Seekrieg im Atlantik und Briefmarken
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Bezogen auf den Krieg in Europa
(Arnulf Scriba / Deutsches Historisches Museum, Berlin / 19. Mai 2015)
Während es nach der britisch-französischen Kriegserklärung an das Deutsche Reich am 3. September 1939 in einem „Sitzkrieg“ entlang der deutsch-französischen Grenze monatelang zu keinen nennenswerten Kampfhandlungen kam, setzte der Krieg zur See unmittelbar ein. Hauptaufgabe der deutschen Kriegsmarine unter Erich Raeder war die Bekämpfung der für das importabhängige Grossbritannien lebenswichtigen überseeischen Nachschubverbindungen. Durch Verminung britischer Seehäfen und Versenkung einer möglichst hohen Zahl gegnerischer Handelsschiffe sollte der Seeweg von Amerika nach Grossbritannien zu einer „Fahrt in den Tod“ werden. Tatsächlich erzielte die deutsche Kriegsmarine in den ersten beiden Kriegsjahren beträchtliche Wirkung, indem sie britische Kriegs- und Handelsschiffe mit mehreren Millionen Bruttoregistertonnen (BRT) versenkte.
Vor allem der deutsche U-Boot-Krieg gegen Konvois und Geleitzüge führte 1940 und 1941 zu schweren britischen Tonnageverlusten und zu zeitweiligen Versorgungskrisen in Grossbritannien. Eine Kontrolle der Schiffahrtsrouten und ein nahezu vollständiges Abschneiden der Britischen Inseln von Versorgungslieferungen konnte im Zweiten Weltkrieg jedoch nicht annähernd erreicht werden. Neben den U-Booten brachten deutsche Hilfskreuzer den Alliierten grosse Verluste bei. Die umgebauten schnellen Handelsschiffe täuschten im Atlantik, Indischen Ozean oder Pazifik alliierte und neutrale Schiffe mit falscher Flagge und verdeckten Kanonen. Auf Anweisung der deutschen Seekriegsleitung sollten aufgrund der Überlegenheit der britischen Flotte direkte Auseinandersetzungen deutscher Kriegsschiffe mit britischen vermieden werden. Der Verlust von drei Kreuzern und zehn Zerstörern im norwegischen Narvik im April 1940 hatte die hoffnungslose Unterlegenheit der deutschen Marine gegenüber der britischen noch weiter zuungunsten der Deutschen verändert. Die Briten hingegen suchten gezielt die direkte Konfrontation mit deutschen Kriegsschiffen, wobei aber auch die britische „Home Fleet“ schwere Verluste hinnehmen musste. Für die Deutschen waren die Verluste in Seegefechten aufgrund der geringeren Kapazitäten jedoch weitaus schwerwiegender. Vor allem die Versenkung des für unsinkbar gehaltenen grössten deutschen Schlachtschiffs „Bismarck“ 400 Seemeilen vor der französischen Atlantikküste am 27. Mai 1941 war für die Kriegsmarine ein nicht auszugleichender Verlust.
Ab 1942 verlangte auch der U-Boot-Krieg immer höhere Opfer, nachdem die Briten den deutschen Funkverkehr „Ultra“ entschlüsseln sowie mit neu entwickelter Sonar- und Radartechnik die Unterwasserboote orten und bekämpfen konnten. Dennoch gab Adolf Hitler im Januar 1943 dem Bau von U-Booten gegenüber Grosskampfschiffen den Vorzug. Ebenso wie Raeders Nachfolger Karl Dönitz erkannte auch Hitler im U-Boot-Krieg die einzige Möglichkeit, den Westmächten die Verlegung einer für die Invasion auf dem Kontinent benötigten Streitmacht von Nordamerika nach Grossbritannien zu verwehren. Nachdem jedoch allein in den ersten drei Maiwochen 