und dann nach Österreich verbracht. Dort wurde er von den Amerikanern befreit und anschliessend gleich wieder inhaftiert. Nach Zwischenstationen auf Capri und in Aversa bei Neapel wurde er schliesslich dem Nürnberger Militärgericht überstellt.
Vor dem Nürnberger Militärgericht wurde er von den Anklagepunkten Verschwörung und Verbrechen gegen den Frieden freigesprochen. Von der Stuttgarter Spruchkammer wurde er 1947 allerdings als Hauptschuldiger eingestuft und zu 8 Jahren Arbeitslager verurteilt. Das Urteil wurde jedoch in einem Berufungsverfahren 1948 wieder aufgehoben. In den darauf folgen Jahren betätigte er sich erfolgreich als Finanzberater von Entwicklungsländern. 1953 gründete er die Aussenhandelsbank Schacht & Co. und machte ein Vermögen. Hjalmar Schacht starb am 3. Juni 1970.

„Schlussendlich waren die Mitglieder und Berater der Dawes- und Young-Kommissionen nicht nur mit New Yorker Finanzinstituten verbunden, sondern, wie wir später noch sehen werden, gleichzeitig auch Direktoren von Firmen, die zu jenen deutschen Kartellen gehörten, welche Hitler zur Macht verhalfen“, schreibt Sutton, und kommt zum Schluss: „Der Beitrag, welchen der amerikanische Kapitalismus an die deutschen Kriegsvorbereitungen vor 1940 leistete, kann nur als phänomenal bezeichnet werden. Er war zweifellos entscheidend für die deutsche Militärkapazität“.
… und setzt sich fort im Young-Plan – 1930
Laut Hitlers Finanzgenie, Hjalmar Horace Greeley Schacht, war im Grunde der Young-Plan dafür verantwortlich, dass Hitler 1933 an die Macht gelangte. Gleicher Ansicht war übrigens der Industrielle Fritz Thyssen, welcher nach dem Krieg aussagte: „Ich wandte mich der Nationalsozialistischen Partei erst zu, als ich die Überzeugung gewann, dass der Kampf gegen den Young-Plan unvermeidlich war, wenn der völlige Zusammenbruch Deutschlands abgewendet werden sollte“.
Der Young-Plan legte 37 Jahresraten von jeweils 2,05 Milliarden Goldmark sowie weitere 22 Jahresraten von jeweils 1,65 Milliarden Goldmark als Reparationszahlungen fest. Nach 59 Jahren – also 1988 – sollten die Reparationsverpflichtungen abgeleistet sein“. Das war aber noch nicht alles.
Zwischen dem Young-Plan und dem Dawes-Plan gab es einen grossen Unterschied: Während der Dawes-Plan Reparationszahlungen in Form von Gütern verlangte, welche mit ausländischem Kapital in Deutschland produziert wurden, verlangte der Young-Plan Geldzahlungen, und „meiner Meinung nach“, schrieb Thyssen, „mussten die so auflaufenden finanziellen Schulden zwingend zum Zusammenbruch der gesamten Wirtschaft des Reiches führen“.
Der Young-Plan war ausdrücklich als Mittel bestimmt, Deutschland mit amerikanischem Kapital zu besetzen und die unbeweglichen deutschen Vermögenswerte an Amerika zu verpfänden.
Owen Young war übrigens auch der wichtigste Geldgeber für Franklin D. Roosevelt und dessen United European Venture, als der damalige Wall Street-Bankier und spätere US-Präsident Roosevelt versuchte, aus der deutschen Hyperinflation von 1923 Kapital zu schlagen. Die United European Venture diente der Spekulation und sollte mit dem Dawes-Plan Profit machen. Sie ist ein klarer Beweis dafür, wie Privatbankiers die staatliche Aussenpolitik manipulieren, um die Macht des Staates für ihre persönlichen Interessen zu missbrauchen.
So kam es, dass Ex-Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht Owen Young direkt dafür verantwortlich machte, dass die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kommen konnten.
Dennoch war es Schachts und nicht Owens Idee, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zu gründen. Sie war einfach nur ein weiterer Schritt zur Erringung der Kontrolle über die (politischen) Geschäfte der Welt. Der Georgetown Professor Carroll Quigley nannte es „ein Weltsystem der finanziellen Kontrolle, in privaten Händen, und fähig, das politische System eines jeden Landes und die Wirtschaft der ganzen Welt zu kontrollieren“.
Zu jener Zeit kontrollierten Privatleute schon die Zentralbanken der Vereinigten Staaten, Deutschlands, Frankreichs und Englands. US-Präsident Hoover machte 1932 konkret die Wall Street für seine Nichtwiederwahl verantwortlich. Wall Street wollte Roosevelt und bekam ihn auch. So dürfte Antony Sutton denn auch mit seiner Einschätzung recht haben, dass Politiker von den wahren Machthabern der Welt – den Herren des Geldes – wie Hunde an der Leine gehalten und durch ein System von Zuckerbrot und Peitsche fügsam gemacht werden.
Kartelle (IG Farben, AEG, Verein. Stahlwerke) als Kriegsmittel – 1933
Die Anleihen aus dem Dawes-Plan werden in Deutschland zu einem Grossteil für die Bildung und Konsolidierung dreier gigantischer Kartelle verwendet, nämlich der IG-Farben, der Allgemeinen Elektrizitäts Gesellschaft (AEG) und der Vereinigten Stahlwerke. Der IG Farben gehörten zu Spitzenzeiten in Deutschland 200 Werke, sowie etwa 400 deutsche und 500 ausländische Unternehmensbeteiligungen an. Die Vereinigten Stahlwerke beinhaltete fast alle grossen deutschen Eisen-, Stahl- und Bergwerksgesellschaften. Zeitweise galten die Vereinigten Stahlwerke als europaweit grösster Stahl-Konzern. Diese Kartelle tragen 1933 nicht nur wesentlich dazu bei, Hitler an die Macht zu bringen, sondern spielen später auch eine Schlüsselrolle bei der Produktion kriegswichtiger Materialien.
Gerne wird heute kolportiert (das Gerücht verbreitet), Wall Street habe nicht erkannt, wohin Deutschland treibe. Dem widerspricht Sutton heftig. Analysen der zeitgenössischen Wirtschaftspresse Amerikas hätten unmissverständlich gezeigt, dass man sich der Nazibedrohung voll bewusst gewesen sei, weshalb man die Leser jener Wirtschaftsmagazine auch vor den deutschen Kriegsvorbereitungen gewarnt habe. Nicht nur hätten die betroffenen Amerikaner genau über die Natur des Nationalsozialismus Bescheid gewusst, nein, sie hätten ihn wann und wo immer zu ihrem eigenen Vorteil unterstützt – „in dem vollen Wissen, dass das wahrscheinliche Ergebnis ein Krieg sein würde, der Europa und die Vereinigten Staaten betrifft“. Die Primärquellen, die Antony C. Sutton im Laufe seiner Recherchen konsultieren konnte, beweisen dies zweifelsfrei.
So ermöglichten die Mittel aus dem Young-Plan vor allem den Aufbau der deutschen Kriegsindustrie. Und: Bei zwei der drei Kartelle sitzen amerikanische Finanziers im Aufsichtsrat! James Stewart Martin (man kann das Buch „All honorable men“ herunterloaden) beschreibt die Kartelle so: „Diese Anleihen zum Wiederaufbau wurden zu einem Instrument für Arrangements, welche mehr dazu beitrugen, einen Zweiten Weltkrieg herbeizuführen, als Frieden nach dem Ersten Weltkrieg“.
Die Deutsche Bank im Dritten Reich
Es sollte am Rande angemerkt werden, dass auch die Deutsche Bank im Dritten Reich ähnliche Geschäftspraktiken anwendete, wie die amerikanischen Banken Morgan & Co. Untersuchungen der Deutschen Bank hatten 1946/47 ergeben, dass sie eine ungewöhnliche Konzentration wirtschaftlicher Macht darstellte und an der Durchführung der verbrecherischen Politik des Naziregimes auf wirtschaftlichem Gebiet teilgenommen hat.
Nur eine Handvoll New Yorker Finanzhäuser finanzierten nach dem Ersten Weltkrieg die deutschen Reparationszahlungen. Drei Finanzhäuser, nämlich 1. Dillon, Read & Co. – Harris, Forbes & Co. und National City Company vergeben fast drei Viertel des Gesamtbetrages und fahren auch die grössten Profite ein. Die übrigen Bankhäuser sind Speyer & Co. – Lee, Higginson & Co. – Guaranty Company of New York – Kuhn, Loeb & Co. sowie die Equitable Trust Company.
Ab Mitte der zwanziger Jahre dominieren die zwei deutschen Kombinate IG Farben und Vereinigte Stahlwerke den Chemie- und den Stahlmarkt. Am Vorabend des Kriegs, nämlich in den Jahren 1937/38, produzieren diese beiden 95 Prozent des deutschen Sprengstoffs! Um es noch einmal hervorzuheben: Die Produktion von synthetischem Benzin und von Sprengstoff – welche beide unverzichtbar für die Kriegsführung waren – wurde von zwei Kartellen kontrolliert, welche unter dem Dawes-Plan von Wall Street-Anleihen geschaffen worden waren.
Als Beiträge und in Form anderer Spenden an die Nationalsozialisten leistete die IG Farben von 1933 bis 1945 folgende Summen in RM:

Rockefeller und die Standard Oil Company
Ein weiterer grosser Benzin-Lieferant für die Nationalsozialisten war natürlich die Standard Oil Company des Amerikaners John D. Rockefeller. Er galt durch seine Unternehmungen als der reichste Mann seiner Zeit und erreichte monopolartige Machtstellungen. Sein damaliges Vermögen betrug rund 900 Millionen Dollar (1913), was 2001 etwa einem Wert von 200 Milliarden Dollar entsprach. Damit war John D. Rockefeller der reichste Mann, der jemals gelebt hat.
Rockefeller und das Ludlow-Massaker von 1914
John D. Rockefeller baute in der Kleinstadt Ludlow eine Siedlung, konzerneigene Wohnhäuser, die den Arbeitern gegen Lohnabzug zur Verfügung gestellt wurden. Im Jahr 1914 kam es, wie an anderen Orten, unter den Arbeitern von Ludlow zum Wunsch einer Gewerkschaftsbildung. Nach der Ablehnung Rockefellers riefen sie einen kontrollierten Streik aus, bei dem rund 70% die Arbeit niederlegten.
Daraufhin entzog Rockefeller mitten im Winter seinen Arbeitern das Wohnrecht, indem er sie mit sofortiger Wirkung entliess. Die Häuser der Familien, die sich weigerten die Wohnung zu verlassen, wurden in Brand gesteckt. Zahlreiche Kinder und Frauen verbrannten. Als der Rest der Arbeiter vertrieben werden sollte, kam es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen zwischen den Arbeitern und der von Rockefeller bezahlten Miliz. Diese verübten kurzerhand Selbstjustiz, bei der über 45 Arbeiter ihr Leben verloren. Das grausame Treiben wurde erst beendet, als US-Präsident Woodrow T. Wilson nach 10 Tagen durch die Entsendung der Armee dem Massaker ein Ende setzte.
Die Rockefeller Foundation
Um sein Ansehen in der Öffentlichkeit wiederherzustellen, verteilte Rockefeller grosszügige Spenden in unterschiedlichen Bereichen. Rockefeller gründete Stiftungen, soziale Einrichtungen und begründete die „Rockefeller-Foundation“ die noch bis heute Bestand hat.
Die amerikanische Hilfe für die deutsche Aufrüstung erstreckt sich noch auf weitere Gebiete. In Hitlerdeutschland sind die zwei grössten Hersteller von Panzern Opel, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der amerikanischen General Motors, die wiederum von J. P. Morgan kontrolliert wird; sowie die Ford AG, eine Tochtergesellschaft von Henry Fords Ford Motor Company in Detroit.
Der Molloch – Leseprobe von Karlheinz Deschner
Der deutsche Schriftsteller und Religionskritiker Karlheinz Deschner schreibt in seinem Buch „Der Molloch“ zur Finanzierung der Deutschen nach dem ersten Weltkrieg durch die Amerikaner:
„Amerikas Geschäft ist das Geschäft“ war eines der grossen Worte des Präsidenten Calvin Coolidge (Präsident der USA von 3. August 1923 – 3. März 1929). Und es passt dazu, dass man wenige Monate nach seinem Amtsantritt mit Deutschland am 8. Dezember 1923 bereits einen Freundschaftsvertrag schloss – nur wenige Jahre nachdem man es zu Tode bekriegt hatte. Und schon im nächsten Jahr ist es bezeichnenderweise ein Bankier, Charles G. Dawes, der (in dem seinen Namen tragenden Plan) für eine Reorganisation der Deutschen Reichsbank und die Stabilisierung der deutschen Währung eintritt durch eine Anleihe von nicht weniger als 800 Millionen Goldmark.
Auch ein weiterer Grosskapitalist wurde zur Rettung Deutschlands aktiv. 1929 appellierte Alfred Hugenberg, eine Art Axel Springer der Weimarer Republik, dessen Medienkonzern, etwa 40 deutsche Zeitungen, darunter der „Völkische Beobachter“, das tägliche Parteiblatt der NSDAP, einige Verlage und die grösste deutsche Filmgesellschaft „Ufa“ angehörten, in einem Rundschreiben an 3’000 US-Millionäre, das drohende Chaos in Deutschland abzuwenden.
Hugenbergs Aufruf verhallte jenseits des Atlantik nicht ungehört. Es war das Jahr der heraufziehenden grossen Wirtschaftspanik, die US-Stahlkonzerne lagen darnieder. Wie hätte da nicht das mit einer deutschen Aufrüstung verbundene Geschäft verlocken sollen! Zwar hatte die Weimarer Republik die Remilitarisierung bereits eingeleitet, doch im grossen Stil konnte man dies wohl erst von dem Heil- und Siegbringer aus Braunau (Hitler) erhoffen.
Dass der deutsche „Führer“ käuflich war, ist früh bekannt gewesen. Schon ein Prozess im Sommer 1923 wegen der NSDAP-Finanzierung hatte ergeben, dass der Partei dreimal grosse Geldbeträge aus dem Saargebiet über die Deutsche Bank zugegangen waren. Nach Überzeugung des Gerichts stammten sie von amerikanischer Seite, dem Grossindustriellen Henry Ford, der lebhaft eine deutsche Aufrüstung wünschte.
So ist es dann ja auch gekommen. 1938 wurde beispielsweise ein Fertigungswerk in Berlin in Betrieb genommen, dessen einzige Aufgabe es war, LKWs für die Wehrmacht herzustellen. Ford produzierte insgesamt 78’000 LKW und 14’000 Kettenfahrzeuge für die Wehrmacht.
Agenten des langjährigen preussischen Innenministers Carl Severing (zwischen 1928 und 1930 Reichsinnenminister) hatten seit 1929 aber auch Verhandlungen Hitlers mit US-Bankiers im Berliner Hotel Adlon beobachtet, Verhandlungen, die dort bis 1933 stattfanden. (Das Resultat dieser Untersuchungen gelangte später ins „Abegg-Archiv“ in Zürich, wo es allerdings nicht mehr ist.)
Severing beauftragte Ende 1931 seinen Staatssekretär Dr. Abegg mit Nachforschungen über Hitlers Vorleben und seine ausländischen Finanzquellen. Dabei ergab sich, das Geld für die aufwendige Nazipropaganda stammte „nur aus dem Ausland, insbesondere aus den USA“. – Übrigens hatte Hitler auch einen grossen Teil der Waffen für SA und SS nicht von der Reichswehr, sondern vom Ausland erhalten.
Bei Beratungen der Präsidenten der „Federal Reserve“-Banken, des eigentlichen Finanzzentrums der Wallstreet, der fünf unabhängigen Banken, Vertreter der Royal Dutch (Shell), der Standard Oil Rockefeller jun. u.a. im Sommer 1929 wurde Warburg schliesslich gebeten zu prüfen, ob Hitler für amerikanisches Geld zugänglich sei. Als Gegenleistung hätte dieser gegenüber Frankreich eine aggressive Aussenpolitik einzuleiten, sollte aber „in die wirklichen Motive der amerikanischen Unterstützung nicht eingeweiht werden“.
Hitler seinerseits habe bei den Verhandlungen in Berlin betont, „dass er mit den Arbeitslosen alles machen könne, wenn er ihnen nur Uniformen und Verpflegung gebe… Auf diese Weise werde er Frankreich schon klein bekommen… Alles hinge vom Geld ab… Die USA-Hochfinanz habe doch sicher ein Interesse daran, dass er, Hitler, an die Macht komme, denn sonst hätte sie ihm nicht bereits 10 Millionen Dollar übergeben… Wenn er von der USA-Hochfinanz 500 Millionen Mark erhalte, sei er in „sechs Monaten fertig“. Hitler habe auch die Kommunisten als erledigt bezeichnet und erklärt, er werde nun die Sozialdemokraten ausschalten, durch Wahlen oder mit Gewalt. Eventuell komme noch eine Verhaftung von Hindenburg, Schleicher, Papen, Brüning in Betracht, aber alles koste Geld, und das bisher aus den USA erhaltene sei verbraucht.
Selbstverständlich standen die Hitler so verhängnisvoll fördernden ausländischen Geldgeber nicht vor dem Nürnberger Tribunal. Selbstverständlich wurden die Dokumente des Abegg-Archives beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess nicht zugelassen. Das heikle Thema der Hitler-Unterstützung durch die grossen Finanzmächte der USA durfte unter keinen Umständen auch nur erwähnt werden. Als es der zunächst länger mit Hitler kooperierende Bankier und Politiker Hjalmar Schacht, bis 1937 Reichswirtschaftsminister, bis 1939 Reichsbankpräsident, zur Sprache bringen wollte, wurde er rasch zum Schweigen gebracht. „Als Schacht“, meldete die Neue Zürcher Zeitung am 2. Mai 1946, „wiederum auf die Haltung ausländischer Mächte gegenüber der Nazi-Regierung und auf die Hilfe, die sie ihr angedeihen liessen, zu sprechen kam, entschied der Gerichtshof, dass diese Dinge mit der Sache nichts zu tun hätten und daher unzulässig seien“…
John Foster Dulles – eine Milliarde Dollar für den „Führer“
Schon im Oktober 1944 hatte US-Senator Claude Pepper, Florida, geäussert, zu jenen, die Hitler zur Macht verhalfen, habe auch John Foster Dulles, der unter Präsident Dwight D. Eisenhower von 1953 bis 1959 als Aussenminister diente, gehört, „denn es waren Dulles Firma und die Schroeder-Bank, die Hitler das Geld beschafften, das er benötigte, um seine Laufbahn als internationaler Bandit anzutreten“. Der ehemalige amerikanische Botschafter in Berlin, William E. Dodd, notiert in seinem Tagebuch, dass die von Dulles vertretenen Banken schon Ende 1933 Deutschland Anleihen im Wert von einer Milliarde Dollar gewährt hätten.
Die Nazis gewähren Opel 1936 Steuerfreiheit, damit General Motors mit dem gesparten Geld die Produktionskapazitäten ausbauen kann. General Motors revanchiert sich dafür, indem die Firma die erwirtschafteten Gewinne in der deutschen Industrie reinvestiert. Henry Ford wird von den Nazis für seine Verdienste dem Nationalsozialismus gegenüber sogar im August 1938 mit dem Grossen Kreuz des Deutschen Adlers ausgezeichnet.
