Deutsche Treibstoff - Produktion
Datenherkunft: (Wikipedia)
aus-der-zeit.site > Kriegsverlauf 1944
Luftschlacht über dem Erzgebirge (11.09.1944)
Die Luftschlacht über dem Erzgebirge, auch als „Schwarzer Montag über dem Erzgebirge“ bekannt, fand in den Mittagsstunden des 11. September 1944 über dem Kamm des Erzgebirges östlich vom Fichtelberg in der Nähe des damaligen sudetendeutschen Markt Schmiedeberg (heute: Kovářská) statt.
Verlauf
Im Jahr 1944 fanden besonders viele Luftangriffe der alliierten Truppen mit dem Ziel statt, die Synthesewerke der deutschen Mineralölindustrie zu zerstören. Dort wurden kriegswichtige Treibstoffe für Flugzeuge und Kfz aus Kohle hergestellt. Am 11. September 1944 wurde Mission 623 geflogen. Diese hatte zehn Primärziele, zu denen u. a. Leuna (Merseburg), Lützkendorf, Magdeburg, Misburg (Werk Deurag-Nerag), Hannover, Böhlen, Brüx, Ruhland und Chemnitz gehörten. Die Bombardierung von Chemnitz war gleichzeitig Teil der Operation Frantic. Für schlechtes Wetter waren gleich viele Alternativziele festgelegt. Insgesamt waren 1131 Bombenflugzeuge im Einsatz, die von 440 Jagdflugzeugen zur Absicherung begleitet wurden.
Das Hydrierwerk BRABAG in Ruhland-Schwarzheide war Ziel Nr. 7. Für die Bombardierung eingeteilt war die 100. Bombergruppe, die wegen der vielen Verluste auch „Bloody hundredth“ (Blutige hundert) genannt wurde. Sie gehörte zur Eighth Air Force der United States Army Air Forces, stationiert im ehemaligen englischen RAF-Stützpunkt Thorpe Abbotts bei Diss (Norfolk). Sie flog in einem Verband von 36 viermotorigen Bombern des Typs Boeing B-17G Flying Fortress an. Die Einheiten gehörten zum 349., 350., 351. und 418. Bombengeschwader. Die Bombergruppe näherte sich von Westen und flog in grosser Höhe über Deutschland, vorerst ohne Geleitschutz durch Jagdflugzeuge. Ein Treffen dieses Verbandes mit US-Jägern vom Typ North American P-51D Mustang der 55. und 339. Jägergruppe war über dem Erzgebirgskamm geplant.
Die Deutschen bemerkten die heranfliegenden amerikanischen Flugzeuge und sendeten von den Fliegerhorsten Alteno und Welzow einen Verband aus 60 Jagdflugzeugen vom Typ Focke-Wulf Fw 190A und Messerschmitt Bf 109G aus. Es handelte sich hierbei um die II. und III. Gruppe des Jagdgeschwaders 4. Bereits gegen 11:40 Uhr waren Teile der amerikanischen und deutschen Jagdflugzeuge südlich von Oberhof in Thüringen in heftige Gefechte verwickelt, bei denen 6 Deutsche und 2 Amerikaner starben. Einer der Toten, Lt. William Lewis, wurde erst 2002 nach einer intensiven Suche gefunden.
Der Hauptkampf fand dann östlich des Fichtelbergs auf böhmischer Seite statt. Der Erzgebirgsraum war bis zu diesem Zeitpunkt von Kampfhandlungen verschont geblieben. Über Schmiedeberg schlug das deutsche Jagdgeschwader noch vor dem geplanten Zusammentreffen zu und überraschte die Bomber mitten in ihrem Langstreckenflug. Innerhalb kürzester Zeit konnten 14 US-Bomber abgeschossen und weitere beschädigt werden. Kurz darauf erreichten auch die US-Jäger das Geschehen. Sie verwickelten die zumeist jungen und unerfahrenen deutschen Jäger – oft ihr erster Kampfeinsatz – in aggressive Kämpfe und ermöglichten somit den verbliebenen Bombern den Weiterflug. 4 Abschüssen von US-amerikanischen Fliegern stehen 37 Abschüsse von deutschen Fliegern gegenüber.