1943 über 30 deutsche U-Boote versenkt wurden, brach Dönitz die „Atlantik-Schlacht“ am 24. Mai vorerst ab. Mit den alliierten Ortungsmöglichkeiten und der nahezu vollständigen Luftüberwachung der durch den Nordatlantik geführten Konvois durch Langstreckenflugzeuge und Geleitflugzeugträger standen die dramatisch steigenden Verluste der deutschen U-Boote in keinem Verhältnis zu ihren Erfolgen. Der Seekrieg spielte im weiteren Kriegsverlauf trotz immer wiederkehrender deutscher Versenkungserfolge keine entscheidende Rolle mehr. Bei der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 verfügte die Kriegsmarine mit einem Schweren und einem Leichten Kreuzer über nur noch zwei einsatzfähige Kriegsschiffe. Das Schlachtschiff „Gneisenau“ war im Februar 1942 durch einen Bombenangriff ausser Gefecht gesetzt, die „Scharnhorst“ im Dezember 1943 und die „Tirpitz“ im November 1944 durch die Briten versenkt worden. Die deutsche Niederlage im Seekrieg ermöglichte es der US-Armee ab 1943, gewaltige Mengen an Kriegsmaterial und hunderttausende Soldaten für die Landung in Sizilien sowie für die Invasion in der Normandie nahezu ungehindert über den Atlantik nach Nordafrika und Europa zu führen.
Die ungeheuren Mengen an Gütern durch das „Leih- und Pachtgesetz“ zur Unterstützung, vor allem an England und die Sowjetunion, mussten über weite Entfernungen über Land und über die Meere transportiert werden. Diese Transporte entsprechend zu schützen war oberstes Gebot, dafür wurde in den Jahren 1941 und 1942 das „Geleitzugsystem“ aufgebaut und perfektioniert.
Das erste moderne Geleitzugsystem führte die Kaiserliche Marine in der Ostsee bereits ab dem 7. April 1916 ein. Ursächlich hierfür waren die 1915 stark angestiegenen Verluste von Handelsschiffen, die das für die deutsche Rüstung unentbehrliche Eisenerz aus Schweden transportierten. Das Ansteigen der Verluste beruhte auf einer Intensivierung des U-Boots-Kriegs seitens der zaristischen russischen Flotte in Kooperation mit der Royal Navy: So verlegte die britische Marine im Laufe des Jahres 1915 fünf grosse U-Boote der E-Klasse in die Ostsee, während die Baltische Flotte bis zum Ausbruch der Oktoberrevolution insgesamt 18 U-Boote der modernen Bars-Klasse in Dienst stellen konnte. Die Effektivität des Geleitzugsystems zeigte sich bereits kurz nach dessen Einführung. So gingen die Verluste ab Juli 1916 drastisch zurück, während es den in Handelsschutzflottillen organisierten deutschen Streitkräften gelang, zwei U-Boote zu versenken und andere zu beschädigen. Die Teilnahme am deutschen System war für die Reedereien freiwillig, wurde jedoch nach einer kurzen Phase der Skepsis breit angenommen. Ergänzt wurde das System durch Abmachungen mit Schweden, in den dortigen Küstengewässern fahren zu dürfen resp. in diese bei Angriffen ausweichen zu können.
In beiden Weltkriegen war die Versorgung des Vereinigten Königreiches aus Übersee und insbesondere aus den USA von kriegsentscheidender Bedeutung. Neue Bedrohungen gegen die Schifffahrt gingen dabei insbesondere von U-Booten, von Flugzeugen, Hilfskreuzern und Seeminen aus.
Im April 1917 äusserte der Erste Seelord John Jellicoe mit Bezug auf den uneingeschränkten U-Boot-Krieg Deutschlands:

„Die Deutschen werden gewinnen, wenn wir diesen Verlusten kein Ende machen …“
Bis dahin hatten die Briten – möglicherweise unnötig – zwei Millionen Tonnen Schiffsraum verloren, da sie sich wegen eines vermeintlich zu langsamen Vorwärtskommens geweigert hatten, ein Geleitzugsystem anzuordnen. Bevor der spätere US-Präsident Herbert Hoover das Vereinigte Königreich verliess, um einen neuen Dienst anzutreten, bat ihn sein Freund Admiral William Sims, bei Woodrow Wilson darauf hinzuwirken, er möge auf die Schaffung eines Geleitzugsystems bestehen. 800.000 Tonnen pro Monat versenkten die Deutschen, weit mehr, als sich aus den amtlichen Zahlen erahnen liess; die Schifffahrt der Alliierten hätte damit im Dezember 1917 zum Erliegen kommen können.
Die Geleitzüge erwiesen sich dann im Ersten Weltkrieg als das wirksamste Verfahren, um Handelsschiffe gegen U-Boote zu schützen, basierend auch auf den Erfahrungen im Seekrieg des Ersten Weltkrieges). Die Geleitzüge waren in der Regel durch Kriegsschiffe bewacht; zudem trugen die Handelsschiffe häufig auch eigene Geschütze. Mit ihrer Hilfe gelang es den Gegnern Deutschlands ab 1917, ihre Schiffsverluste durch U-Boote erheblich zu senken. Gegen die Taktik der Geleitzüge entwickelte der deutsche Admiral Karl Dönitz, die bereits im Ersten Weltkrieg gelegentlich ausprobierte Rudeltaktik, die im Zweiten Weltkrieg lange Zeit erfolgreich war.
Die Schlacht der Handelsschiffe
(Von Alexander Rost / Die Zeit)
„Mit Fairness, viel Sachkunde und souveräner Beherrschung der Einzelheiten über Politik, Strategie, Taktik und Technik hat der Autor ein Kriegskapitel in erstaunlich lesenswerter Form beschrieben“, wurde in der ZEIT (s. Nr. 49/28. 11. 75) über Martin Middlebrooks, 1975 erschienenes Buch „Die Nacht, in der die Bomber starben“ geurteilt, über die exemplarische Schilderung eines Luftangriffs auf Nürnberg. Das gleiche gilt für „Konvoi“.
Martin Middlebrook ist ein Detektiv auf den Spuren des Krieges, im Aktendschungel, im Verhör der Augenzeugen, und arbeitet wie ein Anatom und Pathologe. Er seziert das Geschehen bis in jene Details, in denen, wie die Spruchweisheit sagt, Gott oder auch der Teufel sitzt. Kein anderes Sachbuch über den U-Boot-Krieg ist derart spannend und lehrreich und stimmt so nachdenklich wie diese grosse Reportage.
Berichtet wird über das, was der deutsche Rundfunk am 20. März 1943 nach den üblichen Fanfarenstössen als „die grösste Geleitzugschlacht aller Zeiten“ ausposaunte. Deutsche U-Boote, in den stärksten Rudeln, die es je gegeben hatte, waren im Nordatlantik auf zwei Konvois getroffen, die ziemlich dicht beieinander nach England fuhren. In drei Tagen glaubten sie, 32 Handelsschiffe mit insgesamt 186 000 BRT (Bruttoregistertonnen) und einen Zerstörer versenkt zu haben. Für die Rundfunksondermeldung wurde die Tonnagezahl auf 204 000 erhöht.
In Wahrheit waren 22 Schiffe mit 146 596 BRT untergegangen. Neunzig Torpedos wurden verschossen. Von den 378 Wasserbomben, die Geleitfahrzeuge und Flugzeuge warfen, wurde ein einziges. deutsches Boot mit 47 Mann getroffen und vernichtet. Die versenkten Schiffe hatten 1494 Besatzungsmitglieder und Passagiere; 372, darunter zwölf Passagiere, unter ihnen zwei Frauen und zwei Kinder, fanden den Tod.
Es war eine Schlacht, in der entschlüsselte Funksprüche der Gegner (die das nicht ahnten) eine Rolle spielten, der Geleitzug der Briten (und einiger Amerikaner) noch schwach und unerfahren war und in der, wenn nicht den U-Boot-Besatzungen, so ihrer Führung doch schon dämmern konnte, wie vergeblich aller „Einsatz“ blieb. 132 Schiffe, ein Teil in einer besonderen schnellen Gruppe, die gar nicht entdeckt wurde, erreichten ihre Häfen. Sie hatten ihre Schlacht gewonnen.
Bald darauf gab es keine Stelle auf dem Nordatlantik mehr, wo die deutschen U-Boote nicht von Flugzeugen bedroht waren, ihren gefährlichsten Feinden. Ein Vierteljahr nach Stalingrad, der Wende im Landkrieg, ging auch die gesamte Schlacht im Atlantik für die Deutschen verloren.
Die Konvoi – Nachschubrouten versorgten auch im Pazifik die Sowjetunion mit Kriegswichtigen Gütern. Zusätzlich wurden die alliierten Truppen im Krieg gegen Japan mit diesem Nachschubsystem versorgt. Natürlich wurden, im Gegenzug die Nachschubrouten der Japanischen Marine auf das heftigste bekämpft. In diesem Kampf wurden vor allem die alliierten U-Boote eingesetzt.
Die Atlantik-Schlacht um die Geleitzüge in Marken
(seemotive.de)
Allerlei Wissenswertes rund um die Versorgungskonvois in Verbindung mit den damals herausgegebenen Briefmarken.