Die Konzerne Alcoa (Aluminium Company of America) und Dow Chemical (Kunststoffe, synthetischer Kautschuk, Magnesium für Leichtbauteile von Kampfflugzeugen) arbeiten eng mit der Nazi-Industrie zusammen. Dies schliesst zahlreiche Transfers ihrer amerikanischen Technologie mit ein. Bendix Aviation (Luftfahrt), bei welcher die von J. P. Morgan kontrollierte General Motors einen Mehrheitsanteil hält, beliefert die Siemens & Halske AG in Deutschland mit Daten über automatische Piloten und Flugzeuginstrumente. Noch 1940, also nach Kriegsausbruch, liefert Bendix Aviation die kompletten technischen Daten für Anlasser von Dieselmotoren und Flugzeugen an Robert Bosch und erhält dafür Tantiemen Zahlungen.
Amerikanische Firmen, welche mit den internationalen Investitionsbankiers Morgan und Rockefeller in Verbindung standen – jedoch wohlverstanden nicht die grosse Zahl unabhängiger amerikanischer Industrieller – waren stark in das Wachstum der Nazi-Industrie involviert. „Es ist wichtig zu beachten, dass General Motors, Ford, General Electric (Medizintechnik, Flugzeugtriebwerke, Industrie-Anlagenbau, Finanzierungen), DuPont (Kunststoffe, Sprengstoffe, Elektronik, Lebensmittel) und die Handvoll US-Firmen, welche eng in die Entwicklung Nazi-Deutschlands verwickelt waren – mit Ausnahme der Ford Motor Company – durch die Wall Street-Elite kontrolliert wurden – namentlich die J. P. Morgan Firma, die Rockefeller Chase Bank und, zu einem geringeren Teil, die Warburg Manhattan Bank, schreibt Antony Sutton.16
Franzosen finanzieren Aufständische – 1923
Wie das amerikanische Kilgore-Komitee nach dem Krieg ermittelt, leistet der Deutsche Industrielle Krupp schon im Jahre 1919 finanzielle Hilfe an eine reaktionäre Gruppe, welche den Samen der Nazi-Ideologie sät.17 Allerdings, hält E. R. Carmin, Autor des Buches „Das schwarze Reich“, fest: „Schon in der Anfangszeit der „Bewegung“ war die Finanzierung etwa der aber- und aberdutzenden Bünde, Wehrverbände und Freikorps eine zwielichtige und keineswegs nur innerdeutsche Angelegenheit“. So werden die bayerischen Separatisten Anfang der zwanziger Jahre, man höre und staune, ausgerechnet mit Geld vom „Erzfeind“ Frankreich gesponsert, denn nichts ist den Herrschern Frankreichs damals „peinlicher, als wenn Deutschland demokratisch, pazifistisch oder sozialistisch wäre. Denn dies wäre das Ende der Existenzberechtigung einer französischen Armee. Und die Rüstung ist doch so ein gutes Geschäft“.
Am 12.11.1923 wurde die „autonomen Republik Speyer“ durch Franz Josef Heinz ausgerufen. Die Gegner der Separatisten antworten mit organisierten Protestaktionen. Am 09.01.1923 wird Franz Josef Heinz in Speyer erschossen. Am 12.1.1924 werden die Pirmasenser Separatisten zur Aufgabe gezwungen.
Auch Hitler soll schon in den frühen 20er Jahren von Frankreich Geld bekommen haben. Jedenfalls versichert 1952 der ehemalige preussische Finanzminister Klepper, ihm sei ini Quai d’Orsay, dem französischen Aussenministerium in Paris, eine Quittung Hitlers für Geldbeträge gezeigt worden, die er von französischen Agenten erhalten habe. Bemerkenswerterweise beteiligt sich Hitler tatsächlich nicht am Ruhrkampf, als Frankreich vorübergehend das Ruhrgebiet besetzt, und Konrad Heiden kann sich in seinem 1936 erschienenen Buch „Adolf Hitler“ die Bemerkung nicht verkneifen: „lm Jahre 1921 herrschte in der Partei ein merkwürdiger franzosenfreundlicher Ton“.
Deutschland war auf Grund des Versailler Vertrages gezwungen Reparationen an die Alliierten des Ersten Weltkriegs zu zahlen. Die alliierte Reparationskommission stellte Ende Dezember 1922 einen geringfügigen Lieferrückstand deutscher Reparationen an Frankreich fest. Darum besetzten am 8. März 1923 französische und belgische Truppen die Städte Duisburg und Düsseldorf.
Die Besetzung löste einen Aufschrei nationaler Empörung im Deutschen Reich aus. Die Reichsregierung unter dem parteilosen Kanzler Wilhelm Cuno rief die Bevölkerung zum „passiven Widerstand“ auf: Es wurden keine Reparationen mehr gezahlt, Industrie, Verwaltung und Verkehr wurden mit Generalstreiks teilweise lahm gelegt. Betriebe und Behörden leisteten teilweise den Anordnungen der Besatzer keine Folge. Frankreich reagierte darauf mit 150’000 verhängten Strafen, die mitunter bis zur Ausweisungen aus dem besetzten Gebiet gingen.
Inzwischen begingen ehemalige Freikorpsmitglieder (in der Regel nationalistisch, monarchistisch und rechtsradikal eingestellt) und auch Kommunisten Sabotageakte und Anschläge gegen die Besatzungstruppen. Die wiederum reagierten mit Sühnemassnahmen und Todesurteilen, die Situation eskalierte und forderte 137 Tote.
Als am 9. Januar 1923 die Reparationskommission behauptete, dass Deutschland absichtlich die Lieferungen zurückhalten würde, wurde am 11. Januar 1923 das gesamte Ruhrgebiet, ausgehend vom bereits besetzten Düsseldorfer und Duisburger Raum von französischen und belgischen Truppen mit anfangs 60’000, später 100’000 Mann eingenommen. Ziel war, die Reparationszahlungen direkt in Kohle einzutreiben (Politik der „produktiven Pfänder“).
Wegen grosser wirtschaftlicher Probleme des Deutschen Reiches verzichteten die Alliierten 1922 auf Reparationszahlungen in Form von Geld und forderten stattdessen Sachleistungen (Stahl, Holz, Kohle) ein.
E. R. Carmin schreibt, dass hinter den Geheimbünden und deren Aktivitäten auch ausländische Interessen standen: „Ein von Mitgliedern des aus dem Freikorps Oberland hervorgegangenen Blücherbundes für März 1923 geplanter, allerdings durch Denunziation aufgeflogener Putsch in München war mit über 92’000 Goldmark, immerhin an die 40 Millionen Reichsmark, von Frankreich finanziert worden“.
„Das Verblüffendste und Rätselhafteste am Erfolg dieses Menschen (Hitlers) ist die Tatsache, dass er 1923, auf dem Höhepunkt des Inflationstaumels, über Devisen verfügte, über Dollars, Tschechenkronen, holländische Gulden, ja offenbar auch über französische Franken“, schreibt Görlitz in „Geldgeher der Macht“. Von den 1923 höchstens 100’000 eingeschriebenen NSDAP-Mitgliedern hat Hitler jenes Kapital ganz sicherlich nicht, das es ihm schon damals erlaubt, – noch ehe er im Gefängnis Landsberg „Schriftsteller“ wird (Mein Kampf) und Interviews an die Hearst-Blätter verkauft – einen beträchtlichen Aufwand zu treiben und zu finanzieren:

„Seine Anhänger reisen in Extrazügen. Er hat einen grossen Stab, hält Felddienstübungen ab, überfällt benachbarte Städte, rüstet Strafexpeditionen aus. Lauter Dinge, die ohne beträchtliche Gelder unmöglich wären. Unmöglich ist, dass diese Ausgaben der Partei von Beiträgen der Mitglieder aufgebracht werden können. Hitler besitzt eine riesige Plakat- und Flugblattpropaganda. Manche Angehörige der Sturmtrupps widmen sich ausschliesslich der Partei, fahren die ganze Zeit zu Agitationen im Land herum“.
Fritz Thyssen – der ergebene Gönner – 1923
Hitlers frühester, treuester und freigebigster Förderer unter den deutschen Industriellen ist jedoch der schon erwähnte Fritz Thyssen, einer der bekanntesten und reichsten Männer des deutschen Reichs, dessen Name als Inbegriff der Schwerindustrie gilt. Thyssen lernt Hitler im Jahre 1923 kennen. Als Vermittler dient dabei General Ludendorff, der ihm Hitler als einzigen Hoffnungsträger für Deutschland anpreist. Thyssen ist von Hitler so beeindruckt, dass er ihm 100’000 Goldmark spendet – in Zeiten der Hyperinflation eine Riesensumme. Im Jahre 1928, als Hitler Geld für eine neue, pompöse Parteizentrale in München benötigt, greift Thyssen wieder tief in den Geldbeutel und spendet 300- bis 400’000 Mark. Die Spende tarnt er als Kredit, welchen er über die holländische Bank „Voor Handel en Scheepvaart N. V“ in Rotterdam abwickelt. Die Nazis bezahlen nie etwas zurück.
Von da an wirbt Thyssen für die NSDAP mit Hingabe und Verve (Begeisterung). Er tritt bei politischen Veranstaltungen auf, versucht andere Wirtschaftsmagnaten in kleiner Runde zu überzeugen, steht mit Geld und seinem prominenten Namen für das Volksbegehren gegen den Young-Plan ein. Weiterhin lässt Thyssen im Umkreis Hitlers mal da 50’000, mal dort 100’000 Mark springen.
Eine seiner „grössten“ Taten ist jedoch, dass er den äusserst exklusiven Zirkel der „Ruhrlade“, dem zwölf einflussreiche und finanzkräftige Industrielle angehören, überreden kann, einen politischen Fonds aufzulegen, aus dem Parteien und einzelne Politiker alimentiert werden. Die Summen sind beträchtlich, schwanken zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Mark jährlich.
Anfänglich fliessen die Gelder in bürgerliche und rechte Parteien. Nach dem Wahlerfolg der NSDAP im September 1930 schafft es Thyssen gegen anfängliche Skepsis und Widerstand der Wirtschaftsführer, die „Ruhrlade“-Mitglieder davon zu überzeugen, dass man den „vernünftigen“ Nationalsozialisten unter die Arme greifen sollte, indem man die NSDAP von den Wirtschaftsspenden abhängig mache – daraufhin fliessen die Gelder.
Thyssen rührt immer stärker die Werbetrommel für die NSDAP. Für den 27. Januar 1932 lädt er Hitler ein, vor dem „Industrieklub“ in Düsseldorf zu sprechen, dem die Elite der „Ruhr-Barone“, der Banken, Verleger und Wirtschaftsjuristen angehört. Der Abend wird ein riesiger Erfolg. Hitlers Pressechef kommentierte: „Das Eis war gebrochen, der nationalsozialistische Gedanke hatte in wichtigen und einflussreichen Kreisen des Systems fruchtbaren Boden gefunden“. Thyssen selbst gibt später zu Protokoll: „Die Rede machte auf die versammelten Industriellen einen tiefen Eindruck und in der Folge floss eine Reihe grosser Beiträge aus den Quellen der Schwerindustrie in die Kasse der Nationalsozialistischen Partei“.
Damit hat sich der Wind für die Nazis endgültig gedreht: Die Wirtschaftselite Deutschlands lässt die braunen Rabauken nicht länger in der Ecke stehen. Um deren Unterstützung zu erringen, schreckte Hitler nicht davor zurück, Kreide zu fressen: Auch diesmal verzichtet er auf seine bewährten Kampfparolen für die Massen, wie die Auflehnung gegen die Zinsknechtschaft, das Diktat des Staates über die Firmen oder die Enteignung einzelner Wirtschaftszweige. Auch seine Abneigung gegen die Juden thematisiert er nicht. Statt dessen geht er geschickt auf die Sorgen und Nöte der Wirtschaftskapitäne ein und vermeidet peinlichst den Eindruck eines Radikalen oder politischen Eiferers.
Thyssen lobbyiert weiterhin für Hitler und spendet nach eigener Einschätzung insgesamt etwa eine Million Mark. Hitler dankt es ihm später dadurch, dass er Thyssen, der viel zu spät die wahre Natur Hitlers erkennt und sich entsetzt von ihm abwendet, Anfang Januar 1941 in die Irrenanstalt in Neubabelsberg bei Potsdam einwiesen lässt, zusammen mit seiner Frau. Die späteren Kriegsjahre verbringt das Ehepaar Thyssen dann in den Konzentrationslagern von Sachsenhausen, Buchenwald und Dachau.
Kontakte zu den besseren Kreisen – Emil Kirdorf – 1927
Einer der „Paten“ Hitlers für den Zugang zu den sogenannt besseren Kreisen ist Emil Kirdorf, ein fast 80jähriger Kohlemagnat (der während 54 Jahren Vorstandsvorsitzender der Gelsenkirchener Bergwerks-Aktiengesellschaft gewesen war und bei der Gründung des mächtigen Rheinisch- Westfälischen Kohle-Syndikats mitgewirkt hatte). Aufgrund seiner einflussreichen Stellung und feudalistischen Auffassung von Arbeitshierarchie nennt man ihn nur den „Schlotbaron“.
Buchautor Henry Ashby Turner attestiert Kirdorf, „den künftigen Diktator während seines Aufstiegs zur Macht in den Augen von Millionen Deutschen gesellschaftsfähig“ gemacht zu haben. Durch sein öffentliches Eintreten für die Nazis und seine finanzielle Unterstützung „half er dem Führer unermesslich“.
1926 sucht Hitler den Kontakt zu Industriellenkreisen. Er buhlt um deren Einfluss und, noch wichtiger, deren Geld. „Schon eine einzige Spende, die für Wirtschaftsführer nur ein Taschengeld bedeutet, kann der niederliegenden Nazipartei flugs wieder auf die Beine helfen, nachdem das zeitweilige NSDAP-Verbot die Quellen hat versiegen lassen“, schreibt Wolfgang Zdral.
Hitler tritt im Herbst 1927 in mehreren privaten Zirkeln vor Wirtschaftsführern auf und erläutert seine Ziele. Bei einem dieser Treffen in Essen hört Kirdorf den Propagandisten zum ersten Mal und ist ergriffen. So sehr, dass er im August 1927 als erster Industrieller NSDAP-Mitglied wird. Sein Streben geht nun dahin, „ihn in dem nächsten Monat mit einigen führenden Personen diesseitiger Industrie“ zusammenzubringen. „Gelingt es mir, ihm in diesen Kreisen Anhänger zu gewinnen, so wird meine Hoffnung auf Rettung des Vaterlandes Stärkung erfahren“.
Auch seine private Geldschatulle öffnet Kirdorf. Einmal springt er ein, als Hitler wegen eines ungedeckten Schecks von 40’000 Mark schon den Selbstmord erwägt. Insgesamt spendet Kirdorf etwa 100’000 Mark. Viel wichtiger ist jedoch, dass Kirdorf Hitler einlädt, seine Gedanken zu Ökonomie und Unternehmertum niederzuschreiben, damit er diese diskret unter seinen Freunden und Bekannten verteilen kann. Dies tut Hitler nur zu gern, und es ist zu seinem Glück, dass das Blättchen geheim und unter der Hand weiterverteilt wird, denn die Inhalte weichen gar stark von der Polemik ab, mit der er das gemeine Volk zu gewinnen trachtet, und sie unterscheiden sich auch von dem, was er in „Mein Kampf“ als seine Weltanschauung verkündet.
Erst im Frühjahr 1966 taucht ein Exemplar des Pamphlets wieder auf und offenbart, dass Hitler sich darin weder – wie sonst üblich – für Enteignungen ausspricht noch gegen die Zinsknechtschaft oder gegen die Juden wettert; letzteres Thema erwähnt er nur einmal im Zusammenhang mit dem „internationalen Juden“ und dem Marxismus. Ganz offensichtlich sucht er seinen potenziellen Geldgebern zu gefallen.
Kirdorf tritt allerdings im August 1928 wieder aus der NSDAP aus, weil die NS-Zeitung „Die neue Front“ einen bösen Artikel über das Rheinisch- Westfälische Kohlesyndikat publiziert hat, das er als seinen grössten Lebenserfolg betrachtet. Seiner Bewunderung für und seinem Kontakt zu Hitler tut dies jedoch keinen Abbruch, und nach Hitlers Machtergreifung bittet er um Wiederaufnahme in die Partei.
Die Folgen seines Wirkens im Hintergrund waren in der Zwischenzeit immerhin rund 500’000 bis 600’000 Reichsmark, welche die Bergbauindustrie auf regelmässiger Basis nach den Wahlen von 1930 an die NSDAP zahlte.
1929-1933: Hitler wird als künftige Macht im Staate aufgebaut
Ende der zwanziger Jahre herrscht in den Kreisen der deutschen Arbeitslosen Kriegsstimmung. Man will Krieg gegen die internationale Hochfinanz und Krieg gegen den Osten. Diese Stimmung ist Hitlers erste grosse Chance. Von nur 0,8 Millionen Stimmen in der Wahl des Jahres 1928 wachsen die NS-Stimmen 1930 auf 6,3 – 1932 auf 13,7 und 1933 auf 17,2 Millionen an. In Wirklichkeit wollen die verzweifelten Menschen natürlich keinen Krieg, sondern ein Recht auf Arbeit. Und sie sind bereit, gegen all jene anzutreten, die ihnen dieses Recht verweigern. Die Reichen beginnen sich zu fürchten. So unauffällig wie möglich pirschen sie sich an Hitler heran und bitten um Schutz…
Und der braucht ihr Geld dringend, denn trotz der vielen Spenden gibt die NSDAP immer viel mehr Geld aus, als hereinkommt. So gibt ein Steuerberater der NSDAP am 2. Januar 1933 beim Berliner Finanzamt zu Protokoll, die Partei sei nur unter Aufgabe ihrer Unabhängigkeit zur Zahlung ihrer Steuern in der Lage. Das zeigt, dass selbst Beiträge von über einer Million Mitgliedern nicht für die Bedürfnisse Hitlers ausreichen und nur zusätzliche Spenden aus der Wirtschaft die Finanznot zumindest lindem können.
Die Nationalsozialisten erscheinen manchen Exponenten der Hochfinanz gefährlicher als die Kommunisten, die ihrer Ansicht nach keine reelle Chance haben, in Deutschland an die Macht zu kommen. Doch wenn Hitler mit seinen Wählern aus dem verarmten Mittelstand den Kurs der Linken noch verstärkt, dann können sie gemeinsam die deutsche Hochfinanz erdrücken. Gefährdet sind vor allem die Bankiers, die Industriellen und die Grossgrundbesitzer. Deren Ziel ist deshalb klar: Der Linkskurs des Mittelstandes muss verhindert werden.
Hitler ist Realpolitiker, er will vor allem die Macht. Also muss man Hitler die Macht zwar übergeben, ihn jedoch so binden, dass er sie nicht zum Nachteil seiner Geldgeber verwenden kann. Eine Rechnung, die – siehe Thyssen – für die reichen Herren nur zum Teil aufgeht.
Ende der 20er Jahre beginnen die Parteispenden plötzlich üppiger zu fliessen. 1929 etwa richtet der damalige deutsche Pressezar Alfred Hugenberg einen Bittbrief an dreitausend Millionäre in den USA. Er beschwört das Chaos, das Deutschland drohe und malt in düsteren Farben die Gefahr eines Krieges mit der Sowjetunion an die Wand. Es sei unumgänglich, dass Deutschland für einen Krieg aufrüste, und die einzige Partei, die zur Aufrüstung bereit sei, sei Hitlers NSDAP.