Vier US-Bomber detonierten und stürzten brennend in und bei Schmiedeberg ab. Die Boss Lady zerbrach in der Luft, wobei das Heck zur Unterrichtszeit auf das Dach der Mädchen-Schule fiel, wo es steckenblieb. Absturzorte von Bombern lagen auch bei Crottendorf, Kretscham-Rothensehma, Neudorf, Gottesgab (Bozi Dar), Tellerhäuser und Schmalzgrube. Noch weiter verstreut liegen die Absturzorte der Jagdflieger: vier bei Schmiedeberg, fünf bei Weipert (Vejprty), aber auch bei Bärenstein, Mildenau, Zschopau, Grumbach, Sehma, Reitzenhain, Kühnhaide, Griessbach sowie Börnichen/Erzgeb. Die restlichen US-Bomber konnten ihr Ziel erreichen und noch 53 Tonnen Bomben über dem Synthesewerk Schwarzheide abwerfen.
Verluste
- Totalverlust von 19 US-amerikanischen Flugzeugen (15 B-17G, 4 P-51D)
- Totalverlust von 37 deutschen Flugzeugen (18 FW-190A, 19 BF 109G)
- 53 Amerikaner getötet, 54 gefangen genommen
- 21 Deutsche getötet, 11 Schwerverletzte
Museum der Luftschlacht über dem Erzgebirge
Zum Gedenken an das Ereignis wurde am 13. September 1997 das Museum der Luftschlacht über dem Erzgebirge (tschechisch Muzea letecké bitvy nad Krušnohořím) unter Beteiligung von Veteranen beider Seiten sowie Hinterbliebenen eröffnet. Das Antikriegsmuseum geht zurück auf die Initiative der Flughistorischen Gruppe von Kovářská unter Leitung von Jan Zdiarský, der bereits seit 1985 die Vorgänge untersucht und dokumentiert sowie Material zusammengetragen hat, die Gruppe Slet Pilsen, die Mitglied mehrerer US-amerikanischer, militärhistorischer Organisationen ist sowie die Gemeinde Kovářská, die die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung stellt. Das Museum zeigt in mehreren Räumen zahlreiche Funde aus der Umgebung sowie Dokumente, Porträts. Den Funden von Oberhof sind eigene Vitrinen gewidmet. Das Museum ist regulär am Samstag und Sonntag geöffnet.
Deutsches synthetisches Benzin
Schlacht um Sprit
In den Vormittagsstunden des 11. Mai 1944 scheuchten Sirenen die Arbeiter der mitteldeutschen Werke Leuna, Böhlen, Zeitz und Lutzkendorf in die Luftschutzbunker. Kurz darauf warfen 935 amerikanische Fliegende Festungen ihre Bomben auf das Gewirr der Tanks und Hydrieranlagen, in denen aus Kohle Treibstoff für die Deutsche Wehrmacht gebraut wurde.
Vor dem Nürnberger Militärtribunal gestand der ehemalige Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion Albert Speer, dass dieser Angriff wahr gemacht habe, was mehr als zwei Jahre lang ein Alpdruck für die deutsche Führung gewesen sei.
Die unausweichlichen Folgen gezielter Bombenschläge gegen die deutsche Treibstoffindustrie hatte der Generalinspekteur der Luftwaffe, Generalfeldmarschall Erhard Milch, bereits im April 1943 in einer Lagebesprechung beschrieben: „Die Hydrierwerke sind das Schlimmste, was uns treffen kann; damit steht und fällt die Möglichkeit der ganzen Kriegführung. Es stehen ja nicht nur die Flugzeuge, sondern auch die Panzer und U-Boote still, wenn die Werke wirklich getroffen werden sollten“.
Nach Durchsicht der von den Alliierten erbeuteten deutschen Akten kam jetzt der Dozent für Geschichte an der Pädagogischen Hochschule Braunschweig, Dr. Wolfgang Birkenfeld, zu der Erkenntnis, dass die Alliierten die Treibstoff-Achillesferse ihres Gegners lange Zeit nicht erkannten und den Zweiten Weltkrieg durch frühere Bombardements erheblich hätten abkürzen können.