In den dreissiger Jahren hatte Grossbritannien die grösste Handelsflotte der Welt. Sie betrug 6700 Schiffe. Aber die Abhängigkeit von den auf diesen Schiffen transportierten Gütern wurde in Kriegszeiten zur grossen Gefahr für England, wenn fremde Kräfte diese Flotte angriffen. Dies war im Ersten Weltkrieg der Fall und es wurde im Zweiten Weltkrieg noch schlimmer. Damit Grossbritannien versorgt werden konnte wurden Konvois zusammengestellt.

Die Frachtschiffe brachten Nahrungsmittel und Kriegsmaterial von den Vereinigten Staaten nach England und zum Kontinent. Um diese Geleitzüge tobte in den Jahren 1940 bis 1945 eine gigantische ‚Atlantikschlacht‘.

Die deutschen U-Boote schwärmten über den ganzen Nordatlantik bis zur Karibik aus und griffen einzelne Frachtschiffe und die Geleitzüge an. Diese Geleitzüge wehrten sich verzweifelt mit Fregatten, Zerstörern und Flugzeugen gegen die U-Boote. Im stürmischen Nordatlantik mit seiner eisigen Kälte starben auf beiden Seiten ca. 80.000 Seeleute von den Handels- und Kriegsschiffen.

Im März 1941 wurde im US Kongress der ‚Lend-Lease-Act‘ beschlossen (Leih- und Pachtgesetz). Dieses Gesetz ermächtigte den Präsidenten Roosevelt jedes Land zu unterstützen, dessen Verteidigung von vitalem Interesse für die Vereinigten Staaten war. Das war die Basis der amerikanischen Hilfe für Grossbritannien. Im Juli 1941 trafen Roosevelt und Churchill zusammen.
Sie erstellten eine Deklaration, die ‚Atlantic Charter‘ genannt wurde. In ihr wurden die gemeinsamen politischen Ziele beider Nationen festgeschrieben.
Die ‚Nazi Tyrannei‘ sollte beendet werden und allen Menschen der Friede gebracht werden. Auf der Marke ist dieses historische Treffen abgebildet. Es fand in der Argentia Bay vor Neufundland statt.

Ein See-Konvoi bestand aus 12 bis 40 Handelsschiffen, die von bewaffneten Einheiten geschützt wurden. Dieser Schutz bestand aus einigen Fregatten, Zerstörern, Korvetten und Flugzeugen. Im Zweiten Weltkrieg existierten über 200 Konvoi-Routen. 94 dieser Kurse wurden von den U-Booten angegriffen. Diese Routen waren mit Buchstaben und einige auch mit Ziffern bezeichnet. Der erste Buchstabe stand für den Abfahrtshafen oder Abfahrtsland, der zweite Buchstabe für das Zielgebiet. Ein dritter Buchstabe sagte etwas über die Geschwindigkeit, ‚F‘ – fast (schnell) und ‚S‘ – slow (langsam). Von England aus gesehen stand ein ‚H‘ für Home und ein ‚O‘ für Outward. Zum Beispiel bedeutete ‚HX‘ home from Halifax, ‚ONF‘ Outward to North America fast, ‚MKS‘ Mediterranean to UK slow (UK-United Kingdom).

Die wichtigsten und umkämpftesten Kurse waren die von Nordamerika nach England und von Nordamerika/England nach Murmansk. Zeitweise überquerten 12 Konvois mit über 20.000 Mann Besatzung den Atlantik. Die Geschwindigkeit der Konvois lag bei 7 bis 9 Knoten. Im Falle des Angriffs fuhren sie einen Zick-Zack-Kurs, um kein berechenbares Ziel zu bieten. Im Jahre 1940 lag der Importbedarf von Grossbritannien bei 43 Mio. Tonnen, danach bei 38 Mio. Tonnen. Diese Mengen mussten mit den Konvois herangeschafft werden. Das gelang in den Jahren 1940 bis 1942 nicht. In England wurde die Nahrung rationiert. Die kanadischen Marke links oben symbolisiert das Zusammenstellen der Handelschiffe zu Konvois. Die norwegische Marke rechts oben zeigt uns einen Konvoi in Fahrt mit einem Symbol für den norwegischen Widerstand.