Die Weltwirtschaftskrise 1929
Den amerikanischen Grossindustriellen und Bankiers ist zu jener Zeit klar, dass Amerika eine Wirtschaftskrise bevorsteht. Nach dem Ersten Weltkrieg war Amerika zum reichsten Land der Erde avanciert und die amerikanische Wirtschaft wuchs unaufhörlich, nicht zuletzt dank der vom Krieg ruinierten europäischen Staaten, die gar nicht anders konnten, als zunächst bei „Onkel Sam“ einzukaufen – selbstverständlich mit amerikanischen Krediten, denn doppelt und dreifach verdient hält einfach besser.
Bald überstieg jedoch das Produktionsvolumen der USA die Nachfrage. Die europäischen Länder hatten selbst die Produktion wieder aufgenommen, und so blieb Amerika schliesslich auf seinen Waren sitzen. Russland belieferte die Europäer mit günstigem Getreide, und die amerikanischen Landwirte konnten ihre Kredite für die überzogenen Investitionen nicht mehr zurückzahlen. Spätestens Mitte der zwanziger Jahre ist einigen illuminierten Köpfen klar, dass die Blase dieser übersteigerten Wirtschaft bald einmal platzen würde.
Und vorausblickend, wie solch illuminierte Geister nun mal sind, nehmen sie das Schicksal, das wie ein Damoklesschwert über der amerikanischen Wirtschaft hängt, in ihre Hände und blasen erst noch tüchtig den Aktienmarkt künstlich auf, auf dass er wuchere wie ein Krebsgeschwür.
So dauert es nicht lange, bis das Volk nahezu alle seine Ersparnisse in überbezahlte Wertpapiere gesteckt hat. Um die europäischen Länder an die Goldkandare zu bekommen, beginnt die Federal Reserve Bank schliesslich, amerikanisches Gold im Wert von 500 Millionen Dollar nach Europa, und da vor allem nach England zu transferieren.
Am 9. August 1929 ist es soweit: Die Federal Reserve Bank erhöht den Diskontsatz und zweieinhalb Monate später, am 24. Oktober 1929, platzt die Blase: Schwarzer Freitag. E. R. Carmin bemerkt bissig: „Binnen kürzester Zeit waren an die 160 Milliarden Dollar an Wertpapieren futsch (der ganze Zweite Weltkrieg – kostete die USA „bloss“ 200 Milliarden). Das heisst: Das Geld war natürlich nicht einfach futsch, vornehm ausgedrückt hatte das Volksvermögen mal eben die Besitzer gewechselt“.
1930 bis 1933 – 150 Millionen Mark aus dem Ausland?
Dies also die Stimmung, in welcher der Brief des Deutschen Hugenberg die amerikanischen Millionäre erreicht. Dr. Gelpke, ein Mitarbeiter des damaligen preussischen Staatssekretärs Dr. Abegg, erinnert sich später: „Die Sowjetunion war damals noch sehr schwach. Niemand dachte an Krieg, wohl aber sahen einige tüchtige Geschäftsleute voraus, dass eine Krise zu erwarten war“. Was kann man dagegen tun? Die Schwerindustriellen denken natürlich zuerst an ihr bestes Geschäft: die Aufrüstung. Um aber die Aufrüstung durchzusetzen, müssen die nicht am Rüstungsgeschäft interessierten Reichskanzler Müller, Brüning und Schleicher, sowie die sozialistische Regierung Preussens (SPD, Zentrum und DDP – Ministerpräsident = Otto Braun, Sozialdemokrat) gestürzt werden. Dazu braucht man einen Strohmann und einen Demagogen, der das Volk anzog. Dieser Mann ist Adolf Hitler.
Die ersten Millionen aus dem Ausland rollen kurz vor dem unerwarteten Wahlsieg Hitlers von 1930 und rollen weiter bis zu Hitlers Machtantritt Ende Januar 1933. Der Staatssekretär des preussischen Ministerpräsidenten Otto Braun Dr. jur. Wilhelm Abegg schätzt sie auf rund 150 Millionen Mark. Sein Mitarbeiter Gelpke schreibt: „Doch die ganze Wahrheit kann kein Zeuge veröffentlichen, weil er weiss, dass er früher oder später das Opfer einer Clique von ungekrönten Königen würde. Als Rechtsanwalt und Revisor hatte ich für Finanzkreise Beteiligungen im In- und Ausland, insbesondere den Zahlungsverkehr Schweiz-Deutschland zu kontrollieren. Auch bei einer Waffenfabrik. Ich wusste, dass die SA und die SS einen grossen Teil der Waffen nicht von der Reichswehr, sondern vom Ausland erhielten“.
Gelpke fährt fort: „Nach dem unerwarteten Wahlsieg Hitlers vom 14. September 1930 sah sich nun Dr. Abegg veranlasst, den ausländischen Finanzquellen Hitlers nachzuforschen. Er liess unter anderem auch das Hotel Adlon, Berlin, daraufhin beobachten, ob hier zwischen Hitler und amerikanischen Finanzleuten Besprechungen stattfinden“. Dazu habe man die Gäste-Anmeldungslisten durchforstet. „Diese Recherchen verliefen positiv. Es fanden in den Jahren 1929/1933 im Hotel Adlon, Berlin, Verhandlungen über die Finanzierung Hitlers statt. Auf amerikanischer Seite waren eingeweiht: Bankier Warburg, als Treuhänder des New Yorker Bankhauses Kuhn, Loeb & Cie., sowie eine Gruppe der amerikanischen Ölfinanz. Auf deutscher Seite haben an den Verhandlungen teilgenommen: Hitler, Göring, Gregor Strasser, von Heydt, ein Berliner Rechtsanwalt von Loewenfeld“.
Hierzu gilt es anzufügen, dass diese Informationen wohl in einigen Büchern auftauchen, nicht jedoch beim Primärquellenforscher Antony Sutton. Dies gilt auch für die folgenden Sätze.
„Staatssekretär Abegg verschaffte sich eine Abschrift von Hitlers Budget für Partei, SA und SS. Er stellte fest, dass Hitler neben der Parteikasse noch über einen Geheimfonds verfügte. Im Sommer 1930 stellte die preussische Polizei fest, dass die Mitgliederbeiträge der NSDAP, sowie die Beiträge aus der deutschen Industrie stark zurückgingen. Trotzdem war Hitler im Hinblick auf die Septemberwahlen 1930 in der Lage, mit einem bisher in Deutschland unbekannten Aufwand Wahl-Propaganda zu machen. Dieses Geld konnte nur aus dem Ausland, insbesondere den USA, stammen“.
Diese Aussagen stützen sich auf ein angebliches Dokument der badisch- württembergischen „Deutschen Gemeinschaft“, welche es im Jahre 1950 veröffentlichte. Die Gemeinschaft habe aufgrund stichhaltiger Unterlagen den daraufhin gegen sie geführten Prozess gewonnen, was sich jedoch nicht verifizieren (nachprüfen) lässt.
Ende 1931 soll der preussische Staatssekretär Dr. Abegg von Minister Severing den Auftrag erhalten haben, das Vorleben Hitlers, sowie dessen ausländische Finanzquellen abzuklären. Offenbar ging es darum, Hitler, der damals noch nicht deutscher Staatsbürger war, auszuweisen oder ihn vor Gericht zu stellen. In diese Pläne sollen Reichskanzler Brüning, General von Schleicher und später auch der adlige Minister ohne Geschäftsbereich Hans Schlange-Schöningen (DNVP = Deutsch-Nationale-Volks-Partei), der sich später dem Widerstand gegen Hitler anschloss und ein Herr Passarge eingeweiht gewesen sein.
Angeblich observierte die Polizei einen Möbelwagen, der ständig in Deutschland unterwegs war und in dem sich Hitlers Privatarchiv befunden haben soll. Es habe die Bankunterlagen Hitlers der Jahre 1929 und 1931 enthalten. Dieser habe einen Geheimfonds unterhalten, über den nur er verfügen konnte. „Das Ergebnis unserer Untersuchungen war für Hitler derart belastend, dass, wenn das Material dem Reichspräsidenten unterbreitet worden wäre, der Präsident keine andere Wahl gehabt hätte, als Hitler vor Gericht zu stellen“.
So die nicht verbürgte Aussage des Archivars des ehemaligen Zürcher Abegg-Archivs, der anfügte: „Es scheint, dass Hitler eine Ahnung hatte, was geplant war. Jedenfalls liess er im Frühjahr 1933, als Dr. Abegg nach der Schweiz verreist war, in der Berliner Wohnung von Dr. Abegg durch die SS eine Hausdurchsuchung machen, wobei das Dossier Hitler beschlagnahmt wurde. Etwa ein Jahr später, anlässlich des Röhm-Putsches, erhielt die SS den Auftrag, bei General von Schleicher eine Hausdurchsuchung zu machen, und das Doppel des Dossiers Hitler zu beschlagnahmen. Bei diesem Anlass sind sowohl General Schleicher als auch seine Ehefrau ermordet worden“.
Ausländische Geldgeber in Spendierlaune – Royal Dutch Shell – 1921
Auf seiner Spurensuche ist Professor Antony Sutton auf einige weitere Namen gestossen. Schon 1925 habe die Familie des Grossindustriellen Hugo Stinnes Geld gespendet, um die Nazi-Wochenzeitung Völkischer Beobachter in eine Tagespublikation umzuwandeln. Anfang der dreissiger Jahre finden einige Treffen zwischen Hitler (oder dessen Repräsentanten Hjalmar Schacht und/oder Rudolf Hess) und deutschen Industriellen statt. „Der kritische Punkt liegt in der Tatsache, dass die deutschen Industriellen, welche Hitler finanzierten, vorwiegend Direktoren von Kartellen mit amerikanischer Beteiligung oder Eignerschaft waren. Im Grossen und Ganzen waren Hitlers Geldgeber weder Firmen ausschliesslich deutschen Ursprungs noch Repräsentanten deutscher Familienunternehmen.
Mit Ausnahme von Thyssen und Kirdorf waren es die deutschen multinationalen Unternehmen beispielsweise die IG Farben, AEG., DAPAG (Deutsche Amerikanische Petroleum AG), etc. Diese Konzerne hatte man durch amerikanische Anleihen in den 20er Jahren geschaffen. Sie wurden in den frühen 30er Jahren von amerikanischen Direktoren geführt und besassen eine starke amerikanische Finanzbeteiligung“.
Bislang keine Erwähnung gefunden hat ein weiterer bekannter Name: Royal Dutch Shell (identisch mit Shell), die grosse Konkurrentin von Rockefellers Standard Oil auf dem Erdölmarkt der 20er und 30er Jahre. Ihr Chef, Sir Henri Deterding, soll Hitler, laut weit verbreiteten Gerüchten, kräftig mit persönlichem Geld finanziert haben.
Deterding-Biograph Glyn Roberts schreibt in „The most powerful man in the world“, dass Deterding schon 1921 von Hitler beeindruckt gewesen sei und ihm schon in jenen frühen Tagen durch den Agenten George Bell vier Millionen Gulden gespendet habe. Roberts berichtet auch, George Bell habe als Repräsentant von Hitler und Deterding 1931 an Treffen (rechtsradikaler) ukrainischer Patrioten in Paris teilgenommen. Deterding soll den Nazis grosse Summen gespendet haben, mit dem Gedanken, dass ihm dies zu einer besseren Position auf dem deutschen Ölmarkt verhelfen würde. Man sprach von Beträgen bis zu 55 Millionen Pfund.
Antony Sutton gelang es jedoch nicht, konkrete Belege für diese Gerüchte zu finden – obwohl Deterding seit nunmehr über achtzig Jahren im Verdacht steht, er habe die Nazis finanziert. Immerhin verlegte er seinen Wohnsitz nach Nazi-Deutschland, wo er seinen Anteil am deutschen Ölmarkt tatsächlich ausbauen konnte.
Nicht gesichert sind auch Anschuldigungen, die schon am 11. Januar 1932 erhoben wurden: dass nämlich die französische Waffenfabrik Schneider-Creuzot Hitler finanziert habe. Paul Fauré äusserte damals in der französischen Zeitung Le Journal, Hitler habe 300’000 Schweizer Goldfranken erhalten. Allerdings konnte Sutton dies nicht verifizieren.
Kurz vor der Machtübernahme 1932 fast am Ende
Im Mai 1932 findet das sogenannte „Kaiserhof Meeting“ zwischen Schmitz von der IG Farben, Max Ilgner von der Amerikanischen IG Farben, Kiep von der Hamburg-Amerika-Linie und Diem vom Deutschen Pottasche- (oder Kaliumkarbonat)-Trust statt. An diesem Treffen werden über 500’000 Reichsmark aufgebracht und zugunsten von Rudolf Hess an die Deutsche Bank überwiesen. Am 31. Juli 1932 erhält die NSDAP bei den Wahlen 13,8 Millionen Stimmen und ist damit die stärkste Partei. Dennoch war es nicht einfach gegeben, dass Hitler Reichskanzler werden musste – mit all den fatalen Folgen.
Auch E. R. Carmin urteilt: „Hitlers Aufstieg zur Macht war weder schicksalhaft noch unaufhaltsam“. Noch 1932 hätte man strafrechtlich gegen Hitler und die Nazis vorgehen können, wäre da nicht der Reichskanzler Heinrich Brüning von der Zentrumspartei (Bild links) gewesen, der 1947 in einem Brief an den Herausgeber der Deutschen Rundschau schrieb: „Das Finanzieren der Nazipartei, teilweise durch Menschen, von denen man es am wenigsten erwartet hätte, dass sie sie unterstützen würden, ist ein Kapitel für sich. Ich habe niemals öffentlich darüber gesprochen, aber im Interesse Deutschlands könnte es notwendig sein, es zu tun und aufzudecken, wie dieselben Bankiers im Herbst 1931 den amerikanischen Botschafter Sackett gegen meine Regierung zugunsten der Nazipartei zu beeinflussen suchten.
Einer der Hauptfaktoren bei Hitlers Aufstieg, den ich nur im Vorübergehen erwähnt habe, war die Tatsache, dass er grosse Geldsummen von fremden Ländern 1923 und später empfing und gut für die Sabotage des passiven Widerstandes im Ruhrgebiet bezahlt wurde. In späteren Jahren wurde er bezahlt, um Unruhen hervorzurufen und revolutionäre Tendenzen in Deutschland zu ermutigen – von Männern, die sich einbildeten, dass dies Deutschland schwächen könnte und das Bestehenbleiben irgendeiner verfassungsmässigen zentralen Regierung unmöglich machen würde. Diejenigen, die so lange versucht haben, diese Tatsachen zu unterdrücken täuschen sich, wenn sie glauben, dass sie dies auf Dauer tun könnten“.
Brünings Einsicht kam etwas spät, hatte er doch eigenhändig im Jahre 1932 einen Teil des ihm vom preussischen Ministerpräsidenten Braun vorgelegten Beweismaterials vernichten lassen, das die NSDAP als „staats- und republikfeindliche, hochverräterische Verbindung“ brandmarkte, wodurch Brüning die vermutlich letzte Möglichkeit sabotierte, strafrechtlich gegen Hitler und die Nazis vorzugehen. Man erinnere sich: Bis zu seiner „totalen“ Machtübernahme hatte Hitler niemals die Mehrheit des deutschen Stimmvolks hinter sich; sein bestes Resultat belief sich auf einen Wähleranteil von 37 Prozent!
Wie E. R. Carmin es herausstreicht, hat Hitler „nicht an der Spitze einer revolutionären Massenbewegung die Macht ergriffen, sondern er ist vielmehr durch Hintertreppen-Intrigen zum Reichskanzler ernannt worden, und zwar zu einem Zeitpunkt, als seine politische Bewegung bereits ihren Gipfelpunkt überschritten hatte und die wirtschaftlichen und politischen Faktoren, die seinen Aufstieg begünstigt hatten, bereits schwanden. In der Partei herrschte Zwietracht, und Hitler spielte Ende 1932 sogar mit dem Gedanken, sein Leben mit einer Kugel zu beenden“.
In dieser Zeit, da Hitler genauso gut auch wieder hätte untergehen können, erhält er die grosszügigsten Summen vom Grosskapital. „Es gibt unwiderlegbare dokumentarische Beweise für eine weitere Rolle der internationalen Bankiers und Industriellen bei der Finanzierung der Nazipartei und der Volkspartei für die Wahlen im März 1933“, schreibt Antony Sutton. „Die Gesamtsumme von drei Millionen Reichsmark wurde von prominenten Firmen und Geschäftsleuten bezahlt, welche passenderweise über ein Konto der Delbrück Schickler Bank gewaschen und dann in die Hände von Rudolf Hess übergeben wurde – zur Verfügung Hitlers und dessen NSDAP“. Dieses Spendengeld-Treffen hatte am 20. Februar 1933 im Heim von Göring stattgefunden, welcher damals Reichstagspräsident war.
Nur eine Woche später, am 27. Februar 1933, brennt der Reichstag. Ein Tunnel gewährt den Brandstiftern Zugang zum Reichstag, und dieser beginnt just in jenem Haus, in dem sich ein alter Hitler-Spezi und Geldbeschaffer namens Ernst „Putzi“ Hanfstaengl aufhält. Das Reichstagsfeuer selbst wird schliesslich von Hitler als Vorwand benutzt, um die konstitutionellen Rechte abzuschaffen und via Ermächtigungsgesetz die absolute Macht zu übernehmen.
Dr. Ernst Hufstaengl
Dr. Ernst Hanfstaengl, auch „Putzi“ genannt, war der Sohn eines Münchener Kunsthändlers, der seine Jugend in den USA verbrachte. Hanfstaengl selber war ebenfalls Kunsthändler und Pianist. In den USA gehörte er zu den unmittelbaren Bekannten der einflussreichen Roosevelt-Familie. Hanfstaengl hatte in Harvard studiert und spielte als vollendeter Pianist für Theodore und Franklin Roosevelt, für Winston Churchill und auch für Hitler. Hitler hatte ja ebenfalls eine künstlerische Ader. Schliesslich wollte er einst Malerei studieren und war ein begeisterter Anhänger der Musik Richard Wagners.
Hanfstaengl, einst ein persönlicher Freund Hitlers, führte Hitler 1922 in die Münchener Gesellschaft ein. Hanfstaengl wurde 1931 Leiter der NSDAP Auslandspresse und blieb es bis 1933. Enttäuscht von Hitler ging er 1937 nach England und anschliessend in die Vereinigten Staaten. Während des 2. Weltkrieges wurde er Berater Roosevelt’s und der Hearst Presse. 1946 kehrte er nach Deutschland zurück und lebte bis zu seinem Tode in München.
Hitlers Schuldendiktat: Wie Hitlers Kriegswirtschaft wirklich lief
(Marianne Enigl)
Arbeit für alle, Autobahnen und Modernisierung der Industrie: Adolf Hitler inszenierte sich als perfekter Krisenmanager der Grossen Depression. In Wahrheit aber wussten die Nazis schon lange vor Kriegsausbruch nicht mehr, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollten. Den Ausweg fanden sie in Vertuschung, Raub und Ausbeutung.
Salzburger Festspiele, 9. August 1939. Adolf Hitler erschien, überraschend, zu Mozarts Don Giovanni, der Vorhang hob sich erst nach langen Ovationen für den Führer. Vor dem Festspielhaus sammelten sich die Salzburger, Hitler schauen. Der hatte die Spiele als Altäre der Erbauung gerühmt, gerade in einer Zeit wirtschaftlicher Nöte und Sorgen und fuhr rasch wieder ab. Denn in seinem Sommerdomizil auf dem nahen Obersalzberg wurde in diesen Tagen Abhilfe für die wirtschaftliche Not des Deutschen Reichs vorbereitet: der Eroberungsfeldzug nach Polen am 1. September, Auslöser des Zweiten Weltkriegs.