Aus Birkenfelds militär-wirtschaftlicher Untersuchung ergibt sich, dass schon vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ein britischer Plan bestanden hatte, der die deutschen Raffinerien, Hydrierwerke und Tanklager als Hauptziele der Royal Air Force auswies. Nach Ausbruch des Krieges aber drängte Winston Churchill auf Angriffe gegen die deutschen Städte. In Sir Arthur Harris, dem Befehlshaber der englischen strategischen Bomberverbände, fand der Premier einen leidenschaftlichen Vollstrecker seiner Idee, durch Bomben die Zivilbevölkerung zu demoralisieren.
Während die deutschen Städte den Attacken der alliierten Luftflotten anheimfielen, blieben die für den Frontbedarf produzierenden Hydrierwerke so gut wie ungeschoren. Bis zum Ende des Jahres 1943 gingen im Reich durch Bombardements nicht mehr als 150 000 Tonnen Treibstoff verloren.
Den Amerikanern kam es während der Monate vor der Invasion in der Normandie vor allem darauf an, die deutsche Luftwaffe in Kämpfe zu verwickeln und auszuschalten, um noch vor der Truppenlandung die Alleinherrschaft in der Luft zu erringen. Auch ein Plan des amerikanischen Bomber-Generals Spaatz, innerhalb von 15 Tagen 27 Anlagen der deutschen Treibstoff- und Gummiindustrie zu bombardieren, wurde deshalb verworfen.
Erst als ein statt dessen befohlenes Bombardement des Eisenbahnsystems in Nordfrankreich und Belgien die deutsche Luftwaffe nicht aus ihrer Reserve zu locken vermochte, gab Eisenhower dem General Spaatz die Erlaubnis, an zwei Tagen deutsche Treibstoffwerke anzugreifen. Spaatz befahl den ersten Einsatz gegen Leuna und drei andere mitteldeutsche Hydrierwerke. Gleichzeitig liess er das Hydrierwerk Brüx im Sudetenland mit Bomben belegen.

„Für den historischen Betrachter“, so urteilt Dozent Birkenfeld heute, „ist es eine fast unverständliche Tatsache, dass es der Hartnäckigkeit und des wiederholten Drängens eines amerikanischen Generals bedurfte, um diese Entscheidung einzuleiten“.
Denn: Die US-Bomber stiessen auf heftigen Widerstand deutscher Jäger. Das Experiment war geglückt.
Den Produktionsausfall von 570 000 Tonnen synthetischem Treibstoff sahen die Alliierten zunächst nur als einen Nebeneffekt der provozierten Luftschlacht an. Die deutsche Seite indes ahnte bald das Ausmass der Katastrophe. Die mitteldeutschen Werke nämlich destillierten nahezu den gesamten Treibstoffbedarf der Luftwaffe.
Albert Speer sagte später in Nürnberg:

„Mit dem Gelingen dieser Angriffe war der Krieg produktionstechnisch verloren“.
Hitler, für den die Treibstoffversorgung bis dahin ein Thema am Rande gewesen war, bestellte durch „Führer -Erlass“ den einstigen Geschäftsführer der Stahlwerke Braunschweig, Edmund Geilenberg, zum „Generalkommissar für die Sofortmassnahmen“ zur Sicherung des bedrohten Treibstoff-Nachschubs. Weitreichende Vollmachten erlaubten es Geilenberg, andere Betriebe der Rüstungsproduktion stillzulegen und nahezu unbegrenzt über Material und Arbeitskräfte, einschliesslich der Kriegsgefangenen, zu verfügen.
Rüstungsminister Speer verlangte von Hitler, den Flakschutz der Werke zu verstärken, „selbst zu Lasten des Schutzes der deutschen Städte“. Der Vorschlag wurde sofort verwirklicht. Überdies begann man, die Hydrierwerke bei Gefahr einzunebeln, um sie der Sicht feindlicher Bomberbesatzungen zu entziehen. Zur Ablenkung der Zielschützen wurden in der Umgebung von Treibstoffwerken Attrappenfabriken gebaut.