Dieser Markenblock zeigt Momentaufnahmen von den atlantischen und arktischen Konvoys. Darunter eine Aussage von Winston Churchill, englicher Premierminister im 2. Weltkrieg: „The only thing that ever really frightened me during the war was the U-boat peril“. Das einzige, was mir während des Krieges wirklich Angst machte war die U-Boot-Gefahr.

Zum Schutz der Geleitzüge wurden Zerstörern, Fregatten, Korvetten, Sloops und Kutter eingesetzt. (Marke links) Dazu kamen die Flugzeuge und die Unterstützung von den Landstationen. Zur wichtigsten technischen Ausrüstung gehörte das ASDIC Gerät mit deren Schallwellen man die U-Boote unter Wasser orten konnte (benannt nach dem Anti Submarine Detection Investigation Committee). Die Reichweite betrug 1400m.

Die Begleitschiffe eines Konvois wurden so um die Frachtschiffe positioniert, dass die Reichweite ihrer ASDIC Geräte einen Schutzschirm um den ganzen Konvoi legte. Diesen Sicherungsschirm mussten die U-Boote durchdringen. War ein U-Boot einmal geortet, wurde es von den schnelleren Fregatten und Zerstörern verfolgt und mit Wasserbomben eingedeckt.
Im Laufe des Krieges wurde dieses Gerät so verfeinert, dass man Torpedos orten und die Tiefe des getauchten U-Bootes ermitteln konnte.
Und es kam das Radar dazu, mit dem man sogar Seerohre entdecken konnte. Man konnte den Standort von U-Booten mit den High Frequency Direction Finder (HF/DF) ermitteln indem man ihre sendenden Funkanlagen anpeilen konnte.
Als Waffen hatten die Begleitschiffe Wasserbomben und ‚hedgehogs‘, Wurfmaschinen für 24 Projektile an Bord. Von Flugzeugen wurden Raketen und akustische Torpedos eingesetzt.
Hinweis: Bei den Amerikanern wurde das ASDIC Gerät SONAR genannt (Sound Navigation Ranging).
Die USS „Reuben James“ wurde bei einer Geleitschutz-Fahrt für den Konvoi HX 156 im Atlantik von dem deutschen U-Boot U-552 torpediert und versenkt.

Auf der Marke sehen wir ein deutsches U-Boot vom Typ VIIa beim nächtlichen Überwasserangriff. Die Geschwindigkeit dieser Boote lag bei 8kn unter und 17kn über Wasser. Die Länge betrug 66m, im Bug befanden sich vier Torpedorohre, im Heck eins. Insgesamt waren 14 Torpedos an Bord, Tauchtiefe 100m, rund 50 Mann Besatzung. Das Boot konnte bei 12kn Fahrt eine Strecke von 6500 Seemeilen zurücklegen.
Zu Beginn des Krieges 1939 hatte Deutschland nur 56 U-Boote, denn die Boote waren bei den deutschen Militärs nicht hoch angesehen. Doch bis zum Ende 1945 stieg diese Zahl auf 1177. Das Kommando über die U-Boote hatte Karl Dönitz, der selbst im 1. Weltkrieg U-Boot Kommandant war.

Der U-Boot-Krieg begann für Deutschland mit einer peinlichen Tat. Als U-30 am ersten Tag des Krieges den englischen Passagierdampfer ‚Athenia‘ für einen Truppentransporter hielt und das Schiff ohne Vorwarnung torpedierte starben 118 Passagiere, darunter 22 Amerikaner. Aus Sorge, die Amerikaner könnten in den Krieg eintreten versuchte Deutschland die Sache zu vertuschen.
Danach bekam die U-Bootwaffe aber durch die kühne Tat des Kommandanten Günther Prien mächtig Aufwind. Mit seinem Boot U-47 schlich er sich in den Hafen von Scapa Flow und versenkte das englische Schlachtschiff ‚Royal Oak‘.
Dies ist auf der seitlichen Marke dargestellt. Die Deutschen begannen U-Boote zu bauen. Anfang 1941 verliessen 10 U-Boote pro Monat die Schiffswerften.

1940 schlugen die U-Boote von Dönitz zu. Von März bis Mai wurden 122 Handelsschiffe versenkt. Und von Mitte Juni bis zum Oktober versenkten sie 300 alliierte Schiffe mit einer Tonnage von 1,5 Mio BRT.