Die Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten ist bis heute von Mythen umwoben. Hitler stilisierte sich gern als derjenige, der das Volk aus dem Elend der Grossen Depression der dreissiger Jahre geführt hat. Zu Unrecht. Denn die angeblich ordentliche Beschäftigungspolitik und der viel zitierte Autobahnbau sind Schimären. Die Nationalsozialisten hatten keinen wirtschaftlichen Masterplan. Ihre Vorgangsweise war mehr Improvisation als Strategie; ihre Wirtschaftspolitik die eines rassistischen, nach Macht und Krieg strebenden Regimes. Während die NS-Führung prahlte, sie würde die Fundamente für ein Tausendjähriges Reich legen, wusste sie schon weit vor Kriegsbeginn nicht, wie sie am nächsten Tag die Rechnungen zahlen sollten. Propagandaminister Joseph Goebbels höchstpersönlich bekannte Farbe. Er schrieb bereits 1938 in sein Tagebuch, das Finanzloch in der Reichskasse sei schlimmer als ich gedacht. Profil wird sich in einer mehrteiligen Serie einer bisher in der öffentlichen Auseinandersetzung vernachlässigten Seite des Dritten Reichs widmen: der NS-Wirtschaftspolitik.
Hitlers Festspielauftritt in weisser Galauniform war inszeniert, um von Gerüchten über den drohenden Krieg abzulenken. In Paris erholte sich unterdessen ein Mann, der von der NS-Führung monatelang als Geisel in einer Wiener Gestapo-Zelle eingesperrt worden war: Louis Rothschild. Zweifellos war der 56-jährige Spross des Wiener Zweigs der jüdischen Bankiersdynastie damals der reichste Mann Österreichs und er verfügte über wichtige Industrien. Genau deshalb hatte es das Regime auf ihn abgesehen: In der wohl spektakulärsten Lösegelderpressung dieser Zeit wurde für seine Freilassung nicht weniger gefordert als die Übertragung des gesamten Vermögens sowie das seiner Brüder Eugène und Alphonse, die bereits nach Paris und London geflüchtet waren.
Doch der Baron erwies sich als zäh: Nach seiner Verhaftung am 12. März 1938 hielt er im Gestapo-Keller am Wiener Morzinplatz länger als ein Jahr dem Druck stand. In den Nachbarzellen sassen ebenfalls Prominente: Kommunisten, Ex-Kanzler Kurt Schuschnigg und der Christlichsoziale Leopold Kunschak. Wir waren uns schnell einig, dass dies der klassenloseste Keller der Welt war, erinnerte sich Rothschild später an Gespräche. Doch letzten Endes musste er klein beigeben. Aus dem Verkauf der Kunstschätze, Unternehmensbeteiligungen und Ländereien der drei Brüder sollen die Nazis rund 35 Millionen Reichsmark lukriert haben, das Wiener Bankhaus S. M. v. Rothschild ging an das Münchner Finanzhaus Merck, Finck & Co, die wertvolle Beteiligung an den tschechischen Eisenwerken Witkowitz wurde den Hermann-Göring-Werken zugeschlagen. Rothschild hatte diese Beteiligung vor seiner Verhaftung noch an eine englische Holdinggesellschaft übertragen, um sie vor dem Zugriff der Nazis zu schützen. Doch am Ende hatte auch das nichts geholfen. Er musste einem Verkauf zum Preis von knapp drei Millionen britischen Pfund zustimmen. Bei seiner Freilassung am 4. Mai 1939 hielt der Baron für seine Erpresser noch eine Überraschung bereit: Da es nun schon nach 20 Uhr sei, wolle er seinen Diener nicht mehr stören ob er wohl noch eine Nacht im Keller verbringen dürfe? Die Nationalsozialisten gaben sich Rothschild gegenüber bis zuletzt keineswegs als Gentlemen: Unter dem Vorwand des Kriegsausbruchs wurden der Kaufpreis nie bezahlt.
Der Fall ist ein Beispiel für den kleptokratischen Charakter der nationalsozialistischen Volkswirtschaft, die letztlich auf Ausplünderung und Ausbeutung der eroberten Länder und Menschen angelegt war. Juden waren immer das erste Ziel der Finanzbeschaffung, da ihre Enteignung auf den geringsten Widerstand stiess. Im Haushaltsjahr 1938/39 bezog das Deutsche Reich auf einen Schlag annähernd zehn Prozent der Einnahmen aus arisiertem Vermögen.
Es folgten ungeheure Profite aus den von der Wehrmacht besetzten Ländern: Das 1940 eroberte Frankreich etwa hatte allein 35 Milliarden Reichsmark (nach heutigem Wert annähernd 150 Milliarden Euro) als Besatzungskosten abzuliefern. Dänemark deckte während des Zweiten Weltkriegs 90 Prozent des Fisch- und 20 Prozent des Fleischbedarfs des Deutschen Reichs. Und im grössten Teil Osteuropas plünderten die Deutschen alles, was sie sahen, so Mark Marzower von der Columbia University, New York. Der Kärntner SS-Führer Odilo Globocnik liess aus dem besetzten Polen allein an Textilien, geraubt von den ermordeten Juden, 1901 Waggons abtransportieren.
Ohne Ausbeutung von Menschen hätte die NS-Wirtschaft nicht funktioniert. Knapp vor Kriegsende betrug die Zahl der Zwangsarbeiter im Deutschen Reich mehr als neun Millionen: Das war jeder Vierte. Die rund 1,6 Millionen KZ-Häftlinge und Kriegsgefangenen unter ihnen wurden unter katastrophalsten Umständen eingesetzt.
Politisch und ökonomisch hatte die Grosse Depression der dreissiger Jahre dem Nationalsozialismus den Boden aufbereitet. Otto Bauer, der Wortführer der österreichischen Sozialisten, besass eine Vorahnung, wohin die strikte Sparpolitik führen würde, mit der damals sowohl Deutschland als auch Österreich reagierten: Siegen werden in den Wirren dieser Zeit am Schluss diejenigen, die dem Volk einen Ausweg aus seiner Not zeigen und den Mut und die Entschlossenheit haben, es auf diesem Weg zu führen.
1933 kamen die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht, doch es ist ein Mythos, dass sie die Ersten waren, die auf Investition zur Krisenbekämpfung gesetzt hätten. Den eigentlichen Bruch mit der harten Sparpolitik schreibt der Schweizer Wirtschaftsanalytiker René Erbe der von Hitler abgelösten Weimarer Republik unter Franz von Papen zu. Die Nationalsozialisten übernahmen diese Massnahmen und setzten sie in viel grösserem Massstabe fort, fügten ihnen aber in den ersten Jahren nichts prinzipiell Neues hinzu, so Erbe. Ganz ähnlich gingen die Nationalsozialisten 1938 beim Anschluss Österreichs vor: Sie setzten das noch in den letzten Monaten der Regierung Schuschniggs ausgearbeitete Konzept um und profitierten von der bereits begonnenen Wirtschaftserholung, sagt Wirtschaftshistoriker Fritz Weber.
Hitler traf 1933 in Deutschland auf hervorragende Bedingungen: Die Löhne waren durch die Depression niedrig und die Talsohle der Krise bereits 1932 durchschritten. Da Konjunkturprogramme zeitlich verzögert wirken, ist der Abbau der Arbeitslosigkeit zu Beginn des Nazi-Regimes seinen Vorgängern zuzuschreiben, argumentiert Historiker Christoph Buchheim. Und er geht noch weiter: Anfangs hat die NS-Herrschaft die wirtschaftlichen Auftriebskräfte wohl eher behindert als unterstützt.
Das sollte besonders für den Anschluss Österreichs 1938 gelten: Da der Wechselkurs vom Schilling zur Reichsmark auf Hitlers Bestimm völlig überhöht angesetzt wurde (eine Reichsmark für 1,5 Schilling), produzierten Österreichs Betriebe vergleichsweise teuer, die Unternehmen mussten Arbeitskräfte entlassen. Die Arbeitslosigkeit sank 1938 nur, weil Hunderttausende Österreicher ins Altreich abgeworben und völlig neue Rüstungskonzerne aus dem Boden gestampft wurden.
Das NS-Regime hatte keineswegs ein stimmiges Wirtschaftskonzept, auf das es sich stützen konnte. Hitler selbst verstand nicht viel von ökonomischen Zusammenhängen. Er sah in der Wirtschaft nur eine notwendige Dienerin im Leben eines Volkskörpers. Zwar arbeitete Reichsorganisationsleiter Gregor Strasser 1932 ein Wirtschaftliches Sofortprogramm der NSDAP aus, doch wenige Wochen nach der Publizierung liess Hitler es einstampfen und durch ein gemässigteres Aufbauprogramm ersetzen. Zu heftig war der Widerstand in Unternehmerkreisen, mit denen Hitler es sich offenbar nicht verscherzen wollte. Dieses Sofortprogramm stammte keineswegs von einem wirtschaftlich bewanderten Kopf aus den eigenen Reihen: Strasser hatte die Grundzüge vielmehr vom österreichischen Ökonomen jüdischer Herkunft, Robert Friedländer-Prechtl, abgeschrieben. Einiges davon sollte richtungsweisend werden: die postulierte Unabhängigkeit vom Ausland, die produktive Kreditschöpfung sowie die Preiskontrollen.
Von Beginn an finanzierte sich das Regime mit drastischer Ausweitung der Staatsverschuldung. Schon in den beiden ersten Jahren nahm der adelige Reichsfinanzminister Lutz Graf Schwerin von Krosigk zehn Milliarden Reichsmark (nach heutigem Wert rund 43 Milliarden Euro) Kredit auf. Bis Kriegsbeginn summierte sich die Neuverschuldung von Hitler-Deutschland auf etwa 40 Milliarden Reichsmark (RM). Weil seine Politik ständig im Vorgriff auf die Zukunft lebte, verbot Adolf Hitler bereits im ersten Jahr seiner Reichskanzlerschaft 1933, die Zahlen des nächsten Budgets bekannt zu geben. Dabei blieb es die zwölf Jahre bis zum Ende des Regimes.
Vater der produktiven Kreditschöpfung wurde der renommierte Reichsbankpräsident und Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht. Er liess über die Scheinfirma Metallurgische Forschungsgemeinschaft (Mefo), hinter der unter anderem Krupp und Siemens standen, die berüchtigten Mefo-Wechsel ausstellen. Die Reichsbank übernahm die Bürgschaft, als Schuldner schien das Reich aber nicht auf. So wurde zwischen 1934 und 1936 die Hälfte aller Wehrmachtsaufträge verdeckt finanziert.
Das NS-Wirtschaftswunder auf Pump war von Anfang an auf Grossindustrielle Rüstung getrimmt, Mittelstandspolitik wurde vernachlässigt. Von den geborgten Milliarden flossen lediglich sechs in zivile Arbeitsbeschaffungsprogramme. Hitler hatte in einer seiner ersten Kabinettssitzungen angeordnet, Beschäftigungsmassnahmen aus öffentlichen Geldern nur zu stützen, wenn sie zugleich der Wehrhaftmachung des deutschen Volkes dienten. Allzu offensiv betriebene Aufrüstung war jedoch durch den Vertrag von Versailles vorerst untersagt. Daher wurde auch in die propagandistisch bestens verwertbare Reichsautobahn, in öffentliche Bauten wie das gigantomanische Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und in den Wohnbau investiert.
Wie sehr die NS-Wirtschaft auf Krieg eingestellt wurde, demonstriert der Anteil der Ausgaben für Militär und Aufrüstung: Er wurde von vier Prozent im Jahr 1933 auf exorbitante 39 Prozent im Jahr 1936 gepusht. In der Rüstungsindustrie herrschte nun bereits Arbeitskräftemangel: Von den ursprünglich sechs Millionen Arbeitslosen hatten 4,5 Millionen Beschäftigung gefunden. Die Einführung von Reichsarbeitsdienst und Wehrpflicht 1935 kam dem Beschäftigungswunder zugute: Bis 1939 wurden eine Million Deutsche zu Soldaten.
Die zentrale Zuspitzung der NS-Wirtschaftspolitik auf ihr eigentliches Ziel erfolgte 1936: Hermann Göring, mächtigster Mann nach Hitler, wurde de facto Wirtschaftsdiktator. Als Beauftragter des Vierjahresplans sollte er Deutschland in vier Jahren militärisch und ökonomisch kriegsfähig machen.
Spätestens diese Entscheidung macht offensichtlich, dass die NS-Wirtschaftspolitik nicht dem Dogma der aktiven Konjunkturpolitik des wohl bedeutendsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, John Maynard Keynes, folgte. Ab 1936 herrschte im Reich Vollbeschäftigung die expansiven Staatsausgaben auf Pump waren daher der Wirtschaftsentwicklung eher schädlich.
Der Improvisationscharakter der NS-Wirtschaftspolitik kam nun immer deutlicher zum Vorschein. Reichsbankpräsident Schacht warnte bereits früh vor dem massiven Einsatz der Notenpresse: Aus Papier kann man weder Brot backen noch Kanonen giessen. Um die Symptome der Inflation zu bekämpfen, wurden Preis- und Lohnstopps erlassen. Die Warnungen Schachts, dass das Wirtschaftssystem unweigerlich an die Wand fahren musste, verhallten bei Hitler ungehört. 1937 legte Schacht sein Amt als Wirtschaftsminister nieder, im Jänner 1939 entliess ihn Hitler letztendlich auch als Reichsbankpräsidenten. Der Führer wollte seinen Aufrüstungswahnsinn nicht von einem Bedenkenträger bremsen lassen. Sein Ziel hiess Eroberung von Lebensraum für die arische Rasse, die völkische Bewegungen bereits im Deutschen Kaiserreich gefordert hatten. Ausplünderung war vorgegeben. Hitler: Wir können uns auf der eigenen Grundlage nicht ernähren. Die endgültige Lösung liegt in einer Erweiterung des Lebensraumes bzw. der Rohstoff- und Ernährungsbasis unseres Volkes.
Österreich war als Expansionsziel schon lange im Visier des NS-Regimes. Kanzler Engelbert Dollfuss aber hatte sich im Einklang mit Italiens Faschistenführer Benito Mussolini gegen Deutschland gestellt. Um Druck auszuüben, wurde daher im Mai 1933 die 1’000-Mark-Sperre verhängt: Diese Summe (heute knapp 4’000 Euro) mussten Deutsche vor einer Österreich-Reise zahlen. 1936 schloss Kanzler Schuschnigg mit Hitler das Juli-Abkommen, das den Anschluss vorbereitete.
Anfang 1938 stand das Deutsche Reich kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Propagandaminister Joseph Goebbels schrieb in sein Tagebuch: Danach siehts doch schlimmer aus als ich gedacht. Aber an Schulden ist noch nie ein Volk zugrunde gegangen. Wohl aber am Mangel an Waffen. Zwei Wochen nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im März war er mächtig erleichtert: Wir haben einen bedeutenden Fehlbetrag. Dafür aber Österreich (Goebbels Tagebuch, 27. März 1938).
Letztlich war der Anschluss 1938 im Wesentlichen ökonomisch begründet, so Wirtschaftshistoriker Peter Eigner. Die heim ins Reich-Phrasen seien dem nur umgehängt worden.
Die augenblicklich wichtigste Beute waren die Gold- und Devisenvorräte, die das autoritäre Dollfuss-System zur Währungsstabilität angesammelt hatte. An Feingold hatte die österreichische Nationalbank 78.267 Kilogramm. Ein Teil davon lagerte in den Tresoren der Bank of England und wurde anstandslos an die Reichsbank ausgeliefert. Mit den Beständen, die eingeschüchterte Österreicher an die Deutschen verkauften, dürften 1938 aus Österreich Gold und Devisen im Wert von 1,3 Milliarden Reichsmark nach Berlin transferiert worden sein. Das war etwa 18-mal mehr, als die Reichsbank selbst hatte. Das im österreichischen Bewusstsein eingegrabene Hitler hat uns Arbeit gegeben ist demnach schlichtweg falsch. Denn nicht Hitler, sondern Österreich selbst finanzierte den Aufschwung.
Die Ostmark hatte zudem reiche Bodenschätze an Magnesit, Eisenerz und Erdöl, welche die NS-Rüstung dringend brauchte: 1939 kamen je ein Fünftel der Erdölproduktion und des Eisenerzes des Reichs bereits aus Österreich. In den Alpen (Kaprun) und an der Donau (Ybbs-Persenbeug) wurde mit dem Bau von Kraftwerken begonnen. Der Kriegsverlauf zwang die NS-Strategen jedoch laufend zu Änderungen ihrer Projekte: Die beiden Baustellen wurden bald eingestellt.
Der Steyr-Konzern sollte Paradebeispiel für die Umwandlung eines grossen österreichischen Industriebetriebs in ein regelrechtes Rüstungsimperium der NS-Ära werden, und zwar in allen Aspekten. 1938 war er in Mehrheitsbesitz der Creditanstalt. Die Bank wurde gezwungen, Steyr an den Rüstungskonzern Hermann-Göring-Werke zu verkaufen. Der jüdische Direktor Paul Goetzl musste gehen, Generaldirektor wurde der in Mondsee geborene Georg Meindl, der als SS-Mitglied exzellente Kontakte sowohl zu Göring als auch zu SS-Chef Heinrich Himmler hatte.
Unter ungeheurem Druck wurde modernisiert und gebaut. 1938 machte das Unternehmen 57 Millionen Reichsmark Umsatz, 1943 das Achtfache. Ähnlich explodierte die Zahl der Mitarbeiter: von 7’000 im Jahr 1938 auf 50’000 im Jahr 1944. Jeder zweite von ihnen war KZ-Häftling oder Zwangsarbeiter. Das neue Nibelungenwerk in St. Valentin, Oberösterreich, wurde neben Krupp grösstes Panzerwerk im Dritten Reich.
Steyr-Generaldirektor Meindl gelangte zur zweifelhaften Ehre, im gesamten Deutschen Reich als Pionier beim Einsatz von KZ-Häftlingen in der Rüstung zu gelten. Anfang 1942 errichtete die SS für Steyr ein eigenes KZ-Nebenlager, beim gigantischen Stollenbau zur unterirdischen Verlagerung bei Melk wurden 15’000 KZ-Häftlinge eingesetzt. Nach Kriegsende wurde Meindls verkohlte Leiche gefunden. Der Historikerbericht Österreichische Banken und Sparkassen im Nationalsozialismus urteilt über einen der wichtigsten Konzernmanager im nationalsozialistischen Österreich: Wenn man überhaupt von einem industriellen Erbe Meindls sprechen könne, dürfe man nicht verschweigen, dass es auch von extremer Kriminalität getränkt war.
Hitlers willige Buchhalter
(Berlin / taz)
Ins ehemalige Reichsluftfahrtministerium – einen strengen Nazi-Bau, in dem Wolfgang Schäuble als Finanzminister residierte – lud am Montag jene unabhängige Historikerkommission ein, die die Geschichte des Reichsfinanzministeriums zur Zeit des Nationalsozialismus erforscht. Sie gab einen zweiten Zwischenbericht ab, nachdem letztes Jahr über die fiskalische Judenverfolgung referiert worden war. Diesmal stand die Behördengeschichte des Ministeriums und seine Politik der Staatsschuld auf der Agenda.