Dennoch trafen die Schläge alliierter Bomber in dichter Folge. Sobald sich aber die Rauchschwaden nach einem Angriff über dem Werksgelände verzogen hatten, begannen die Ausbesserungsarbeiten. Geilenberg setzte bis zu 350 000 Menschen gleichzeitig ein. Da den Alliierten die zügige Aufbauarbeit nicht lange verborgen blieb, lösten Instandsetzung und Zerstörung einander in immer schnellerem Wechsel ab.
So konnte beispielsweise das nach dem ersten Angriff stillgelegte Leuna -Werk bereits zehn Tage später, am 22. Mai 1944, die Produktion wiederaufnehmen. Durch einen neuen Angriff wurde es am 28. Mai abermals lahmgelegt.
Bis zur völligen Zerstörung des Werks flogen die westlichen Bomber 20 weitere Angriffe, zwischen denen die Produktion, wenn auch eingeschränkt, immer wieder anlief. Allein auf Leuna warfen 6552 alliierte Flugzeuge die Bombenlast von 18 000 Tonnen.
Das Planungsamt im Berliner Rüstungsministerium versuchte unterdes, Teile der Treibstoffproduktion „in den Berg“ zu verlagern. Das Projekt „Dachs“ sah den Bau von Grossraffinerien in Höhlen, Schluchten oder Steinbrüchen vor. SS-Führer Himmler begann sogar damit, im württembergischen Schömberg eine SS-eigene Treibstoffgewinnung aus Ölschiefer aufzubauen.
Weder das Unternehmen „Dachs“ noch Himmlers Anstrengungen konnten den Ausgang der Partie beeinflussen. Mit mathematischer Konsequenz liess, die von Monat zu Monat wachsende Bombenlast die grossdeutsche Treibstoff-Erzeugung schrumpfen:
Im April 1944 beispielsweise fielen auf die Hydrier- und Raffinerieanlagen 570 Tonnen Bomben, die Monatsproduktion von Flugzeugbenzin, Kfz -Treibstoffen und Dieselöl betrug 390 000 Tonnen.
Vier Monate später, im August 1944, wogen die abgeworfenen Bomben insgesamt 26 320 Tonnen, und die Produktion war auf 145 000 Tonnen gesunken. Von dieser Menge waren nur noch 17 000 Tonnen Flugzeugbenzin gegenüber 175 000 Tonnen im April.
Im September 1944 produzierten sämtliche deutschen Hydrierwerke nur noch acht Prozent ihres Normalausstosses, und auch die wichtigste ausserdeutsche Quelle war versiegt: Im August waren die rumänischen Ölfelder verlorengegangen.
Nachdem die Ardennen-Offensive im Dezember 1944 die letzten Treibstoff -Reserven aufgezehrt hatte, waren Luftwaffe, Heer und Marine an allen Kriegsschauplätzen weitgehend bewegungslos. Es nützte nichts, dass der Ausstoss von Panzern und Flugzeugen dagegen noch immer auf hohen Touren lief.
Ein Angriff der Royal Air Force auf das kleine Hydrierwerk Lützkendorf beendete in der Nacht vom 8. zum 9. April 1945 die Öl-Offensive. In nur elf Monaten waren 215 000 Tonnen Bomben über Hydrierwerken, Raffinerien und Tanklagern abgeworfen worden. Es gab in Deutschland keine Treibstoffziele mehr.
Die Schlacht um den Sprit hatte überdies eine Nebenwirkung, die den Alliierten, wie Dozent Wolfgang Birkenfeld aus authentischen Quellen ermittelte, „lange Zeit überhaupt nicht bewusst war“.
Die Angriffe, gegen Hydrierwerke reduzierten nämlich auch die Erzeugung von Stickstoff und Methanol. Diese in den Hydrierwerken anfallenden Stoffe waren unersetzliche Zutaten für die gesamte Pulver- und Sprengstoff -Erzeugung in Deutschland.
Spätestens zwei Monate nachdem im April 1945 die Kraftstoffproduktion praktisch auf Null gesunken war, wäre der Wehrmacht an allen Fronten das Pulver ausgegangen.
Produktion Synthesewerke in Tonnen