In der Literatur wird diese Phase des Seekrieges als die sogenannte ‚Glückliche Zeit‘ der deutschen U-Boot-Fahrer bezeichnet. Diese ‚Erfolge‘ wurden von einzelnen Booten mit ihren Kommandanten erreicht.
Auch in Deutschland wurde zum Tag der Briefmarke 1941 an die U-Boote erinnert.

Ab 1941 fasste Dönitz seine Flotte im Nordatlantik in drei Gruppen zusammen, die auf den strategischen Routen lauerten.
Wenn jetzt ein Boot einen Konvoi in Sicht bekam griff es nicht sofort an. Es folgte dem Konvoi in sicherem Abstand und informierte den U-Boot-Stab. Der schickte alle in der Umgebung befindlichen U-Boote zum Konvoi. Die Boote umstellten den Konvoi.

Dann wurde meist nachts in aufgetauchtem Zustand von allen Seiten angegriffen. Einige Boote tauchten mitten im Konvoi auf. Die Eskorten konnten sich schlecht auf den von allen Seiten angreifenden Feind einstellen. Verfolgten sie ein U-Boot, tat sich eine Lücke auf in die die anderen Boote sofort hineinstiessen und ihre Torpedos abfeuerten. Das Durcheinander wurde durch die Zickzack-Kurse der Frachter noch verstärkt. Das war die ‚Rudel-Taktik‘ der ‚grauen Wölfe‘, wie man die Boote nannte.

Viele Konvoi-Schlachten in den ersten Jahren fanden im sogenannten ‚Luftloch‘ (air gap) statt, eine Zone im Nordatlantik die nicht von Flugzeugen erreicht werden konnte. Um diese Zone zu passieren brauchten die Konvois gut vier Tage.
Zwei Konvoi-Schlachten hier als Beispiel:
Im November 42 umkreisten 10 U-Boote den Geleitzug SC-107 und versenkten 15 Schiffe mit 82.430 tons. Und die letzte grosse Konvoi-Schlacht fand im März 1943 statt.

Aus allen Himmelsrichtungen kamen 38 U-Boote heran um die beiden Konvois SC-122 und HX-229 zu stellen. Nach vier Tagen waren 22 Schiffe versenkt, ein Viertel aller Seeleute auf den Geleiten hatten den Tod gefunden, nur ein U-Boot war verlorengegangen.
Doch danach wendete sich das Blatt im U-Bootkrieg gegen die Deutschen.

Die ‚Schlacht auf dem Atlantik‘ war keine lokale kurze Schlacht. Sie bestand aus vielen blutigen Gefechten, erstreckte sich über 4 Millionen Quadratmeilen Ozean und dauerte fünf Jahre.
Ein Sieg bedeutete die Kontrolle über die Schiffahrt auf dem Atlantik. Die deutsche U-Boot-Waffe versuchte die Handelsschiffe der Alliierten schneller zu versenken als diese neue Schiffe bauen konnten.
1941 und 1942 versenkte die deutsche Marine weltweit 2.963 alliierte Schiffe.
Die USA bauten in dieser Zeit 863 neue Schiffe, um sie zu ersetzen. Die Deutschen versenkten also mehr als neu in Fahrt kamen. 1941 begannen die Amerikaner mit einem gigantischen Neubauprogramm. Sie mussten sehr schnell viele Schiffe möglichst billig bauen. Sie errichteten 18 neue Werften mit insgesamt 171 Helligen.
Ausgehend von der britischen ‚Ocean‘-Klasse entwickelten sie ihre zweckmässen Frachter, die zuerst als ‚Emergency Ships‘ bekannt wurden.

Wegen ihres einfachen, grauen Aussehens bekamen sie den Spitznamen ‚ugly duckling‘, hässliches Entlein.
Aber nach einer Rede des Präsidenten Roosevelt sollten sie Europa die Freiheit bringen; seitdem wurden sie ‚Liberty Ships‘ genannt. Das erste Liberty Schiff war die ‚Patrick Henry‘, die auf der einen Marke mit der ‚Ente‘ zu sehen ist.
Sie wurde im Dezember 1941 abgeliefert. Um sie zu bauen wurden noch 150 Tage gebraucht. Doch dann perfektionierten die Amerikaner ihre Bauweise.

Am erfolgreichsten waren die Kaiser Shipyards in Kalifornien. Bei der ‚Robert. E. Peary‘ wurden die 250.000 Einzelteile im ganzen Land vorfabriziert. Dann wurden die Sektionen in 4 Tagen 15 Stunden und 29 Minuten zu einem Schiff zusammengefügt.
Das war der absolute Rekord. Die durchschnittliche Bauzeit mit Einzelteilen betrug 1944 genau 42 Tage.