Die Historikerin Stefanie Middendorf stellte ihr Referat unter die Überschrift „Hitlers Hauptbuchhalter?“. War das Ministerium nur eine reine Fachbehörde, hatte es keinerlei Einfluss auf die Durchführung der Nazi-Strategie? Dies waren die zentralen Behauptungen gewesen, die in der Nachkriegszeit vor allem von Minister Lutz Graf Schwerin von Krosigk nicht ohne Erfolg verbreitet worden waren.
Schwerin, ein deutschnationaler Konservativer, arbeitete seit den zwanziger Jahren führend im Finanzministerium, wurde bereits 1932 unter von Papen Minister und blieb es bis 1945. Er wurde vom amerikanischen Kriegsverbrecher-Gerichtshof zu zehn Jahren verurteilt, von denen er nur eines absass. Alle Verantwortung für die Durchführung der NS-Finanzpolitik im Ministerium wurde auf den Staatssekretär Fritz Reinhardt abgeschoben, einen glühenden Nazi, vor dessen ideologischer Besessenheit sich die sachliche Arbeit der Beamten vorteilhaft abhob.
Middendorf untersucht die Karrieren der Ministerialbeamten, fast alles Deutschnationale, oft Monarchisten. Für sie war es kein Problem, dass das Budgetrecht schon vor 1933 dem Parlament entzogen wurde und dass unter der Nazi-Herrschaft allmählich jede Publikation des Reichshaushaltes unterblieb. Mit der Auflösung der Länderkompetenzen erreichten sie Entscheidungsfreiheit in der Fiskalpolitik, die sie zur Mobilisierung der Ressourcen für Hitlers Aufrüstungspolitik nutzten. Natürlich gab es da Konflikte, vor allem mit den NS-Parteibehörden – ein Forschungsfeld, das noch beackert werden muss.
Milliarden aus den Sparkassen
Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze stellte die Politik des Ministeriums zu den Reichsanleihen und zum Staatskredit im „Dritten Reich“ ins Zentrum. Er benannte drei Quellen für die enorme Ausweitung des Staatshaushalts unter den Nazis: Steuern, Ausbeutung besetzter Länder und die verschiedenen Formen des Kredits. Das Steueraufkommen stieg von 1933 bis 1944 von 6,9 auf 38 Milliarden Reichsmark, die Kontributionen beliefen sich auf 23,6 Milliarden.
Hingegen betrugen die Schulden aus der Kreditfinanzierung insgesamt gigantische 379,8 Milliarden. Dem Finanzministerium und der Reichsbank gelang es, drei Staatsanleihen teils bei Privaten, teils bei Institutionen zu platzieren. Erst die vierte Anleihe, emittiert während der Sudetenkrise, wurde zum Flopp.
Während des Krieges zweigte das Ministerium Milliarden aus dem bei den Sparkassen gesammelten Vermögen ab. Dieser alles andere als „geräuschlose“ Vorgang war von Sparpropagandaoffensiven des Regimes begleitet. Indem das Reichsfinanzministerium als angeblich zuverlässige Behörde fungierte, verstärkte sie das Vertrauen in die Bonität der Anleihen – Hitlers „Endsieg“ vorausgesetzt.
Die verschwundenen Schätze der Nazis
(Welt / von Stefan Aust / Veröffentlicht am 07.05.2015)
Geld, Gemälde und Gold der NS-Grössen sind seit Jahrzehnten Stoffe für Mythen und Spekulationen. Immer wieder gibt es neue Spuren – nun auch in der Schweiz, wie eine N24-Dokumentation zeigt.
Es kommt wie eine harmlose Verlautbarung daher, die Marco Franchetti ins Internet stellen lässt. Franchetti, Jurist und Notar, ist der Bankenombudsmann der Schweiz, zu ihm kommen Menschen, die nach schlafenden Vermögen suchen. Sein Büro ist gleich am Zürcher Bahnhof.
Auf der Homepage seiner Schiedsstelle gibt es eine Rubrik mit Neuigkeiten. Dort gibt es nun eine Ankündigung, Betreff: nachrichtenlose Vermögen. Es handelt sich um Konten, die zehn Jahre lang unangetastet geblieben waren, von denen also niemand etwas abhob und auf die auch nichts eingezahlt wurde. Diese seien nun, so steht es auf Franchettis Internetseite, zehn Jahre unberührt und nach einer weiteren Frist von 50 Jahren zu publizieren. Artikel 49, schweizerische Bankenverordnung. Wenn sich niemand melde, der Anspruch auf diese Konten hat, „sind die Werte zu liquidieren und die Nettoerlöse dem Bund zu überweisen“.
Was nach einem staubigen Verwaltungsvorgang aus der Finanzwelt klingt, befeuert eine alte Fantasie. Denn die Frage ist, ob es neue Hinweise gibt, die eines der grössten Rätsel der Bundesrepublik Deutschland lüften helfen: Wo sind das bisher unauffindbare Geld und die, oft geraubten, Schätze der Nazis abgeblieben?
Die Nazischätze sind Stoff für unzählige Legenden, für Geraune, Spekulationen, Verschwörungstheorien und vermeintliche Sensationen. Hitler, Göring, Ribbentrop, die erste Garde des Dritten Reichs spielt darin eine Hauptrolle. Es geht um Züge voller Gold, unterirdische Lager, in denen Millionen, wenn nicht Milliarden gelagert sind. Transporter, die Geld aus Deutschland in die Schweiz karrten. Banken, die angeblich von nichts wussten. Und natürlich um das Bernsteinzimmer, ein im Auftrag des ersten Preussenkönigs Friedrich I. gefertigter Raum mit Wandverkleidungen aus Bernsteinelementen.
Heerscharen von Forschern und Journalisten haben versucht herauszufinden, wo die Nazis denn nun ihre letzten Vermögen, die Raubkunst versteckt haben. Sonderkommissionen wurden eingesetzt, viel Zeit wurde in die Suche investiert und auch viel Geld. Einiges wurde gefunden, vieles aber auch nicht. Doch nun, 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, gibt es plötzlich wieder einmal so etwas wie Hoffnung.
092_06 + 092_07/Die Suche nach den Schätzen der NS-Führung begann bei Kriegsende 1945: Amerikaner bargen Kunst in Altaussee, Neuschwanstein und am Obersalzberg
Denn die Bekanntmachung des Ombudsmannes bedeutet, dass Schweizer Banken solche Konten, die seit dem Jahr 1955 oder früher bestehen und seit 1965 nicht mehr genutzt werden, offenlegen und im Internet veröffentlichen müssen. Und zwar noch in diesem Jahr. Nach Lage der Dinge werden sie unzählige Konten mit kleinsten Geldbeträgen zutage fördern. Konten vielleicht, die jemand einfach vergessen hat. Weil er in eine andere Stadt gezogen ist. Weil er für den Enkel ein kleines Sparguthaben angelegt hat und starb. Oder weil er dachte, er hätte das Konto längst aufgelöst. Und dann müssen die Banken jene Konten heraussuchen, auf denen ein Guthaben von mehr als 500 Schweizer Franken verbucht ist. Die können sehr interessant werden.
Die Banken selbst sagen wenig, die meisten jedenfalls. Die Sprecherin der Schweizerischen Bankiervereinigung sagt, es gehe um „einige Tausend Konten“, weist aber darauf hin: „Dies schliesst alle nachrichtenlosen Kontobeziehungen zu Kunden in der Schweiz und überall im Ausland ein, „steht also weder zeitlich noch geografisch im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus“.
Nach Recherchen der „Welt“ ist aber zumindest eine Bank schon auf eine interessante Spur gestossen. Die Aargauische Kantonalbank kommt auf drei nachrichtenlose Konten, die von der neuen Regelung betroffen sind. Darunter sei „eines, ein deutsches, mit etwas mehr als 1’000 Schweizer Franken, das im März 1940 eröffnet wurde“. Ein schwaches, aber ein erstes Indiz.

„Der Leiter der Abteilung für Devisen im Reichswirtschaftsministerium schätzte die Summe, die aus Nazideutschland in die Schweiz abgeflossen war, auf 15 Milliarden Reichsmark“.
Einer der Ersten, die wissen wollten, wo das Geld und die Kunst abgeblieben waren, die sich die Nazis während ihrer Herrschaft unter den Nagel gerissen hatten, war der ehemalige Wirtschaftsbeauftragte der Berliner Stadtverwaltung und Leiter der Abteilung für Devisen im Reichswirtschaftsministerium: Hermann Landwehr. Er schätzte die Summe, die aus Nazideutschland in die Schweiz abgeflossen war, auf 15 Milliarden Reichsmark. Das war im Mai 1945. Landwehr war unmittelbar nach Kriegsende von den amerikanischen Besatzern verhört worden.
Der Amerikaner, der das Verhör führte, notierte: Er habe zu seinem Erstaunen gelernt, dass Landwehr „die durch die Schweiz transferierte Summe damit weitaus näher an die Schätzungen der Alliierten als an die der Schweizer“ rückte. Die Schweizer Verrechnungsstelle hatte die Gesamtsumme auf eine Milliarde Reichsmark taxiert – was Doktor Landwehr „mit einem ironischen Lächeln“ kommentiert habe. Dessen persönliche Meinung: „Wenn die Schweiz fair mit den Alliierten umgehen wolle, könne sie mit Leichtigkeit den Beginn der Transaktionen herausfinden, indem sie alle Transaktionen der Nationalbank untersucht und alle Notenumläufe“.
Die Schweiz unternahm erst einmal: nichts. Erst Anfang der 60er-Jahre kam Bewegung in die Angelegenheit. Die Fäden liefen in der Monbijoustrasse 11 in der Berner Innenstadt zusammen, bei einem Mann namens Hans Weber, Regierungsjurist. Weber galt als gewissenhaft und seriös. Seine Dienststelle firmierte als „Meldestelle für Vermögen verschwundener Ausländer“. In Wirklichkeit ging es um die teilweise Aufarbeitung eines der grössten Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Es ging darum, Vermögen aufzuspüren, die von den Nazis verfolgte Juden in die Schweiz transferiert hatten, und sie den rechtmässigen Erben der später Ermordeten auszuhändigen.
Weber war sich der Bedeutung seiner Aufgabe bewusst. „Wir haben als Organ des Weltgewissens und als Hort der Freiheit die Pflicht, die Aktion äusserst korrekt durchzuführen“, sagte er einmal. Seine Aufgabe begann vielversprechend.
Schon innerhalb einer halbjährigen Meldefrist bekam die Abteilung des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements 9,47 Millionen Schweizer Franken gemeldet, die 961 verschwundenen Ausländern oder Staatenlosen gehört hatten. Nun sollten alle Schweizer Geldinstitute, Versicherungsgesellschaften, Treuhandbüros und Privatleute, die vor 1945 Geld von inzwischen verschollenen Ausländern entgegengenommen hatten, Meldung erstatten. Und tatsächlich: Nach Ablauf der Frist kamen noch einmal fast 300’000 Franken von 209 Eigentümern zusammen.
Ein Tropfen auf den heissen Stein womöglich, aber immerhin ein Anfang.

„Ich bin überzeugt, dass man dabei auf manche Überraschungen stossen wird“, sagte der Initiator des neuen Gesetzes. „Vielleicht entdeckt man sogar den legendären Schatz von Hermann Göring“.
Die grossen Hoffnungen zerstoben schnell. Zu eng steckten die Schweizer Ermittler ihre Grenzen ab, nur bestimmte Kategorien von ausländischen oder staatenlosen Eigentümern sollten infrage kommen. Am Ende geriet der Versuch, den Naziopfern und deren Erben wenigstens ein wenig Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, zur Farce. Viele Indizien sprechen dafür, dass die Banken nur wenige Konten meldeten und die Behörden nur von einem Bruchteil der Gelder wussten. Fast 7’000 Anfragen von suchenden Erben waren bei der Meldestelle eingegangen. Fast alle wurden negativ beantwortet.
Schon in den frühen 1930er-Jahren hatten immer mehr Nazi-Opfer versucht, ihre Vermögen in der Schweiz in Sicherheit zu bringen. Nach Kriegsbeginn nutzten auch die Nazis die Schweiz zunehmend als Hort ihrer Vermögen.
Vor allem der Kriegseintritt der USA führte dazu, dass immer mehr deutsche Firmen, die eng mit dem Dritten Reich kollaborierten, Schweizer Tochterfirmen gründeten, um über diese ihre Beteiligungen in den USA zu retten.
Dafür benutzten die nazifreundlichen Konzerne dieselben Mittel wie die jüdischen Unternehmerfamilien, die sich vor der Arisierung schützen wollten. Sie gründeten Schweizer Holdings und Tarngesellschaften und verschleierten so ihre wahre Herkunft.
Oder die Wuppertaler Firma J.P. Bemberg AG. Die beabsichtigte 1940, ihre US-Tochter American Bemberg Corporation als neutralen Besitz zu tarnen, und fand für die Finte im Schweizer Bankhaus Johann Wehrli & Co einen Partner. Das Reichswirtschaftsministerium in Berlin wurde von der regimetreuen Firma stets auf dem neuesten Stand der Verhandlungen gehalten. Alles laufe wie geschmiert, berichteten die Bemberg-Leute. Die Schweizer stellten nur eine Bedingung: „Aus Gründen strengster Vertraulichkeit legt die Wehrli Bank entscheidenden Wert darauf, das Geschäft so aufzuziehen, dass weder ihre Angestellten noch sonstige Dritte in den Aufzeichnungen der Bank irgendwelche Berührungspunkte mit deutschen Firmen oder Privatpersonen finden“.
Es waren nicht nur Beteiligungen in den USA, die auf diese Art und Weise in Sicherheit gebracht werden sollten, auch die Verwertung von Patenten stand im Vordergrund.
Um Beschlagnahmungen während des Kriegs zu verhindern, benötigten deutsche Firmen Schweizer Eigentümer.
Der deutsche Stahlgigant Krupp etwa. „Wir beabsichtigen seit längerer Zeit, in der Schweiz eine Holding-Gesellschaft zu errichten, die rechtlich nicht von uns beherrscht wird und die Aufgabe haben soll, Vermögenswerte – gedacht ist in erster Linie an Patente von der Firma Krupp – regulär zu kaufen und nach aussen hin als Eigentümerin dieser Werte aufzutreten“. Den Nazis muss Krupps Schweiz-Plan wichtig gewesen sein, sie klassifizierten ihn als „geheime Reichssache“ ein – und stimmten dem Wunsch der Firma zu.
Nach diesem Muster spannen die Deutschen in der Schweiz ein Netz von Tarngesellschaften. Und diese geheime Infrastruktur bestand schon bald nicht mehr bloss aus Ablegern der Industriekonzerne, sondern auch aus Gesellschaften, die von den Nazis direkt kontrolliert wurden.
Heydrichs Firmen dienten als Nachrichtenapparate
Insbesondere der SS-Mann Reinhard Heydrich, ein Intimus von Heinrich Himmler, liess zahlreiche Firmen aufkaufen: nach aussen harmlos wirkende Aktiengesellschaften, die in Wirklichkeit als Nachrichtenapparate dienten. Schnell war die Schweiz durchzogen mit NS-Firmen, Tarngesellschaften und Geheimkonten von Nazibonzen, die hier in aller Ruhe ihre verdeckten Transaktionen durchführen konnten.
Noch als sich der Untergang des Dritten Reichs schon abzeichnete, schien die Schweiz den Nazis als der einzige Weg, grosse Teile ihrer Vermögen vor den Alliierten zu retten. Davon hatte die angelsächsische Presse spätestens 1944 Wind bekommen. Das war aber längst nicht alles.
Denn Schweizer Behörden bekamen mit, dass Deutsche nach Schweizern suchten, die in ihren Aktiengesellschaften die Mehrheitsaktionäre gaben und ihnen so halfen, den deutschen Besitz zu verschleiern.
Das Schweizer Generalkonsulat in Wien meldete im Dezember 1944, „dass die Herren Erich Heine und Dr. Delius vom Spionageabwehrdienst in Wien, Oberregierungsrat Hoffeller und Herr Bucher vom Sicherheitsdienst sowie die Direktoren Storm und Stelzmüller von der Intercontinentale um Einreisevisa in die Schweiz ansuchen werden“.
Die Gruppe beabsichtige, „grössere Beträge in Gold und ausländischen Währungen, die auf unrechtmässige Art erworben sein sollen, ins neutrale Ausland zu verbringen“.
Rund eine Milliarde Franken wurden gesperrt
Einige der heimlichen Konten konnten enttarnt werden, rund eine Milliarde Franken wurde gesperrt. Darunter auch das Depot des ehemaligen Vizekanzlers Franz von Papen. Der hatte, als deutscher Botschafter in Ankara, 1,1 Millionen Franken in die Schweiz verschoben. Ein falsch adressierter Brief der Bank, der versehentlich bei der Schweizer Gesandtschaft in Ankara landete, liess den Coup auffliegen.
Auch Hjalmar Schacht, ehemaliger Reichsbankpräsident, hatte 50’000 Mark in der Schweiz gelagert. Auch er flog eher durch Zufall auf, als ein Konsul ins Visier der Schweizer Fahnder geriet und man in seinem Schweizer Bankschliessfach ein Hjalmar Schacht gehörendes Geldpaket fand.
Schachts Nachfolger, Reichswirtschaftsminister Walther Funk, unterhielt ebenfalls private Bankbeziehungen in die Schweiz. Der in Nürnberg zu lebenslanger Haft verurteilte Kriegsverbrecher hatte sein Konto bei der Zürcher Kantonalbank. Nach Informationen der Alliierten und des ehemaligen Schweizer Bankdirektors Hugo Moritz soll ein Direktor der Dresdner Bank für Funk „Millionenbeträge“ in die Schweiz geschafft haben. Die Bank verweigerte zunächst jede Auskunft, bestätigte später immerhin eine gewisse Geschäftsbeziehung.
Die vierte Nazigrösse, dessen Schweizer Bankverbindungen bald aufgedeckt wurden, war Hitlers Aussenminister Joachim von Ribbentrop. Auch er hatte sich die kleine Privatbank Wehrli mit Sitz in Zürich für seine Geschäfte ausgesucht. Sie galt als nazifreundlich und hatte sich nicht nur auf Tarnfirmen spezialisiert, sondern für Ribbentrop auch jahrelang Vermögen verschoben, die nicht selten in Argentinien landeten. Für seine heimlichen Transaktionen hatte Ribbentrop den Tarnnamen Pedro Rodriguez Panincho benutzt.
Auf diesen Namen sollen die Wehrli-Banker mehrere Millionen Franken bei der Banco Aleman Transatlantico deponiert haben, einer Tochterfirma der Deutschen Bank. Die Gelder von Propagandaminister Joseph Goebbels sollen angeblich denselben Weg genommen haben.
In den 90er-Jahren geriet die Schweiz plötzlich unter Druck, etwas zu unternehmen.
Der Jüdische Weltkongress forderte die eidgenössischen Banken auf, Entschädigung zu zahlen. Und zwar dafür, dass sie die Vermögen behalten hatten, die auf nachrichtenlosen Konten lagen. In den USA kam es zu einer Reihe von Prozessen. In der Schweiz nahmen zwei grosse Kommissionen ihre Arbeit auf.
Die Volcker-Kommission sollte rund vier Millionen Konten durchsuchen. Aus aller Welt flogen Experten ein und logierten in den besten Hotels. Sie recherchierten drei Jahre. Das Ergebnis war bescheiden.