Ein Liberty Schiff hatte eine Länge von 135m, Breite 17m, 7.176 BRT, 10.500 tons Tragfähigkeit, fünf Luken, Geschwindigkeit 11kn. Von 1941 bis 45 wurden 2751 Liberty-Schiffe gebaut, als Typ-Prefix führten sie EC2.
Seit 1943 wurde ein neuer Typ entwickelt, der 15 bis 17kn laufen konnte. Sie wurden ‚Victory Ships‘ genannt. Das erste Schiff war die ‚United Victory‘, die Ende Februar 1944 ihre Bauwerft verliess.

Insgesamt kamen 541 Victory Schiffe in Fahrt, Typ VC2. Sie hatten eine Länge von 137m, Breite 19m, Displacement 7.500 tons, am Bug und Heck stand eine Kanone.
Zu diesen Frachtschiffen kamen noch 550 T2 und T3 Tanker in Fahrt, Marke oben. Liberty Schiffe, die von England gechartert und mit eigenen Leuten bemannt wurden bezeichnete man als ‚SAM‘ Schiffe. SAM bezog sich nicht auf Uncle SAM, sondern bedeutete ‚Superstructure Aft of Midships‘, Aufbauten hinter der Mittschiffslinie.
Im August 1942 war die gesamte Schiffsproduktion der Alliierten in der Lage die Verluste auszugleichen. 1943 stellten die amerikanischen Werften monatlich 140 Frachter her.

Im Februar 1943 war der zum Truppentransporter umgebaute Frachter SS ‚Dorchester‘ auf dem Weg nach Grönland. An Bord waren amerikanische Soldaten, die dort stationiert werden sollten. Als das Schiff mittschiffs von einem Torpedo getroffen wurde erfolgte im Maschinenraum eine Explosion. In Angst und Panik stürmten alle Mann an Deck. In diesem Durcheinander wurden die Schiffsoffiziere von vier Armee-Leutnants, die Geistliche waren, unterstützt. Sie sprachen den Männern Mut zu, beteten mit ihnen, verteilten Schwimmwesten und halfen beim Einstieg in die Rettungsboote. Als sich herausstellte, dass zu wenig Schwimmwesten an Bord waren gaben die vier Kaplane ihre Westen anderen Männern.
Sie gingen mit dem Schiff unter. Heldentum in einem grausamen Krieg! (immortal – unsterblich)

Die Wende in der Atlantikschlacht begann schon im März 1941. Als ‚U110‘ vor der Südküste Grönlands einen Geleitzug angriff wurde es so stark vom Wasserbomben getroffen, dass es auftauchen musste. Ein Kommando des englischen Zerstörers ‚Bulldog‘ konnte das Boot entern und die wichtige Enigma-Schlüsselmaschine erbeuten.
Es dauerte dann nur noch einige Monate und die Engländer hörten jeden deutschen Funkspruch mit. Auch als die Deutschen im Februar 42 ihre Schlüsseleinstellungen an der Maschine änderten, konnten die Briten bis Ende 42 auch diesen Code entziffern.
Jede Konvoimeldung, jede Position der deutschen U-Boote und ihre Ziele waren den Alliierten bekannt. Sie wussten wann, wieviele U-Boote und wohin sie kommen würden und konnten sich entsprechend vorbereiten.

Im März 43 wurde ein neuer Enigma-Typ eingesetzt und die Deutschen konnten 22 Schiffe der Konvois SC-122 und HX-229 versenken. Doch auch diesen Codewechsel bekamen die Briten schnell heraus.
Beim Angriff auf den Geleit ONS-5 im Mai 43 wurden zwar 12 Handelsschiffe versenkt aber sieben U-Boote sanken ebenfalls.

Zwei Wochen später griff ein Rudel von 18 Booten den Geleitzug SC-130 an. Die Alliierten wussten alles und hatten sich entsprechend vorbereitet. Der Konvoi änderte seinen Kurs, nur 10 U-Boote bekamen ihn in Sicht, nur eines kam dicht genug heran, um angreifen zu können, ohne Erfolg.
Sechs U-Boote konnten versenkt werden, kein Handelsschiff ging verloren. Die U-Boote wurden unter Wasser vom ASDIC erfasst und mit ‚Teppichen‘ von Wasserbomben belegt.
Die Bomben explodierten in unterschiedlichen Tiefen.