Zunächst hatten sich die Banken geweigert, Entschädigungen zu zahlen, und darauf verwiesen, dies schon unmittelbar nach Kriegsende getan zu haben. Daraufhin verschärften jüdische Organisationen den Druck.
Sie riefen in den USA dazu auf, Produkte aus der Schweiz zu boykottieren. Nach zähen Verhandlungen erklärten sich die Schweizer Banken und Kreditinstitute ausserdem bereit, den Klägern in den USA 1,25 Milliarden Dollar Prozesskosten zu erstatten. Und: Parlament und Regierung entschieden, selbst Licht ins Dunkel der Geschäfte mit den Nazis zu bringen. Im Jahr 1996 nahm eine unabhängige Expertenrunde namens „Schweiz – Zweiter Weltkrieg“ ihre Arbeit auf: die sogenannte Bergier-Kommission. Sie bestand überwiegend aus Historikern und sollte klären, wo die während des Kriegs in die Schweiz transferierten jüdischen Vermögen abgeblieben sind.
Die Erwartungen waren gross, sie schrumpften schnell. Zwar fand die Kommission insgesamt 2’600 Konten, doch diese Zahl schmolz zusammen. Zum Beispiel bei der Basellandschaftlichen Kantonalbank. Anfangs wurden bei einer einzigen Bank 228 potenzielle deutsche Täterkonten ausgemacht. Am Ende stellte die Kommission in ihrem Bericht fest, dass die meisten Konten „entweder schon bis 1932 geschlossen oder erst 1945 eröffnet worden waren“.
In ihrem Bericht „Tarnung, Transfer, Transit“ erklären die Forscher das so: 175 Personen seien nach Kriegsende von den Amerikanern befragt worden, unter anderem „über die Existenz privater Auslandskonten von Hermann Göring, Heinrich Himmler, Joachim von Ribbentrop und Ernst Kaltenbrunner“. Zwar hätten „in den meisten Fällen“ Hinweise und Aussagen vorgelegen, „dass die untersuchten Personen Schiebungen ins neutrale Ausland getätigt hätten“. Eindeutige Beweise habe es aber nicht gegeben.
Unter Einsatz ausgeklügelter Techniken
Die Forscher schlossen daraus: Entweder hätten die Nazis tatsächlich keine Gelder ins Ausland verschoben. Oder sie hätten es „unter Einsatz derart ausgeklügelter Techniken getan, dass es nicht gelungen war, ihnen auf die Spur zu kommen“.
Fündig wurden die Ermittler bei der Zürcher Kantonalbank, bei der sie fast 20 Millionen Franken fanden, die wohl mit „looted assets“ (geplündertes Vermögen ) in Verbindung standen: „Drei Viertel dieses Betrags stammten aus Gold- und Devisengeschäften, welche die deutschen Kaufleute Heinz Forthmann in Lissabon und Helmuth Maurer in Berlin als Mittelsmänner des NS-Regimes 1942 bis 1945 tätigten“. So steht es im Bericht der Kommission.
Der deutsche Waffenfabrikant Otto May transferierte mithilfe seines in der Schweiz lebenden Bruders Geld in die Schweiz.
Und auch Reichswirtschaftsminister Walther Funk liess Geld über einen Mittelsmann, den ehemaligen Vorstandspräsidenten der Dresdner Bank, Paul Schmidt-Branden, in die Schweiz schaffen. Der hatte Nazideutschland schon 1936 verlassen und besass das Liechtensteiner Bürgerrecht. Allerdings flogen Funk und sein Kapitalfluchthelfer auf, als ein deutscher Privatbankier die Geschäfte der beiden an die Schweizer Behörden verriet.
Da wurde auch versteckt, verschleiert und verschachtelt
(Peter Geiger / Unabhängige Historikerkommission Liechtenstein Zweiter Weltkrieg)
Nachdem die Untersuchungen in der Schweiz abgeschlossen waren, begann man auch in Liechtenstein, namenlose Konten aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 unter die Lupe zu nehmen. Im Jahr 2005 legte die Revisionsgesellschaft Ernst & Young einen Bericht vor.
Das Ergebnis ähnelte dem in der Schweiz. Gerade einmal vier nachrichtenlose Konten konnten identifiziert werden, am Ende blieb ein einziges übrig – mit einem Saldo von 3130 Franken. Wem es gehörte, Täter oder Opfer, blieb ungeklärt.
„Viel konnten wir nicht finden“, sagt der Historiker Peter Geiger. Er war von 2001 bis 2005 Präsident der „Unabhängigen Historikerkommission Liechtenstein Zweiter Weltkrieg“. Er sagt: „Liechtenstein war viel zu klein, hatte 11’000 Einwohner, zwei kleine Banken mit insgesamt 20 Mitarbeitern und war ständig von Hitlerdeutschland bedroht – als Finanzplatz war das Fürstentum zu unbedeutend und kein sicherer Hafen“. Immerhin will er nicht ausschliessen, dass die beiden Liechtensteiner Banken „als verlängerter Arm Schweizer Banken“ gedient und Tarnfirmen gegründet haben: „Da wurde auch versteckt, verschleiert und verschachtelt“.
Zu den schillernden deutschen Figuren, die sich während des Kriegs im Fürstentum tummelten, gehörte Adolf Ratjen.
Ratjen war Kunstliebhaber, Inhaber der Berliner Bank Delbrück Schickler & Co und fungierte während der NS-Zeit als Verbindungsmann zwischen dem Reichswirtschaftshauptamt und dem Oberkommando der Wehrmacht. Als das Kriegsende nahte, wurde Liechtensteins Fürst Franz Josef II. plötzlich nervös. Er hatte seine umfangreiche Kunstsammlung in Wien gelassen, nun standen die Russen vor den Toren Wiens. Da kam der Fürst auf den deutschen Anwalt und Spion Josef Steegmann – und auf Ratjen.
Steegmann war von der SS nach Liechtenstein eingeschleust, er besass einen liechtensteinischen Pass. Ratjen war sein Vertrauter, er war nach dem Anschluss Österreichs als Offizier nach Wien entsandt worden. Er sollte die dortige Wirtschaft mit der des Deutschen Reichs gleichschalten. Ratjen erklärte sich bereit, die Sammlung des Fürsten aus Wien zu bergen. Nach dem Krieg übersiedelte er nach Liechtenstein und bekam vom Fürsten das Ehrenstaatsbürgerrecht.
„Man hat“, sagt der Historiker Geiger, „später kritisiert, dass Ratjen eingebürgert wurde, obwohl er als regimenahe Person einzustufen ist. Aber wir konnten nicht feststellen, dass er massgeblich Vermögen nach Liechtenstein transferieren und hier verstecken konnte“.
Geiger findet es gut, dass die Schweiz nun die Geheimnisse der letzten Altkonten lüften will. Er macht sich aber keine allzu grossen Hoffnungen, dass in Liechtenstein noch etwas zu finden ist. „Wir konnten alles einsehen und mussten uns nicht auf Stichproben verlassen“. Ausserdem macht Liechtenstein keine Anstalten, eine ähnliche Regelung zu treffen wie die Schweiz. Der Bankenverband habe schon vor Jahren eine Informationsbroschüre für die Kunden herausgegeben, sagt Simon Tribelhorn, Geschäftsführer des Liechtensteinischen Bankenverbands, auf Anfrage der „Welt“. Diese Broschüre habe aufgezeigt, wie man sicherstellen könne, „dass es gar nicht erst zu einer Nachrichten- beziehungsweise Kontaktlosigkeit kommt“.
Die Gelder der Nazis stammten meist aus Beutezügen, die sie in den von ihnen besetzten Gebieten machten. Ihre Vordenker bereicherten sich, so gut sie eben konnten.
Allen voran Reichsmarschall Hermann Göring. In seinem Jagdhaus Karinhall sammelte er Kunst und Kitsch. Er liess sich von der Industrie beschenken und privatisierte geraubte Kulturgüter.
Die Kunstliebhaber in der Führungsetage des Dritten Reiches trugen systematisch zusammen, was in Europas Sammlungen für wenig Geld oder reichlich Druck zu haben war. Vieles davon ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.
„Nur maximal ein Drittel der Nazischätze ist wiedergefunden worden“, vermutet der Journalist Lutz Hachmeister, „der Rest liegt noch irgendwo herum“. Jemand, der sein Leben lang nach den verschwundenen Schätzen des Dritten Reiches suchte, sagt: „Göring hatte die ganzen französischen Gemälde aufgekauft beziehungsweise beschlagnahmen lassen“. Manchmal habe Göring auch bezahlt – allerdings mit Mitteln der Luftwaffe, nicht mit seinen eigenen.
Irgendwann kam der Krieg nach Deutschland. Und die Illusion, die Welt erobern zu können, wich einem neuen Wahn: der Hoffnung auf Wunderwaffen und einer unbesiegbaren Festung in den Alpen. Doch nicht einmal der Führer glaubte, hinter den Bergen und Tälern, um Hitlers Berghof vor Alliierten sicher zu sein. Er liess Bunkeranlagen unter dem Berghof bauen, doch für den Endkampf wurden die Bunker unter dem Obersalzberg nicht mehr rechtzeitig fertig. Für militärische Zwecke war das unterirdische Hauptquartier ohnehin nicht geeignet. Die Lufthoheit gehörte den alliierten Bombern, und so verlagerte das Dritte Reich seine Wertsachen unter die Erde.
Zum Beispiel im Steinberghaus in Österreich. Hier, am Rande des Toten Gebirges, wird seit dem 14. Jahrhundert Salz abgebaut. Es geht 750 Meter tief in den Berg hinein. Insgesamt 45 Kilometer Stollenwege führen durch das Bergwerk. Mitten in diesem Labyrinth befindet sich eine unterirdische Kapelle. Sie wurde 1935 eingerichtet und mit Salzsteinen ausgestattet – als Besucherattraktion.
Heute führt Geschäftsführer Kurt Thomanek Touristen in das Museumsbergwerk. Besonders für geraubte Gemälde seien die Stollen geeignet gewesen, sagt er. „Wir haben im Bergwerk in Altaussee eine konstante Luftfeuchtigkeit von 75 Prozent und eine konstante Temperatur von acht Grad Celsius. Das sind optimale klimatische Bedingungen für Kunstwerke“. 1943, als der Bombenkrieg auch Österreich erreichte, seien die Kunstwerke in den Klöstern und auch den grossen Museen Wiens nicht mehr sicher gewesen. „Man musste sich auf die Suche nach bombensicheren Verstecken machen. Da war es naheliegend, dass man auch die Bergwerke anschaut“.
Fast 10’000 Kunstwerke karrten die Nazis heran, um sie hier zu lagern. „Neben den Gemälden“, sagt Thomanek, „wurden auch Skulpturen gebracht, zum Beispiel die Brügger Madonna von Michelangelo, es waren Münzsammlungen, es waren Waffensammlungen, es waren Partituren darunter“.
Eigentlich sollte in dem Bergwerk alles sicher eingelagert werden, was aus Museen weggeschafft oder auf den Raubzügen durch Europa erbeutet worden war.
Doch es ist nicht auszuschliessen, dass vieles von hier auch seinen Weg in die Nachkriegsfluchtburgen der Nazis, nach Chile oder Argentinien, schaffte. Als die Alliierten unter dem Schutz ihrer Bomber immer weiter vorrückten, versuchten Hitlers Offiziere jedenfalls, ihre Kriegskassen zu sichern – erst für die Truppe, dann auch für sich selbst.
~~~~~~~~~~~~~~~~~
Ein Ereignis bei Kriegsende
Zu einer Folge dramatischer Abläufe kam es im April 1945, als der damalige Gauleiter im Reichsgau Oberdonau, August Eigruber, eigenmächtig den Entschluss fasste, die Kulturgüter zu vernichten und zu diesem Zweck acht Fliegerbomben mit je 500 kg in die Stollen des Salzbergwerkes transportieren liess. Nach hektischen Bemühungen und einem ausgeklügelten Plan konnten letztendlich die Salinenleitung, unter dem damaligen Generaldirektor Emmerich Pöchmüller, die Bergungsbeauftragten und Bergmänner die Vernichtung der Kunstschätze und die Zerstörung des Bergwerkes vereiteln. In der Nacht vom 3. auf den 4. Mai 1945 gelang es, die eingelagerten Bomben aus dem Bergwerk zu entfernen. Um weitere Zugriffe auf die Kunstschätze zu vermeiden, wurden anschliessend noch die massgeblichen Stolleneingänge (Stollenmundlöcher) zugesprengt. Nach der Besetzung von Altaussee am 8. Mai 1945 durch eine amerikanische Infanterieeinheit wurde in den darauffolgenden Tagen mit der Öffnung der Stolleneingänge begonnen und die Sicherstellung der Kunstschätze eingeleitet.
~~~~~~~~~~~~~~~~~
Es gab Institutionen wie einzelne Ämter des Reichssicherheitshauptamts, die ihre Kassenbestände mitgenommen haben
(Lutz Hachmeister, Journalist)

„Es gab Institutionen wie einzelne Ämter des Reichssicherheitshauptamts, die ihre Kassenbestände mitgenommen haben, um zum Schluss noch ihre Leute zu entlohnen“, hat der Autor Lutz Hachmeister recherchiert, „und es gab natürlich auch die Reichsbank zum Beispiel, die ihre Goldvorräte in Stollen in Thüringen oder in Bayern untergebracht hat – das sind sehr verschiedene Aktionen, die Ende 1944 verstärkt einsetzten“.
Das war den Amerikanern nicht entgangen. Entgegen den ursprünglichen Plänen, nach Berlin vorzustossen, bogen die amerikanischen Truppen plötzlich ab nach Thüringen. Vielleicht war es ja der Lockruf des Goldes gewesen, der den Kurswechsel veranlasste.
Gerd Heidemann, der Journalist, sagt: „Das Gold lag ja in der Mine Merkers in Thüringen, und zwei Frauen hatten das wohl vorher beobachtet, dass die Wehrmacht da sehr viel Material heruntergeschafft hatte, und haben das den Amis verraten, die damals entgegen den Abmachungen mit den Russen nach Thüringen vorgestossen waren“.
Dort lagen sie: die Gold- und Geldvorräte der Reichsbank, Banknoten im Wert von drei Milliarden Reichsmark, bombensicher in 500 Meter Tiefe. Es war eine für die damalige Zeit unvorstellbar grosse Menge Geld. Dazu grosse Mengen an Goldmünzen, Goldbarren, die gesamten Asservate der preussischen Münze und eines Münzmuseums und auch erhebliche Anteile an Gold- und Devisenreserven aus besetzten Ländern. Heute ist die Schatzkammer ein Museum, statt Hitlers Gold liegen dort nur noch Imitate.
Als die US-Soldaten später in die Stollen vorrückten, fanden sie Säcke mit Goldmünzen aller Herren Länder und 8645 in Kisten verpackte Goldbarren, nach heutigem Preis etwa 2,2 Milliarden Euro wert. Sie beschlagnahmten das Gold und transportierten es in 32 Lastwagen, geschützt von zehn mobilen Flakgeschützen, mehreren Flugzeugen und fünf Zügen Infanterie zur Reichsbank in Frankfurt am Main ab. Auch Gemälde wurden sichergestellt, Koffer mit Schmuck und die widerlichste Beschaffungsaktion des nationalsozialistischen Horrorsystems: Zahngold aus den Massenvernichtungslagern.
Bild 092_13 + 092_14/Die US-Armee suchte auch in anderen unterirdischen Depots nach den Schätzen der Nazis.
Harry Ettlinger gehörte zu jenen Soldaten, die nach Kunstwerken fahndeten: den „Monuments Men“. Sie suchten unter anderem im Salzbergwerk Kochendorf bei Heilbronn. Dort machte Ettlinger am 3. Mai 1945, kurz vor Ende des Kriegs also, einen spektakulären Fund: ein Gemälde von Rembrandt. Das Selbstbildnis des niederländischen Barockkünstlers gehörte zu den wertvollsten Funden in dem Bergwerk.
„Wir erkannten, dass dieses Gemälde eines der berühmtesten Werke in den Bergwerken war“, sagt Ettlinger. „Es stammte aus der Kunsthalle aus Karlsruhe“. Als er noch in Karlsruhe lebte, durfte er den Rembrandt nicht sehen. Als Jude durfte er zu der Zeit überhaupt kein Museum besuchen. Und plötzlich stand er vor dem Original.
Ettlinger war in Karlsruhe geboren worden. Er floh mit seinen Eltern 1938 in die USA. Sechs Jahre später, er war 19, wurde er in die US-Armee eingezogen. Er kam nicht in die kämpfende Truppe, sondern half bei Übersetzungen und bei der Suche nach den Raubgütern der Nazis. „Wir sollten dafür sorgen, dass alles dahin zurückkehrte, wo es herkam“, sagt Ettlinger.
Es konnte sich nur um Offiziere handeln, die so eine Plünderung vornehmen können
(Willi Korte, Historiker)
Als die Funde aus Kochendorf abtransportiert wurden, kamen drei Lkw abhanden. Das passierte öfter. Auch Teile des Domschatzes von Quedlinburg verschwanden bei Kriegsende. In Gold und Elfenbein verpackte Reliquien, kunstvoll eingebundene Evangelien, die Schatzkästlein Heinrichs des Ersten und der elfenbeinerne Bartkamm des Königs. Das alles gehörte zu den wertvollsten Kunstgegenständen Deutschlands.
Hort des deutschen Königsschatzes ist die Stiftskirche in Quedlinburg. Um ihn vor Bombenangriffen zu schützen, war der Schatz 1943 in einer Höhle unter der Altenburg versteckt worden. Die vorrückende US-Armee entdeckte das Depot später und stellte es unter strengste Bewachung. Kurze Zeit später war ein grosser Teil weg.
Der Historiker und Kunstforscher Willi Korte nahm nach der Wende die Suche nach dem Schatz auf. Den Dieb, da war er sicher, musste er unter den amerikanischen Bewachern suchen. „Ich habe mir die Mitglieder dieser US-Einheiten notiert und bin immer davon ausgegangen, dass es sich nur um Offiziere handeln konnte, die so eine Plünderung vornehmen können“.
„Er hatte ein Paket unter dem Arm“
Seine Suche führte Korte schliesslich über den Atlantik nach Texas. Von dort aus wurden immer wieder Teile aus dem Schatz verschiedenen Auktionshäusern angeboten. Die Spuren endeten in der Kleinstadt Whitewright. Den entscheidenden Tipp gab ein US-Veteran. Eines Tages hatte er einen ehemaligen US-Offizier beobachtet, wie der aus einer Höhle kam: „Er hatte ein Paket unter den Arm geklemmt, das er im Jeep versteckte. So hat er den Schatz gestohlen“.
Der US-Oberleutnant Tom Joe Meador, damals 28 Jahre alt, war ein Kunstkenner. Der Domschatz war nicht seine erste Kriegsbeute, die er per Feldpost ins heimische Texas versandte. Mal waren es Gemälde, dann Silber oder Porzellan. Sein Bruder rechtfertigte das Verhalten später: „Wir waren damals beide in der Armee. Und wenn ein paarmal auf einen geschossen wurde, nimmt man eben alles mit, was so rumliegt“.
Um den nicht mehr vollständigen Domschatz entbrannte später ein Rechtsstreit zwischen der Domgemeinde und den Nachkommen von Joe Meador. Am Ende kaufte man den unrechtmässigen Erben aus Texas den geraubten Schatz ab: für drei Millionen Dollar Lösegeld, bezahlt an die Nachkommen eines US-amerikanischen Offiziers.
Der Hüter des väterlichen Schatzes

Im November 2013 machte der Fall eines Münchner Kunstsammlers weltweit Schlagzeilen. Sein Name: Cornelius Gurlitt. Über viele Jahre hinweg hatte der Sohn und Erbe des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt 1’500 zum Teil sehr wertvolle Gemälde und Zeichnungen in seiner Wohnung gelagert. Er flog auf, weil er auf einer Zugfahrt von Zürich nach München unterwegs 9’000 Euro in bar bei sich hatte. Das hatte die Behörden, eigentlich auf Geldwäsche spezialisiert, misstrauisch gemacht. Einen Gesetzesbruch konnten die Strafverfolgungsbehörden dem alten Mann später nicht nachweisen. Doch der Fall löste eine leidenschaftlich geführte Debatte über die Raubkunst der Nazis aus.
Hildebrand Gurlitt war einer von vier Kunsthändlern, die von den Nazis damit beauftragt wurden, sogenannte Entartete Kunst zu verscherbeln. Das Reich wollte Devisen, die Händler bekamen 25 Prozent Provision. Untereinander verständigte sich das kleine Kartell darauf, dass bei Auktionen jeder der vier nur für bestimmte Bilder mitbot, sodass die Preise zum Teil lächerlich gering blieben. Gurlitt war derjenige, der sich auf preiswerte grafische Arbeiten konzentrierte.
Insgesamt war der Kunsthandel in Nazideutschland ein schmutziges Geschäft, an dem sich Kunsthändler und Auktionshäuser ebenso wie private Sammler beteiligten. Oft wurde die Herkunft von der Gestapo beschlagnahmter Bilder verheimlicht. Schamlos wurde die Notlage von Naziopfern ausgenutzt, die versuchten, ihre Kunstschätze zu verkaufen, um dem Horror zu entfliehen.
„Dass ich an den Bildern verdiente, scheint mir nichts, was ich wieder gutzumachen hätte“, gab Hildebrand Gurlitt nach dem Krieg zu Protokoll.
Die Alliierten glaubten ihm, „der vom Verfolgten des NS-Regimes zu dessen Kollaborateur geworden war“, wie der Autor und Kunstexperte Stefan Koldehoff schreibt: „Gurlitt erhielt bis auf die im Ausland erworbenen und zwei weitere, bei denen die Herkunft nicht restlos geklärt werden konnte, alle Werke zurück“. Dann vererbte er sie seinem Sohn.
Die deutschen Auktionshäuser, zum Teil tief verstrickt in die Machenschaften, gaben sich nach dem Krieg nicht allzu grosse Mühe, die Vorgänge während der Naziherrschaft aufzuklären. Das Auktionshaus Neumeister in München ist eine Ausnahme. Es versteigert heute alte und moderne Kunstobjekte.
Rudolf Neumeister übernahm 1958 das Auktionshaus Weinmüller, das in der Nazizeit mit Kunst gehandelt hatte. Die heutige Inhaberin wollte die Vergangenheit aufarbeiten. Im Frühjahr 2013 machte die mit der Sache beauftragte Provenienzforscherin Meike Hopp eine ungewöhnliche Entdeckung: die verloren geglaubten Auktionsbücher von Adolf Weinmüller, der auch das Eigentum jüdischer Sammler versteigert hatte. Sie enthielten genaue Aufstellungen über Einlieferungen und Verkäufe. Eine wertvolle Quelle für die Kunsthistorikerin Hopp. Nun lässt sich die Herkunft der Bilder, mit denen Weinmüller damals handelte, aufklären.
„Hier haben wir zum Beispiel eine Liste von drei Gemälden, die von der Gestapo eingeliefert wurden“, sagt Hopp, während sie in den verstaubten Unterlagen blättert. „Wir haben die Namen der Käufer und die Preise, die die Objekte auf den Auktionen erzielten, zum Beispiel eine Liste von 1941. Ein ,Michaelis‘ zum Beispiel kaufte im Auftrag von Martin Bormann: ein klarer Fall, dass Objekte von der Gestapo eingeliefert und dann von der NS-Elite wieder gekauft werden“.
Heute führt Neumeisters Tochter Katrin Stoll das Haus. Sie wollte die Weinmüller-Vergangenheit aufarbeiten. „Mir ging es um meine Verantwortung hier im Auktionshaus“, sagt Stoll. Sie gab sämtliche Unterlagen für die Forschung frei: ein bisher einzigartiger Schritt im diskreten Auktionsgewerbe. In der Online-Datenbank „Lostart“ wurden innerhalb weniger Monate alle Objekte registriert, die oft unfreiwillig und unter Wert verkauft wurden.
Darunter befanden sich einige Zeichnungen, die von Michael Berolzheimer eingeliefert wurden. Der jüdische Sammler musste 1938 ins Exil fliehen. Seine Zeichnungen wurden in Abwesenheit zwangsversteigert.
Auch die Kunsthalle Bremen erwarb damals mehrere Objekte, unter anderem eine Zeichnung des italienischen Malers Lodovico Carracci aus dem 17. Jahrhundert. „Für diese Zeichnung hat die Kunsthalle damals 40 Reichsmark bezahlt“, hat Kunstforscherin Hopp herausgefunden, „dieser Preis ist natürlich heutzutage unvorstellbar“. Die Kunsthalle Bremen hat die Erben inzwischen entschädigt – 77 Jahre danach.
Der Nibelungen-Hort Joachim von Ribbentrops
Insgesamt 35’000 Datensätze sollen nun der Reihe nach ausgewertet werden. Das wird Jahre dauern. Und Weinmüller ist nur ein Fall von vielen. Hopp sagt: „Es gab viele Auktionshäuser, die genauso gehandelt haben wie Weinmüller“. Bis heute taucht Raubkunst im Handel auf. Auch bei Neumeister wurden noch in den 70er-Jahren Werke aus der Sammlung Göring verkauft. Heute prüft Händlerin Katrin Stoll alle Werke, die ihr angeboten werden, auf ihre Herkunft. Im Zweifel lehnt sie ab.
Raubkunst, ungelöste Rätsel. Der Goldschatz des Nazi-Aussenministers Joachim von Ribbentrop, der sogenannte Nibelungen-Hort, gehört zu den berühmten Fällen. Ribbentrop hatte jede Menge Reichsmark in Goldwerten beiseitegeschafft, wohl um nazifreundliche Gesinnungsgenossen oder Spione im Ausland zu finanzieren. Jedenfalls berichtete Ministerialdirigent Josef Schwager nach dem Krieg gegenüber den Alliierten, „nach der Niederwerfung Frankreichs“ habe er den Auftrag erhalten, „von der Reichsbank Gold im Werte von 25 Millionen Reichsmark zu übernehmen“. Die Reichsbank habe im Auftrag Ribbentrops „in Barren und englischem Münzgold in 1’000-Sovereign-Säcken“ geliefert.
Es liess sich rekonstruieren, wo ein Teil der Millionen hinfloss. So erinnerte sich Schwager „an grössere Summen, Madrid fünf Millionen, Ankara drei Millionen, Stockholm zwei Millionen“. Er meinte die deutschen Konsulate und Niederlassungen in den Städten. Weitere Zahlungsorte seien die Vertretungen in Bern, Lissabon, Kabul und Agram – heute: Zagreb – gewesen.
Wie panisch die Nazis in den letzten Kriegstagen versucht hatten, ihre Schätze in Sicherheit vor den Alliierten zu bringen, zeigen Verhöre, die der stellvertretende US-Hauptankläger Robert Kempner Ende der 40er-Jahre beim Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher führte.
Ich hatte nur mit fünf Millionen Gold zu tun … Das Gold war so schlecht verpackt, dass es beim Ausladen plötzlich Goldmünzen regnete
(Maria May, Ribbentrop-Vertraute)
Die Untersuchung, sagte er, sei besonders schwierig gewesen, weil der geheime Goldschatz vor Kriegsende „in alle Richtungen der Windrose“ verlagert worden sei und die Kassenbücher vernichtet worden seien. Eine Spur immerhin fand sich.
Die Ribbentrop-Vertraute und weltweit anerkannte Textildesignerin Maria May gab gegenüber Kempner zu, Ribbentrop-Gold in den letzten Kriegstagen nach Schleswig-Holstein gebracht zu haben. So jedenfalls erinnert sich Kempner. Was er zu diesem Transport von May wissen wollte, steht in Protokollen.
Kempner: „Und die fünf Millionen Gold?“
May: „Die sind raufgekommen nach Heiligenstedten. Es war so schlimm, dass die ganze Bevölkerung davon erzählte, und zwar die fürchterlichsten Dinge. Ausserdem unterhielten sich verschiedene Damen darüber, was sie nun machen sollen … Ich hatte nur mit fünf Millionen Gold zu tun, das nach Heiligenstedten in Schleswig-Holstein gebracht werden musste. Das war schwer genug. Das Gold war so schlecht verpackt, dass es beim Ausladen plötzlich Goldmünzen regnete. Es war ein unmöglicher Zustand. Die Kinder spielten mit Goldstücken“.
Der Verdacht liegt allerdings nahe, dass May schon vorher für Ribbentrop aktiv war.
Im Gespräch mit Kempner gibt sie an, während der NS-Zeit nach Spanien, Frankreich, Italien und Stockholm gereist zu sein. Jenen Orten also, von denen der Ministerialdirigent Schwager sagte, dorthin habe Ribbentrop Geld bringen lassen.
Die Kempner-Verhöre ergaben noch eine weitere Spur. Ein ehemaliger Ministerialdirektor des Auswärtigen Amtes sagte aus: „Drei Tonnen Gold waren nach Thüringen ausgelagert worden und kamen im März 1945 nach Liebenau bei Friedrichshafen zu einer Ausweichstelle des Auswärtigen Amtes“. Von dort seien eine Tonne nach Füssen, sechs Zentner nach Lindau, rund 14 Zentner per Kurier nach Bern gebracht worden und 6,3 Zentner auf Ribbentrops Schloss Fuschl bei Salzburg. Von dort sei es später in den Harz transportiert worden und dann den Amerikanern in die Hände gefallen.
Das Geld der Nazis im Ausland. Die einen wollten sich ein angenehmes Nachkriegsleben finanzieren, mit neuer Identität. Andere glaubten wohl immer noch an den Endsieg. Das legen zumindest Dokumente aus der Schweiz nahe. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Geheimtreffen, das im August 1944 im Hotel „Maison Rouge“, Strassburg, stattfand.
Dort sassen Spitzenvertreter der deutschen Industrie und der Banken mit Schweizer Bankiers zusammen. Drei Monate später steckte ein Informant der Schweizer Bundesanwaltschaft, was da besprochen wurde. Es sei geplant, „im neutralen Ausland finanzielle Rücklagen zu bilden“.
Plötzlich gibt es wieder eine Spur
Tatsächlich sollen in den letzten Kriegsmonaten auffällige Bewegungen in die Schweiz festgestellt worden sein. Postwagen mit Bargeld und Wertschriften, die nach Davos geschickt wurden, angeblich begleitet von deutschen Polizisten. Die Amerikaner berichteten, Vertrauensleute Görings seien „mit Diplomatenpässen in die Schweiz“ gekommen und hätten bei verschiedenen Banken Geld angelegt. Und ein Informant berichtete der Schweizer Nationalbankdirektion, 400 Millionen Franken seien in die Schweiz verschoben worden, ein grosser Teil davon sei noch in der Schweiz.
Zudem schickten Deutsche regelmässig Pakete ins Land, die als Zollpapiere deklariert waren, aber prall gefüllt waren mit Banknoten. Die Schweizer Oberzolldirektion befürchtete die Gründung einer NS-Widerstandsorganisation in der Schweiz. Sie verlangte Aufklärung. Auch die Amerikaner wollten wissen, wo das Nazigeld geblieben war. Viel haben sie nicht herausgefunden.
Nun, Jahrzehnte später, gibt der Bankenombudsmann der Schweiz eine Neuerung bekannt. Plötzlich gibt es wieder eine neue Spur.
Unter Mitarbeit von Daniel Bäumler, Charlotte Krüger, Thilo Thielke
Hitler und die wichtigsten Helfer
(aus zeitklicks.de)
Hier sind die wichtigsten Figuren aufgelistet, die Hitlers Pläne in die Tat umsetzten und ihm halfen, seine Macht zu festigten. Sie schmiedeten die Pläne und Taktiken, ohne die Hitler das Verbrechen des Jahrhunderts niemals hätte begehen können. Sie halfen dabei, Richter und Bürokraten, das Militär und die Polizei, Wissenschaftler und Industrielle, Studenten und ihre Lehrer auf Kurs mit dem Regime zu bringen. Was waren das für Menschen? Was bewegte sie dazu, sich mit solchem Enthusiasmus und glühendem Eifer für einen verbrecherischen Staatsapparat einzusetzen? Wie verliefen ihre Karrieren und wie endete ihr Schicksal? Die Dokuserie beantwortet diese Fragen am Beispiel von acht Helfern Hitlers. Die Porträts dieser Adjutanten sind ein enthüllendes Psychogramm der „willigen Vollstrecker“ Hitlers.
Adolf Hitler – sein Weg zur Macht
Adolf Hitler wurde am 20. April 1889 in Braunau am Inn in Oberösterreich geboren. Die Schule hat er ohne einen Abschluss verlassen. Hitlers Vater starb, als er 14 Jahre alt war. Seine Mutter starb wenige Jahre später. Hitler hatte den Traum, in Wien Kunst zu studieren, denn die Malerei war sein wichtigstes Hobby. Allerdings wurde er an der Kunstakademie in Wien zweimal abgelehnt. Sein Talent reichte für eine Aufnahme nicht aus. Hitler besass somit keine Ausbildung und schlug sich erst einmal durch. Nach dem Tod seiner Eltern verfügte er über ein bisschen Geld, das allerdings auf die Dauer nicht reichte. So musste er in Heimen für Obdachlose wohnen.
Hitlers Judenhass
Mit nationalem Gedankengut hatte er sich schon in der Schule beschäftigt. Es heisst, ein Geschichtslehrer hätte auf ihn grossen Einfluss genommen. Aus dieser Zeit stammte wohl auch sein Hass auf Juden. Antisemitismus war zu dieser Zeit auch in Österreich weit verbreitet. Hitler kam ebenfalls in Kontakt mit der Alldeutschen Bewegung, die ebenfalls antisemitisch eingestellt war.
Hitler als Kriegsfreiwilliger
Kurz vor dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1913 zog Hitler nach München und meldete sich bei Ausbruch des Krieges als so genannter Kriegsfreiwilliger. Während des Krieges zog er sich mehrfach schwere Verletzungen zu. Trotzdem schätzte Hitler das Militär und blieb bis 1920 bei der Reichswehr.
DAP und NSDAP
Er lernte die Deutsche Arbeiterpartei kennen (DAP) und freundete sich mit deren Gedankengut an. Die DAP war antidemokratisch und verbreitete Hass auf Juden und Marxisten. Gleichzeitig lehnte sie den Vertrag von Versailles komplett ab. Schon jetzt wurde Hitlers Rednertalent deutlich. Im Februar wurde die Partei der DAP in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenannt und Hitler zum Führer dieser Partei.
Umsturzversuch
Hitler plante einen Umsturzversuch in München und wurde wegen Hochverrates angeklagt. In der Festungshaft schrieb er all seine Ideen und Vorstellungen in einem Buch namens „Mein Kampf“ auf. Die fünfjährige Haftzeit wurde verkürzt und Hitler kam schon 1924 wieder frei, um im Anschluss mit der Propaganda für seine Partei die NSDAP zu beginnen. Doch diese kam bei der Reichstagswahl 1928 nur auf einen geringen Stimmenanteil von 2,6 Prozent. Doch nutzte sie die Weltwirtschaftskrise und gewann an Wählern hinzu. Letztlich kam es dazu, dass am 30. Januar 1933 Reichspräsident Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte. Zuvor hatte die NSDAP bei den Reichstagswahlen im November 1932 mit 33,1 Prozent die Mehrheit der Stimmen erreicht.
Beginn der Diktatur
Damit begann in Deutschland die Diktatur der Nationalsozialisten unter Adolf Hitler. Adolf Hitler schaltete in einem kurzen Zeitraum alle wichtigen Organisationen gleich. Er und seine Helfer kontrollierten nun alle wichtigen politischen und gesellschaftlichen Einrichtungen. Diese Diktatur sollte bis 1945 dauern.
Das in Hitlers Jugend gewonnene Menschenbild und vor allem der Hass auf die Juden prägten seine Politik. Seine Vorstellungen von „Rasse“ sowie von „werten und unwerten“ Leben führten zur Ermordung der Juden, die zu millionenfachen Opfern wurden. Ebenso verfolgt wurden alle, deren Menschenbild sich von Hitlers Zielen unterschied, weil sie zum Beispiel eine Demokratie wünschten. Hitler regierte natürlich nicht allein, viele Helfer unterstützten ihn bei seiner Politik. So konnte er Deutschland letztlich in den Zweiten Weltkrieg führen, der mehr als 55 Millionen Menschen das Leben kostete.
Heinrich Himmler – „der Germane“
Heinrich Himmler wird auch als „Architekt des Völkermordes“ bezeichnet, eine nicht ganz treffende Bezeichnung. Doch als Reichsführer SS und gleichzeitig Chef der deutschen Polizei war er mit verantwortlich für den Völkermord an den Juden, für den Holocaust. Nur Hitler besass im nationalsozialistischen Deutschland mehr Macht als Heinrich Himmler.
Zum Zeitpunkt der Machtübernahme war Himmer 33 Jahre alt. Er wurde 1900 in München geboren und seine Familie war sehr katholisch. Immer wieder kam die Frage auf, wie ein Mensch, der aus einem doch gebildeten Elternhaus stammte, sich zu einem so grausamen Massenmörder entwickeln konnte. Eine Antwort auf diese Frage wird es wohl nicht geben.
Himmler begeisterte sich schon sehr früh für alles Militärische
Mit 17 Jahren brach er die Schule ab und ging zum Militär. Soldatsein war schon immer sein Traum. An die Front im Ersten Weltkrieg kam er allerdings nicht. Himmler studierte als junger Mann Landwirtschaft und Volkswirtschaft, kam aber auch schon sehr früh zur nationalsozialistischen Ideologie. Ab 1922 näherte er sich dem nationalsozialistischen Gedankengut immer mehr an und trat 1923 in die NSDAP ein. Schon hier zeigte sich, wie radikal er sein konnte. Er beteiligte sich am Putschversuch Hitlers 1924. 1925 trat er der SS bei und vier Jahre später wurde er mit 29 Jahren schon Reichsführer SS. Schon damals war er ein fanatischer Antisemit.
Nach der Machtübernahme durch Hitler übernahm Himmler erst einmal das Amt eines Chefs der Polizei in Bayern. Er war auch verantwortlich für die Eröffnung des Konzentrationslagers in Dachau im März 1933, in das in erster Linie politische Gegner des NS-Staates eingeliefert wurden. Viele fanden hier den Tod. An der Ausschaltung des SA-Chefs Ernst Röhm 1934 war Heinrich Himmler ebenso beteiligt. Hitler wusste, dass er sich auf Heinrich Himmler verlassen konnte. 1936 war er Chef der gesamten deutschen Polizei. Himmler zeigte sich immer wieder als so genannter Perfektionist, das heisst, alles, was er tat, tat er sehr genau.
Das Germanentum war für Heinrich Himmler sehr wichtig
Heinrich Himmler interessierte sich sehr für das Germanentum und den Germanenkult, also die Verehrung alles Germanischen. Er suchte nach den Wurzeln des Deutschtums und entwickelte eine grosse Sehnsucht nach einem grossen herrlichen germanischen Reich. Der Nationalsozialismus sollte die Deutschen zu ihrem wahren germanischen Wesen zurückführen.