Die Flugzeuge der Alliierten hatten auch Ortungsanlagen, die aus der Luft das Magnetfeld der getauchten Boote ausmachen konnten. Sie warfen akustische Torpedos ab, die ihren Weg zu den Booten über die Schraubengeräusche fanden. Aufgetauchte Boote wurden per Radar erkannt, beschossen und gerammt. Die Alliierten bildeten ‚Hunter Killer Groups‘. Eine Gruppe bestand aus einem Flugzeugträger, Zerstörern, Fregatten und den Flugzeugen. Es bildeten sich ‚Escort Groups‘, von denen die des Captain F. Johnnie Walker am bekanntesten wurde.
Langstreckenbomber kontrollierten das einstige ‚Luftloch‘.

Auf der rechten Marke ist Captain Johnnie Walker abgebildet. Er entwickelte die neue Taktik „creeping attack“ gegen die deutschen U-Boote. Während zwei Schiffe per Asdic und Radar Kontakt zum feindlichen U-Boot hielten, fuhr der Rest der Begleitfahrzeuge immer wieder über die Tauchstelle und warf Wasserbomben auf das georterte Ziel. Hatte er erstmal ein Boot geortet gab es kein Entrinnen. Walkers ‚Escort Group‘ schaffte es 20 U-Boote zu versenken. Andere Gruppen übernahmen diese Taktik. Walker war somit massgeblich beteiligt am Sieg der Alliierten in dieser Atlantik-Schlacht.

Die Boote hatten keine Chance mehr. Von Januar bis April 1943 gingen 57 Boote verloren. Im Mai versanken weitere 41. Angesichts dieser Verluste gab Admiral Dönitz den Abbruch der Geleitzugtaktik im Nordatlantik bekannt. Die Atlantikschlacht war eine reine Materialschlacht geworden.
Statistiker errechneten, dass von den Alliierten im Durchschnitt 25 Kriegsschiffe und 100 Flugzeuge eingesetzt wurden, um ein U-Boot zu versenken. Im ganzen Jahr 1943 gingen 237 Boote unter, 1944 waren es 238 und 1945 noch 123.

Immer mehr Konvois kamen ohne Schiffsverlust über den Atlantik. Im Herbst 44 gingen 159 Schiffe der Russlandkonvois auf die Fahrt und keines wurde versenkt. Die Deutschen hatten die ‚Schlacht auf dem Atlantik‘ verloren.

Der Geleitzug „Operation Pedestal“ war eine der wichtigsten britischen Konvoioperationen im Mittelmeer während des Zweiten Weltkrieges.
Nachdem im Juni 1942 zwei alliierte Konvois (Operationen Vigorous und Harpoon) zur Versorgung des belagerten Malta erhebliche Verluste zu verzeichnen hatten, stellte man im August in Gibraltar erneut einen Konvoi mit Versorgungsgütern für die belagerte Insel zusammen (Operation „Pedestal“). Er bestand aus 14 Handelsschiffen, die von 4 Flugzeugträgern, 2 Schlachtschiffen, 7 Kreuzern und 16 Zerstörern begleitet wurden. Trotz der hohen Verluste (9 Frachtschiffe, 2 Kreuzer, 1 Träger und 1 Zerstörer) musste der Geleitzug als alliierter Teilsieg gelten, weil sich die Lage auf Malta nach Akunft des Geleitzuges verbesserte (Quelle: Wikipedia). Malta hat 2012 insgesamt 11 Blocks mit je acht Marken, zusammen 88 neue Marken über diesen Konvoy herausgebracht. Davon sind drei hier abgebildet.

Insgesamt wurden im Zweiten Weltkrieg 2.759 Handelsschiffe und 148 Kriegsschiffe von den U-Booten versenkt. Andere Quellen sprechen von 2.828 Handelsschiffen. Deutschland hatte 1162 Boote gebaut, 751 gingen durch kriegerische Einwirkungen verloren.
Von den ca. 40.000 U-Bootfahrern starben 28.000 und weitere 5000 gerieten in Kriegsgefangenschaft. Eine so hohe Verlustrate von 70% hatte es bisher in keiner Waffengattung gegeben.

Nazi-Propagandastempel vom Dezember 1943.