So plante er auch die Konzentrations- und die Todeslager ganz genau. Er war wesentlich mitverantwortlich am Mord an der jüdischen Bevölkerung in Europa.
Himmler entzog sich nach seiner Gefangennahme durch britische Soldaten durch Selbstmord. Ihm fehlte bis zu seinem Ende die Einsicht, schlimme Verbrechen begangen zu haben. Darin unterschied er sich nicht von den anderen Nationalsozialisten, die wichtige Stellungen einnahmen.
Heinrich Himmler benannte den Mord an den Juden
In der folgenden Rede, die Heinrich Himmler am 4. Oktober 1943 vor seinen SS-Offizieren in Posen hielt, sprach er offen über die „Ausrottung“ der Juden. Die Rede ist auch als „Posener Rede“ bekannt. Es wird klar, dass er den Mord an der jüdischen Bevölkerung offen aus- und ansprach. Er selbst sah das auch noch als „Heldentat“ der Deutschen. Diese Rede hielt er vor seinen Offizieren, nicht vor der deutschen Öffentlichkeit, die letztlich davon nichts erfahren sollte.
Rudolf Hess: Verehrung pur
Strenger Vater und ungeliebter Beruf
Geboren wurde Rudolf Hess 1894 in Ägypten. Diese Tatsache förderte allerdings wenig die Weltoffenheit des späteren Nationalsozialisten. Englisch lernte er nicht – obwohl Ägypten zum Zeitpunkt seiner Geburt unter englischer Verwaltung stand. Seine Bildung erhielt er über einen Hauslehrer, der ihn und seinen Bruder unterrichtete.
Es heisst, dass sein Vater ziemlich streng gewesen sei und Rudolf und sein Bruder fürchteten ihn sehr. Sein Vater wollte unbedingt, dass der junge Rudolf den Beruf eines Kaufmanns ergreifen sollte. Um dem ungeliebten Beruf zu entgehen, meldete Hess sich freiwillig im Ersten Weltkrieg zum Kriegsdienst an und begeisterte sich für den Krieg bis zum Kriegsende. Wie viele andere verurteilte er den Vertrag von Versailles.
Erster Kontakt zu den Nationalsozialisten
Nach dem Krieg begann Rudolf Hess in München zu studieren und kam zum ersten Mal auch mit nationalistischen Kreisen in Kontakt. Er lernte Ernst Röhm und Heinrich Himmler kennen. 1920 traf er zum ersten Mal Adolf Hitler, den er von Anfang an verehrte. Aufgrund seiner Begeisterung für Hitler legte er auch den Grundstein für den späteren Führerkult, die kritiklose Verehrung von Adolf Hitler. Dieser Kult ging wohl so weit, dass selbst überzeugte Nationalsozialisten sich abwandten, weil ihnen diese Form von Verehrung zu weit ging.
Haft in Landsberg gemeinsam mit Hitler
Gemeinsam mit Hitler sass Rudolf Hess nach dem Hitlerputsch 1923 in Haft in Landsberg. Dort diktierte ihm Hitler sein Werk „Mein Kampf“. Hier entstand wohl eine enge Bindung zwischen den beiden, wodurch Hess zu einem der wichtigsten Vertrauten Adolfs Hitlers wurde.
Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war Hess zunächst Reichsminister ohne einen Geschäftsbereich und wurde zum Obergruppenführer der SS ernannt. Bei der Entmachtung der SA und ihres Stabschefs Ernst Röhm war Hess beteiligt. Ab 1935 wurde er Stellvertreter des Führers. Daran zeigte sich, wie sehr ihn Hitler schätzte.
Hess unterschrieb die meisten der Verordnungen, die das Leben der Juden in Deutschland betrafen.
Hess in England
Am 10. Mai 1941 tat Rudolf Hess etwas sehr Ungewöhnliches. Er flog mit einem Flugzeug nach England, um mit den Engländern über den Frieden zu verhandeln. Ob er dies aus eigenem Antrieb getan hat – was wahrscheinlich ist – oder mit Wissen von Adolf Hitler, war bei den Historikern lange Zeit umstritten. Heute geht man davon aus, dass Hess die Engländer zu Verbündeten machen wollte, so wie es Hitler ursprünglich geplant hatte, um mit England gemeinsam gegen die Sowjetunion vorzugehen.
Hitler selbst fand den Alleingang seines Stellvertreters wohl nicht gut. Hess wurde von den Engländern in Haft gesetzt und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Hess einer der Angeklagten der Nürnberger Prozesse, in denen sich die wichtigsten Kriegsverbrecher ihrer Verantwortung stellen sollten.
Joseph Goebbels – der Hetzer
Joseph Goebbels war neben Heinrich Himmler einer der Helfer Hitlers, der am meisten Einfluss ausübte. Auch war er ein enger Vertrauter Hitlers und das begeistertste Mitglied aus dem engen Kreis um Hitler. Er erlangte mit Hilfe der Medien die grösste Macht über die deutsche Bevölkerung.
Goebbels und der Führerkult
Goebbels erfand den Führerkult. Für Goebbels war Hitler eine verehrenswerte Persönlichkeit. Hitler wiederum schätzte Goebbels als Propagandaminister, als Freund hat er ihn aber wohl nie gesehen.
Menschenhass
Joseph Goebbels wurde 1897 geboren, er stammte aus einfachen Verhältnissen. Als Kind war er krank und musste mit einem gelähmten Fuss leben. Schon sehr früh begann er, Menschen zu hassen und Rache dafür zu üben, dass er in seiner Kindheit oft verlacht und gehänselt wurde. Mitleid war Joseph Goebbels völlig fremd.
Dr. Goebbels
Joseph Goebbels studierte Literatur und Geschichte und erwarb sogar den Doktortitel. Früh schloss er sich der Partei Hitlers, der NSDAP, an und machte innerhalb der Partei schnell Karriere. Er gründete sogar eine NS-Propagandazeitung, die „Der Angriff“ hiess. Damals versuchte er vor allem gegen den Polizeipräsidenten Berlins, Bernhard Weiss, zu hetzen, der Jude war.
Werbekampagne
Das „Dritte Reich“ war für Goebbels eine Werbekampage, die er persönlich in Szene setzte. Ziel war, den Deutschen Gehorsam ihm und dem Führer gegenüber beizubringen. Schon zwischen 1930 bis 1932 lag seine Aufgabe darin, die Bevölkerung von der NSDAP zu überzeugen. Goebbels wurde nach der nationalsozialistischen Machtübernahme Leiter des „Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda“.
Verheiratet war er mit Magda Goebbels. Mit ihr gemeinsam lebte er das Beispiel einer guten deutschen Familie im Sinne der Nationalsozialisten. Die beiden hatten mehrere Kinder. Goebbels leitete auch den deutschen Film und wer sich ihm wiedersetzte, hatte keine Chance mehr, im NS-Staat künstlerisch Erfolg zu haben.
Er mordete mit Worten
Goebbels mordete mit Worten, er sorgte für die Bereitschaft der Deutschen, gegen die Juden einzuschreiten. Darin sah er sogar seine persönliche Mission. Er sprach offen aus, dass die Juden vernichtet werden sollten und billigte Hitlers Plan. Das Judentum war für Joseph Goebbels eine „ansteckende Krankheit“ und eine Bedrohung fürs deutsche Volk.
„Wollt ihr den totalen Krieg?“ Diese Frage stellte Joseph Goebbels im Sportpalast und die Menge antwortete ihm begeistert mit „Ja“. Dem brüllenden und schreienden Goebbels jubelte das deutsche Volk zu. Ohne ihn und seine Inszenierungen, seine Aufmärsche, Kampagnen, Hetzen und Reden hätte Hitler niemals den Erfolg gehabt, die deutsche Bevölkerung derartig zu begeistern.
Martin Bormann – die Nummer 2
Martin Bormann wurde 1900 geboren. Schon ab 1920 war er Mitglied in einem Verband, der sich „Verband gegen die Überhebung des Judentums“ nannte. 1924 musste er ein Jahr ins Gefängnis, weil er gemeinsam mit einem weiteren bekannten Nationalsozialisten Rudolf Höss – nicht zu verwechseln mit Rudolf Hess! – seinen ehemaligen Lehrer umgebracht haben soll.
Aufstieg in der NSDAP
1927 trat Bormann der NSDAP bei und nahm ab 1928 auch in der SA eine wichtige Rolle ein. Als er 1929 heiratete, war Adolf Hitler einer seiner Trauzeugen. Im Gegenzug war Bormann später Trauzeuge, als dieser im Führerbunker Eva Braun kurz vor seinem Selbstmord heiratete. Schritt für Schritt arbeitete sich Martin Bormann in der NSDAP vor.
Der mächtigste Mann gleich nach Hitler
Von 1933 bis 1941 wurde Bormann persönlicher Sekretär des Hitler-Stellvertreters Rudolf Hess und durfte auch Hitlers Vermögen verwalten. Er führte eine Stiftung ein, welche der deutschen Wirtschaft möglichst viel Geld zu vermitteln hatte. Da Rudolf Hess sich 1941 nach England absetzte, wurde Bormann Leiter der neu geschaffenen Parteikanzlei. Somit war er – wenn auch nicht offiziell – der mächtigste Mann nach Hitler im gesamten Deutschen Reich. Er konnte zum Beispiel entscheiden, wer mit dem Führer sprechen und ihm sein Anliegen vortragen durfte. Ab 12. April 1943 war er dann auch offiziell der „Sekretär des Führers“. Seine einflussreiche Stellung nutzte Bormann auch aus.
Er trug den Spitznamen „braune Eminenz“. Beliebt war er bei niemandem, nur Adolf Hitler hielt grosse Stücke auf seinen engsten Vertrauten. Da alle anderen ja auch „beste Freunde“ mit Hitler sein wollten, war er für sie ein Konkurrent. Bormann blieb bis zu Hitlers Tod bei ihm.
Er starb am 2. Mai 1945, man vermutet beim Fluchtversuch aus Berlin. Seine Leiche wurde erst 1998 identifiziert.
Reinhard Heydrich – der Henker
Reinhard Heydrich trug auch den Beinamen „der Henker“.
Geboren wurde Reinhard Heydrich 1904 als Sohn eines Musikers. Er spielte schon als kleines Kind ein Instrument. Er genoss eine gute Erziehung und Ausbildung. Die Familie war sehr national eingestellt und er kam schon als Kind mit nationalen Ansichten in engen Kontakt. Mit 16 Jahren lernte er antisemitische Ideen kennen und übernahm diese. Er trat nach dem Schulabschluss am Gymnasium in die Reichsmarine ein, aus der er aber später ausgeschlossen wurde. 1931 lernte er Heinrich Himmler kennen und wurde Mitglied der NSDAP und auch der SS.
Heydrich war in der Partei der NSDAP sehr erfolgreich
1932 wurde Heydrich zum Leiter des Sicherheitsdienstes, einer Einrichtung, die der SS unterstand. Für Heinrich Himmler war er ein äusserst wichtiger Mitarbeiter. Heydrich machte im NS-Staat weiter Karriere, wurde Chef der bayerischen politischen Polizei und liess zur Abschreckung viele Häftlinge vor allem aus dem politischen Widerstand in das bayerische Konzentrationslager Dachau einweisen. 1936 war Heydrich der Leiter der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes für ganz Deutschland. 1939 wurde er dann Chef des Reichssicherheitshauptamtes, das man mit „RSHA“ abkürzte. Hier waren Gestapo, Kriminalpolizei und SD zusammengefasst.
Judenverfolgung
Reinhard Heydrich spielte eine wichtige Rolle bei der Verfolgung der Juden. Nicht ohne Grund trug er auch den Beinamen „der Henker“. Er war gemeinsam mit Heinrich Himmler für den Aufbau der Ghettos in Polen zuständig und ordnete Massendeportationen von Juden in den Osten an. Am 20. Januar 1942 leitete Heydrich die Wannseekonferenz, auf der es um die so genannte „Endlösung der Judenfrage“ – die Ermordung der europäischen Juden – ging.
Heydrich wurde am 4. Juni 1942 Opfer eines Attentats tschechischer Widerstandskämpfer. Aus Rache dafür zerstörten die Deutschen das tschechische Dorf Lidice, töteten die männlichen Bewohner und steckten Frauen und Kinder ins KZ, wo sie ermordet wurden.
Adolf Eichmann – der Pflichterfüller
Adolf Eichmann war für die Deportation der Juden zuständig. Und er erfüllte seine Pflicht „bestens“. Er galt als der „Fachmann für Judenangelegenheiten“ der SS. Die Verhaftungen und der Abtransport der Juden in die Vernichtungslager waren seine Aufgaben und er behauptete einmal, er hätte seine „Arbeit“ gerne getan. Er war, auch das sagte er selbst, davon überzeugt, dass das, was er tat, richtig gewesen sei. Seine Arbeit vor allem ordentlich, pflichtbewusst und wirksam zu erledigen, darin sah er persönlich seine wichtigste Aufgabe.
Adolf Eichmann wurde im Rheinland geboren, kam aber schon mit acht Jahren mit seiner Familie nach Linz in Österreich. 1932 wurde er Mitglied in der österreichischen NSDAP. Da die NSDAP allerdings zunächst in Österreich verboten wurde, zog er nach Deutschland um und trat der SS bei. Hier wurde er ausgebildet und schliesslich in den Sicherheitsdienst (SD) aufgenommen.
„Fachmann“ für Judenangelegenheiten
Er ging nach Berlin und arbeitete im so genannten Referat II 112, das war das Judenreferat des SD. Hier wurde er auch Spezialist zum Thema Juden und lernte sogar ein bisschen Hebräisch. Nach dem Anschluss Österreichs im März 1938 kam er nach Wien und war dort für die „Zentralstelle für jüdische Auswanderung“ zuständig. Diese Stelle erteilte übrigens auch die Genehmigungen für die Auswanderung der österreichischen Juden.
Da sich der NS-Terror in Österreich sehr viel schneller bemerkbar machte als in Deutschland – wir schreiben beim „Anschluss“ schon das Jahr 1938 – gab es viele Juden, die aus Angst auswanderten. 128’000 Juden verliessen binnen kurzer Zeit Österreich.
1939 übernahm Eichmann die Leitung der „Reichszentrale für jüdische Auswanderung“ in Berlin und wurde später zum wichtigsten Mann, der die Deportation der Juden in die Vernichtungslager plante und sie in die Ghettos steckte, in denen sie ebenfalls qualvoll sterben mussten.
Wannseekonferenz
Auf der Wannseekonferenz im Jahr 1942, auf der die Vernichtung der europäischen Juden beschlossen wurde, führte Eichmann das Protokoll. Eichmann floh nach dem Krieg zunächst nach Argentinien und wurde dort vom israelischen Geheimdienst aufgespürt. Man entführte ihn und machte ihm in Israel den Prozess.
Hermann Göring – der Brutale
Hermann Göring wurde 1893 in Bayern geboren. Er nahm nach Hitler in der Rangfolge der NSDAP die zweite Stelle ein. Während des Ersten Weltkrieges war er Jagdflieger, stieg rasch in der NSDAP auf, wurde Hitlers Stellvertreter und Chef der Luftwaffe. Er fiel während des Zweiten Weltkrieges in Ungnade.
Hermann Göring kam nach Hitler an zweiter Stelle
1922 lernte Hermann Göring Adolf Hitler kennen und trat der NSDAP bei, wobei Hitler ihm den Auftrag erteilte, die SA aufzubauen. Seit 1930 war er auch politischer Berater Adolf Hitlers. Nach Hitlers Machtübernahme wurde Göring zunächst Reichsminister ohne Geschäftsbereich. Dies bedeutete, dass er erst einmal keinen konkreten Aufgabenbereich besass. Er war massgeblich an der Gründung der Gestapo beteiligt und gemeinsam mit Heinrich Himmler kümmerte er sich um den Aufbau der ersten Konzentrationslager. Noch 1933 wurde er preussischer Ministerpräsident und im Mai ernannte ihn Hitler zum Luftfahrtminister.
Oberbefehlshaber der Luftwaffe
1935 wurde Göring Oberbefehlshaber der Luftwaffe. Göring war anders als Himmler oder Goebbels kein Antisemit, sondern sah in der NSDAP die Partei der Revolution. Er wirkte nach aussen hin lebensfroh, wusste das Leben zu geniessen, wirkte freundlich und konnte, so erzählt man, herzlich lachen.
Dahinter verbarg sich aber – wie bei allen anderen – ein grausamer Zug seiner Persönlichkeit. Er behandelte die Häftlinge in den Konzentrationslagern brutal und rücksichtslos, Mitleid kannte auch er nicht.
1936 war Hermann Göring für die Durchführung des Vierjahresplans zuständig. Mit Hilfe dieses Plans sollte die deutsche Wirtschaft auf den Krieg vorbereitet werden. Hitler ernannte Göring 1939 zu seinem Nachfolger. Allerdings konnte Göring die Bombenangriffe der Allierten auf deutsche Städte nicht verhindern und fiel während des Zweiten Weltkrieges in Ungnade.
Göring war schon sehr früh abhängig von Morphium. Morphium ist ein Rauschgift, das in die Abhängigkeit führt. Nachdem er seine Macht verloren hatte, stürzte er sich immer mehr in den Drogenkonsum. Er zählte nach 1945 mit zu den Hauptkriegsverbrechern in den Nürnberger Prozessen, wurde zum Tode verurteilt und beging, bevor das Urteil vollstreckt werden konnte, Selbstmord.
Baldur von Schirach – der Jugendliche
Baldur von Schirach wurde 1907 in Berlin geboren. Er hatte sicher nicht die Bedeutung und Macht wie ein Heinrich Himmler oder Joseph Goebbels, aber als Reichsjugendführer war vor allem sein Einfluss auf die Jugend während der NS-Zeit sehr gross.
Halbamerikaner
Sein Elternhaus verstand sich liberal, aber auch kaisertreu, er selbst wurde relativ frei erzogen, war äusserst gebildet und sehr sensibel. Seine Mutter kam aus Amerika und bis zu seinem fünften Lebensjahr sprach Baldu von Schirach nur Englisch. Dieser weltläufige Einfluss konnte nicht sehr prägend gewesen sein, denn schon auf dem Gymnasium schloss sich Baldur von Schirach dem Nationalsozialismus an. Mit gerade mal 20 Jahren war er innerhalb der Reichsleitung der NSDAP sehr bedeutsam.
Reichsjugendführer der NSDAP
Er war das Vorbild für die Jugend und er organisierte und steuerte die deutsche Jugend im Sinne der Nazi-Ideologie. Ab 1931 wurde er Reichsjugendführer der NSDAP. Er formte die Jugend, so wie sich das der Führer Adolf Hitler wünschte. Ab 1933 ernannte man ihn zum Jugendführer des Deutschen Reiches. Sein Plan war, Kinder so früh wie möglich im Sinne des Nationalsozialismus zu erziehen. So wurde eine Mitgliedschaft in der Hitlerjugend Pflicht. Auch die Einrichtung der Adolf-Hitler-Schulen gingen auf sein Betreiben zurück.
1941 wurde Baldur von Schirach Gauleiter und Reichsstatthalter von Wien. So war die Deportation der jüdischen Wiener Bevölkerung sein Aufgabengebiet. Darin sah er, wie er sich einmal persönlich geäussert hat, seinen Beitrag zur „europäischen Kultur“.